Ihr Lieben,
ich weiss eigentlich gar nicht, wo ich mit meinem Thema hingehöre, da ich zwar wie viele im „Treue und Lügen“- Forum zwischen zwei Männern stehe, aber zumindest gibt es bei uns keine Heimlichkeiten. „Um den Partner kämpfen“ passt da rein gefühlsmäßig schon eher. Nur dass ich nicht weiss, um welchen der beiden ich kämpfen will oder ob dies tatsächlich der Abschied von den beiden Menschen wird, die mir am meisten bedeuten...
Ich bitte Euch sehr um Eure Hilfe, vielleicht habt ihr ein paar gute Anregungen für mich, wie ich zu einer Entscheidung komme, die zwar immer auch grausam, aber hoffentlich auch ehrlich und verantwortungsvoll sein wird.
Ich (32) stehe momentan zwischen zwei Männern, der eine ist mein aktueller Freund und ich nenn ihn hier mal „Paul“, der andere mein Exfreund, ich nenn ihn „Peter“. Alle wissen von der Situation und ich bemühe mich so offen und ehrlich zu allen zu sein, wie möglich. Das ganze geht jetzt schon seit vier Wochen und oft habe ich das Gefühl, dass ich am Ende meiner Kräfte bin. Immerhin verstehe ich nun, nachdem ich mich zumindest mal durch Berge von Zweifeln und Schuldgefühlen gewühlt habe, besser, wie und warum es eigentlich zu der verfahrenen Situation gekommen ist:
Ich weiss heute, dass ich die Beziehung zu Peter zu schnell und zu voreilig beendet habe, weil ich so Erinnerungen an schmerzhafte Erfahrungen, die ich verdrängt hatte oder verdrängen wollte, ausweichen wollte.
Und ich verstehe nun auch, dass ich mich vorschnell auf die Beziehung zu Paul eingelassen habe, um „alles wieder gut zu machen“, was ich eigentlich mit Peter verbockt hatte. Aber was soll ich sagen, mittlerweile habe ich Paul, in den ich anfänglich nicht mal dolle verliebt war, lieben gelernt, einfach nur dafür dass er eben Paul ist, aber ich liebe auch noch immer Peter und sehne mich nach dieser einzigartigen Geborgenheit, die er mir trotz allem immer vermittelt hat, dieses Gefühl an der Seite meines „Lebensmenschen“ zu stehen.
Ich stehe also eigentlich vor der banalen Frage „Mit wem will ich mein Leben verbringen?“ Ich komme da gefühlsmäßig momentan leider überhaupt nicht weiter, hab auch schon versucht mir einfach mehr Zeit zu geben und darauf zu hoffen, dass ich irgendwann genau spüren werde, was die einzig wahre Entscheidung ist, doch wächst der Druck, diese für uns alle sehr schwierige Situation aufzulösen.
Soweit die Quintessenz, hier die Langversion, für die besonders ausdauernden unter Euch:
Ich liebe meinen Exfreund noch immer und das wird mir jetzt, zwei Jahre nach unserer Trennung erst richtig bewusst. Ich verstehe mittlerweile, dass ich damals nicht wirklich Abschied genommen habe, sondern – wohl um dem übermächtigen Abschiedsschmerz aus dem Weg zu gehen und meine Enttäuschung zu verbergen – mich auf dem Absatz umgedreht habe und gegangen bin. „Bloß nicht zurückschauen!“
Die ganze Trennung hatte viel mit verdrängten Gefühlen zu tun, wie ich heute – nachdem ich diese verdrängten Wünsche, Ängste und (Selbst-)vorwürfe psychlogisch aufgearbeitet habe – weiss.
Ich habe mich vor 2 Jahren von meinem damaligen Freund, nennen wir ihn Peter, getrennt, weil ich keine Perspektive für ein gemeinsames Leben sah. Wir führten eine Fernbeziehung unter der ich zunehmend zu leiden begann, denn tief in meinem Inneren hätte mir Nähe und Verbindlichkeit gewünscht – und dass obwohl ich damals diejenige war, die weg aus der gemeinsamen Stadt ins Ausland ging.
Ich ging in diese fremde Stadt, in der ich auch heute noch wohne, als unsere Liebe richtig anfing und wollte ihm und mir selber scheinbar beweisen, dass ich trotz Liebe und Beziehung die unergründliche und unabhängige „Steppenwölfin“ bliebe. Das kam meinen eigenen Bindungsängsten entgegen, aber vor allem wusste ich auch, dass es auch seine Bindungsängste mildern würde. Ich dachte wirklich, dass das „unsere Chance“ sei und zunächst mal entwickelte sich unsere Liebe auch ganz prächtig.
Vordergründig haben wir eine enorm offene und ehrliche Beziehung geführt, um die uns viele Freunde beneidet haben, aber auf der tiefenpsychologischen Seite, dort wo es um tiefsitzende, aus der eigenen Kindheit resultieren Ängste und Verletzungen geht, da haben wir uns eine Menge vorgespielt. Unbewusst wollten wir uns wohl beide nicht eingestehen, wie abhängig und verletzbar Liebe uns machen kann.
Wir haben damals ein Kind abgetrieben, weil ich weder ihm noch mir selber eingestehen konnte, dass ein Teil von mir dieses Kind gerne mit ihm bekommen würde. Es sprachen damals ja auch so viele „Vernunftsgründe“ dagegen: Ich war gerade ins Ausland gezogen, um einen tollen Job anzunehmen; er hingegen war gerade dabei, sich eine neue berufliche Existenz in Deutschland aufzubauen. Und ausserdem haben wir uns beide damals in unserer Beziehung ständig ziemlich erfolgreich vorgemacht, dass wir ja sooooo unabhängig und freiheitsliebend sind ... da ist diese Fernbeziehung eine „tolle Herausforderung“ für uns!! Blabla eben.
Nach dem Schwangerschaftsabbruch ging es mir beschissen und ich habe damals viel über mich und meine Beziehungsängste verstanden und konnte zum ersten Mal sehen was für ein blödsinniges Spiel ich mir da eigentlich vorspielte. Als ich endlich mit der Sprache rausrückte und deutlich sagte, wie sehr ich unter dieser zwanghaften Unverbindlichkeit in unserer Beziehung leide, war es leider schon zu spät. Als Peter begriff, dass unsere Beziehung so nicht weitergehen kann, hatte ich emotional schon so dicht gemacht, dass ich ihn nicht mehr an mich rangelassen und schliesslich Schluss gemacht habe.
Mir war damals schon bewusst, dass ich ihn noch liebe und ich dachte mit, dass ich ihn ja auch weiterhin immer würde lieben können – eben wieder als bester Freund (wir waren schon sehr enge Freunde bevor wir zusammenkamen), denn dass ich mit diesem „Hirnmonster“ keine Beziehung mehr wollte, dass schien mir zumindest klar.
Acht Monate später kam ich mit meinem jetzigen Freund, nennen wir ihn Paul, zusammen. Paul hatte monatelang um mich gekämpft, weil ich mich auf keine Beziehung einlassen wollte. Ich war schlicht und einfach nicht verliebt in ihn, auch wenn wir uns in diesen ersten Monaten nach unserem Kennenlernen freundschaftlich wirklich sehr nahe gekommen sind.
Nachdem Paul und ich gemeinsam eine schlimme Erfahrung durchmachen mussten, begriff ich welch ein Goldstück ich da eigentlich an meiner Seite habe und dass er als Partner ja genau das verspricht, was ich mir im Innersten wünsche: Einen emotional sehr wachen, sensitiven Mann, auf den ich mich in guten wie in schlechten Tagen verlassen kann und der mich nicht nur liebt, sondern dass auch in Worten, Gesten und Taten immer wieder zeigt und vor allem: Der sich 100% auf die Beziehung einlässt – welch wunderbares Lernfeld für mich!
So wurden wir also ein Paar und aus viel Vernunft und freundschaftlicher Zuneigung ist mittlerweile wirkliche Liebe geworden. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie wir dass gemacht haben, aber das Resultat ist überzeugend: Ich spreche zwar nicht vom großen Herzflimmern, aber von einer ruhigen, warmen Gewissheit, die sich im Herzen ausbreitet, wenn ich ihn anschaue. Es fühlt sich an, als seien wir nach 16 Monaten innigstem Zusammenleben schon zu einem alten Ehepaar geworden – wenn auch zu einem ziemlich zufriedenem.
Bis vor drei Monten habe ich nicht daran gezweifelt, dass ich mit Paul die Zukunft gemeinsam leben möchte. Nein, wir haben uns sogar sehr konkret an das Thema „Familiengründung“ herangetraut. Eben über die Auseinandersetzung mit meinem sich manifestierender Kinderwunsch habe ich gemerkt, dass ich meine Exbeziehung noch nicht verarbeitet habe, insbesondere der Schwangerschaftsabbruch auf meinem Gewissen lastet. Nach einigen Wochen der stillen Aufarbeitung habe ich mich mit meinem Exfreund verabredet, um das Thema nochmals aufzurollen. Paul wusste natürlich davon und hat mich auch sehr bestärkt, mich der alten, noch nicht verarbeiteten Geschichte zu stellen. So bin ich also Mitte Juli alleine nach Deutschland gereist, um Freunde zu besuchen und um Peter zu treffen.
Bei diesem Treffen haben wir geredet und geredet und dabei unsere Herzen weit geöffnet. Wir haben gemeinsam über unsere Fehler und Fehlentscheidungen geweint uns waren uns in unserer Trauer so nah wie selten. Ich habe Peter, der eher Probleme damit hat Gefühle an sich ranzulassen, noch nie so traurig erlebt. Nach diesem Treffen fühlte ich mich einerseits seelisch total erleichtert, so als hätte ich eine schwere Last abgeschüttelt. Aber andererseits wollte die Trauer über das Ende der Beziehung zu meinem Exfreund nicht von mir weichen. Die nächsten Tage waren unglaublich tränenreich. Wir haben abgemacht, dass wir uns in einem Monat zu einem weiteren Gespräch treffen werden, weil einfach klar war, dass wir mit unserem Thema noch immer nicht durch waren. Durch die nun auch emotional offenen Gespräche konnten wir plötzlich so viel über unsere geheimsten Psychodynamiken lernen.
Zurück zuhause, habe ich meinem Freund gleich erzählt, dass ich gerade eine starke Trauer durchlebe – dass dabei auch eine zehrende Sehnsucht nach Peter im Spiel war habe ich sogar vor mir selber verheimlicht. Zwar habe ich mir zunächst die Augen aus dem Kopf geheult, doch indem ich jedem Kontakt mit Peter ausgewichen bin, habe ich mich erfolgreich davon überzeugen können, dass das alles nur Trennungsschmerz und verquere Projektionen sind.
Erst kurz vor der erneuten Abreise nach Deutschland – auch Paul sollte diesmal mitkommen zum „Kurzurlaub“ - haben wir telefoniert. Nach diesem Gespräch überrannten mich meine Gefühle: Ich war so voller Sehnsucht, dass ich es echt mit der Angst bekommen habe. Ich spürte natürlich die Bedrohung für meine aktuelle Beziehung, dennoch habe ich mich einige Tage später mit Peter getroffen, denn immer weiter zu verdrängen ist ja auch keine Lösung. Diesmal haben wir offen über unsere Gefühle für einander gesprochen.
Peter liebt mich, sagt, dass er zum ersten mal wirklich fühlen kann, was Liebe überhaupt sei und ist wie ausgewechselt was den Umgang mit Gefühlen angeht. Er, der früher über Emotionen nur sprechen, sie analysieren, aber nicht erfühlen konnte, ist plötzlich total weichgespült und sagt er habe den gordischen Knoten in seinem Leben gelöst.
Ich gehe gerade bestimmt nicht in Verliebtheitsgefühlen auf, dazu bin ich vielzu loyal, da ja noch immer gebunden. Und auch wenn ich mich nicht der Illusion hingebe, dass sich ein gut vierzigjähriger Mann mir nichts, dir nichts total verändert, so glaube ich, dass Peter und ich auf dieser Basis eine gute Chance für eine erfüllte Partnerschaft hätten. Wir haben beide in der Zwischenzeit begriffen, dass wir unser jeweiliges Unabhängigkeitsstreben aus Ängsten geboren war und wir uns damit nur selber im Weg stehen. Sprich: Mein Argument „mit diesem Menschen kannst du nicht emotional erfüllend zusammenleben“ ist hinfällig geworden und ich schlag mich gerade mit all dem warmen Gefühlen und Sehnsüchten herum, die ich in den letzten 2 Jahren einfach von mir geschoben habe.
Ich habe Paul umgehend von meinen Gefühlen erzählt und ich habe kein Blatt vor den Mund genommen, fast könnte man sagen, dass ich die Situation wohl zum eskalieren bringen wollte. Von meinen tiefen Gefühlen für einen anderen Mann zu hören, hat ihn sehr verletzt und wie groß der Schaden am Vertrauen ist, kann ich jetzt noch nicht sagen.
Doch wir kämpfen, denn ich fühle mich nach wie vor dieser Beziehung verpflichtet und kann in gewisser Weise nicht verstehen, warum ich eine so schöne beziehung zu einem so wunderbaren Menschen beenden sollte.
Wir haben viel geredet und geweint seitdem und wir haben eine ganze Menge über uns und unsere Beziehung gelernt. Paul sagt, er liebe mich und wünscht sich auch weiterhin eine Zukunft mit mir. Er wäre bereit, gemeinsam eine Therapie zu machen. Auch ich bin mir sehr sicher, dass diese Krise eine große Chance für uns bereithalten könnte und wir am Ende mit mehr Ehrlichkeit und Verbundenheit als Paar aus der Geschichte rausgehen könnten – wenn ich will.
Aber genau das ist mein Problem: Will ich das? Will ich Paul? Will ich Peter? Oder ist am Ende keiner von beiden der richtige Partner für mich?
Nachdem ich nun schon wochenlang auf der Geschichte rumkaue und anfänglich wirklich nicht mehr sagen konnte, was ich eigentlich fühle, bin ich mir nun mittlerweile sicher, dass ich beide liebe. Ganz banal ließe sich die Frage, die ich mir beantworten sollte, also so zusammenfassen: „Mit wem möchte ich lieber meine Zukunft teilen?“ Oder andersherum: Von wem muss ich Abschied nehmen? Und hier komme ich nicht weiter. Ich werde förmlich panisch, wenn ich mir vorstelle, dass Peter dann auf alle Zeiten nicht mehr „mein Lebensmensch“ wäre. Andererseits was müsste ich alles vermissen, wenn Paul nicht mehr mit all seiner Nähe, Wärme und Liebe an meiner Seite wäre? Da wird mir auch ganz schlecht ...
Ich bin ratlos, helft mir bitte, wie trifft man eine solche Entscheidung, die ein bisschen nach Pro- und Contra-Liste klingt?? Wie finde ich die Wahrheit, wenn es mit einem „das Gras ist auf der anderen Seite des Zauns immer grüner“ nicht getan ist?
Danke für eure Zuschriften,
die Hoppetosse
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 24
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14.09.2006, 19:00
Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
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14.09.2006, 20:42Inaktiver User
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
nur mein bauchgefühl... du liebst peter 'mehr' (falls man hier von 'mehr' sprechen kann)
ich könnte paul sein. mein freund hat auch eine erste liebe - first big love, gingen nach 6 jahren auseinander trotz grosser liebe, hat nie aufgehört. zwar sind wir jetzt zusammen, ich weiss aber tief in mir, dass sie die grössere liebe war/ist. kann dir nicht mal sagen wieso, es ist einfach so. war zwischendurch sehr hart, mit der zeit habe ich aber gelernt, das zu akzeptieren, sie zu akzeptieren. mein freund und seine gefühle auch..
die andere ist auch ins ausland gegangen und wohnt heute noch dort.. ich wollte sogar, dass mein freund zu ihr geht, um herauszufinden, welche gefühle wie noch vorhanden sind.. er wollte nicht gehen, was aber nix heissen muss (vonwegen gefühle ausweichen und verdrängen). wir leben aber jetzt so, wie du und peter vorher gelebt haben. eng verbunden miteinander (wart ihr das auch?) aber mit grossen freiheiten und ohne einander einzuengen, sprich zwei wohnungen und mehr getrennt als zusammen.
ich versuche ihn so leben zu lassen, wie er ist. ja, ich weiss, klingt jetzt sehr edel und über-die-dinge-stehend, aber ich wollte nie, dass er sich gezwungen oder verpflichtet fühlt, mit mir zusammenzusein. und vielleicht gerade deswegen sind wir es noch, zusammen. und ja, vielleicht liebt mein freund uns beide, und es geht irgendwie trotzdem... obwohl ich das gefühl hab, sie war/ist die grössere liebe... aber meine zeit mit ihm, unsere zeit, ist auch ein teil seines lebens und wird ihn auch geprägt haben.
musst du dann paul für immer verlieren, wenn du dich für peter entscheiden solltest?
lg
macy
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14.09.2006, 21:40
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
Liebe macy,
vielen Dank für deine Antwort, auch wenn es mich erschreckt hat zu lesen, dass Du denkst ich liebe Peter mehr. Allerdings, hättestt du das Gegenteil geschrieben, wäre ich bestimmt auch erschreckt gewesen – es ist zum Mäusemelken.
Was Du über Deine Beziehung schreibst, macht mich sehr betroffen. Aus deinen Worten klingt eine große Stärke und Abgeklärtheit, das ist gut. Zumindest solange man nicht anfängt, sich diese Stärke durch Verdrängung der eigenen Wunden, Wünsche und Sehnsüchte zu erkaufen. Aber ich will da auch nix auf Dich projizieren.
Jedenfalls hat mich deine Schilderung wiederum sehr an meine Zeit mit Peter erinnert. Zwar stand bei uns keine „Schattenfrau“ im Hintergrund, doch haben wir uns fast zwanghaft bemüht, einander alle Freiheiten zu lassen, weil wir glaubten, nur so der Wahrhaftigkeit und Freiwilligkeit unserer Gefühle gerecht zu werden. Heute denke ich, dass das einfach ganz starke Bindungsängste waren. Dennoch waren Peter und ich in gewisser Weise sehr eng miteinander verbunden, eben weil wir es trotz dieser Ängste so gut miteinander aushalten konnten. Und an der Liebe zwischen uns habe ich wirklich nie gezweifelt.
Mit Paul habe ich gelernt, dass eine sehr innige und auch räumlich enge Beziehung für mich sehr erfüllend sein kann. Eine Fernbeziehung käme für mich heute nicht mehr in Frage, zumindest nicht für einen längeren Zeitraum. Mittlerweile finde ich die ganzen Alltagsrituale, die sich so einschleichen herrlich und freue mich jeden Morgen, neben meinem Partner zu erwachen.
Wenn ich mich für Peter entscheiden sollte, bräuchte Paul jedenfalls erstmal sehr viel Abstand von mir, aber er schliesst nicht aus, dass wir dann irgendwann auch mal wieder Freunde sein könnten. Ich selber kann mir nur schwer vorstellen, dass Paul so ganz aus meinem Leben verschwindet, aber insgeheim hab ich auch Angst, dass mich wiederum eine Sehnsucht nach ihm befallen könnte, wenn wir den Kontakt nicht einstellen - zumindest bis wir uns ganz klar voneinander gelöst haben. Und während ich es schreibe denke ich mir "Du kannst Dich doch eh nicht so einfach von ihm trennen und dann aus deinem Leben schmeissen...*sig*"
So oder so, ich wünsche Dir jedenfalls weiterhin viel Kraft und recht hast Du,die zeit die Du und dein Freund gemeinsam erlebt, wird sehr prägend sein - für ihn genauso wie für Dich.
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14.09.2006, 22:11Inaktiver User
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
hallo hoppetossa
tja, was soll ich sagen. grosse stärke und abgeklärtheit? ja vielleicht, aber da waren auch phasen, da war ich echt am verzweifeln. nur, er ist immer noch bei mir, obwohl wir beide genug gelegenheiten hatten, uns zu trennen. wir tragen keine ringe, haben keine kinder zusammen, wohnen nicht zusammen, sind finanziell getrennt, keine versprechen von ewiger liebe. alles dinge, die von aussen gesehen zu etwas verpflichten...
er könnte morgen gehen, und er weiss es... aber ich könnte auch morgen gehen, die möglichkeit steht mir natürlich auch offen...
du sagst: "wenn wir den Kontakt nicht einstellen - zumindest bis wir uns ganz klar voneinander gelöst haben"
kann man dann das? sich ganz klar lösen. so dass man sich, wenn man sich wiedersieht, auf einer anderen ebene begegnen? wolltest du das nicht auch mit peter? und dann waren die alten gefühle sofort wieder da...
keine angst, sind keine vorwürfe. ich kann auch paul verstehen, wenn er sagt, er braucht zuerst mal abstand, solltest du dich für peter entscheiden.
wie würde dann peter mit der tatsache umgehen, dass paul noch 'irgendwie' da ist?
ach, ich kann dir auch keinen guten rat geben. aber kann dich gut verstehen...
alles gute
macy
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14.09.2006, 23:05
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
hi macy,
keine sorge, ich wüsste nicht, wo ich einen vorwurf herauslesen sollte.
übrigens: so wie du eure beziehung beschreibst, das hätte vollkommen auf mich und peter gepasst. irgendwie rührt mich diese "erwartungsarme, freie liebe" noch immer bis ins allerinnerste, selbst wenn ich ja nun weiss, dass es für mich ganz persönlich ein fauler kompromiss war. (das muss es nicht auch für dich heissen)
ja, ich glaube schon, dass man sich wirklich voneinander lösen kann. zwar mag eine tiefe, dann freundschaftliche liebe bleiben, aber das partnerschaftliche band ist gelöst und es müsste schon was ganz arges passieren, damit es neu geknüpft würde (und das sag ich jetzt auch nur so, weil es immer blöde ist von "für immer" oder "auf ewig" zu sprechen, so als kleines menschelein mit einem eher begrenzten horizont. aber immerhin, einen willen haben wir ja ;))
ich habe mich vor jahren aus einer sehr wichtigen beziehung gelöst. wir haben gemeinsam bestimmt ein jahr dafür gebraucht und sind in diesem, obschon noch liiert und treu, sehr offen damit umgegangen, dass es für uns wohl auf trennung hinausläuft. wir haben gemeinsam getrauert, uns dann getrennt und dann erstmal ne weile abstand gebraucht, damit die wunden heilen.... jetzt sind wir schon seit vielen jahren enge freunde, sind auch mal (beide singels) drei wochen gemeinsam durch asien gereist, waren uns da laufend auch körperlich sehr nahe - aber ein aufwärmen unserer partnerschaftlichen gefühle hat nie zur debatte gestanden.
das würde ich mir immer so wünschen, weil dann ist man auch wirklich frei für eine neue liebe.
von peter habe ich mich hingegen nie wirklich gelöst. ich war wohl zu feige, wollte den abschiedsschmerz vermeiden und wollte eben auch ganz schnell den schmerz über unser klägliches scheitern in einer situation, die echt wichtig war, verdrängen. ich habe von heute auf morgen alles hingeschmissen und mir ganz schnell eine liebelei gesucht um mich erstmal abzulenken. mein gott, das ist nun alles so blödsinnig... und nun hocke ich eben auf einem batzen unverdauter gefühle. und er auch. autsch.
ich glaube, dass peter relativ gut mit dem umstand umgehen könnte, dass paul "noch irgendwie da ist". er ist halt der grosse analytiker menschlicher emotionen und - theoretisch - ist ihm nichts menschliches fremd. will heissen: gefühle lassen sich nunmal nicht an- und abschalten, am wichtigsten ist allen momentan wohl, dass niemanden gefühle vorgegaukelt werden und dass es irgendwann ein klares commitment gibt, wer welche zukunft gemeinsam erleben will.
selbst paul, der ja sehr emotional ist, sagt mittlerweile, dass es ihm scheissegal ist, wenn peter noch irgendwie da sei, hauptsache er kann darin vertrauen, dass er, paul, der mann an meiner seite ist. o je, ich glaube, wir drehen alle langsam am rad...
jedenfalls lieben dank für deine anteilnahme und deine genauen fragen. das alles mal aufzuschreiben hilft mir irgendwie...
ich wünsche dir auch alles liebe!
h.
PS: wie lange geht das denn schon bei euch?
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14.09.2006, 23:49Inaktiver User
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
aloha
nee, ist kein fauler kompromiss, unsere beziehung.
mein jetziger partner - nennen wir ihn pablo
- ist eher kompromisslos in vielen belangen. es wundert uns selber manchmal, dass wir es beide nicht schaffen, getrennte wege zu gehen. ja, wir haben ein eher schroffen umgang miteinander, vielleicht überschreiten wir auch grenzen, wo andere sagen würden "da würde ich mich sofort trennen". aber eben, "we keep bouncing back" sozusagen und sind schon im vierten jahr unserer liebe.
was du von dir und peter geschrieben hast - ist ja wirklich seltsam - hat sich zwischen pablo und seiner ersten liebe genau so zugetragen. er hat, als sie ins ausland ging, die beziehung aber noch bestand hatte, sich rucksuck eine neue gesucht, hat alles hingeschmissen und verdrängt, versucht sich abzulenken, aber innerlich ging es ihm beschissen. sie kam dann mal zurück, sie wollten aber beide keine zugeständnisse machen, aus was für stolz auch immer und so ging sie wieder weg, innerlich aber mit der hoffnung, er würde versuchen, sie zurückzuholen.
tja, da kann man wohl auch von unverdaute gefühle sprechen huh?
vorallem weil er sich sofort eine neue als ablenkung gesucht hat (die ablenkungsmanöver dauerte 2 jahre) und in dieser zeit sich kein bisschen seine gefühle gestellt hat, sprich null verarbeitung.
hut ab für den paul übrigens, der sich damit zufrieden gibt, der mann an deiner seite zu sein. ob ihm aber peter wirklich so scheissegal dann ist?? mir sind oft sachen scheissegal, wenn sie mir angst machen und ich sie von mir weisen muss/will. so eine art emotionaler blocker. ist mittlerweile in unserer 'liste der blödsinnigsten sprüche' aufgenommen worden und wir schmeissen uns dieses 'ist mir egal' herzlichst um die ohren, meistens lach-, manchmal ernshaft.
wie wäre dann eine 'auffrischung' deiner beziehung mit peter? du schreibst, dass du nicht mehr bereit wärst, so zu leben wie früher. heisst das, du möchtest das leben, wie du es jetzt mit paul führst, mit peter haben. den alltag zusammen bewusst erleben, jeden tag miteinander aufstehen, nähe (obwohl, die kann man auch haben, wenn man so wie ich und pablo leben) etc.? ist das dann möglich? könntet ihr (du u. peter) das aushalten?
sind sie sich eigentlich ähnlich, die beiden herren P?
m
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15.09.2006, 07:54
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
Liebe Hoppetosse,
ich bin sehr beeindruckt von Deiner reflektierten und eloquenten Schilderung. Das alles hört sich nach einer sehr schwierigen Lage an. Viel raten kann ich Dir nicht, alle Gedanken, die man sich dazu machen kann, hast Du schon formuliert. Nur so viel: Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, Dich von beiden Männern zu trennen? In eine Art emotionale Emigration zu gehen? Dir Zeit und Raum zu nehmen, um in Dich hineinzuhören und herauszufinden, wen Du wirklich willst? Mit einer Art SWOT-Anlayse ist es in Deinem Fall nämlich nicht getan, glaube ich. Distanz zu beiden Männern scheint mir sinnvoller. Im Moment hast Du Distanz zu Peter, während Paul täglich bei Dir ist. Geh auch zu ihm auf Distanz. Vielleicht hilft das schon bei der Klärung.
Liebste Grüße,
joker34
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15.09.2006, 10:35
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
Hallo Hoppetosse,
hier kommt mal meine ganz und gar subjektive und aus Zeitgründen etwas verkürzt zusammengefaßte Meinung.
Im Gegensatz zu meinem Vorschreiber bin ich wenig beeindruckt von Deiner reflektierten und eloquenten Schilderung. Für mich klingst Du einfach, als ob Du mit dieser ganzen Therapie-Deutsch Beschreibung Deine Gefühle abblockst.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Du wirklich Peter noch mehr liebst. Ich denke, er ist ein prima Vorwand, Deiner gechilderten Bindungsangst nachzugeben und Dich von Paul zu trennen, bevor es dort "zu ernst" wird. Da ist Paul, der Dich wirklich will. Also ergreifst Du die Flucht zu Peter, wo Du ziemlich sicher weißt, daß er keine sehr enge Beziehung braucht.
Klingt irgendwie praktisch, hm?
Ich wünsche Dir alles Gute und das Du eine Lösung für dieses ganze Chaos findest.
Ganz liebe Grüße!
Polarstern
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15.09.2006, 11:05
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
moin macy,
dass das, was sich zwischen mir und peter und papblo ;) und seiner ex zugetragen hat, ziemlich identisch ist, find ich soooo unglaublich nicht - schliesslich ist das eine naheliegende art, das arme kleine ego und sein verletztes seelchen vorerst zu schützen. ich muss das wissen - ich bin schliesslich die verdrängungskünstlerin schlechthin
du hast natürlich recht, auch ich habe so meine bedenken, ob paul wirklich damit zurechtkäme, meine liebe geteilt zu wissen. im moment versucht er halt auch unheimlich stark zu sein und ist sehr stark von dem wunsch getrieben, mich nicht zu verlieren. sicherlich sollten wir uns dieser frage also nochmals zuwenden, danke für den hinweis!
ich denke, dass wir uns wohl eine gemeinsame therapie gönnen würden, um möglichst aus dem ganzen schlamassel herauszufinden. es dann auch tatsächlich zu schaffen, dafür gibt es keine garantie - aber ich persönlich glaube, dass bei beziehungen der spruch "wo ein wile, da ein weg" gilt.
das gleiche gilt natürlich auch für eine auffrischung der beziehung zu peter. eine garantie, dass wir es diesmal besser hinkriegen, haben wir nicht, aber ich denke, dass wir unsere problemherde ziemlich gut kennen mittlerweile und eine hohe bereitschaft vorhanden ist, für diese konstruktive lösungen zu entwickeln. dass diese beziehung jedenfalls hinsichtlich der inneren, aber auch der äusseren umstände ganz anders wäre als unsere frühere fernbeziehung ist allen klar und gewünscht, also das ganze programm: verbindlichkeit und treue, gemeinsame stadt, gemeinsame wohnung und dann eben irgendwann auch kinder.
eben all das, was wir früher nie zu sagen gewagt hätten, weil es nicht in "unsere grosse unabhängigkeits-show" passte.
mit paul habe ich begriffen, dass genau das die aspekte einer beziehung sind, die ich mir wünsche; die ich mir aber aufgrund tiefsitzender ängste nie eingestanden habe. diese habe ich mittlerweile enttarnt und überwunden. auch dank paul. mit ihm bin ich schritt für schritt darauf zugegangen, uns eine solche partnerschaft aufzubauen.
und offenbar würde sich ein teil von mir wünschen, dass nicht paul sondern peter der protagonist in diesem lebensentwurf wäre.
ohhh, frau, DAS klingt ja schrecklich! aber ich glaube, das ist es auch was peter sich ein bisschen wünscht.
ich erinnere mich gerade, wie ich peter bei unserem ersten treffen von meinen wünschen für eine partnerschaft erzählte (eben all das was peter und ich nicht auf die reihe gekriegt haben) und wie ich nun eben versuche diese mit paul zu leben. peter und ich waren uns zu diesem zeitpunkt seelisch grad sehr nahe gekommen, wir hatten bereits viele dinge geklärt, gemeinsam geweint und die stimmung war gelöst, vertrauensvoll und frei von vorwürfen. und ich dozierte also über die "glückliche beziehung und wie man sie sich erarbeiten kann" und habe dabei an mich und paul gedacht. da so ungefähr ist bei peter der "gordische knoten" (wie er sagt) geplatzt: plötzlich begreifst du - nämlich emotional - dass du dir im tiefsten innern deines seins genau das wünscht, diese annahme, die bedingungslose liebe und das urvertrauen, dass dir als kind geraubt wurde und an das du deshalb als erwachsener nie glauben wolltest aus angst das sich diese verletzung wiederholen wird.
so wie da habe ich peter niemals weinen sehen, aber ich konnte ihn gut verstehen.
soviel erstmal dazu. alles liebe,
hop.
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15.09.2006, 11:44
AW: Um den Partner kämpfen - aber um welchen?
hallo polarstern,
vielen dank für deine kritischen anmerkungen!
du hast natürlich vollkommen recht, dass ich meine gefühle verkopfe und damit auf armeslänge abstand zu meinem herzen halte, wenn ich dieses psychogequatsche ablasse. allerdings frage ich mich, wie ich sonst hier sitzen und schreiben sollte?!
kann nur sagen, dass ich in den ersten 14 tagen, als mich erstmal nur die welle gefühl überrollt hat, sicherlich nicht am schreibtisch gesessen bin, da hab ich nämlich nur heulend in der ecke gelegen.
in woche drei habe ich mich mal aus allem rausgezogen und bin alleine wandern gegangen, das hilft mir, meine gedanken zu ordnen und das resultat steht oben. für mich also ein "normaler" prozess und ich habe den eindruck, dass ich mir immer dann die gefühle von leib halte (ich hatte nun schon so einige tage an denen habe ich mich regelrecht "ausgeknipst" gefühlt), wenn ich auch mal wieder zu kräften kommen muss oder aber eben - zwangsläufig - wenn ich mich mit anderen, noch dazu über ein medium wie das i-net austauschen will.
jedenfalls ist es gut, dass du mich daran erinnerst, dass die reflektierte betrachtung nicht alles ist, sonst schreib ich mir hier eh noch nen wolf und komme doch nicht weiter. recht hast du - feelings rulez!
dein verdacht, dass meine unsicherheit ein unbewuster psychotrick ist, um meiner bindungsangst gerecht zu werden - hmmm, ja, dass war natürlich eine der ersten fährten, die ich mir selber stellte, wäre ja nicht das erste mal, dass ich das gemacht hätte ...
mittlerweile bin ich mir aber ziemlich sicher, meine bindungsangst überwunden zu haben. wie gesagt, ich denke, dass ich sie dazu benutzt habe mir wieder und wieder vorzumachen, dass es für mich keine wirklich engen beziehungen, keine bedingungslose gibt. natürlich löst man solche tiefsitzenden psychischen muster nicht mit einem handstreich, aber für mich fühlte es sich im vergangenen jahr eigentlich immer so an, als sei ich wirklich bereit für treue, verbindlichkeit und letzten endes familie mit der dazugehörigen verantwortung.
herrje, dass ist ja das schlimme, dass ich mir jetzt, wo ich dachte, dass ich mir endlich von dem "kleinen glück", bei dem ich mir so lange selber im weg stand, gönnen würde, droht es mir wieder durch die finger zu rutschen. MOMENT - huiui, polarsternchen, ob du mich da jetzt doch noch auf was gebracht hast???
kann das sein, dass ich mir mal wieder mein glück nicht gönne?? aber würde das motiv ausreichen, um eine solche sehnsucht nach peter in mir auszulösen? ich habe mich in den letzten drei jahren so häufig wie ein kleines kind gefühlt, dass im ferienlager hockt und sich nichts sehnlicher wünscht als dass mami oder papi endlich hier abholen kommen ...
lieben dank für den anstoss!
hop.


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