Nigritella,
die Warnungen und Mahnungen überwiegen als Reaktionen auf deinen Bericht.
Ich nehme es anders wahr. Ich verstehe diese Begegnung nicht als Gelegenheit zum Eskapismus aus deinem Leben, sondern als Einstieg in neue Erfahrungen, du nennst es wohl bewusst "neue Freiheit".
Diese Selbstwahrnehmung möchte ich erstmal ernstnehmen, bevor ich ins Horn derer stoße, die dich warnen und dich lediglich unter dem Einfluß der Endorphine sehen.
Na und? Hinter diese Erfahrung wirst du nicht mehr zurückkönnen. Das wird es nicht einfacher für dich machen. Sicher fängt die Arbeit an deiner "neuen Freiheit" jetzt erst an, dabei ist völlig unerheblich, ob aus der Beziehung zu diesem jüngeren Mann etwas Festes wird oder nicht.
Ich gratuliere dir zu dieser Erfahrung. Sie in einer Kur, also in einer Auszeit, gemacht zu haben, spricht nicht gegen sie. Das also ist möglich. So etwas gibt es also...
Und ich dachte schon, mein Leben müsste weiterhin so grau vor sich hindümpeln...
Ganz egal, wie es weitergeht, diese Erfahrung wird dich begleiten und dich im guten Sinne anpruchsvoll machen. Ich wünsche dir, dass du einiges davon in dein Leben mitnehmen kannst.
Viele Grüße
pepkuss
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Thema: Neue Freiheit
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12.06.2009, 13:55
AW: Neue Freiheit
Geändert von pepkuss (12.06.2009 um 14:02 Uhr)
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12.06.2009, 14:36Inaktiver User
AW: Neue Freiheit
Netter Komentar, hätte man sich auch schenken können

Muss nicht unbedingt so sein.
Ich habe eine Kundin, die ihren jetzigen Partner ind der Klinik kennen gelernt hat. Für ihn hat sie ihre Fam. und den Mann verlassen.
Die beiden harmonieren nach wie vor miteinander und das seit gut 6 Jahren.
Es mag zwar wenige solcher Fälle geben aber nach wie vor : Alles ist möglich
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12.06.2009, 15:47
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12.06.2009, 15:59
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12.06.2009, 17:09
AW: Neue Freiheit
Die TE scheint nicht vor zu haben, ihren Mann zu verlassen.....O Wunder, aus diesem Stück Freiheit, das ich mir da heimlich erlaubte, erwuchs mir von Tag zu Tag mehr Kraft. Ich verspürte keinen Konflikt als Frau zwischen D. und meinem Ehemann. D. war ein spiritueller Mensch wie ich, und wir verstanden einander auf tiefe Weise. Und ich genoss die körperliche Liebe mit ihm, schamlos, gierig - ganz unspirituell.
Zwei so verschiedene Ebenen, Spiritualität und Sexualität, erlebte ich nun in einer nicht für möglich gehaltenen Harmonie. Zeitweise aber nur, und ohne die Last des Alltäglichen. Und der andere Teil meiner Welt, Beruf, meine Töchter, mein Mann - ist auch ok.
So sieht mein Leben jetzt aus, so funktioniert es. Außergewöhnlich oder normal? Ich weiß es nicht. Jetzt ist es so gut für mich.Claudi
"Fürchte Dich nicht vor Veränderungen, fürchte Dich vor dem Stillstand!"
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12.06.2009, 17:20
AW: Neue Freiheit
Pepkuss, alissa - ich persönlich kann das gar nicht beurteilen, was dies für eine Liebe ist - ob kurz oder lang oder dazwischen. Ich wollte aber darauf hinweisen, dass diese Liebe die eigentlichen Probleme der TE wie ein Schleier abdecken könnte und dass jemand, der mit ganz bestimmten, ernsten Problemen in eine Klinik kommt, diese in den seltensten Fällen durch eine neue Beziehung auflösen kann.Ich gratuliere dir zu dieser Erfahrung. Sie in einer Kur, also in einer Auszeit, gemacht zu haben, spricht nicht gegen sie. Das also ist möglich. So etwas gibt es also...
Dass aber eine neue Beziehung in solchen Fällen durchaus oft den Zweck erfüllen kann, diese Probleme nicht zu bearbeiten...
Viele Grüsse
annapaulemaxThe aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)
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12.06.2009, 17:25Inaktiver User
AW: Neue Freiheit
Kann, aber muss nicht.
So eine Erfahrung kann auch dazu dienen, eigene Bedürfnisse zu erkennen. Und zu erfahren, dass diese Bedürfnisse auch erfüllt werden können.
Ein Dauerzustand ist das freilich nicht, die TE wird nicht umhin können, zu überlegen, wie sie diese neuen Erfahrungen in ihr tägliches Leben einbauen kann. Ohne Lügen und Heimlichkeiten, die eh meistens nicht befriedigen.
Gruß, Elli
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12.06.2009, 18:02
AW: Neue Freiheit
Genau.Kann, aber muss nicht.
Kann, aber muss nicht.So eine Erfahrung kann auch dazu dienen, eigene Bedürfnisse zu erkennen. Und zu erfahren, dass diese Bedürfnisse auch erfüllt werden können.
@neuner:
Ja, so ähnlich sehe ich das auch.Man geht an einem strahlenden Sommermorgen über eine taufrische Wiese. Nach einer Weile dreht man sich um und sieht die Spur, die man im nassen Gras hinterlassen hat. Doch die Wirkung dieser Spur ist nicht von langer Dauer: schon nach kurzer Zeit wird sich das Gras wieder aufgerichtet haben, und es wird nicht mehr erkennbar sein, wo man die Wiese überquert hat. Nur wenn man immer wieder und immer genau auf derselben Trasse über die Wiese geht, wird mit der Zeit ein kleiner – zunächst noch schmaler – Trampelpfad, später vielleicht sogar ein Weg entstehen.
Eine grosse Rolle spielt in meinen Augen auch, dass es eine ganz schön lange Weile gedauert hat, bis sich das System ausgebildet hat. Und es war zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich lebensnotwendig.Die Frage ist, warum das System so unbedingt überleben will, wenn man es doch mit Hilfe der Therapie durchschaut hat und eingesehen hat, dass es nicht mehr taugt? Mit dieser Frage habe ich mich eingehend befasst. Ohne eine abschließende Antwort gefunden zu haben, gehe ich davon aus, dass die meisten Menschen die Kraft der Gewohnheit massiv unterschätzen.
Ich stelle mir das vor wie bei meinem Kind: das weiss tatsächlich nicht, dass es ohne Schnuller einschlafen kann, weil es ja gar keine andere Situation kennt. Insofern hat es echt Panik, wenn ich ihm das doofe Ding weg nehme - wie soll das gehen, ohne Schnuller, es ging doch immer nur mit, aaaah!
Und diese Systeme haben sich ja auch sehr früh ausgeprägt, so dass es das man gar nichts anderes kennt...
Viele Grüsse
annapaulemaxThe aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)
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12.06.2009, 20:27
AW: Neue Freiheit
Also, ich traue mich auch mal wieder...
...und da ist vielleicht einiges klarzustellen. Z. B. behaupte ich nicht, den Einstieg in ein schönes neues Leben gefunden zu haben.
Aber eine Entwicklung, die während der 6 Wochen Klinik angebahnt wurde und deren Ausgang ich nicht kenne, hat mich dahin gebracht, dass ich wieder etwas für mich tun kann. Ich kann MICH wieder mit eigenen Wünschen wahrnehmen und diese zulassen oder nicht. Ich kann mich in meiner weiblichen Körperhaftigkeit wohlfühlen. Ich kann und werde sicher eines Tages entscheiden, was an meinem vergangenen Leben gut war und was untragbar.
Und ob ihr meinen Weg verlogen, unehrenhaft oder illusionär findet - ich verspüre eine Freiheit, die ich aus dem Sinn verloren hatte. Es ist meine Freiheit, und im Licht dieser neuen Freiheit werde ich auch zu einer neuen Ordnung finden.
Ich werde nicht der Illusion verfallen, mit einem 24jährigen Mann ein gemeinsames Leben gestalten zu können. Überhaupt habe ich im Moment absolut keine Lust, mich wie gehabt in die Ansprüche meines alten oder eines neuen Umfeldes einzufügen.
Zitat von pepkuss
So ist es bzw. so kann es sein. Ich habe ein Stück persönlichen Erfahrens dargestellt, möglicherweise eines chaotischen Übergangszustandes. Ich fühle mich zur Zeit enorm gut. Kein Glück währt ewig. Aber was auch immer ich mitnehme, das Bewusstsein: „Ich kann über mich bestimmen“ wird nicht wieder untergehen.
Zitat von Inaktiver User
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13.06.2009, 14:23
AW: Neue Freiheit
Ich frage mich einfach, ob dieses Bewusstsein nicht auf andere, sinvollere, ehrlichere, "stilvollere" und konstruktivere Art und Weise hätte gewonnen werden können.
Ich will ja nicht allzu pessimistisch rüberkommen, aber wenn dieser Rausch erstmal vorbei ist (was zu 99% Sicherheit schon bald der Fall sein dürfte), dann wirst Du vermutlich eine ganze Weile damit beschäftigt sein, diese Geschichte zu verarbeiten. Ob Du das in Deiner Situation wirklich zusätzlich noch brauchen kannst...?
Aber jetzt ist es eh schon zu spät. Du kannst sozusagen nur noch "das beste daraus machen", und da ist es wahrscheinlich tatsächlich von Vorteil, wenn Du versuchst, diese neue Freiheit für Dich mitzunehmen, auch wenn Du sie schon bald mal nicht mehr ausleben kannst weil die Euphorie dem Katzenjammer Platz machen muss.
Carpe diem, und alles Gute...


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