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  1. User Info Menu

    Wie verzeiht man?

    Hallo, ich habe jetzt längere Zeit mitgelesen … komme mit meinem Problem aber nicht so recht weiter.

    Ich bin 44, seit 7 Jahren verheiratet und habe 2 Kinder (7 und 12). Meine Ehe steckte im Jahr 2004 in einer schweren Krise, mit dem Ergebnis, dass mein Mann im Januar 2005 eine kurze Affäre mit einer Exfreundin hatte (mit dem üblichen „drum-herum-gelüge“: der so genannte Seitensprung).

    Natürlich bin ich dahinter gekommen.

    Nach heftigen Auseinandersetzungen, dem heulenden Elend, tagelangem Wälzen der einschlägigen Literatur zu diesem Thema, Gesprächen mit Freunden (was man dann halt so macht) usw. haben wir uns entschlossen, unserer Ehe noch eine Chance zu geben. Wir haben viel geredet, sind uns dabei möglicherweise näher gekommen als in den vielen Jahren zuvor. Ich sehe meine eigenen Anteile daran, wie dies hat passieren können etc., etc. ….

    Mein Problem ist einfach: ich kann ihm nicht verzeihen!! Immer wieder kocht das Thema bei mir hoch, ich habe massive Probleme damit zu Recht zu kommen und stelle mir selber immer wieder die Frage: wie konnte er unsere Ehe und die Familie für ein kurzes Vergnügen aufs Spiel setzen?

    Es geht dabei gar nicht um die Frage, ob ich ihm wieder vertrauen kann. Ich möchte eigentlich nur wissen: wie verzeiht man? Oder verzeiht man das nie? Ich möchte ihm aber verzeihen …. Und kann irgendwie nicht.

    Und dann denke ich mir immer wieder: das ist doch schon so lange her … wir haben das immer und immer wieder durchgekaut. Aber das sitzt wie ein Stachel. Und geht nicht weg!

    Kennt das jemand?

  2. Inaktiver User

    AW: Wie verzeiht man?

    Hallo, Sonnenschein,

    was ich in deiner Erzählung vermisse, ist dein eigener Anteil an der Entwicklung, die zum Seitensprung deines Mannes geführt hat.

    Kann es sein, dass du da eine eigene (Mit-)Schuld noch verdrängst und die Schuld allein bei deinem Partner suchst?

    Verzeihen fällt leichter, wenn man seine eigenen Anteil auch erkennt.

  3. User Info Menu

    AW: Wie verzeiht man?

    Hallo Joanna,

    die Situation war die, dass ich Anfang 2004 eine Fehlgeburt hatte, die mich hat massiv abstürzen lassen, zumal ich fand, dass mein Mann sich da sehr, sehr wenig um mich gekümmert hat, obwohl er eigentlich hätte sehen müssen, wie schlecht es mir ging.

    Unser ältester Sohn hatte zudem massive Schulprobleme (Ende 2004 wurde dann ADS diagnostiziert), das Unternehmen meines Mannes war von der Insolvenz bedroht (weshalb er natürlich sehr wenig Zeit für die Familie hatte), ich habe ca. 45 Stunden die Woche gearbeitet und konnte mich eigentlich um nichts kümmern.

    Ich habe dann oft sehr viel Wein getrunken, gestritten, gestritten, gestritten - bin sehr oft sehr beleidigend und (mit Worten) verletzend gewesen ... und war eine Zumutung für die gesamte Familie.

    In so fern überrascht es nicht, was dann passiert ist.

    Und trotzdem ....

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    AW: Wie verzeiht man?

    Hallo Sonnenschein
    das einzige was dir, meiner Meinung nach, helfen könnte, ist klar mit deinem Mann darüber zu reden. Du kannst nicht verzeihen weil du wütend bist Ihr habt viel geredet und du hast deinen Anteil eingesehen, du hast aber anscheinend etwas vergessen: deiner Wut und deiner Enttäuschung darüber Luft zu machen. Das gehört unbedingt zu einer Verarbeitung dazu!
    Sage ihm das erst in voraus und in Ruhe, sodass er sich "vorbereiten" kann und es aushält... und dann schieß los. Mach ihn fertig. Einmal, aber dann richtig!!!
    Ich könnte mir vorstellen, danach wirst du einen Heulkrampf kriegen und er wird dich in den Arm halten. Ab da geht es aufwärts - inklusive verzeihen.
    Trau dich. Es tut gut.
    Ich habe den K(r)ampf mit den deutschen Artikel(n) aufgegeben!

  5. Inaktiver User

    AW: Wie verzeiht man?

    Zitat Zitat von sonnenschein07
    Hallo Joanna,

    die Situation war die, dass ich Anfang 2004 eine Fehlgeburt hatte, die mich hat massiv abstürzen lassen, zumal ich fand, dass mein Mann sich da sehr, sehr wenig um mich gekümmert hat, obwohl er eigentlich hätte sehen müssen, wie schlecht es mir ging.

    Unser ältester Sohn hatte zudem massive Schulprobleme (Ende 2004 wurde dann ADS diagnostiziert), das Unternehmen meines Mannes war von der Insolvenz bedroht (weshalb er natürlich sehr wenig Zeit für die Familie hatte), ich habe ca. 45 Stunden die Woche gearbeitet und konnte mich eigentlich um nichts kümmern.

    Ich habe dann oft sehr viel Wein getrunken, gestritten, gestritten, gestritten - bin sehr oft sehr beleidigend und (mit Worten) verletzend gewesen ... und war eine Zumutung für die gesamte Familie.

    In so fern überrascht es nicht, was dann passiert ist.

    Und trotzdem ....
    Darf ich es mal anders formulieren?

    Du warst über 40, als du schwanger wurdest, da ist es nicht ungewöhnlich, auch mal eine Fehlgeburt zu haben. (Und glaub mir, ich weiß, wovon ich rede...)

    Du hast bereits zwei Kinder, also musstest du nicht unbedingt in ein tiefes Loch fallen. Ich sag mal provokant, du hast dich fallen lassen. Also deine Familie vermutlich vernachlässigt, den Mann und die Kinder, und stattdessen erwartet, dass man auf dich eingeht, weil es dir ja soooo schlecht geht. Sorry, wenn ich das so hart formuliere.

    Deinem Mann ging es auch nicht gut, den Kindern offenbar auch nicht, aber du warst nur gekränkt, weil man dir deiner Ansicht nach nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet hat. Dein Mann hat gegen die drohende Insolvenz zu kämpfen gehabt, um die Familie zu sichern, und du erwartest, dass er sich stattdessen um etwas kümmert, was ohnehin nicht mehr zu ändern ist.

    Wenn du dich nach einer Fehlgeburt so in ein Loch stürzt, incl. Alkohol, dann musst du erst einmal mit dir selbst ins Reine kommen. Trauern kann man nur, wenn man seine Situation annimmt, nicht wenn man sie mit allem Möglichen übertüncht. Und dann kannst du vielleicht auch deinem Mann verzeihen, der sich vermutlich ebenso im Stich gelassen gefühlt hat wie du selbst.

  6. User Info Menu

    AW: Wie verzeiht man?

    Hallo Joanna,

    Respekt: deine Analyse ist ziemlich zutreffend. Und mit Sicherheit nicht eine Situation / ein Verhalten, dass mich mit Stolz erfüllt.

    Vom Verstand her kann ich das auch verarbeiten. Nur der Bauch und das Herz zieht nicht mit. Leider!

  7. Inaktiver User

    AW: Wie verzeiht man?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Du hast bereits zwei Kinder, also musstest du nicht unbedingt in ein tiefes Loch fallen. Ich sag mal provokant, du hast dich fallen lassen. Also deine Familie vermutlich vernachlässigt, den Mann und die Kinder, und stattdessen erwartet, dass man auf dich eingeht, weil es dir ja soooo schlecht geht. Sorry, wenn ich das so hart formuliere.
    dann sage ich auch mal was hart und provokant: DAS ist Bullshit erster Güte!
    Ganz egal wieviele Kinder man schon hat! JEDE Fehlegeburt kann einen abstürzen, einen verzweifeln lassen.
    Und ja, eine Frau kann sehr wohl erwarten, dass Mann und Familie sich dann um sie kümmern! und NICHT umgekehrt sie sich in dieser Situation auch noch um Familie und Insolvenz.

  8. Inaktiver User

    AW: Wie verzeiht man?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    dann sage ich auch mal was hart und provokant: DAS ist Bullshit erster Güte!
    Ganz egal wieviele Kinder man schon hat! JEDE Fehlegeburt kann einen abstürzen, einen verzweifeln lassen.
    Und ja, eine Frau kann sehr wohl erwarten, dass Mann und Familie sich dann um sie kümmern! und NICHT umgekehrt sie sich in dieser Situation auch noch um Familie und Insolvenz.
    Liebe Emily,

    alles zu seiner Zeit. Und wenn man immer nach hinten sieht statt nach vorne, macht man Fehler. Dass es auch anders geht, weiß ich aus eigener Erfahrung.

  9. Inaktiver User

    AW: Wie verzeiht man?

    Zitat Zitat von sonnenschein07
    Hallo Joanna,

    Respekt: deine Analyse ist ziemlich zutreffend. Und mit Sicherheit nicht eine Situation / ein Verhalten, dass mich mit Stolz erfüllt.

    Vom Verstand her kann ich das auch verarbeiten. Nur der Bauch und das Herz zieht nicht mit. Leider!

    Sonnenschein, WAS für einen Schuh ziehst du dir da nur an?
    Es ist gut, wenn man seine eigenen Anteile sieht wenn etwas schief läuft in einer Beziehung, d. h. aber nicht, dass du wirklich alles auf DEINE Schultern laden musst.
    Ganz egal wieviel Kinder du schon hast, die Anzahl der schon vorhandenen Kinder mindert nicht das Leid, welches man bei einer Fehlgeburt erfährt, das rede dir bitte nicht ein und lasse dir auch nicht einreden!
    Es ist ein tiefer Einschnitt ins Leben, der sehr sehr viele Frauen! verzweifeln lässt und ALLE diese Frauen sind dann auf Mann und Familie, auf ihre Unterstützung angewiesen - und das ist auch ganz normal.
    Von dir in solch einer Situation zu verlangen, dass DU dich dann noch um Familie und Mann kümmerst, du SIE unterstützt, trotz Fehlgeburt, 45 Stunden Woche und üblichen Haushaltskram, ist das letzte!
    Und Sonnenschein, das was DU von dir selber verlangst und was andere dir einreden mögen - das schaffen auch andere nicht!

    Irgendwann gehen die Kräfte zu Ende, auch deine! dich haben sie leider zum Alkohol greifen lassen.
    Meiner Meinung nach suchst du zu viel Schuld bei dir selber, redest dir selber ein und lässt es dir hier leider auch noch einreden, nicht perfekt "funktioniert" zu haben.

    Ich empfehle dir, deinetwillen, dass Gespräch mit einem Therapeuten suchen, erst einmal alleine, später vielleicht eine Paartherapie.

  10. Inaktiver User

    AW: Wie verzeiht man?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    dann sage ich auch mal was hart und provokant: DAS ist Bullshit erster Güte!
    Ganz egal wieviele Kinder man schon hat! JEDE Fehlegeburt kann einen abstürzen, einen verzweifeln lassen.
    Und ja, eine Frau kann sehr wohl erwarten, dass Mann und Familie sich dann um sie kümmern! und NICHT umgekehrt sie sich in dieser Situation auch noch um Familie und Insolvenz.
    Im Übrigen habe ich nicht gesagt, sie hätte sich um die Insolvenz kümmern müssen. Aber dass ihr Mann nicht die Insolvenz ignoriert, um sich seiner Frau zu widmen, ist seine Verpdlichtung gegenüber der Familie.

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