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  1. Inaktiver User

    AW: Wie weiter miteinander umgehen?

    Liebe Angi,

    ich kenne Deine Gefühle (auch) aus eigener Erfahrung und weiss wie es ist, schier verrückt zu werden vor Fragezeichen, Unsicherheiten, Schmerz, Wut, Trauer und dem Wunsch, diesem Alptraum so zügig wie möglich zu entkommen.

    Schnelle Lösungen, Patentrezepte gibt es leider keine.

    Ein Vertrauensbruch ist ein tiefer Riss, der viele Fragen aufwirft und unter Umständen auch "alte" Wunden, alte Vertrauensbrüche wieder neu aufbricht, so dass diese Deinen Schmerz und Deine Verwirrung noch verstärken.

    Für umso wichtiger halte ich es, mit dem Partner im Gespräch zu bleiben. Es ist nicht damit getan, eine Affäre "zuzugeben" und dann einen Deckel über die Sache zu schieben in der Hoffnung, dass alles schon "gut" wird. Als Betrogene hast Du viele Fragen, mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen. Dein Vertrauen ist im Eimer - all das will thematisiert werden. Auch Dein Partner als "Betrüger" hat vermutlich Themen, die ihn belasten, umtreiben, durcheinander bringen. Wie konnte es zum Vertrauensbruch kommen? Welche Vorgeschichte gibt es? Wie stand es um Eure Beziehung vor der Affäre, welche Themen gab es, die möglicherweise nicht angesprochen wurden? Welche Gefühle begleiten Deinen Partner jetzt, welche herrschten während der Affäre vor? Welche Wünsche und Träume habt Ihr in Bezug auf Euch als Paar, wie stellt Ihr Euch Eure Zukunft vor? Was könnt Ihr jetzt aktuell tun, um dieser Zukunft in der Gegenwart den Weg zu ebnen?

    Welche Gefühle und Gedanken sind für jeden von Euch mit der Affäre verknüpft?

    Ich halte es für wichtig, dass ein Paar bezüglich all dieser Themen ins Gespräch kommt. Oft geht einer Affäre bereits eine grössere Sprachlosigkeit voraus - ein Paar spricht über Alltagsprobleme, aber nicht über das, was im Einzelnen passiert, was sich bewegt, verändert, worum sich Gedanken und Gefühle drehen. Eine Affäre kann auch zur Chance werden, diese Sprachlosigkeit zu überwinden, wieder echte Nähe zuzulassen, den Alltag gemeinsam zu überdenken und neu zu gestalten.

    Ganz wichtig finde ich es, den Schmerz zu thematisieren - es ist wichtig in der Lage zu sein, über das, was passiert ist, in dem Masse sprechen zu können, wie jeder von Euch das braucht. Das bedeutet unter Umständen auch, dass Dein Partner aushalten muss, dass DU Redebedarf hast, während er, vielleicht aus Scham und schlechtem Gewissen heraus, am liebsten kein Wort mehr über die Angelegenheit verlieren möchte.

    Es kann eine gute Idee sein, Dir selbst zusätzlich Raum für Deine Gefühle zu geben, indem Du eine Therapie machst und dort gemeinsam mit Deiner Therapeutin in einem geschützten Raum anschaust, was mit Dir passiert ist und wie Du mit dem, was geschehen ist, für Dich umgehen kannst.

    Es kann gut für Euch sein, GEMEINSAM eine Paartherapie zu beginnen, vor allem dann, wenn Ihr merkt, dass Ihr Probleme damit habt, wirklich ins Gespräch zu kommen, oder dass Eure Gespräche immer wieder in heftigen Streits enden und weitere Wunden aufreissen.

    Hilfreich kann ausserdem sein, verbindliche Vereinbarungen zu treffen. Dies kann insbesondere Dir über die erste sehr verunsicherte Zeit hinweghelfen, wenn Du am liebsten jeden Schritt Deines Partners kontrollieren möchtest.

    Vereinbarunge können sein:

    Ehrlichkeit:
    Fragen werden ehrlich beantwortet - es geht nicht um Schönheit, es geht um Wahrheit und Wahrhaftigkeit, und zwar auch, wenn geäusserte Gefühle unschön scheinen. Ehrlichkeit miteinander ist ein zentraler Baustein dafür, dass Vertrauen wieder einen Boden bekommt.

    Transparenz:
    Gerade in der Anfangszeit ist es häufig ein essentielles Bedürfnis zu wissen, was der Partner in der getrennt voneinander verbrachten Zeit tut. Es ist wichtig zu erkennen, dass dies grundsätzlich nicht unbedingt mit Kontrolle zu tun hat, sondern mit einer tiefen Verunsicherung. Ein Partner, der am Fortbestand der Beziehung interessiert ist und Vertrauen wieder aufbauen möchte, hat normalerweise kein Problem damit, über seine Kontakte, seine Treffen, seinen Tagesablauf zu berichten, so dass nach und nach eine Entspannung eintreten kann. Zur Transparenz gehört auch, über Kontakte zur Affäre oder zu anderen Männern und Frauen zu stehen. Es geht nicht darum, das Leben des Partners zu kontrollieren, sondern zu lernen damit umzugehen, DASS er ein Eigenleben hat und Vertrauen zu entwickeln, dass er dieses Eigenleben im Sinne der Beziehung und der darin getroffenen Vereinbarungen führt.

    Verbindlichkeit:
    Verbindlichkeit bedeutet, dass Vereinbarungen und Zusagen auch tatsächlich eingehalten werden, und Abweichungen sofort kommuniziert werden. Wenn also beispielsweise der Partner sich mit Freund A trifft, dann kann ich mich darauf verlassen, dass er das auch tatsächlich tut, und nicht stattdessen mit Y im Café sitzt. WENN er mit Y im Café sitzen will, dann kommuniziert er dies - siehe Transparenz - ehrlich und offen. Auf diese Weise weiss ich, woran ich bin, ich bin nicht darauf angewiesen, Fantasien zu entwickeln, die meine Unsicherheit und mein Misstrauen verstärken.

    Kontrolle, egal in welcher Form, ist meines Erachtens keine gute Idee, weil sie Vertrauen unterminiert. Ich muss mich entscheiden - glaube ich, dass ich mit meinem Partner eine Chance habe, will ich uns diese Chance geben? Glaube ich meinem Partner, dass er ernsthaft bereit ist, an und für uns als Paar zu arbeiten? Bin ich bereit auch anzuerkennen, dass wir BEIDE Fehler gemacht haben, dass auch ich möglicherweise Anteil an der Affäre, respektive an dem Zustand unserer Beziehung, der eine Affäre erst möglich gemacht hat, habe? Bin ich bereit, jenseits von Schuldfragen zu schauen, wo unsere Beziehung steht und gemeinsam mit meinem Partner daran zu arbeiten, sie zu stärken? Bin ich bereit, meinem Partner zuzuhören, wenn er von sich spricht, auch wenn das bedeutet, dass ich meinen Schmerz aushalten muss, wenn er von seinem spricht, auch wenn das heisst, dass er, der doch "schuld" ist, ebenfalls Bedürfnisse anmeldet? Wenn ich das Bejahen kann, beinhaltet das auch einen gewissen Vertrauens-Bonus. Ja, ich bin enttäuscht worden, ja, es kann wieder passieren, nein, Sicherheiten und Garantien gibt es nicht, nirgends ausser in mir selbst - aber dennoch bin ich bereit, das Risiko einzugehen, weil ich mir selbst und meiner Fähigkeit, auch nach einer Enttäuschung wieder aufzustehen, vertraue, und damit auch meinem Partner einen Vertrauensbonus zugestehen kann.

    Angi, derzeit geht es nur mit sehr kleinen Schritten voran, es tut höllisch weh, und sicher hast Du oft das Gefühl, innerlich die Wände hochzugehen. Ich kann Dir nur aus eigener Erfahrung nahe legen, auf die kleinen Dinge zu schauen und jeden Tag einen neuen Anfang zu machen. Vielleicht gelingt es nicht, mit Deinem Partner ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ist er doch nicht bereit, gemeinsam mit Dir wirklich aktiv das zu tun, was notwendig ist, um die Kuh vom Eis zu holen. Es KANN sein, dass Du Deinen Weg dann irgendwann allein weiter gehen wirst - aber bis dahin habt Ihr gute Chancen, WENN, und das ist wirklich die Voraussetzung, Ihr BEIDE bereit seit, aufeinander zuzugehen und miteinander für Euch zu arbeiten.

    Dein Partner ist der Mensch, der für Dich zentral ist - seine Affäre oder andere Kontakte können Dir nicht dabei helfen, die Beziehung mit ihm in sichereres Fahrwasser zu bringen. Wenn Du, wenn er nicht bereit ist, Dich/sich einzubringen, nützen Dir auch Strafpredigten und Drohunge der Affäre gegenüber nichts.

    Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr Euren Weg findet.

    Grüssle
    Seawasp

  2. User Info Menu

    AW: Wie weiter miteinander umgehen?

    Hier mal die Meinung einer Ex-Geliebten dazu.

    Die Freundin meines Geliebten hatte mich auch angerufen und mir verboten weiterhin Kontakt mit ihrem Freund zu haben. Aber ich hätte mich daran wohl nie gehalten, denn wieso sollte ich etwas nicht mehr tun, wenn der andere den Kontkat weiter halten will?

    Wenn mein damaliger Geliebter mir gesagt hätte er will den Kontaktabbruch und es wäre vorbei, dann hätte ich das wohl gemacht, vielleicht hätte ich noch ein klärendes Gespräch gewollt, aber dann wäre es auch vorbei gewesen.

    Ich weiss das hört sich moralisch wohl ziemlich daneben an, aber wer lässt sich schon gern von einer "fremden" Person verbieten mit wem er Kontakt hat und mit wem nicht.

    Was ich damit sagen möchte ist, dass es wenig Sinn macht als Betrogene hinzugehen und mit der Geliebten zu reden und ihr den weiteren Kontakt zu verbieten, darauf wird sie nie und nimmer hören. Sie bekommt vielleicht ein schlechtes Gewissen, aber solange der Mann den Kontakt nicht abbricht, sondern aufrecht erhält, wird die Gleiebte auch weiterhin den Kontakt halten. Es sei denn sie ist selber soweit und will die Beziehung beenden, das scheint hier aber nicht der Fall zu sein. Also es liegt ganz alleine an deinem Mann, den Kontakt so zu gestalten, dass es dir gut geht damit. Wenn er das nicht kann, musst du deine Konsequenzen daraus ziehen und ihm ganz klar sagen wo deine Grenzen sind. Was bringt es dir, wenn dein Mann bei dir bleibt, du aber weiter leidest, weil ER nicht fähig ist den Kontkat zur Geliebten abzubrechen und sei es auch nur ein lockerer Kontakt OHNE Beziehung zur Geliebten.

    Ich wünsch dir, dass dein Mann eine ganz klare Entscheidung trifft, tut er es nicht, musst DU sie treffen.Aber irgendetwas von der Geliebten zu verlangen, wie, dass sie den Mann in Ruhe lassen soll, wird nicht funktionieren.

    Grüße
    Trilana
    * Wenn wir die Liebe ablehnen, die uns geschenkt wird, wenn wir uns weigern Liebe zu geben, weil wir den Schmerz des Verlustes fürchten, dann wird unser Leben leer sein und unser Verlust noch größer.* aus Drachenwinter

  3. Inaktiver User

    AW: Wie weiter miteinander umgehen?

    ...
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (05.02.2008 um 13:31 Uhr) Grund: Beitrag auf Wunsch der Userin gelöscht

  4. User Info Menu

    AW: Wie weiter miteinander umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User

    Trilana,
    danke für deine offenen Worte von "der anderen Seite", die natürlich auch logisch klingen.
    Ich habe mal eine Frage an dich. Würde es aus deiner Sicht Sinn machen, IHR in der Öffentlichkeit zu zeigen, dass mein Mann und ich zusammengehören, also in ihrer Gegenwart (z. B. bei öffentlichen Veranstaltungen, Tanz usw.) Zärtlichkeiten auszutauschen, Küsschen, Händchen halten etc.. Das ist nämlich der Vorschlag meines Mannes. Er meint, das wirkt zehnmal besser als eine klare Ansage. Kann natürlich auch sein, dass er sich so um eine Aussprache mit IHR drücken will.
    Angi
    HMMM die Frage ist schwer zu beantworten, da ich in so einer Situation nicht gewesen bin. Ich kann da auch nur spekulieren wie ich reagieren würde. Ich für meinen Teil würde dann wohl einsehen, dass ich keine Chance habe, wenn es so demonstrativ nach aussen gezeigt wird. aber ich denke da ist auch jede Geliebte anders. Es kommt eben dann auch darauf an, was der Geliebte der Geliebten erzählt. Was wenn dein Mann dann hingeht und seiner Exgeliebten erzählt, er hätte das tun müssen, weil du das so gewollt hättest und er das so gar nicht wollte u ihr nicht weh zu tun und so weiter. So eine Dreiecksgeschichte ist echt haarig, für alle drei Seiten. Die Geliebte kann nur das glauben, was ER ihr erzählt, du kannst auhc nur glauben was ER dir erzählt, ob das nun Wahrheit ist oder nicht, wird eben erst die Zeit zeigen.

    Ich kann mir vorstellen wie schrecklich die Situation für dich sein muss, aber die Geliebte ist da einfach der falsche Ansprechpartner, derjenige der klare Linien und Grenzen ziehen muss, ist dein Mann, und es reicht nicht es ihr so zu zeigen, wie er vorschlägt, wenn er dann im Gegenzug zu ihr weiter freundlich ist und ihr nicht weh tun will. Da müssen ganz klare Grenzen von ihm kommen und auch ein totaler Kontaktabbruch, sonst wird dein Vertrauen immer wieder hadern.

    Wenn er ganz klare Linie fährt, wird der Geliebten irgendwann klar werden, dass es vorbei ist, und sie wird ihre eigenen Wege gehen(es sei denn sie ist ne Stalkerin, wovon wir mal nicht ausgehen wollen..), aber die Signale müssen eben eindeutig vom Mann kommen. solange er ihr irgendwie noch zugesteht, dass er sie mag und so weiter, wird die Hoffnung nicht sterben und die Geliebte wird versuchen den Kontakt nicht einschlafen zu lassen.

    Was du tun kannst ist deinem Mann ganz deutlich zu sagen, was du jetzt brauchst um wieder Vertrauen zu ihm aufzubauen und wenn er einen Neuanfang mit dir will, wird er auch darauf eingehen und zusammen mit dir an eurer Beziehung arbeiten.

    Ich habe der Freundin von meinem Geliebten auch immer gesagt, sie müsse sich mit ihm auseinandersetzen, denn selbst, wenn ich den Kontakt abbrechen würde, hiesse das ja noch lange nicht, dass ich aus seinem Leben verschwunden wäre. Weisst du was ich meine? Selbst wenn die Geliebte weg ist, wird das Problem zwischen euch beiden weiterhin bestehen.

    Grüße
    Trilana
    * Wenn wir die Liebe ablehnen, die uns geschenkt wird, wenn wir uns weigern Liebe zu geben, weil wir den Schmerz des Verlustes fürchten, dann wird unser Leben leer sein und unser Verlust noch größer.* aus Drachenwinter

  5. Inaktiver User

    AW: Wie weiter miteinander umgehen?

    ...
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (05.02.2008 um 13:32 Uhr) Grund: Beitrag auf Wunsch der Userin gelöscht

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