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  1. User Info Menu

    Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Guten Abend,
    nach zwei Tagen stillem Lesen habe ich mich entschlossen, den Schritt zu wagen und mich in diesem Forum anzumelden.
    In mir drin herrscht gerade das größte Chaos und ich möchte mich gern mit jemandem aussprechen. Meine beste Freundin sagt mir leider nur das, was ich hören möchte und das ist in diesem Fall wohl leider nicht sehr effektiv.

    Gut.
    Ich bin seit 10 Jahren mit meinem Mann zusammen, einen Großteil der Zeit sind wir verheiratet. Wir haben Kinder, führen eine meist harmonische Ehe, sind finanziell durch mich abgesichert, während er sich um den Haushalt kümmert. Merkwürdige Konstellation, ich weiß, aber sie hat meiner Meinung nach eine Bedeutung für den nachfolgenden Text.
    Als ich meinen Mann kennenlernte, war er der romantischste Mann, den ich mir vorstellen konnte. Aufmerksam, liebevoll und immer für mich da. Er trug mich im übertragenen Sinn auf Händen - wirklich hochgehoben hat er mich nie (ebenfalls wichtig). Schon bald nach unserem Zusammenziehen ließen die Zärtlichkeiten von seiner Seite aus nach, Vorstöße meinerseits wurden zunehmend abgeblockt. Es kam sogar so weit, dass sich seine Mutter (!) einmischte und ihn aufforderte, beim Spazierengehen mal meine Hand zu halten - niemand würde ihn dafür schräg anschauen.
    Doch ich war zufrieden. Immerhin gab mir mein Mann das Gefühl, geliebt zu werden. Doch das änderte sich schleichend im Lauf der Zeit und ich ließ es leider auch geschehen. Letzte Versuche, die alten Gefühle wiederzubeleben wurden mit einem "man ändert sich halt" von ihm abgeblockt. Erste Tränen in einer scheinbaren Einsamkeit kamen auf. Aber ich gab nicht auf. Machte es mir so bequem wie möglich und kompensierte emotionale Misslagen mit schönen Dingen, die ich uns kaufte bzw. ermöglichte. Ich versuchte, mir die mir meiner Meinung nach zustehende Zuneigung zu erkaufen! Das wird mir erst jetzt beim Schreiben klar und ich bin entsetzt über mich. Ich war immer so glücklich, wenn er sich über einen Kauf freute - der neue Fernseher, ein neues Objektiv für unsere Kamera oder jetzt eine Reise, auf die wir schon 10 Jahre lang warten.
    Ich denke, solch eine Beziehung führen unglaublich viele Frauen und ich habe diese Frauen immer verachtet: Was wollten die nur bei ihren Männern? Doch nun bin ich selbst so eine.
    Wie passend, dass ich einen Kollegen für eine Woche zugeteilt bekam. Ein wenig Ablenkung, Spaß haben. Ich bin nicht hässlich und sehr kollegial. Männer kommen mit mir immer sehr gut aus und ich mit ihnen. Durch die Arbeit bedingt verbrachten wir in dieser Woche pro Tag zehn Stunden miteinander. Klingt viel, ist auch viel. 70 Stunden nur zu Zweit.
    Am ersten Tag sprachen wir über alles Mögliche und wir stellten fest, dass wir wirklich wie erhofft gut miteinander klarkamen. Er traute mir Arbeiten zu, vor denen viele Frauen zurückgeschreckt wären, doch ich zuckte nur mit den Schultern und tat es. Damit erkämpfte ich mir Respekt - wie ich dachte. Am zweiten Tag wurden unsere Gespräche persönlicher und wir alberten im Schnee herum. Am dritten Tag dann nahm er mich plötzlich auf seine Arme und stellte mich in einem Schneehaufen ab, nachdem ich ihm Schnee in den Kragen gestopft hatte. Verwirrt begann ich, ihn zu taxieren, grübelte und fragte mich, worauf wir gerade zusteuerten. Die Stimmung war mit einem Mal ganz anders. Plötzlich hier eine Berührung, dort ein tiefer Blick und dann griff er nach meinem Charmarmband und tat so, als würde er die einzelnen Anhänger ansehen, doch er streichelte mein Handgelenk. In diesem Augenblick war ich erleichtert, denn die Spannung war verflogen und es war klar, dass zwischen uns mehr passieren könnte. "Es ist so wie vor drei Jahren.", flüsterte er, als wir uns umarmten. "Vor drei Jahren? Wie meinst du das?" "Weißt du nicht mehr? Du hast mich in meiner Einführung begleitet und mir alles erklärt. Am ersten Tag hast du mich zusammengestaucht, da ich nicht vorschriftsmäßig gekleidet war, aber du hast dir für alle meine Fragen Zeit genommen. Das hat mir sehr imponiert und ich habe dich dafür respektiert." Ich konnte mich nicht an ihn erinnern, immerhin hatte ich in den letzten 3 Jahren 30 dieser Einführungen begleitet. "Wir verstanden uns damals schon gut, waren auf einer Wellenlänge und damals schon war da ein Kribbeln." Und da fiel es mir wieder ein. Er war 20 Kilo schwerer gewesen, deshalb fehlte mir sein Bild in der Erinnerung. Und dann sagte er, dass er sich von unserer gemeinsamen Arbeit eben viel Lachen und auch ein wenig Flirten versprochen hätte. Aber er hätte nie gedacht, dass es ihm so nahe geht und wir diese Grenze wirklich überschreiten würden - zwischen Flirt und Ernst.
    Aber wir taten es, überschritten die Grenze, konnten nicht mehr ohne einander sein. Küssen, Halten, Lachen. Berührungen, wie ich sie mir seit Jahren gewünscht hatte. Liebe Worte, die er mir zuflüsterte. Sein "Süße" ging mir unter die Haut und beim Gedanken daran wird mir anders.
    Aber auch er war verheiratet, schon über 10 Jahre lang, auch er zwei Kinder, eine Frau, die ihn eifersüchtig überwachte und einengte, mit der er bei weitem nicht so viel Spaß hatte (sagt er). Wir wussten also von Anfang an: Es gibt keine Zukunft für uns. Denn für ihn sind seine Kinder sein ein und alles und ein Vierzehntagespapa wollte er unter keinen Umständen werden. Dennoch passierte es und das Wort "Liebe" tauchte auf, machte alles noch schwerer und komplizierter und den Abschied am Ende der Woche zur Hölle. Vier Wochen nun ohne eine Kontaktmöglichkeit und auch dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass wir fünf Minuten Zeit füreinander hätten.
    Ich habe die Zeit mit ihm genossen - ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Zum Äußersten ist es nicht gekommen, aber es hat einfach perfekt gepasst. Ein Seelenverwandter halt, der so dachte wie ich. Es war wie Magie, als hätte es mich auf einmal doppelt gegeben und ich hätte mit mir selbst gesprochen. Traumhaft.

    Wir wussten, dass wir keine gemeinsame Zukunft hatten und versuchten, die gemeinsame Zeit zu genießen. Der Abschied war schwer, nicht nur für mich. Doch obwohl ich so "vernünftig" bin, geht er mir nicht aus dem Kopf, ich halte ebendiesen ständig gesenkt, kämpfe mit den Tränen und weiß mir keinen Rat mehr. Ich habe mir geschworen, nicht den Kontakt zu ihm zu suchen. Das ist doch schon einmal gut? Ich möchte seine Ehe nicht zerstören, habe ihm sogar aufgezeigt, dass seine Frau ihn liebt und nur Angst hat. Dass er den Stress mit dem jüngsten Kind auch einmal beseite schieben muss um wieder zu ihr zu finden. Wieder habe ich mich hintenan gestellt und das Glück von anderen vor mein persönliches Glück gestellt, aber ich bin mir sicher, dass es richtig so war.

    Warum schreibe ich das jetzt? Könnt ihr mich darin bestärken, weiter hart zu mir zu sein und diesen Mann aufzugeben? Bei meinem Mann zu bleiben, meiner Familie und mit diesem Kick einfach wieder frischen Wind in die Ehe zu bringen? Jetzt, wo ich wieder weiß, was lieben heißt?

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    AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Hallo stadtlandmädel ...

    Ja - das Halten. Gehalten werden. Hochheben, wohin gestellt werden etc. scheint eine Bedeutung für dich zu haben. Auf den Armen deines Liebsten und nicht umgekehrt - auch nicht im übertragenen Sinne. Süß sein ... können/dürfen ... oh ja. Evtl. alles ein Ausdruck für 'verqueres' in deiner Beziehung und in dir selbst? Muss ich nochmal drüber nachdenken.

    Wie schön, dass du was erlebt hast, wonach du dich sehntest. Da warst du mal nicht hart zu dir? Nur ein bißchen (man kann/will ja nicht gleich alles in sich umkrempeln), weil es nicht zum äußersten kam?

    All die schönen Dinge hast du nun nach langer Zeit zum ersten Mal erlebt - warum dann doch gleich nen Schwur? Die schönen Dinge müssen wieder weg?

    Wie auch immer - lass es nicht versanden, dein Gefühl. Denn die Gefahr besteht. Den Seelenverwandten hast du nun schon (fast) verloren. Der musste einfach weg?

    Man zerstört nicht gleich alles. Manchmal muss man sich gar nicht entscheiden - zumindest für eine Weile nicht. War die 'Weile' lang genug bei dir?

    VanDyck
    Geändert von VanDyck (03.02.2010 um 01:13 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    @ stadtlandmädel,

    das machst Du gut, dass Du so "hart zu Dir" bist und da keinen Kontakt suchst.

    aber kannst Du wirklich nichts für Deine Ehe machen - da mal Dinge aufrütteln und neuen Schwung bringen?

    das vernachlässigt man oft - gerade mit kleinen Kindern.

    meinst Du, dass Du Deinem Mann von der Begegnung mit dem anderen erzählen könntest?

  4. User Info Menu

    AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Guten Morgen!

    Bin ich zu hart zu mir selbst? Aber ist es nicht sinnvoll, die Vernünftige zu sein, wenn man das Gefühl hat, dass um einen herum alles furchtbar schief geht?
    Ich kenne den Unterschied zwischen Alltag und rosaroter Brille. Wer sagt mir, dass es in zehn Jahren nicht anders ist? *grübel*

    Meinem Mann davon erzählen? Unseren, meinen Problemen gegenüber ist er taub, da rede ich nicht mehr dagegen. Spreche ich Probleme an, um sie aus der Welt zu schaffen, sagt er: Wann verlässt du mich? Du verlässt mich, stimmts? oder er fragt, ob ich mich verliebt habe.
    Ihm von dem anderen Mann erzählen? Und dann vor dem Nichts stehen? Für mich auch keine Alternative.
    Er ist abhängig von mir, hat für meine Karriere seinen Job verloren und ich fühle mich verpflichtet, für ihn da zu sein. Der Alltag funktioniert prima, wenn ich nur nicht das Gefühl hätte, zu vertrocknen.

    Viele Fragen wurden in dieser einen Woche gestellt. Warum ich nie abends weggehe - weil er es nicht möchte. Warum ich kaum Freunde habe - weil er damit nicht umgehen kann. Ich habe mein Leben nach meinem Mann ausgerichtet.

    Dennoch ist meine Zuneigung zu ihm sehr groß. Ich lebe in der Erinnerung an das, was einmal war und hoffe so sehr auf ein Lächeln, dass mich an den Mann erinnert, in den ich mich einmal verliebt hatte.

    Kann ich aufrütteln? Bekomme ich neuen Schwung in meine Ehe? Keine Ahnung. Das wird die Zeit zeigen.
    Erste Veränderungen: Ich bekam gestern keinen Gutenacht"bussi" und heute keinen Abschieds"bussi" (Kuss kann man das nicht nennen), als er ging. Zärtlichkeiten fehlen völlig.
    :(

    VanDyck, du hast gefragt, ob die Weile lang genug war. Nein. Mir hat es nicht gereicht, aber ich fühle mich beflügelt. Kann lachen, fühle mich besser. Nur erreicht das Lachen meine Augen nicht, wie mir gestern ein Kollege sagte.

    Ich will mehr davon, aber ich weiß, dass ich nicht mehr davon bekomme. Vielleicht Ende des Jahres noch einmal, wenn er mir ein weiteres Mal zugeteilt wird. Aber dann ist da wieder die Angst: Wie sind seine Gefühle nun, was bedeutete ihm die vergangene Woche?

  5. Inaktiver User

    AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    meinst Du, dass Du Deinem Mann von der Begegnung mit dem anderen erzählen könntest?
    Gerade das habe ich auch gedacht.

    Du musst Bewegung in Deine Ehe bringen. Und du musst richtig aufrütteln, so wie Du sie beschrieben hast.
    Lauwarm wird nicht ausreichen, damit solche Begegnungen Dich nicht erneut in Konflikte bringen.

    Erzähle es Deinem Mann. Vorwurfsfrei. Einfach so, wie es (in etwa- ohne Details natürlich) sich für Dich anfühlte, was es in Dir auslöste. Und dass Du diese Gefühle auch mal bei ihm hattest und es sie durchaus wieder geben kann.

    Mein Mann staunt bis heute darüber, dass seine stark wirkende, emanzipierte Frau gerne eine starke Schulter an ihrer Seite in ihm hat und auch das "Auf-Händen-tragen" wie Du es beschreibst, geniesst! Und es tut ihm so gut, diese Rolle gerne auszufüllen.

    Ich kann mir vorstellen, dass Ihr beide nicht nur das Paarsein vernachlässigt habt, sondern Deinem Mann tatsächlich nicht klar ist, wie gefährlich sein Weglassen der Zärtlichkeiten, der körperlichen Zuwendung ist.

    Deshalb kann der andere Mann auch mehr wirken, als dass er dies mit Abstand gesehen, tut. Das ist die Falle, in die man tappt, wenn zuviel in der eigenen Beziehung im Argen liegt.

    Wenn Du nichts tust, wird sich die Sehnsucht aufbauen, den Anderen wiederzusehen und dann wird es kaum noch Grenzen geben und Du hast ein noch grösseres Problem.

  6. User Info Menu

    smile AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass das "da draußen" für dich äußerst reizvoll war. Du dich wieder lebendig fühltest, und so richtig schön begehrt.

    Aber:
    In guten und schlechten Zeiten. Das - finde ich - sollte man schon wörtlich nehmen.

    Dein Mann ist passiv was die Gestaltung der Ehe anbelangt? Lass ihn nicht damit durch. Mache ihm klar, dass sein Verhalten Konsequenzen hat, für dich, für ihn, für die Kinder. Und dass er sich unerwachsen benimmt, wenn er erwartet, dass immer du diejenige bist, die Dinge in die Hand nimmt.

    Ich denke, eine Eheberatung würde sicher den Abstand verringern. Er stimmt nicht zu? Gut, dann machst du alleine Beratung mit. Vielleicht möchte auch er lieber ganz alleine eine Beratung in Anspruch nehmen. Er scheint ja unzufrieden zu sein, Ängste zu haben (verläßt du mich), also glücklich ist er jedenfalls nicht, er kann vielleicht gut verdrängen, aber mehr auch nicht.

    Du drehst dich ja im Kreis. Wieso denn "vor dem Nichts stehen" ? Es gibt kein "nichts". Du hast viele Möglichkeiten, nutze sie!

    Die gewisse "Härte" die du dir konstatierst, ist vielleicht deine innere moralische Instanz. Ich finde es gut, dass du die hast. Du bist spät aufgewacht, hast also auch deinen Anteil daran, dass alles so lange so lief, wie es lief/läuft. Es ist niemals nur einer der Verursacher - nicht vergessen. Vielleicht hat dir die Jahre über der Mut gefehlt, für deine Bedürfnisse entsprechend zu kämpfen? Sich in den Job zu flüchten, ist ja gesellschaftlich akzeptiert. Ich finde es einfach schade.

    Fürs erste wäre es ja vielleicht eine Möglichkeit, dass ihr mal miteinander darüber sprecht, was ihr euch eigentlich von dieser Ehe erwartet? Was möchte ich geben? Was möchte ich bekommen? Wer nicht alles geben möchte, was ihm möglich ist, wird nicht das bekommen, was er möchte.

    Ihr habt es lange schleifen lassen, jetzt ran an die Arbeit! Das haben schon viele andere vor euch geschafft - nur Mut!

    Was tust du denn sonst noch so für dich, in deiner Freizeit? Wo du Bestätigung erhältst, wo es um deine Gefühle geht (nicht um Arbeit). Ich frage, weil: Der Partner kann nicht alles geben müssen im Leben. Er ist nur ein Tortenstück einer ganzen Torte. Sozusagen.

    Liebe Grüße
    Karla
    The original Karla
    est. 2006


  7. Inaktiver User

    AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Zitat Zitat von stadtlandmaedel Beitrag anzeigen
    Meinem Mann davon erzählen?

    Unseren, meinen Problemen gegenüber ist er taub, da rede ich nicht mehr dagegen. Ihm von dem anderen Mann erzählen? Und dann vor dem Nichts stehen? Für mich auch keine Alternative.

    Der Alltag funktioniert prima, wenn ich nur nicht das Gefühl hätte, zu vertrocknen.

    Viele Fragen wurden in dieser einen Woche gestellt. Warum ich nie abends weggehe - weil er es nicht möchte. Warum ich kaum Freunde habe - weil er damit nicht umgehen kann. Ich habe mein Leben nach meinem Mann ausgerichtet.
    Nur eine Frage der Zeit, der Gelegenheit, bis Dein Problem Euer Problem wird, wenn Du es nicht schaffst, es in Worte zu packen und ihn zu erreichen.

    Ohne Bewegung, keine Veränderung. Trau Dich! Oder vertrockne!

    Das Schweigen darüber führt zur klassischen Affaire, führt in ein Doppelleben, das Du jetzt noch abwenden kannst.

  8. Inaktiver User

    AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Zitat Zitat von stadtlandmaedel Beitrag anzeigen

    Er ist abhängig von mir, hat für meine Karriere seinen Job verloren und ich fühle mich verpflichtet, für ihn da zu sein. Der Alltag funktioniert prima, wenn ich nur nicht das Gefühl hätte, zu vertrocknen.

    Könnte es sein, dass sich dein Mann durch diese Gestaltung "kastriert" fühlt, sich selbst nicht mehr als "Mann" sehen kann, und sein Unbehagen mit dieser Situation durch Liebesentzug dir gegenüber zum Ausdruck bringt.

    Spreche bitte mit ihm darüber, und falls meine Vermutung nur annähernd zutrifft, dann müsst ihr da eben für Veränderungen in diesem Bereich sorgen.

    lg bujo

  9. User Info Menu

    AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Ihr seid so lieb, danke!

    Mein Mann staunt bis heute darüber, dass seine stark wirkende, emanzipierte Frau gerne eine starke Schulter an ihrer Seite in ihm hat und auch das "Auf-Händen-tragen" wie Du es beschreibst, geniesst! Und es tut ihm so gut, diese Rolle gerne auszufüllen.
    Das habe ich ihm schon vor Jahren gesagt, ihm klargemacht, dass ich nicht immer die Starke und Coole sein will. Das ich mich nicht um alles allein kümmern möchte. Da es mit Reden nicht getan war, habe ich begonnen, Aufgaben auf ihn abzuwälzen. Warum sollte ich als Frau mich um die Autos kümmern? Das kann er doch sicher so viel besser. Das Ergebnis steht gerade vor der Garage und nervt mich. Erst war kein Öl mehr da, nun ist die Batterie ganz kurz vor dem Ende. Am anderen Wagen ist ein Scheibenwischerblatt eingerissen. Bitten, Hinweise? Alles wird ignoriert, aber er lässt es schleifen, weil er weiß, dass ich es irgendwann mache? Fast einen Monat ist der Scheibenwischer kaputt, wie lange soll ich bei diesem Wetter noch warten? Ich muss es einfach tun.
    Und genau wie mit dem Auto und anderen "männlichen" Sachen ist es mit seinem Verhalten mir gegenüber. Wie oft schon habe ich ihm gesagt, dass mir seine Nähe fehlt. Seine Zärtlichkeit. Wenn er vorübergeht, mich kurz berührt. In letzter Zeit habe ich häufiger gesagt, dass unsere Katzen mehr Streicheleinheiten bekommen als ich und das ist nicht gelogen. Mit denen beschäftigt er sich ausgiebig. Ich sitze daneben und komme mir überflüssig vor.

    Wenn Du nichts tust, wird sich die Sehnsucht aufbauen, den Anderen wiederzusehen und dann wird es kaum noch Grenzen geben und Du hast ein noch grösseres Problem.
    Das stimmt. Der andere hat mir erst wieder deutlich gemacht, was mir wirklich fehlt. Und er könnte es mir geben. Deshalb sehne ich mich so nach ihm, nach der Zeit, die ich mit ihm verbracht habe. Spiele in Gedanken jede Situation noch einmal durch, erfreue mich an der Kitschigkeit, besser, als es jeder Hollywoodfilm gekonnt hätte.
    Vor dem nächsten Treffen habe ich keine Angst. Da werden wir uns nicht allein sehen (in vier Wochen). Und am Ende des Jahres kann alles ganz anders aussehen.

    Ich denke, eine Eheberatung würde sicher den Abstand verringern.
    Mir fehlt der Mut zu diesem Schritt. Auch wenn er vor einem Jahr einer Beratung aus einem anderen Grund zugestimmt hatte und ich ihn bat, sich darum zu kümmern. Gekümmert hat er sich nicht. Also habe ich Adressen rausgesucht und ihm gegeben. Er solle Termine vereinbaren. Getan hat er nichts. Tue ich es, würde er an diesem Tag tausend Ausreden erfinden. Also kann ich gleich selbst gehen und dafür war ich viel zu lang die Starke. Aber vielleicht sollte ich dies wirklich tun. Meinst du, das kirchliche Angebot ist in dieser Hinsicht gut? Oder sind eher die staatlichen Angebote zu empfehlen, die vom Sozialministerium veröffentlicht werden? Bringen diese Institutionen überhaupt etwas, oder muss man für teures Geld einen Therapeuten besuchen?

    Wieso denn "vor dem Nichts stehen" ?
    Würde ich meinem Mann von dem anderen erzählen, würde er sich mit der Minute von mir abwenden.
    Als mein Mann sich aufgrund von übler Nachrede schon einmal von mir getrennt hatte und mich buchstäblich vor die Tür gesetzt hat, stand ich tatsächlich vor dem Nichts. Ohne Freunde zum Unterkriechen, mit einem Job, in dem man nicht einfach mal pausieren kann, fest eingeplant im Schichtdienst. Grauenhaft. Wohin mit dem Kind während der Arbeit? Betreuungsangebote von 5 Uhr früh bis 9 Uhr am Abend? So etwas gibt es nicht. Und war auf die Schnelle nicht zu organisieren. Mit viel Bitten und Betteln habe ich meinen Dienst in die Nacht verschoben und ein Kollege (!) hat in der Nacht auf mein Kind aufgepasst. Dann endlich konnte ich mein Kind mehrere hundert Kilometer weit weg bei meinen Eltern unterbringen, bin in mein Auto gezogen und habe um meinen Mann gekämpft.

    Fürs erste wäre es ja vielleicht eine Möglichkeit, dass ihr mal miteinander darüber sprecht, was ihr euch eigentlich von dieser Ehe erwartet?
    Wie beginne ich so ein Gespräch, welches nicht in Verdächtigungen und Vorwürfen seinerseits endet? Wie schaffe ich es, dass er mit mir über das Thema spricht, ohne nach 2 Minuten nach einer Ablenkung zu suchen? Oder einfach sagt: Darüber will ich jetzt nicht reden. Und wenn ich ihn bitte, zu einem anderen Termin das Thema anzusprechen, passiert erst recht nichts mehr. So erging es mir erst in diesem Jahr, als er mir zusicherte, am Wochenende mit mir zu reden. Das Wochenende kam und es ging auch wieder. Und wir wechselten kein Wort. Das ist zermürbend, das macht hoffnungslos.

    Was tust du denn sonst noch so für dich, in deiner Freizeit?
    Meine eigene Freizeit, also nachdem ich mich um die Familie gekümmert habe, opfere ich zum Großteil meiner Firma. Hobbies habe ich keine mehr. Keine Zeit, keine Lust und keine Erlaubnis, etwas allein machen zu dürfen. Ich bin eine gute Schützin, aber im Schützenverein sein? Nein. VHS-Kurse waren meine Leidenschaft, aber ständig die Verdächtigungen und Nachfragen bezüglich männlicher Kursteilnehmer ertragen? Nein. Mit Freunden ausgehen? Auch das nicht möglich. Zur Firma kommt gleich noch mehr.

    Könnte es sein, dass sich dein Mann durch diese Gestaltung "kastriert" fühlt, sich selbst nicht mehr als "Mann" sehen kann, und sein Unbehagen mit dieser Situation durch Liebesentzug dir gegenüber zum Ausdruck bringt.

    Spreche bitte mit ihm darüber, und falls meine Vermutung nur annähernd zutrifft, dann müsst ihr da eben für Veränderungen in diesem Bereich sorgen.
    Eine sehr berechtigte Frage! Die Situation besteht nun schon seit fünf Jahren und ich bin der Meinung, dass er dadurch nicht mehr seiner Rolle als mein strahlender Ritter gerecht wird, der seine Familie umsorgt. Darauf angesprochen scheint er keine Probleme mit der Situation zu haben und stellt die Vorteile (Finanzen, Sicherheit) in den Vordergrund. Da ich mich damit nicht zufriedengeben wollte, gründete ich vor drei Jahren eine eigene Firma mit dem Ziel, ihm diese Firma zu überlassen, sobald sie eingeführt wäre.
    Der Punkt ist nun gekommen. Ich habe ihn quasi angelernt, zu Kundengesprächen mitgenommen, alles mit ihm durchgesprochen. Er arbeitet gern für die Firma, aber er will sie nicht haben. Traut sich nicht zu, sich ebensogut verkaufen zu können wie ich. Oder anders: Er will sich nicht verkaufen. Ich konnte das auch nicht, aber durch die Firma war ich gezwungen, das zu lernen und ich wurde schnell erfolgreich. Nun stehe ich da mit einer Familie, einem Vollzeitjob und einer erfolgreichen Firma und nur 24 Stunden Zeit am Tag.
    Was wieder dazu führt, dass ich die Starke und Coole sein muss. Die Firma aufgeben kann und will ich nicht. Das ist das, was ich mir vor zehn Jahren erträumte und worüber jeder lachte. Damit konnte ich beweisen, dass ich es drauf habe. Dummerweise habe ich gedacht, im Interesse meines Mannes zu handeln, den ich dadurch nur noch kleiner gemacht habe.

  10. User Info Menu

    AW: Chaos und die Bitte um Hilfe.

    Hey slm ...

    Auf den ersten Blick sind Erlebnisse wie deine und ebenso die Situation drum herum sehr ähnlich - schaut man genauer hin, stellt man fest, wie einzigartig und besonders das Leben und die Gefühle von den Beteiligten sind. Das verlangt individuelle 'Antworten', sofern es diese überhaupt geben kann. Womöglich gibt es auch keine Antworten für dich und es gilt, die Fragen zu leben. Oder auch noch weitere Fragen zu finden, weil die entscheidenden noch gar nicht offenbar geworden sind ...

    Die Verantwortung, die du ihm gegenüber fühlst, wiegt schwer. Du fühlst dich verpflichtet. Wie wird er sich fühlen in seinem ICH? Fühlt sich dieses ICH wohl in dieser Konstellation? Was entwickelt sich da in diesem ICH über die Jahre während dieser Abhängigkeit? Was wird aus einem erwachsenen ICH, welches genau weiß, dass es abhängig ist? Entspricht das dem eigentlichen ICH deines Mannes?

    Was wird passieren, wenn du ihm die Erlebnisse erzählst? Rüttelt das auf oder werden weitere negative Entwicklungen in Gang gesetzt werden? In deinem Fall ist das wohl noch schwieriger zu prognostizieren als in anderen, denn bei euch scheinen diese besonderen Abhängigkeitsverhältnisse eine große Rolle in eurer besonderen Konstellation zu spielen - wenn auch DAS nun zusätzlich ins Wanken gerät, insb. für IHN durch ein 'Geständnis' deinerseits .... oder muss genau DASS ins Wanken geraten?

    Und wie würdest DU dich dabei fühlen, wenn dieses Abhängigkeitsverhältnis anfängt zu wackeln? Wie würde es sich z.B. für dich anfühlen, hättest du zu deinem Mann ein Verhältnis, welches nicht mehr davon geprägt ist, dass du dich in diesem (speziellen) Ausmaß verantwortlich für ihn fühlst?

    Ein letzter Gedanke noch, der mir gerade einfällt: Er ist depressiv (geworden). Muss man vorsichtig sein mit solchen Überlegungen ... aber mein Gefühl sagt mir zumindestens; da ist Einiges in ihm, wo er total dichtgemacht hat in seinen Empfindungen - sieht für mich so aus, als wenn wichtige Dinge ihn ihm abgespalten sind ... doch wie gesagt, nur ein Gedanke ...

    VanDyck

    P.S. - dein letztes längeres Posting hatte ich noch nicht gelesen.
    Geändert von VanDyck (03.02.2010 um 11:12 Uhr)

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