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    Beitrag gehen oder bleiben?

    Hallo,
    bin seit 4 Jahren mit meinem Mann verheiratet. Seit ca. 2 Jahren läuft irgendwas falsch. Er belügt mich und auch seine Freunde.

    jetzt hab ich mal versucht "laut" zu denken; heraus kam das - ich weiß, sehr lang aber....vielleicht hat ja doch jemand lust es durchzulesen.....danke

    Wie und wann es genau anfing, ist schwer zu sagen. Es kam schleichend daher. Er meinte ich würde ihm die Luft zum Atmen nehmen, ihn einengen, bevormunden...
    Das muss so Anfang 2009 gewesen sein. Damals hatte er auch noch das Problem mit seinen Händen, der Haut. Vom Fliesenlegen (im eigenen Haus und bei anderen) wurden die Hände offen und rauh. Damit wolle er mich nicht anfassen, weil ihm die Hände weh tun. So wurden unsere körperlichen Berührungspunkte weitgehend reduziert. Beim Sex reduzierte es sich auch auf „rein/raus“...bis er kam. Mich lies er dann liegen, machte keinerlei Anstalten mir auch Lust zu schenken.
    Ich „entschultigte“ sein Verhalten. Das war mein erster Fehler. Denn jetzt fing er an, sexuell immer mehr zu fordern. Nur für sich, versteht sich. Der Sex wurde härter, fester,...und immer öfter machte er Anstalten zum Analsex. Ich wollte das nicht und will es heute noch nicht. Interessiert hat ihn das nicht. Meine Verweigerung verstand er nicht.
    Da von seiner Seite kein Interesse war, mir auch gut zu tun, lehnte ich Sex immer öfter ganz ab. Ich wollte kuscheln, aber keinen Sex. Ich wollte wieder zuerst Nähe zu ihm spüren. Auf Kuscheln ließ er sich ein, aber nicht ohne jedesmal auch zu versuchen, Sex zu haben. Immer öfter fiel mir auf, dass es ihm völlig gleichgültig war, ob ich Lust hatte, ob es mir gut ging. Wenn ich ihm sagte, dass mir der Sex mit ihm so keinen Spaß mehr macht, bekam ich Vorwürfe zu hören, ich sei lieblos, kaltherzig, stur,....gefühlskalt.....
    Tatsächlich brachte er mich dazu, mich kurz selbst so zu sehen. Allerdings nicht lange, weil mir auffiel, dass ich durchaus Lust verspürte und wenn ich dem nachgab, mir selbst Lust und Befriedigung verschaffen konnte. Was also war passiert?
    Ich versuchte mich wieder körperlich auf ihn einzulassen. Tatsächlich bekam ich so den einen oder anderen Orgasmus. Allerdings nur mit Hilfe eigener Phantasien. Die Lust bezog sich nicht mehr auf ihn. Hatte er da schon was in mir kaputt gemacht? Wollte ich es nur nicht wahrhaben?

    Irgendwie passte es nicht mehr zwischen uns. Wir konnten uns nicht mehr miteinander unterhalten, ohne dass es zum Streitgespräch kam. Plötzlich durfte ich nicht mehr anders denken als er. Tat ich es doch, war ich rechthaberisch und stur. Gegenüber anderen musste er sich „darstellen“. Mir fiel das vorher nie so auf. Jede kleinste Begebenheit wurde ausgeschmückt, umschrieben, er konnte nicht zum Punkt kommen.....als Zuhörer wurde ich ungeduldig....
    Heute weiß ich, das ist Teil seiner Persönlichkeit. Und ich habe herausgefunden, dass er bei einer Lüge keine blumigen Beschreibungen liefert. Man muss es sich so vorstellen: Bei Erzählungen, die im Grunde wahr sind, schmückt er diese aus und da ist dann das ein oder andere hinzugedichtet, übertrieben etc.
    Wenn er lügt, muss er sich darauf konzentrieren, nichts falsches zu sagen, hat also keine Zeit, sich auch noch die Umgebung dafür auszudenken. Die Sätze sind kurz, knapp, dulden kein Nachfragen.
    Zuhören wollte er mir nicht. Er beansprucht für sich, im voraus zu wissen, was ich sagen will. Und auf das antwortet er dann. Nachzufragen, was ich gesagt habe endet damit, dass er irgendwas sagt, vielleicht ein Wort einbaut, das er irgendwie doch gehört hat oder komplett was erfindet. Man könnte auch sagen, er führte immer öfter Selbstgespräche. Um aber dabei nicht so einsam zu sein, setze er mich ins Szene, mit seinen Worten.
    So konnte er dann auch rechtfertigen, dass ich mich nicht mehr um ihn gekümmert hätte, ihn vernachlässigt hätte, etc. Er wusste ja nicht mehr, dass ich ihn immer wieder gefragt habe, wie es ihm geht, was los ist. Versucht habe mit ihm zu reden, über uns, die Beziehung....
    Da war Mama schon krank. Aber es gab noch Hoffnung. Für Mama.

    Gesundheitlich ging es auch ihm bereits da nicht mehr gut. War ständig müde, ihm war übel, er war schlecht gelaunt,....der Sex dauerte länger als zuvor, obwohl er ja immer sagte, er sei total „überstandig“,....
    Später stellte sich heraus, das waren bereits die Vorboten des Herzinfarkts.
    Ich bohrte wegen einer monatlichen Abbuchung nach. Diese bestand seit Jahren, für eine Wohnung in der er praktisch nie gewohnt hatte. Aber zu faul (?) war zu kündigen. Das stand also erstmal als Stresspuffer zwischen uns. Daran konnten wir uns jetzt mal beide abreagieren. Er, weil ich ihm dahintergekommen bin, ich weil ich gespürt hatte, dass was nicht stimmt. Zu Ende gebracht hat er diese Sache auch nur, weil ich ihm das Messer auf die Brust gesetzt habe, die Wohnung in seiner Abwesenheit gekündigt habe und die Lastschrift für die Miete gekündigt habe. So wurde dann auch endlich sein Vermieter aktiv. Bisher hat er nicht viel unternommen, solang die Miete kam, war es ihm eher egal (so O-Ton Vermieter).
    Dass T. manchmal viel Druck braucht um überhaupt was zu tun, wusste ich das schon und den Druck übte ich nun aus.
    Allein, dass ich ihn nochmals mit der Wohnung konfrontierte (das tat ich ja bereits kurz nach der Hochzeit, wo ich das erstemal davon erfuhr und dann ein Jahr später, als ich die Est-Erklärung machte) ließ ihn blass werden und vollkommen sein Gleichgewicht verlieren.
    Da war er schon auf REHA. Vermutlich hat ihm damals nur der Umstand, dass er sich total allein fühlte „geholfen“ nicht komplett auszurasten. Wut war aber wohl da. Die ließ er mich dann später auch immer wieder spüren. Rein verbal. Immer öfter machte er Witze über mich auf meine Kosten, stellte mich bloß, kritisierte mich (ich könne nicht kochen, habe keine Ahnung wo dieses oder jenes Land liegt, wer es regiert, dass ich nicht singen könne (?)....) Die Krititk wurde immer feiner. Bis es darin mündete, dass er mir vorwarf, wie ich esse, Kaugummi kaue, Zähne putze, meine Haare färbe/schneide, teilweise störte ihn mein Nachthemd, etc. alles kleine Dinge. Für mich aber Indiz dafür, dass es weit mehr fehlt, als ich bisher angenommen hatte.
    Und immer öfter erkannte ich Lügen. Oft über kleine Dinge, wo die Lüge selbst nicht mal einen Sinn machte in meinen Augen. Wo die Wahrheit keinerlei negative Konsequenz gehabt hätte. Dennoch log er, erzählte mir eine Geschichte anders, wie anderen und warf mir dann vor, nicht richtig zugehört zu haben, oder eben manches nicht verstanden zu haben (ob nun wegen meiner Schwerhörigkeit oder nicht)...
    Wenn Besuch da war, erzählte er Dinge aus der Arbeit oder auch unserem Leben, die ich nie zuvor gehört hatte. Da meinte er nur, „das hab ich Dir doch erzählt“. Wenn ich verneinte, meinte er nur, dann hätte ich halt mal wieder nicht zugehört. AHA!

    Wir saßen vorm Fernseher und sahen uns einen Bericht über Stalking an. Plötzlich meinte er, er werde auch gestalkt. Von wem?, fragte ich. Eine junge Kollegin, schicke ihm ständig SMS, mache eindeutige Angebote, rufe ihn an...diese Lüge brachte er so gut rüber, dass ich ihm anbot, mit der Kollegin mal ein ernstes Wort zu reden. Nein, er hätte das schon im Griff und irgendwie fühle er sich ja auch geschmeichelt.
    Ich ließ aber nicht mehr locker und fragte immer wieder mal nach, ob diese Kollegin immer noch so aufdringlich sei....ja, sie schreibe SMS etc. aber er antworte nicht darauf, das erledige sich von selbst.

    Zufällig sah ich dann, dass auf seinem Handy grad eine SMS einging, als er im Garten war. Ich dachte, aha, die Stalkerin, mal sehen, was sie will und so schreibt...Mir blieb fast das Herz stehn....denn ich begann die SMS zu lesen, die im Speicher waren und auch jene, die er geschrieben hatte...von wegen Stalking! Das ganze ging doch von ihm aus? ER vermisse sie, freue sich auf sie, liebe sie, usw.
    Sie schrieb, ihr ginge es nicht gut, weil er ja verheiratet sei und sie da nichts kaputtmachen wolle. Da könne sie nichts kaputt machen, es sei schon längst kaputt.
    Vor Weihnachten bekam er dann eine SMS, sie sei zwar traurig, könne aber verstehen, dass er sich für mich entschieden hätte, wünsche uns beiden viel Glück.
    Da dachte ich, Danke!, es ist zu Ende.
    Was war ich erleichtert, hatte ich doch grad im September erst den Tod meiner Mutter zu verkraften. Nicht dass das irgendwie ein Grund hätte sein können, dass ich grad nicht so gut bei Laune war. Ich müsse das aushalten und es könne ja wohl nicht sein, dass ich jetzt ewig so schlecht drauf sei.

    Immer öfter kam er immer später von der Arbeit, musste plötzlich Überstunden machen, hatte da noch einen Termin....
    In meinem Zweifel las ich weiterhin die SMS in seinem Handy „mit“. Noch lag es ja irgendwo noch rum. Und ich wusste bald, da ging es munter weiter....Ich konfrontierte ihn jedesmal damit.
    Da sei nix, sagte er immer, ich solle nicht so überreagieren. Aber ich solle mich nicht wundern, wenn es doch mal wahr wird, so wie ich mit ihm umgehen würde, kein Sex mehr nur noch Vorwürfe, weil er so wenig zuhause sei. Er müsse halt mal viel Arbeiten...bla bla bla
    UPS....dachte ich, den Satz hab ich doch schon mal gehört? So ca. 15 Jahre vorher? Von einem Mann, der auch seinen Seitensprung nicht zugeben wollte und posthum eine Rechtfertigung suchte.
    Ich war gewarnt. Oh ja, er müsse jetzt die Verletzungen ausbaden, die mir die anderen Männer zugefügt hätten, dazu hätte er keine Lust.
    Und überhaupt finde er dass ich eine Therapie brauche. In welcher Hinsicht sagte er nicht.
    Solche Situationen wiederholten sich nun immer wieder. Eindeutige SMS auf seinem Handy, leugnen von ihm, Hinweis, ich bräuchte ‚Therapie.

    Er kam irgendwann von der Arbeit, schlecht gelaunt, wollte nur noch ein Bier und was essen. Schlief auf der Couch ein. Wenn ich ins Bett ging, wurde er wach. Wenn ich schon schlief wenn er von der Arbeit heimkam, fand er das unmöglich, ich könne doch auf ihn warten. Ich sagte, wenn ich müde bin und nicht wüsste wann er kommt, nehm ich mir die Freiheit ins Bett zu gehen. Muss ich dazusagen, dass allein dieses Thema immer wieder Anlass für einen Streit wurde?

    Ich war körperlich erschöpft. Konnte nicht mehr richtig schlafen. War total verspannt, Kopfschmerzen, Angstträume,....Ging zum Arzt, erzählte kurz, Mutter gestorben, um Vater gekümmert, vom Mann betrogen....ich blieb erstmal den Rest der Woche zuhause und bekam eine Überweisung zum Psychologen. Aber nicht, weil ich falsch bin, sondern um aus meinem Tief wieder rauszufinden. Den Schritt konnte er unter diesem Vorzeichen nicht verstehen, welches Tief, was mir denn fehle? Ja er wisse, dass ich halt sehr labil sei.

    Der Psychologin erzählte ich also erstmal in etwa, was ich grad so geschrieben hatte. Sie meinte nur, vielleicht ist ja wirklich mehr dran an der Sache mit der Kollegin. Bisher ging ich ja noch von seiner Unschuld aus, weil er ja immer wieder beteuert hatte, dass da nix sei. Allein die Aussage der Psychologin drang zu mir durch und ich stellte tatsächlich erstmals seine Worte in Frage. Konnte es sein, dass er mich anlog? So ist er doch nicht, das kann doch nicht sein? Ich beschloss mir nochmals sein Handy vorzunehmen.
    Die Psychologin meinte, wir sollten doch mal versuchen gemeinsam zu festen Zeiten Zwiegespräche zu halten. Habe ich doch auch schon vorgeschlagen, er meinte, er mache doch nicht mit seiner eigenen Frau einen Termin aus.
    Ich solle es trotzdem nochmal versuchen. Und sie meinte auch, wichtig sei jetzt, etwas für mich zu tun, dafür zu sorgen, dass es mir gut gehe.
    Für die Beziehung würde sie eine Paarberatung vorschlagen.
    Darauf wollte er sich schon gar nicht einlassen. Er würde sich doch nicht vorschreiben lassen, wie er sich verhalten solle. Außerdem seien wir doch beide psychologisch begildet und könnten uns doch selber helfen.
    Anfangs glaubte ich das auch. Nach den ersten Terminen zum Zwiegespräch, zu dem ich ihn ewig überreden musste, wurde mir klar, ein normales Gespräch ist gar nicht möglich. Er hört nicht zu und redet dann nur davon, dass ich doch auch dieses und jenes. Waren wir wirklich im gleichen Raum zur gleichen Zeit?
    Das erste Gespräch wurde von ihm nach einer Stunde abgebrochen. Das zweite nach einer halben Stunde. Ich überlegte, was ich anders machen könnte. Und spürte, ich rutsche in die Rolle der Therapeutin. Und wer hilft mir?
    Das sagte ich ihm auch so und ich bat ihn nochmals um eine Paartherapie. Knirschend ging er drauf ein. Ich machte einen Termin. Zwei Wochen später änderte er seine Meinung und sagte, er würde da nicht mitgehen. Also Termin absagen.
    Weitere Verschärfung der Lage. Ich begann wieder zu rauchen, Umarmungen und Küsse wurden zur absoluten Ausnahme.
    Ich zog mich zurück, versuchte herauszufinden, was ich falsch mache. Las seine SMS und fiel schier ins Bodenlose. Er betrog mich. Er leugnete. Mir ging es von Tag zu Tag schlechter, war wütend auf ihn, verletzt, enttäuscht.
    Langsam dämmerte mir, dass es ihm nicht nur egal war, dass ich mich so fühlte, sondern, dass er das nicht wahrnehmen konnte. Ihm fehlt die Fähigkeit, Gefühle bei anderen zu erkennen, Mitgefühl zu zeigen. Was er mir vorwarf, waren im Grunde seine Fehler, die er auf mich projizierte. Und plötzlich war ich sogar Schuld daran, dass seine Freunde ihn nicht mehr anrufen. Auch die hatte er belogen.

    Es stand ein Urlaub mit der Bewohnergruppe bevor. Er wollte nach Mittersil. Dort verbrachten wir 2005 unser erstes gemeinsames Wochenende.
    Ja, dachte ich, ist o.k. Aber dann kams. ER würde besagte Kollegin mitnehmen. Ich verlor die Contenance, oder anders gesagt, ich rastete echt aus. Wie könne er dorthin mit der Kollegin fahren, wo er doch wisse, wie sehr es mich verletze, dass er was mit ihr habe. Er habe ja nix mit ihr und das sei doch nur Arbeit.
    Ja und der Schnee ist grün.
    Ich sagte ihm deutlich, es müsse eine andere Lösung dafür geben. Es müsse möglich sein, eine andere Kollegin oder Kollegen mitzunehmen. Er nahm mich nicht ernst. Erst als ich dies noch einige male wiederholte, wurde ihm klar, dass es mir Ernst war. Ich sagte, wenn er mit ihr da hinfahre, könne er seine Koffer gleich vor der Tür lassen.
    Tage später kam er, er hätte jetzt eine andere Kollegin gefunden, die mitfährt. Gut. Der Dienstplan war aber noch nicht fertig. Es war ja noch einige Wochen hin. Das Thema war erstmal erledigt. Der Urlaub kam näher und ich fragte nochmal nach, mit wem er denn jetzt fahre. Ja er habe jetzt noch eine andere Kollegin gefunden, die mitfahren würde. Ich war beruhigt, aber der Zweifel an der Aussage blieb. Er meinte ich hätte ihm ja gedroht, ihn sonst rauszuwerfen, er hätte also eine Lösung finden müssen.
    Vom Urlaub zurück, kam er sehr viel später als zuvor von ihm gesagt. Ich machte mir nicht sooo viel Gedanken, weil ich ja davon ausging, dass die besagte Kollegin im Dienst war und er nicht allein auf der Gruppe wäre, wenn sie zurückkommen.
    An diesem Abend freute ich mich wirklich auf ihn, hatte sogar Lust auf ihn. Die war jäh zu Ende als er wieder anal wollte. Anders wollte er nicht. Er drehte sich um und schlief irgendwann auf der Couch.
    Am nächsten Tag sagte ich ihm, dass ich Analsex nicht möchte. Wir hatten es mal probiert und ich hatte danach eine Woche Blutungen und Jucken.
    O.k. komme nicht wieder vor.
    Abends im Bett, als hätte ich nie was gesagt, wieder er wolle es nochmal probieren. Ich blockte und sagte nein. Diesmal schneller und deutlich als den Abend zuvor.
    An Schlaf war kaum zu denken. Ich verstand nicht, wie er so ignorant sein konnte.

    Seine SMS zu lesen wurde immer schwieriger. ER versteckte das Handy, löschte die meisten Nachrichten sofort...Nur wusste er nicht, dass von den letzten SMS-Ausgängen Protokolle extra abgespeichert wurden.
    Es war ein Foto eingegangen. Er und die Kollegin, eng umschlungen....aber wo? Der Hintergrund sagte mir nichts. Das Bild war allerdings unserem Hochzeitsfoto in Mimik und Gestik sehr ähnlich. Die beiden schauten einfach nur glücklich.
    Mir zog es den Boden unter den Füßen weg. Ich schickte das Foto auf mein Handy. Und konfrontierte ihn mit dem Foto – auf meinem Handy. Wie kam ich an das Foto? Tja, ich kann auch böse sein. Und er machte genau den Fehler der mir half die Wahrheit zu erfahren. Er schrieb ihr, weshalb ich ihr das Foto vom Schiff geschickt habe....(der Rest war nicht mehr zu lesen, weil im Protokoll nur die ersten Teile einer SMS gespeichert sind)
    Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Foto, Schiff....wann? da dämmerte es bei mir. Na klar, am Ende des Urlaubs, so hatte er ja erzählt, wären sie noch auf dem Chiemsee mit dem Schiff gefahren und grad noch so vorm Sturm am Auto gewesen. (Was laut Wetterbericht so gegen 14:oo uhr war) Abgesehen davon, dass er also schon sehr viel eher wieder „zuhause“ war, war er doch tatsächlich mit der SMS-Kollegin gefahren. Diese Gedanken kamen bei mir allerdings erst durch, als ich ins Bett ging. Die Gedanken haben wohl unbewusst in mir einfach weitergedacht und mir die Lösung präsentiert. Er lag neben mir. Fast im gleichen Moment als der Gedanke sich geformt hatte, sprach ich ihn aus. Nicht als Frage, als Feststellung. „Du warst mit Bettina im Urlaub“
    Keine Antwort. Ich machte das Licht ein und wiederholte „Du warst mit Bettina im Urlaub“. Sein Gesicht verlor sofort jegliche Farbe, aber er blieb stumm. Drehte den Kopf weg und meinte er wolle schlafen. O.k.sagte ich, keine Antwort, das heißt also ja. ER setzte sich appruppt auf und sagte ziemlich hart, „ja ich war mit bettina im urlaub“
    Ich stand auf, holte meine Hörgeräte.
    Ich kam zurück und sagte, o.k. er wisse ja was jetzt zu tun sei. Er solle seine Koffer packen und abhauen. Ich wurde etwas lauter. Er meinte, genau deshalb hätte er es mir nicht gesagt, weil er ja gewusst hätte wie ich dann austicke.
    Das sei mir egal, er solle jetzt aufstehen und gehen. Nein, er sei müde und wolle schlafen. Ich zog ihm die Decke weg und zwang ihn aufzustehen. Er wurde enorm wütend, stampfte ziellos durchs zimmer, suchte seine Tasche. Er war total überfordert. Und er war besoffen. Ich dachte, Mist! So kannst ihn nicht gehen lassen, wenn ihm was passiert, ein Unfall....nein die Schuld lad ich mir nicht auf.
    Ich hatte alle Hände voll zu tun ihn jetzt abzuhalten. Aber ich hatte das Gefühl, genau das war eine Situation, wo sogar er irgendwas spürt. Angst. Er hatte die Situation nicht mehr im Griff.

    Das wars dachte ich für mich. Ich kann und will nicht mehr. Die Tage danach hatten wir Urlaub und es war mir egal was er tat. Abgesehen davon, dass er außer essen, trinken und schlafen gar nichts tat. Ich richtete mich im Büro bequem ein und verbrachte die Tage lesend. Wir redeten nur über belangloses oder gar nicht.

    Am Donnerstag fragte ich ihn, ob er mit mir reden wolle. Ja, aber nicht jetzt, aber es gäbe viel, sehr viel zu sagen. Mhm. Sagte ich.
    Ich müsse mich ändern, meinte er. Was denn mit mir los sei.
    „Du fragst mich das jetzt ernsthaft?“, nachdem du mich belogen hast, mich verletzt hast?, fragte ich.
    Ja, er habe schon gewusst, dass ich ihm das jetzt für ewig vorhalten würde und ich ihm nicht vergeben könnte. HALLO?, sage ich, hab ich was verpasst. Ich brauche dafür Zeit. Und was uns beide angehe, brauche ich einen Grund um zu bleiben. Das hatte ich ihm vor ein paar Wochen schon so gesagt. Ich sagte, ob ihm klar sei, dass ich kurz davor bin zu gehen. Nein, das wäre ihm nicht klar. Ich solle nicht gehen. Und warum soll ich bleiben, fragte ich. Das konnte er mir nicht sagen.
    Auch jetzt konnte er mir nur sagen, was ihn alles an mir nervt. Eben die Kleinigkeiten, wie ich dies oder jenes mache, dass ich immer Recht haben müsste, keinen Kompromiss eingehen könnte, usw.

    Ich sagte, ob ihm eigentlich klar sei, wenn ihn all das an mir stört, dass es dann schon sehr weit fehle bei uns? Das sei ihm schon länger klar. Ich war so wütend und hatte keine Zigarette mehr. Der Automat war leer, beim Wirt noch zu. In meiner Verzweiflung ging ich zu einem Nachbarn, der Raucher ist. Nebenbei ein Nachbar der früher öfter bei uns war, wir bei ihm zusammen mit anderen. Aber auch das hatte sich erledigt. Ich ging also zu ihm, ging einfach ohne T. zu sagen wohin. Ich ging ja davon aus, dass ich ihm nur eine Packung abkaufe und gleich wieder zurück bin. Dort angekommen frage ich ihn nach einer Zigarette. Er nahm mich erst mal in den Arm uns sagte, komm mal her, scheiße oder. Dann zündete er mir eine an und sah mich an. Du weißt worum es geht, fragte ich. Er nickte, ja. Dass T. eine andere hat. Er wusste sogar davon, dass Bettina mit in Urlaub gefahren war. Und er und ein anderer Freund hatten T. gesagt, er könne das nicht machen, sie verstehen ihn da auch nicht.

    Da ich an dem Abend noch einen Termin bei den Schwägerinnen hatte (wegen eines Videos zum Geburtstag des Schwagers), ging ich also nicht mehr heim, sondern direkt zum Videodreh. Ich fragte den Nachbarn, der mittlerweile auch Besuch von einem anderen Freund (wenn er das noch ist) von T. hatte, ob ich denn danach nochmal kommen könnte, ich wolle einfach nicht heim. Klar geht das.

    T. war das nicht gewohnt. Ich blieb einfach weg, hatte nur kurz vorm Dreh mich umgezogen, den Schlüssel und eine Jacke mitgenommen und kam erst gegen 1 Uhr früh wieder.
    ER machte mich zur Schnecke, wo ich jetzt herkäme und warum ich einfach so abhaue, er sei die ganze Siedlung abgefahren, habe seine Geschwister angerufen, keiner wusste wo ich sei, was die sich jetzt denken,....er habe sich Sorgen gemacht und es reiche ihm jetzt wirklich, er geht. Sagte es und holte seine Tasche. Wieder mal. Und wieder war er besoffen. Wieder mal musste ich ihn irgendwie zurückhalten. Ich nahm ihm den Autoschlüssel ab und legte ihn in meinen Hausschuh. Immer wieder kam er fast bis auf Nasenkontakt zu mir, „wo ist der Schlüssel“ sagte er kalt. Und wo sein Handy sei, ich solle ihm jetzt verdammt noch mal sein Handy geben, und ob ich irgendwie eine Rufumleitung zu meinem Handy hätte...wie könne ich sonst seine SMS kennen....tja, ich sag nur Sendeprotokolle....aber egal.
    Diesmal war er es, der voll ausflippte. Er kam immer wieder ganz nah her, sprach leise, aber hart,...er versuchte mir wirklich zu drohen. Ich wich keinen Millimeter weg. Ich dachte mir nur, schlag doch zu, dann brauch ich kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn ich gehe.
    Jetzt wollte er plötzlich reden. Ich nicht. Ich war müde und wollte schlafen. Er ließ mir keine Ruhe. Ich ging ins Bett, er redete weiter auf mich ein. Auch dass ich ihm mehrmals sagte, ich könne ihn nicht hören, weil ich im Bett keine Hörgeräte drin hab, stoppten den Rede- oder soll ich besser sagen, Vorwurfsfluss nicht.
    Irgendwann stand ich dann genervt auf, tat meine Hörgeräte rein und meint, ob er das jetzt vielleicht nochmals sagen könnte, vorher hätte ich ja nichts gehört. Es kam nochmals der gleiche Schwall wie zuvor, was ich mir denke, was die anderen denken, weil ich einfach abgehauen sei....ich sagte nur, er habe doch gewußt, wo ich bin, er habe doch den Freund angerufen und der hat ihm gesagt wo ich bin. Ich weiß das, weil der Freund gleich danach beim Nachbarn anrief und mir das ausrichten ließ. Kurz darauf klingelte das Telefon beim Nachbarn und er sagte nur, ja die ist bei mir, wir trinken Wein.
    So, meinte mein Nachbar. Er würde jetzt an seiner Stelle aufstehen, hier klingeln und mich heimholen. Ich sagte das wird er ganz sicher nicht tun. Und ich hatte Recht.

    Er meinte, ja, da ist was mit Bettina und ich hätte es ja nicht anders gewollt. Er habe sich halt ein Hintertürchen offen gehalten.
    o.k. sagte ich, du gibt’s es zu. Lass uns morgen weiter reden ich kann jetzt nicht mehr. Ich bin müde. Ich konnte nicht mal mehr spüren wie es mir ging, wollte einfach nur schlafen. So ging ich wieder ins bett und da er hinter mir hertobte, schloss ich ab. Er schlug so lang mit der Faust gegen die Tür, bis ich aufmachte. Aber nur, weil ich befürchtete er würde die Tür einschlagen oder sonst was demolieren. Warum ich ihn aussperre, was das soll...ich sagte ich sperr ihn nicht aus, sondern mich ein, weil ich schlafen will...er legte sich zu mir ins bett und schimpfte weiter. Ich nahm mein kopfkissen und legte mich unten auf die couch. Er mir nach. Und dann nochmal alles von vorn. ich ins schlafzimmer, türe zu. Er schlägt sie fast ein, ich mach auf...nur diesmal war er ruhiger. Dass ich überhaupt nicht reagiert hab, hat ihn wohl irgendwie durcheinander, ja aus dem konzept gebracht. Er legte sich hin und irgendwann drückte er sich wie ein Ertrinkender an mich und ließ mich nicht mehr los.

    Viel geredet haben wir seit dem nicht mehr. Ich hab ihm grad nichts mehr zu sagen.

    Gedanklich bin ich schon weg. Aber ich möchte ehrlich sein, ich häng an dem Umfeld, an unserem Haus, unserer Katze, den Nachbarn, unserem Garten. Das alles hatte ich mir immer gewünscht. Und vielleicht deshalb nichts erkannt. Jetzt muss ich hinschauen.

    Und dann sehe ich, dass ich als Tochter, immer wollte, dass mein Vater mich mag. Dazu musste ich lieb sein, tun was er sagt und vorallem durfte ich seine Meinung nicht anzweifeln. Männer, so erklärte er mir, sind halt so. Wenn ein Mann geil ist, hat Frau keine Chance mehr. Damit wuchs ich auf. Damit ging ich auch in die zweite Ehe. Und jetzt? Fange ich an, zu begreifen, dass ich mich nicht nur von meinem Mann lösen muss, sondern auch von den „Vorgaben“ meines Vaters.



    Vielleicht ist ja hier jemand unter euch, der ähnliches erlebt hat? in einer ähnlichen situation grad ist? oder mir sonst was dazu sagen will?

    Danke
    schöner gruss
    bison
    Geändert von Inaktiver User (25.05.2011 um 15:42 Uhr) Grund: Realnamen aus Gründen der Anonymität abgekürzt.

  2. User Info Menu

    AW: gehen oder bleiben?

    Zitat Zitat von bison Beitrag anzeigen
    oder mir sonst was dazu sagen will?
    Bison, ja, ich will dir was dazu sagen.

    Deinen Bericht habe ich nur bis zur Mitte gelesen. Nicht, weil es langweilig gewesen wäre ihn zu lesen, sondern weil ich es es nicht mehr ertragen kann, dass du das alles hinnimmt und deinen Mann nicht gleich rausgeworfen hast. Zum Schutze meines Blutdrucks und meiner Nerven habe ich dann aufgehört.

    Was willst du mit diesem Mann?
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

  3. Inaktiver User

    AW: gehen oder bleiben?

    >>Was willst du mit diesem Mann?

    DAS frag ich mich auch gerade........

  4. User Info Menu

    AW: gehen oder bleiben?

    Ein Viertel des Textes macht Deine Situation schon deutlich, finde ich.

    Für mich klingt es sehr verfahren und als ob es Dir besser allein ginge mit Therapie und ohne Mann. Machst Du die Therapie noch? Seid Ihr Deine Muster im Umgang mit Männern noch nicht durchgegangen?

    Die Spirale der Vorwürfe hat begonnen, Ihr macht mittlerweile beide Eure Partnerschaft kaputt und redet nicht über die Ursache. Er möchte und kann nicht auf Dich eingehen. Er ist nicht bereit zur Paartherapie. Du fragtest selbst nach dem Grund zu bleiben. Warum fragst Du ihn das und beantwortest das nicht für Dich selbst (typisch für Dein Muster?)? Sind es Dir Haus und Garten wert so mit einem Mann zu leben?

    Ich glaube, Dein Leben könnte ohne ihn allein erfüllter sein!
    Auf Dich zugeschnitten und nicht Du als Person, die es anderen stets recht macht. Aber dafür musst Du Dich erstmal kennenlernen mit Deinen Bedürfnissen und diese wertschätzen und ernst nehmen. Dann kommt die wahrhaftige Wertschätzung von anderen ganz von selbst.

    Grüße X

  5. Inaktiver User

    AW: gehen oder bleiben?

    Ich habe deinen Bericht queer gelesen und bin erschüttert. Schließe mich den anderen an - WAS willst du noch von so einem egoistischen und verlogenen Mann?

    Stell ihn zur Rede und dann packe hoch erhobenen Hauptes deine Koffer oder schmeiße ihn raus! Soll er doch zu der anderen gehen.

    Denn du bist dir als Fussabtreter zu schade!!!!
    Alles Gute für dich!!!

  6. User Info Menu

    AW: gehen oder bleiben?

    danke Nocturna, Gorkon, Xenza, orangeMarlade....

    ich weiß, dass ihr Recht habt. und danke auch fürs Lesen (war echt lang.....)
    und wie ich am Schluss ja auch geschrieben habe, weiß ich im Grunde, ich muss gehen, weil er mich so kaputt macht. Trotzdem dachte ich, vielleicht bin ich zu empfindlich ... manchmal hilft ein neutraler Beobacher halt einfach mal weiter...
    ... hm...oh ja, ich muss was für mich und mein Selbstwertgefühl tun und ich hab ja schon damit angefangen. Auch mit der Therapie - für mich.

    Was will ich mit diesem Mann?
    Nichts mehr,nur einen gesunden Weg für mich raus aus der Beziehung. Diesen Weg werde ich jetzt suchen...
    ich muss eine Wohnung finden, die ich bezahlen kann (Mein Geld steckt ja im Haus)
    hab auch schon drüber nachgedacht, erstmal zu meinem Vater zu ziehen - Platz genug wäre - aber ob das in meiner jetzige Situation optimal ist? Gefühlsmäßig nicht, weil mein Vater ja eher der Meinung ist, ich müsste halt mehr auf meinen Mann zugehn....*kopf-schüttel* nee....

    gruss
    bison

  7. Inaktiver User

    AW: gehen oder bleiben?

    >>Mein Geld steckt ja im Haus

    Oha, das riecht aber schwer nach Zwangsversteigerung......freiwillig wird er dir deinen Teil bestimmt nicht auszahlen....oder

  8. User Info Menu

    AW: gehen oder bleiben?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    >>Mein Geld steckt ja im Haus

    Oha, das riecht aber schwer nach Zwangsversteigerung......freiwillig wird er dir deinen Teil bestimmt nicht auszahlen....oder
    das hoffe ich nicht. Ich habe damals darauf bestanden einen Partnerschaftsvertrag zu machen (der auch in der Ehe weiterhin gültig sein soll). Darin wurde vereinbart, dass mein Geld als Darlehn gilt und m Falle einer Trennung verzinst zurückzuzahlen ist.
    Die Frage ist nur, woher soll er das Geld nehmen?

    Ich denke mir, um ihn zur Auszahlung zu bringen muss ich im Haus bleiben...so weit ich ihn jetzt kenne ist sonst gar nix zu machen. Werd da einen Anwalt fragen müssen....

    gruss
    bison

  9. User Info Menu

    AW: gehen oder bleiben?

    Viel Glück und Kraft, ich denke, Du bist auf dem richtigen Weg!

    Grüße X

  10. Inaktiver User

    AW: gehen oder bleiben?

    Zitat Zitat von bison Beitrag anzeigen
    das hoffe ich nicht. Ich habe damals darauf bestanden einen Partnerschaftsvertrag zu machen (der auch in der Ehe weiterhin gültig sein soll). Darin wurde vereinbart, dass mein Geld als Darlehn gilt und m Falle einer Trennung verzinst zurückzuzahlen ist.
    Die Frage ist nur, woher soll er das Geld nehmen?

    Ich denke mir, um ihn zur Auszahlung zu bringen muss ich im Haus bleiben...so weit ich ihn jetzt kenne ist sonst gar nix zu machen. Werd da einen Anwalt fragen müssen....

    gruss
    bison
    Anwalt solltest du schleunigst einbeziehn BEVOR du Fakten schaffst ! Kann es sein, daß gerade der Sachverhalt mit ein Grund ist für sein Tun?

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