Liebe Selkie,
du zeigst schon ein enormes Maß an Verständnis, das würde selbst mir zu weit gehen.
Zeit lassen, ja natürlich...schwierige Zeiten lassen sich nicht von heute auf morgen klären.
Aber ich habe den Eindruck, das geht hier, wie euer Leben vorher auf deine Kosten.
Du schreibst selber, das dein Platz im Leben deins Mannes ganz hinten kommt, das er aber für seine Affäre Zeit hatte.
Die hat er deiner Zeit abgezwackt, Selkie.
Wie oft hast du was mit ihm ausgemacht und es ging dann doch nicht oder er hat was versprochen und nicht eingehalten.
Das hat mich an der Affäre meines Mannes besonders wütend gemacht, das ich die wenige Zeit, die er hatte, nicht wert war. Das meine Bedürnisse noch weiter als ganz hinten kamen.
Wir haben inzwischen ein halbes Jahr Paartherapie hinter uns und sind auf einem, finde ich, guten Weg.
Wir haben uns von einer unserer zeitfressenden Firmen getrennt, weil wir (gottseidank beide) erkannt haben, Arbeit und Erfolg ja, aber es muss auch noch ein Leben stattfinden können.
Vielleicht kannst du ja deinen Mann zu einer Beratung oder Therapie bewegen, die Zeit kann und sollte er sich nehmen.
Und noch was, du hast dich nicht um ihn gekümmert, ihm nicht die Liebe und Zuwendung gegeben die er brauchte und er hat Angst das es wieder so wird...das könnten die Worte meines Mannes sein.
Aber dazu gehören auch zwei, einer der den anderen vergisst und einer der sich vergessen lässt.
Grüße
sadness
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12.09.2006, 10:04
AW: Rückkehr nach Affäre -- Erfahrungsberichte gesucht
Es ist nichts schrecklicher als eine tätige Unwissenheit.
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12.09.2006, 11:19
AW: Rückkehr nach Affäre -- Erfahrungsberichte gesucht
Liebe Selkie,
ja - aber bei uns lag der Grund nicht in einer Affäre. Ich hatte nur bei dem beschriebenen Schweigen Deines Mannes ein déja-vu ...sieht ja so aus, als ginge das mit der Rückkehr
sowas zeigt wieder, dass man in solchen Krisensituationen die wenigen Berührungspunkte oft falsch interpretiert. Ich habe auch kein Patentrezept, damit man nicht immer wieder in diese Gefühls-Fallen tappt.Ach ja, und die Sache mit dem Schrank -- er meinte, er hätte einfach mal was anderes anziehen wollen.
Und dass die Kleine und ich nicht da waren, sei Zufall gewesen.
Hier sehe ich Dein Hauptproblem: Du bleibst seinetwegen in New York und damit Euer Kind die Möglichkeit hat seinen Vater zu sehen. Hast Du dort denn ein Netz von Freunden/sozialen Kontakten? Könntest Du dort ein ausgefülltes Leben auch ohne ihn führen? Bleibt er unbegrenzt in den USA oder ist seine Arbeit dort zeitlich begrenzt? Ich sehe Dich hier in der Verantwortungsfalle: In dem Moment, in dem Du sagst, dass Du nicht mehr auf "bessere Zeiten" warten willst und zurück nach HH gehst bist Du die Buh-Frau, weil Du den (Schluß?)Strich gezogen hast. Und klar ist auch, dass Du für Dein Bleiben auch einen entsprechenden Einsatz von ihm erwartest.Vorher hatte ja immer drohend im Raum gestanden, dass ich im Zweifelsfall mit dem Kind nach HH abzischen würde. Wäre in vielerlei Hinsicht einfacher für mich
Ich wünsche Dir dass Du bist Sonntag Ruhe findest, dass Deine Gedanken nicht zu sehr kreisen und dass Dir Deine Therapeutin gefällt! Zum viel arbeitenden Mann gibts übrigens im Forum "Beziehung im Alltag" einen interessanten Strang von Schnurpsel.
Liebe Grüße!
Winnie
man verpasst im Leben meist zwei Augenblicke: den, in dem die Liebe beginnt und den, in dem sie aufhört (Elke Heidenreich)
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12.09.2006, 15:05
AW: Rückkehr nach Affäre -- Erfahrungsberichte gesucht
Liebe sadness,
In dem Sinne, dass ich mehr aufgebe und mehr riskiere als er -- sicher. Das sehe ich ganz genauso. Und die Situation ist auch sehr schwer für mich, das gebe ich zu. Aber es ist noch zuviel da, um einfach den Schlusstrich zu ziehen. Er ist kein Arschloch; er nutzt mich nicht aus; er *kann* im Moment einfach nichts geben. Das ganze ist für ihn ja auch nicht leichter.Zeit lassen, ja natürlich...schwierige Zeiten lassen sich nicht von heute auf morgen klären.
Aber ich habe den Eindruck, das geht hier, wie euer Leben vorher auf deine Kosten.
Die Affäre ging erst richtig los, nachdem er mit mir Schluss gemacht hatte; er betrachtete sich ab dem Moment als ungebunden. In den ersten Monaten nach der Trennung hatten wir auch kaum Kontakt, abgesehen von den üblichen unerfreulichen "Aussprachen". Ich war dann ein Vierteljahr in Deutschland, und danach haben wir uns, mit einigen Schwierigkeiten, wieder angenähert -- sein Wunsch. Wenn er nicht auf mich zugekommen wäre, würden die Kleine und ich jetzt in HH leben.Du schreibst selber, das dein Platz im Leben deins Mannes ganz hinten kommt, das er aber für seine Affäre Zeit hatte.
Die hat er deiner Zeit abgezwackt, Selkie.
Vielleicht war das missverständlich; ich bin ihm schon *wichtig*. Wichtiger als jeder andere Mensch auf der Welt. Das sagt er mir, und ich fühle es auch. Er hat nur nicht die innere Stärke, sich von seinem Auffresserberuf, auf den er sein ganzes Leben hingearbeitet hat, zu distanzieren, sich einzugestehen, dass das vielleicht doch eine Nummer zu gross war. Er arbeitet nicht, weil er das toll findet, rund um die Uhr im Büro zu sitzen, sondern weil er das Gefühl hat, er kann nicht anders. Da ist ein immenser Druck in ihm und eine tiefe Traurigkeit. Und da muss er allein durch; irgendwann wird er entweder mit Herzinfarkt umkippen oder ausbrennen, und das war's dann. Klingt vielleicht pathetisch, aber ich hoffe, dass er das überlebt. Ich mache mir wirklich Sorgen um ihn.
Und die Zeit, die er mit mir verbracht hat, hat er ja andersrum seiner Affäre weggenommen.
Er hat auch durchaus Anstrengungen auf sich genommen, mich zu sehen; ist im Sommer für einen Kurztrip nach Deutschland gekommen, der dann leider noch kürzer wurde, weil zu Hause die Arbeit rief -- aber immerhin. Hätte er ja nicht tun müssen. Letztes Jahr Weihnachten hat er bei meiner Familie in Deutschland gefeiert (und es war wirklich schön). Und nein, er ist kein dreistes Arschloch, im Gegenteil; an sich ist er sehr dünnhäutig.
Das ist auf jeden Fall der Plan. Würde er wohl auch mitmachen (hier gibt's ja teilweise auch WE-Termine). Aber nicht jetzt sofort. Wenn ich damit jetzt ankomme, ist das schon wieder zuviel Druck.Vielleicht kannst du ja deinen Mann zu einer Beratung oder Therapie bewegen, die Zeit kann und sollte er sich nehmen.
Wie gesagt, ich lasse ihn jetzt erstmal. Wenn er kommt, dann kommt er. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um mich selbst.
LG & danke, selkie
We must be willing to get rid of the life we've planned, so as to have the life that is waiting for us.
--Joseph Campbell
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12.09.2006, 15:53
AW: Rückkehr nach Affäre -- Erfahrungsberichte gesucht
Liebe Winnie,
Doch, doch, ich habe mich hier schon recht gut eingerichtet, habe einen tollen, verlässlichen Freundeskreis, der die ganze Geschichte kennt und bei dem ich mich ausheulen kann. Ich sitze also nicht bloss den ganzen Tag in der Wohnung und warte auf ihn.Hier sehe ich Dein Hauptproblem: Du bleibst seinetwegen in New York und damit Euer Kind die Möglichkeit hat seinen Vater zu sehen. Hast Du dort denn ein Netz von Freunden/sozialen Kontakten? Könntest Du dort ein ausgefülltes Leben auch ohne ihn führen? Bleibt er unbegrenzt in den USA oder ist seine Arbeit dort zeitlich begrenzt?
Aber meine Heimat ist das hier nicht. Ich würde nicht bleiben, wenn ich mit ihm keine Zukunft hätte. Das weiss er auch. Ich habe ihm gesagt, dass ich bleiben werde, solange wir beide eine Chance sehen, uns irgendwie wieder anzunähern, und dass es keinen Zeitdruck gibt. Wobei natürlich klar ist, dass die Zeit das irgendwann für uns entscheiden wird -- wenn sich nach, sagen wir, drei, fünf, zehn Jahren nichts geändert hat, muss man auch nicht mehr warten.
Ich kann und will da auch nicht zu lange vorausplanen. Ich denke jetzt erstmal an ein Jahr. Bis dahin kann viel passieren, im Positiven wie im Negativen.
Er ist übrigens Amerikaner, um deine Frage nach Aufenthaltsdauer zu beantworten.
Arbeitsmässig hätte er aber die Chance, sich in nicht allzulanger Zeit nach Europa versetzen zu lassen (wo dann z.B. der workload auch weniger würde). Das ist halt auch so ein Ding; im Moment steht er von allen Seiten unter unglaublichem Druck. Er arbeitet zuviel mit zu wenig Personal, trägt irrsinnige finanzielle Verantwortung, und er kommt nie aus dieser Tretmühle raus, weil er in der Firma zu "wichtig" ist, um ihm mal Urlaub zu gönnen. Selbst in Deutschland musste er ständig Email schicken und telefonieren. Er hat nie Abstand. Nur, wenn er mit mir zusammen ist. Selbst seine Affäre stammte ja aus diesem Kreis.
Erwarten tue ich eigentlich nichts, nur hoffen. Kann man ja nicht abstellen. Sein Einsatz bleibt der gleiche wie vorher -- wir treffen uns, reden, haben Spass zusammen, entwickeln mit etwas Glück wieder mehr Nähe. Nur fällt der Druck weg, dass daraus mehr werden MUSS. Dass ich die ganze Zeit mehr oder weniger subtil darauf hinweise, dass er zurückkommen soll. Vorher hatte ich immer den Drang, ihn zu einer Entscheidung zwingen zu wollen -- "willst du nun mit mir zusammensein oder nicht, das kann doch nicht so schwer sein!!!" Das ganze letzte Jahr habe ich ihn in der Tour bearbeitet. Er konnte nie eine Antwort geben. Ich hoffe nun, wenn ich ihn einfach in Ruhe lasse, wird er irgendwann von allein zu einer Antwort kommen.Ich sehe Dich hier in der Verantwortungsfalle: In dem Moment, in dem Du sagst, dass Du nicht mehr auf "bessere Zeiten" warten willst und zurück nach HH gehst bist Du die Buh-Frau, weil Du den (Schluß?)Strich gezogen hast. Und klar ist auch, dass Du für Dein Bleiben auch einen entsprechenden Einsatz von ihm erwartest.
Und selbst wenn ich es irgendwann bin, die aufgibt, wird er mich nicht als die "Böse" hinstellen, das glaube ich nicht. (Und selbst wenn, kann es mir in dem Moment ja auch egal sein.) Er ist ein sehr, sehr korrekter und fairer Mensch; die Kehrseite davon, dass er nicht sehr gefühlsbestimmt ist. Er lässt sich nicht zu Kurzschlussreaktionen hinreissen. Deshalb musste er auch erst die Ehe mit mir entsorgen, bevor er mit der anderen etwas anfing. Er ist da sehr vorsichtig. Er will, so doof das klingt, mich auch nicht verletzen. Insofern würde er auch nie falsche Hoffnungen schüren. Da sagt er lieber gar nichts.
Umso härter ist es jetzt für mich zu schlucken, dass er letzte Woche noch von Rückkehr und neuer Wohnung sprach. Ich glaube ihm schon, dass er es *meinte*. Es war nur wieder zuviel auf einmal. Trotzdem fühle ich jetzt wieder richtig den Verlust. Es hätte nicht geklappt, direkt wieder zusammenzuziehen, das wäre eine Katastrophe geworden. Aber es war so ein schöner Traum...
Mal sehn, was die Therapeutin nachher so zu sagen hat. Vielleicht setzt die mir den Kopf mal so richtig zurecht.
LG, selkie
We must be willing to get rid of the life we've planned, so as to have the life that is waiting for us.
--Joseph Campbell
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14.09.2006, 20:43
AW: Rückkehr nach Affäre -- Erfahrungsberichte gesucht
Hi Selkie,
wie war der Therapeutentermin? Hat sie Dir gefallen? Hast Du neue Denkansätze gefunden?
Wie alt ist Eure Tochter eigentlich?
Liebe Grüße!
Winnie
man verpasst im Leben meist zwei Augenblicke: den, in dem die Liebe beginnt und den, in dem sie aufhört (Elke Heidenreich)
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14.09.2006, 23:34
AW: Rückkehr nach Affäre -- Erfahrungsberichte gesucht
Hallo Winnie!
Die Therapeutin war... hmmm. Nicht so meins. Es gab null Richtung oder Führung im Gespräch; ihr Augenmerk lag mehr auf dem Leben meiner Grosseltern als auf meinem; und sie maßte sich Bemerkungen an, die m.E. vorschnell und sehr subjektiv waren, und die ausserdem Dinge beinhalteten, die, wenn sie denn stimmen, ich mir *selbst* hätte erarbeiten müssen, statt sie einfach gesagt zu bekommen. Ein Beispiel: Am Ende der (wohlgemerkt ersten!!) Sitzung meinte sie, mein Mann und ich würden uns in Wirklichkeit gar nicht kennen. Entschuldigung, aber gar so verkrüppelt sind wir beide nicht, dass wir 15 Jahre lang komplett aneinander vorbeigelebt hätten; und wie gesagt, das wäre ausserdem ein Punkt, an dem ich (mit ihrer Hilfe) allein hätte ankommen müssen.
Sie hat übrigens auch ausser einer Ausbildung zur Yoga-Lehrerin keinerlei seelsorgerische Qualifikation, habe ich festgestellt. Da gehe ich nicht wieder hin.
Und unsere Tochter ist drei.
LG, selkie
We must be willing to get rid of the life we've planned, so as to have the life that is waiting for us.
--Joseph Campbell


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