Liebe Bricom,
ich musste mich für dieses Posting leider neu registrieren, da ich in der Bricom bereits seit über 6 Jahren aktiv bin und mich viele privat kennen. Hier ist der einzige Platz, das einzige Forum, wo ich meine Gefühle bzw. mein Gefühlschaos anbringen kann. Hierfür bin ich allerdings lieber anonym. Allerdings geht hier ja der Trend sowieso zum Zweitnick
Ich weiß auch nicht, ob dies alles im Forum "Kennenlernen" besser aufgehoben wäre...
Meine Geschichte, die mich sehr belastet und an nichts anderes mehr denken lässt:
Ich bin seit März in einer neuen Firma. Der Hauptsitz ist 300 km weg, ich arbeite in einer Niederlassung. Bei der Einarbeitung habe ich einen Kollegen kennengelernt (Leiter einer anderen Niederlassung, 800 km von mir entfernt stationiert), der mich 2 Wochen eingearbeitet hat. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden, waren auf einer Wellenlänge, es war eine gewisse Anziehung (das berühmte Knistern) da, aber es ist nichts passiert.
Wir haben uns dann letzte Woche bei einer Tagung wieder gesehen. Es war Alkohol im Spiel und wir sind auf seinem Hotelzimmer gelandet. Wir haben uns geküsst und etwas gestreichelt, mehr war nicht, weil bei mir der Kopf "nein" gesagt hat (bin seit 8 Jahren in einer festen Partnerschaft und eigentlich auch glücklich). Er hat das verstanden, und wir sind beim rumknutschen geblieben.
Am nächsten Tag hat er nochmal sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass nicht mehr gelaufen ist und hat mich nochmal zärtlich geküsst. Dann fuhr er 500 km Richtung Süden, ich 300 km gen Norden...
Seither kann ich an nichts mehr anderes denken, als dass ich es bereue, nicht mit ihm geschlafen zu haben. Ich bin total kribbelig und kann nicht essen (bin eh schon nicht grad dick...)
Und meine Gefühle habe ich ihm dann auch am Wochenende per Mail geschrieben. Habe mich quasi komplett offenbart, ihm alles mitgeteilt, was ich fühle und möchte, aber auch geschrieben, dass ich nicht in ihn verliebt bin (gut, vielleicht bin ich etwas verknallt) und auch nicht vorhabe, seine Partnerschaft zu ruinieren. Ich möchte einfach nur nochmal diese Nacht erleben und dann nicht aufhören... Er hat mir auf diese Mail recht kurz geantwortet, dass er denk, dass wir richtig gehandelt haben in dieser Nacht.
Gestern haben wir telefoniert. Wie er mir sagte, möchte er keine Fortsetzung. Allerdings hat er mir auch gesagt, dass es eine reine Kopfentscheidung sei. Er sei nach wie vor der Meinung, dass wir wunderbar harmonieren, er hat nur Angst, dass wenn wir jetzt nachgeben, wir da in etwas hineingeraten, wo wir nicht mehr rauskommen, dass da mehr werden wird. Er ist auch in einer festen Partnerschaft und hat 2 Kinder.
Ich denke, er fühlt sich auch noch wahnsinnig zu mir hingezogen. Ich weiß aber auch, dass er ein sehr kühler Typ ist, der sich von seinem Bauchgefühl nicht leiten lässt, wenn er es nicht wirklich will. Seine Lebenserfahrung tut wohl sein übriges, er ist 50. Ich bin 12 Jahre jünger.
Im August sehen wir uns wieder. Ich habe Angst, ihm zu begegnen und dass er mich links liegen lässt, weil es sein Kopf so möchte. Und dass ich dann leide.
Ich weiß auch nicht mal genau, was ich hier gerne für Antworten hätte. Am liebsten natürlich eine "Gebrauchsanweisung" für ihn, wie ich ihn zu einem anderen Denken bewege.
Dinge, wie: vergiss ihn, lass es gut sein, usw. weiß ich eigentlich selbst. Meine Vernunft sagt genau das, aber mein Unterbewusstsein will einfach nur diesen Mann....
Ging es schon jemandem genau so? Was habt ihr getan? Wie ging es weiter?
Freue mich über Antworten.
VLG m.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 159
-
04.06.2009, 10:34
Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
-
04.06.2009, 11:16
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
Liebe Merveilleux,
ich fühle mit Dir. Und ich glaube, dass ich Deine Gefühle gut nachvollziehen kann. Mir ging es während meiner langjährigen Ehe einmal ähnlich. Damals konnte ich diese Gefühle überhaupt nicht einordnen, sie waren komplett sinnlos und wider meines Lebensbildes. Ich war völlig irritiert von ihnen, glaubte ich mich doch in einer funktionierende Beziehung.
Heute, es ist viele Jahre her, die Gefühle für den Mann sind - trotzdem sie nicht ausgelebt wurden - völlig verschwunden. Und ich bin überzeugt davon, dass es überhaupt nicht um den Mann ging. Anziehung war wohl da, aber dass meine Gefühle sich so entwickeln konnten, damit hatte der Mann als Mensch überhaupt nichts zu tun.
Ich weiß (aus Erfahrung), dass man in einer solchen Situation absolut keine Lust hat, sich damit zu beschäftigen, welcher Umstand die Entstehung solcher Gefühle ausgelöst hat. Viel lieber möchte man - gedanklich oder real - seine Wünsche und Träume ausleben.
Ich denke, dass meine Chancen, zu erkennen, worum es überhaupt ging damals, recht gering waren.
Was also soll ich Dir sagen?
Ich möchte Dir sagen, dass der Mann meiner Einschätzung - entgegen Deines wahrscheinlichen Empfindens - völlig unwichtig ist. Es wird Dir nicht helfen, wenn Du mit ihm schläfst, egal wie oft. Es würde Dir auch nicht helfen, wenn Du ihn niemals kennengelernt hättest. Frag Dich, wenn Du weiter kommen möchtest: Was führte dazu, dass meine Gefühle so aus dem Ruder laufen?
Ich habe übrigens meinem damaligen Ehemann berichtet, dass ich mich total verschossen hätte. Die Reaktion war gleich null. Im Nachhinein habe ich damit meine Antwort auf die o.a. Frage erhalten.
Und sag mir in fünf Jahren Bescheid, wie`s gelaufen ist :-)
Liebe Grüße und nur das Beste für Dich!
Aurora
-
04.06.2009, 11:29Inaktiver User
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
Hallo merveilleux,
der Mann hat in dir Empfindungen geweckt, die du in deiner Partnerschaft vermisst (vermute ich mal).
Du schreibst, du seist "eigentlich" glücklich in deiner Partnerschaft.
Und uneigentlich ????
Warum kannst du die Gefühle, die du verständlicherweise so schön findest, nicht mit deinem Partner leben ? Oder nicht mehr leben ?
Frag erstmal DANACH, dann wirst du die richtige Entscheidung treffen.
Der Mann, über den du schreibst, hat dich wachgerüttelt. Aus eigener Erfahrung weiss ich: wenns mit ihm nicht geht (weil auch er nicht mitgemacht hat), dann wird sich irgendwann ein anderer finden.....
Du wirst nicht drumrumkommen, dir über dich und deine Wünsche an eine Partnerschaft Gedanken zu machen. 5 Jahre würde ICH da allerdings nicht warten..
Ich wünsche dir das Beste.
Gruß, Elli
-
04.06.2009, 12:19
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
elli07 und aurora11, ich danke euch ganz herzlich für eure Antworten.
Tja, was genau diese Begehrlichkeiten geweckt hat, weiß ich auch nicht. Ich vermute, dass nach 8 Jahren Partnerschaft einfach der Alltag eingekehrt ist. Vielleicht vermisse ich einfach nur die Schmetterlinge im Bauch? Ich weiß es nicht.
Aber tatsächlich kann ich mir derzeit nicht vorstellen, dass es auch ein anderer Mann sein könnte. Ich habe ja das ganze nicht provoziert bzw. nicht vorgehabt, fremdzugehen. Im Gegenteil, ich habe niemals zuvor an einen Seitensprung gedacht. Daher geht es mir wie dir, aurora, diese Gefühle überrannten mich unerwartet.
Was heißt "eigentlich" glücklich? Mein Lebensgefährte und ich sind (wie wir immer wieder feststellen) einfach ein perfektes Team. Wir haben die gleichen Interessen, den selben Humor, sind intellektuell auf einer Höhe und verstehen uns ohne Worte. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, nicht mehr mit ihm zusammen zu sein. Und trotzdem ist da eben diese magnetische Anziehung zum anderen.
Ich weiß schon im Hinterkopf, dass mich der einmalige Sex mit ihm auf Dauer nicht glücklicher machen würde, ich würde es sicherlich immer wieder wollen, zumindest aus jetziger Sicht. Aber ebenso aus jetziger Sicht ist es eben das, was ich mir am meisten wünsche.
Was ich noch anfügen möchte: der andere ist vom Aussehen her eigentlich überhaupt nicht mein Typ. Das macht mich noch verwirrter. Er ist nicht der Mann, nach dem man sich auf der Straße umdreht.
Es ist ja jetzt noch eine Weile hin, bis wir uns wieder sehen. Es bleibt mir ohnehin nichts anderes übrig, als die Zeit verstreichen zu lassen. Ich kann ja nicht mal schnell bei ihm vorbei fahren.
Inzwischen gehe ich auch noch mit meinem Partner eine Woche in Urlaub und freue mich auch darauf.
Schön, dass ich mich hier aussprechen konnte.
VLG m.Geändert von merveilleux (04.06.2009 um 12:22 Uhr)
-
04.06.2009, 12:49
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
Liebe Merveilleux,
dieser Satz hat so einen abschließenden Charakter, deswegen bin ich unsicher, ob von Dir ein weiteres Gespräch gewünscht ist.
Deine Reaktion habe ich erwartet, sie ist meiner damaligen sehr ähnlich.
Übrigens habe ich damals rational realisiert, dass der betreffende Mann überhaupt nicht zu mir passt, es war also "nur" die Anziehung. Was die Sache für mich kein bisschen leichter machte.
Wenn es unausweichliche Pflicht wäre, einen Nachteil Deiner Beziehung anzugeben (und etwas Perfektes gibt es ja nur im Paradies), etwas, was fehlt (etwas Vollkommenes gibt es ja auch nicht), was würdest Du sagen?
Sprichst Du eigentlich mit Deinem Mann über Deine Gefühle für den anderen Mann?
Liebe Grüße, Katharina
-
04.06.2009, 13:14
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
Liebe aurora,
nein, es sollte kein abschließender Satz sein. Es ist nur so eine kleine Steinlandschaft von mir gefallen, dass ich es mir von der Seele geschrieben habe und ich so verständnisvolle Reaktionen bekam.
Ich hab meinem Partner nichts erzählt, das wäre auch nicht gut. Stell dir vor, bei jeder geschäftlichen Reise, bei der ich den anderen treffe, würde er ja krank vor Sorge. Nein, ich werde meinen Partner definitiv nicht einweihen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, irgend jemandem im RL hiervon zu erzählen. Habe viel zu viel Angst, dass mein Partner etwas davon erfährt.
Nachteil meiner Beziehung? Das ist ja das komische. Mir fällt, bis auf Kleinigkeiten, eigentlich nichts ein. Wie du schon schreibst, das Paradies ist nirgendwo. Jetzt hast du mich ins Grübeln gebracht. Was fehlt, ist wohl einfach das "verliebt sein".
Die "Sehnsucht", die ich habe, ist ganz schwer zu beschreiben. Im Prinzip fühle ich mich wie 16
ich wünsche mir die Küsse dieses Mannes, ich wünsche mir seine Berührungen, seine Blicke und eben dann mehr 
Und das ist etwas, was ich überhaupt nicht vermisse in meiner Partnerschaft. Mein Partner geht sehr liebevoll mit mir um.
Ich liebe meinen Partner auch. Wenn er beruflich unterwegs ist, vermisse ich ihn, wenn ich mir vorstelle, er würde sich von mir trennen, zerreisst es mich innerlich.
Daher sind meine Gedanken sehr verwirrend.
Als der andere mich gestern angerufen hat und ich seinen Namen im Display sah, ist mir fast das Handy aus der Hand gefallen, so aufgeregt war ich. Ich habe während dem Gespräch innerlich gezittert. Wie in der Pubertät, wenn du in einen Jungen verschossen warst und er dich auf dem Schulhof ansprach...
Und du ganz aufgeregt bist, weil er DICH gefragt hat, ob er die Aufgaben abschreiben darf
Jetzt muss ich mich aber erst mal zwingen, etwas zu essen, mein Kreislauf dankt es mir.
VLG m.
-
04.06.2009, 13:44
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
Tja - was soll man sagen?
Zum einen find ichs wirklich bedauerlich, dass ihr euch gebremst hattet.
Zum anderen: Sofern du dir einigermaßen sicher bist, dass du in 'nicht geklärten Situationen' leben und schönes als Ergänzung sehen kannst, kann ich nur sagen: Tu es. Versuch es ein zweites Mal. Wie du es anstellen kannst - nun ja ... später evtl. mehr dazu von mir, falls gewünscht.
Im Übrigen: Sollte dein zweiter Versuch abgewiesen werden, hast du wenigstens die Gewissheit es versucht zu haben und wirst nach dem zweiten Treffen nicht noch zusätzlich dein Leben lang in der Ungewissheit verbringen, ob es nicht doch geklappt hätte.
VanDyck
-
04.06.2009, 13:47
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
merveilleux,
vielleicht geht es deinem mann mit dem nicht mehr vorhandenen kribbeln aehnlich?
warum schnappst du ihn dir nicht mal zu diesem thema, wenn sich eine gelegenheit bietet?
>Er hat mir auf diese Mail recht kurz geantwortet, dass er denk, dass wir richtig
>gehandelt haben in dieser Nacht.
ich glaube du hast verdammt viel glueck, dass das objekt deiner begierde die bremse angezogen hat. eine affaere wuensche ich dir nicht . . denn auf dauer ist so ein dreieck fuer alle (!) beteiligten eine schwere buerde.
alles liebe!LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH
-
04.06.2009, 15:12
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
Ist es ein Nachteil für Dich, dass Du mit Deinem Partner nicht über Deine Gefühle sprechen kannst/willst?
Oder ist es vielleicht so, dass Du Dir "eigene/private" Gefühle wünschst?
Über die "Rücksichtnahme" auf den Partner, der sich ja keine Sorgen machen soll und deswegen nicht informiert wird, gibt es hier ja mannigfaltig Meinungsbekundungen, das ist Dir nach 6 Jahren BriCom bestimmt bekannt.
Kannst Du für Dich ausschließen, dass Deine Zurückhaltung, Deinen Mann zu informieren, auf den Wunsch, DEINE Bedürfnisse zu schützen zurückzuführen ist?
Ein paar Denkanstöße, die Dich vielleicht etwas ablenken ;-)
Liebe Grüße, Aurora
-
04.06.2009, 16:04
AW: Es ist vorbei bevor es angefangen hat...
Ich denke, dass man solche Ereignisse dafür nutzen sollte, um sich und seine Beziehung zu reflektieren !
Hast Du Dich verändert und wenn ja, in welche Richtung ?
Die selbe Frage gilt auch für Deinen Ehemann !
Was fehlt Dir in Deiner Beziehung ? Hat es Dir schon immer gefehlt oder ist es etwas, was neu dazu gekommen ist ?
Kannst Du differenziert denken oder bist Du mit Deinem Ehemann mittlerweile schon so emotional verschmolzen, dass Du vieles nicht mehr erkennst ?
In welcher Form bist Du auf Fremdbestätigung angewiesen, oder ist Deine Selbstbestätigung groß genug und Du empfindest dennoch so, wie Du empfindest ?
Was spricht dagegen, mit Deinem Mann offen über das Gefühlte zu reden ? Dich ihm zu offenbaren und mit ihm GEMEINSAM einen Weg wieder zueinander finden ?
Der jenige, der behauptet, in einer Ehe sich nicht fremdverlieben zu können, möge den ersten Stein werfen....keiner ist davor geschützt. Und auch nicht davor, dass man jemanden anderen begehrt. Solltest Du einen liebevollen Mann haben, wird er dies verstehen. Mit Sicherheit wäre er anfänglich gekränkt....nur solltest DU ihm ebenfalls die Chance geben, an sich und an der Beziehung zu arbeiten !
Ihr solltet den Weg gemeinsam gehen !Wie wenig ist am Ende der Lebensbahn daran gelegen, was wir erlebten, und wie unendlich viel, was wir daraus machten.
@Wilhelm von Humboldt


)
Zitieren

