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    Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Hallo zusammen

    Ich möchte heute gerne mal eine allgemeine Frage in den Raum werfen. Mir fällt in letzter Zeit auf, dass Untreue als immer normaler bewertet wird. Alle möglichen Menschen gehen fremd, manchmal sogar geplant und in Grüppchen. Es wird gesellschaftlich scheinbar immer mehr toleriert. Hier im Forum stehen einem angesichts der Geschichten ja sowieso die Haare zu Berge, aber auch in der Realität wird das Thema Untreue immer präsenter.

    Ich habe mich schon oft gefragt, woran das wohl liegt, dass ich es so empfinde.

    - Liegt es dran, dass ich jetzt in einem Alter bin, wo ich eben mehr mitbekomme, was zwischen Erwachsenen alles vor sich gehen kann als früher, als ich noch Kind, Jugendliche oder ganz junge Erwachsene war?
    - Liegt es daran, weil ich früher im Schutze einer Beziehung (eine der wenigen???) gelebt habe, in der sowas einfach kein Thema war?

    Ist es wirklich etwas so normales, muss ich mich, wenn ich überhaupt eine Partnerschaft haben will, womöglich damit abfinden, dass dieses Thema in meinem Leben ist? Ist gelegentlich Untreue heutzutage unvermeidlich? Leider vertraue ich meinem Freund dahingehend nicht ganz, da er bestimmte Dinge, die seine Freunde und Kollegen tun und die er selbst getan hat für meine Begriffe zu locker sieht. Aber würde ich nicht vielleicht bei jedem anderen auch wieder damit konfrontiert? Mir scheint, dass es kaum absolut treue Menschen gibt. Wenn er mir wieder einmal so eine Story über einen Kollegen erzählt, grinsend, nicht im geringsten bestürzt, und ich ihn dann frage, ob er das nicht schlimm findet, dann meint er, es sei eben nicht alles schwarz und weiß im Leben.

    Ich selber habe damit nie Probleme gehabt, mir fällt das Treusein überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil, ich kann mir eher nicht vorstellen, jemals einen Betrug über mich zu bringen. Die Vorstellung davon gleicht der Idee von einem Banküberfall, wenn grade mal wieder ne hohe BK-Abrechnung kam . Es hat etwas Absurdes, Undurchführbares an sich. Ist das echt nur bei mir so?

    Ich möchte Untreue und solche Dinge eigentlich nicht in meinem Leben haben. Also gar nicht. Ich möchte einfach nichts davon wissen. Leider werde ich damit aber immer wieder konfrontiert, so dass ich mir eben überlege, ob man es heutzutage vielleicht schon fast hinnehmen muss. Die Alternative wäre ansonsten ein Einsiedlerdasein.

    Wie seht ihr denn das?

    Die Uly

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    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Hallo Uly, dein Text haette von mir sein koennen...ich habe leider auch den gleichen Eindruck wie Du - Treue wird zwar gern eingefordert, aber selbst nicht so wichtig genommen.
    Ich hoffe zwar immer noch, dass ich falsch liege und nicht alle "so" sind, aber was ich um mich herum bei Bekannten so sehe oder im Netz lese...ach traurig, :-(

  3. Inaktiver User

    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Hi Uly,

    bis auf die Sache mit dem Misstrauen meinem Partner gegenüber schließe ich mich deinen Beobachtungen an.
    Ich habe allerdings ein bisschen das Gefühl, dass es mittlerweile eine gewisse Spaltung gibt, und sich da jeweils Extreme ausprägen. Früher geschah das hinter vorgehaltener Hand, sowas kam in den besten Familien vor, konnte jedem "passieren" aber es war peinlich und privat, nichts worüber man nachdenken oder gar sprechen wollte.

    Das Thema Sex, Seitensprung, Affäre ist aber heut omnipräsent, ganze Märkte leben mittlerweile davon, von diskreter Vermittlung über werbeträgerfinanzierte öffentliche(!) Gratis-Bums-Plattformen bis zu Online-Treue-Testern und davon erheblich profitierenden Paarberatern ist alles dabei.
    Sprich- an dem Thema kommt kaum noch einer vorbei.
    Und entweder der lässt sich davon buchstäblich infizieren und tut gedankenlos, was alle tun *mäh*
    Oder er setzt sich damit kritisch auseinander, betrachtet die (gesellschaftlichen und persönlichen) Folgen, überlegt ob man das in seinem Leben will und braucht, grad in anbetracht der Konsequenzen.
    Was meistens dazu führt, das man sich davon gedanklich distanziert und sich im Zuge seines sich immer weiter ausdifferenzierenden Liebes- und Selbstverständnisses im Denken und Handeln auf schärfste abgrenzt.
    Geändert von Inaktiver User (22.08.2012 um 23:06 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    *meld*

    Ich bin auch eine, die treu ist.
    Ich denke, dass das auch eine Sache des Charakters ist, ob einer loyal ist oder nicht.
    Diejenigen, die diesen Charakter nicht haben, denen wird es nur heutzutage leichter gemacht, zu betrügen. Siehe Netz und Handy, die Betrügereien einfacher machen.

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    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Ich denke, daß sexuelle Monogamie für die allerwenigstens Menschen von innen heraus kommt.
    Sie ist in den allermeisten gesellschaftlich als Norm vorgegeben und wird in die Köpfe der Menschen als "gut" und "richtig" hineinmanipuliert.
    Es wird einem verkauft, daß dies das non-plus-ultra für die Stabilität einer Partnerschaft sei und sehr viele Menschen folgen diesem Ideal.

    Das beschriebene Bild der sexuellen Untreue zeigt dann einfach die normative Kraft des Faktischen.

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    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Ich glaube nicht, dass Untreue etwas Neues ist. Sieht man sich die Jahrhunderte an, dann gab es schon immer Mätressen, Geliebte, Kinder aus unehelichen Beziehungen (und der Vater nicht immer ein Unverheirateter) von käuflichem Sex ganz zu schweigen. Früher war die Ehe eben auch keine Liebessache, sondern eine Wirtschaftsgemeinschaft - die Liebe hat man oft woanders gesucht.
    Time is an ocean but it ends at the shore - Bob Dylan

    Und wenn der Wind mal von vorne kommt - leicht nach vorne beugen und einfach weitergehen - S.B.

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    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Es wird einem verkauft, daß dies das non-plus-ultra für die Stabilität einer Partnerschaft sei und sehr viele Menschen folgen diesem Ideal.
    Für mich ist es nicht in erster Linie die sexuelle Treue, die meine Partnerschaft ausmachen soll. Mir ist wichtig, dass ich mich auf meinen Partner verlassen kann, dass er verständnisvoll ist und in etwa den gleichen Lebensentwurf hat. Für mich wäre "ein Ausrutscher" kein Grund, die Beziehung zu beenden. Ich würde es auch gar nicht wissen wollen. Ich würde weder wollen, dass mein Freund "beichtet", noch will ich, dass ein Dritter meint, man müsse mich informieren.
    In dieser Sache sind sich mein Partner und ich einig: Treue wird überbewertet. Eifersucht kennt keiner von uns...
    Allerdings bin ich in unserer Beziehung noch nie fremd gegangen, noch glaube ich, dass mein Partner untreu war - er hat einfach keine Zeit dazu
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  8. Inaktiver User

    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Ich sehe das ähnlich wie marilyn-74. Die Ehe in feudalen Gesellschaften diente vor allem dazu, den Besitz und das Erbe für die Nachkommen zu sichern und zu mehren, sie war in erster Linie eine Wirtschaftsgemeinschaft, die romantische Liebe suchte man woanders. Erst die bürgerliche Ehe wurde mit der Vorstellung von lebenslanger Monogamie moralisch überfrachtet. Und das zieht sich bis heute durch, obwohl evolutionsbiologisch klar sein dürfte, daß der Mensch nicht per se monogam veranlagt ist. Und lebenslang schon gar nicht - besonders Männer nicht.
    Die meisten Menschen lösen das Dilemma mittels serieller Monogamie, mit allen Folgen, die das haben kann - wirtschaftlich, emotional, besonders wenn Kinder da sind ....
    Da finde ich es klüger, einen Lebenspartner mit Bedacht zu wählen und ihn ab und zu mal gewähren zu lassen (gilt natürlich für beide Seiten). Ohne daß gleich das gesamte Leben einstürzt.
    Es mag hier und da lebenslang monogame Exemplare geben, das streite ich nicht ab. Aber die Regel ist es nicht. Mir persönlich kommt es absurd vor, das zu erwarten.
    Die modernen Auswüchse ("werbeträgerfinanzierte Gratis-Bums-Plattformen bis zu Online-Treue-Testern und davon erheblich profitierenden Paarberatern", wie Yagua aufzählte) sind wohl eher Erscheinungen einer Gesellschaft, die völlig oversexed und in der Hinsicht schrill und marktschreierisch ist, aber in Wirkichkeit wird nicht mehr fremdgegangen als früher. Nur lauter und sichtbarer. Glaube ich jedenfalls.

  9. User Info Menu

    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Es wird gesellschaftlich scheinbar immer mehr toleriert.
    Das sehe ich zwar nicht ganz so, sondern lediglich, dass es passiert (und auch immer schon passiert ist) und davor die Augen eben nicht mehr verschlossen werden.

    Trotzdem, Gegenfrage: wie sollte die Gesellschaft es aus deiner Sicht also stattdessen handhaben? Verdammung? Verbannung? Steinigung?

    Und wieso überhaupt die Gesellschaft? Betrifft es nicht nur die Beziehungspartner untereinander?
    aufgewacht und umgezogen: befriendsonline.net

  10. User Info Menu

    AW: Ist Untreue zur Normalität geworden - oder war sie es schon immer?

    Trotzdem, Gegenfrage: wie sollte die Gesellschaft es aus deiner Sicht also stattdessen handhaben? Verdammung? Verbannung? Steinigung?

    Und wieso überhaupt die Gesellschaft? Betrifft es nicht nur die Beziehungspartner untereinander?
    Eben. Ich brauche keinen, der mir erzählt, was für mich in der Beziehung richtig ist. Das entscheide ich für mich ganz allein.
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


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