Ich lese schon ganz lange in diesem Forum - heute habe ich mich entschieden auch einmal zu schreiben ...
Ihr sucht endlich eine Täterin?! Na denn - ich bin eine!
Die Fakten: Ich bin seit 19 Jahren verheiratet, habe zwei Kinder und führe seit 10 Jahren "Zweitbeziehungen" - im Moment die Dritte! Ich habe nicht vor, meinem Mann davon zu erzählen und auch nicht, mich von ihm zu trennen. Ich bin nicht mehr in ihn verliebt. Körperliche Nähe leben wir nicht mehr (... es gibt Gründe hierfür - die sind hier aber nicht relevant). Unsere Beziehung würde ich trotzdem als wunderbar funktionierende Freundschaft und Wohngemeinschaft bezeichnen - wir respektieren uns sehr, haben viele gemeinsame Interessen, lassen uns Freiheiten, sind uns einig bei der Erziehung unserer Kinder (16 und 13). Sexuell hat es bei uns noch nie geprickelt, wir schlafen seit 9 Jahren nicht mehr miteinander. Ob mein Mann ebenfalls eine "Zweite" hat weiß ich nicht und es interessiert mich auch nicht. Dieses Lebensmodell für Euch nicht vorstellbar? Für mich schon ... (und garantiert bin ich kein Einzelfall).
Mein erstes "Fremdgehen" war mit einem 12 Jahre älteren Kunden ... wir sahen uns oft beruflich ... hatten sofort eine Wellenlänge ... erzählten uns gegenseitig unsere Sehnsüchte und Früste ... nach dem ersten gemeinsamen Abendessen landeten wir in der Kiste. Ja, es passierte, war ungeplant, ich ließ körperliche Nähe zu, war überrascht von mir selbst ... und genoss! Klar war von Anfang an, dass wir unsere Erstbeziehungen nie in Frage stellen würden. Wie es endete? Nach zwei Jahren zog er um, eine Fernbeziehung war schwer lebbar. Heute sehen wir uns ein- bis zweimal im Jahr, haben eine enge Freundschaft. Meine zweite "Affaire" dauerte über fünf Jahre - er, ein freiheitsliebender Single, war froh über die Unverbindlichkeit unserer Beziehung. Er musste beruflich ins Ausland - wir schreiben uns E-Mails und telefonieren. Seit einem halben Jahr gibt es eine Beziehung zu einem verheiratetem Mann, der 200 km entfernt wohnt. Wir telefonieren regelmäßig - alle zwei Monate sehen wir uns und ich habe den besten Sex aller Zeiten!!! ;-)
Meine Philosophie: Ich glaube nicht an eine perfekte lebenslange Zweierbeziehung. Ehe bedeutet nicht Besitztum!! Ich weiß, man (oder ich) kann gleichzeitig mehrere Menschen auf eine unterschiedliche Art und Weise lieben. Dabei sind "Liebe" "Treue" "Wahrheit" "Moral" individuell zu definierende Begriffe. Oft beherrschen einzig Ängste (vor Verlust, vor dem Alleinsein etc.) unser Handeln und unsere Vorstellungen. Ich bin egoistisch ... wie alle Menschen!!
Meine Gefühle: Ja, ich "betrüge" meinen Mann (er gibt mir in meinen Augen allen Grund dazu) - habe dabei deshalb kein schlechtes Gewissen. Ich bin in meiner Ehe nicht unglücklich!! (und behaupte, dass es mein Mann auch nicht ist - die Hypothese, dass er mit einer anderen Frau glücklicher wäre, ist Spekulation!!!) In meinen Zweitbeziehungen habe ich das Gefühl begehrt zu werden und zu begehren... es prickelt, ich genieße und manchmal leide ich. Die gefühlsmäßig guten und sehr guten Momente überwiegen!
So, jetzt habe ich genug provoziert! Steinigt mich - ich bin bereit!!
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28.05.2009, 11:22
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
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28.05.2009, 11:29
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
Genau Leda, so sehe ich es nach wie vor!Es ist für mich gespielte Naivität, wenn erwachsene Menschen meinen, sie seien da hineingerutscht. Das nehme ich keinem ab. Wenn ich mit einem Kollegen ein Bier trinken gehe, dann weiß ich sehr wohl, was für eine Motivation dahinter steht. Spätestens beim zweiten Mal. Da kann man sich dann tatsächlich schon verliebt haben, aber dann ist immer noch nicht schicksalshaft vorgegeben, was man daraus macht. Das liegt sehr wohl im eigenen Ermessen ob man dem Partner zuhause gegenüber Scheuklappen aufsetzt oder nicht. Ich glaube auch schon lange nicht mehr an den Osterhasen.
Wenn sie meinen, sie rutschen da so plötzlich rein, dann rutschen sie aber ziemlich aktiv darein. Glaube nicht an ein so langwieriges Aussetzen des Gehirnes...
Und genau das ist es, was es einem so schwer macht, das ganze irgendwie mal komplett zu vergessen, obwohl alles jetzt bestens läuft! Besser als vorher.
Der Gedanke, dass der Partner einen zu dem Zeitpunkt so in den Hintergrund gestellt hat und soviel riskiert hat ist unerträglich und für jemanden, der nicht in ähnlicher Situation war(in der des Betrügenden) nicht vorstellbar.
Was ich auch nicht verstehe, sind die Fremdgeher, die danach noch behaupten: "ich habe dich immer geliebt und wollte dir nie weh tun und unsere Beziehung aufs Spiel setzen!"
Wie wirr ist dass denn???
Dann sollen sie doch wenigstens die Verantwortung übernehmen und den Mumm haben, zu sagen, du warst zu dem Zeitpunkt nicht mehr so wichtig für mich und ich wusste nicht mehr, ob ich unsere Beziehung noch will!Claudi
"Fürchte Dich nicht vor Veränderungen, fürchte Dich vor dem Stillstand!"
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28.05.2009, 11:36
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
Kein Grund zum Steinigen, wenn es euer klares Lebensmodell ist!
Kann ja sein, dass ihr mal vereinbart habt, wenn was anderes läuft, will der andere es nicht wissen!
Okay, dann scheint es ideal für euch zu sein.
Nicht okay finde ich es, wenn du wüßtest, dass der andere leiden würde, wenn er es erfahren würde.
Aber mir scheint bei euch nach so vielen Jahren, müßte der andere schon etwas bemerkt haben.
Also schweigendes Einvernehmen???
Du sagst, Ehe ist kein Besitztum?
Was ist für die Ehe?
Eine Wohngemeinschaft um den Kindern eine heile Welt vorzugeben?
Materielle Vorteile zu behalten?Claudi
"Fürchte Dich nicht vor Veränderungen, fürchte Dich vor dem Stillstand!"
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28.05.2009, 11:54Inaktiver User
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
Hallo fixstern,
ich finde deinen Beitrag nicht provokant und steinigen tut dich hier auch keine(r).
Dein Mann und du, ihr habe eine Entscheidung getroffen, wie ihr eure Ehe lebt. Darüber zu urteilen, da steht keinem ein Urteil zu.
Solange beide mit einem Arrangement einverstanden sind (wie immer es aussieht und sei auch "wegschauen" inbegriffen), ist doch alles bestens !
Du bist eine Täterin ? Fühlst du dich so ?
Ich denke, die Situation, in der ihr als Ehepaar jetzt lebt, hat eine Geschichte. Und dazu hat jeder von euch beigetragen.
Wer ist also Täter und wer Opfer ? Hat nicht jeder etwas von beidem in sich ? Abgesehen davon sehe ich diese Frage nicht als sonderlich zielführend an. Wir sind nicht vor Gericht, wo es drum geht "Schuld" festzustellen und zu ahnden.....womit wir wieder beim steinigen wären, gell...
Gruß, ElliGeändert von Inaktiver User (28.05.2009 um 14:08 Uhr)
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28.05.2009, 12:08
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
Ich kann nur für meine Ehe sprechen: sie ist unsere Lebensbasis. Ein harmonisches Zusammenleben, von mir aus auch schweigendes Einvernehmen (ich weiß das klingt verrückt) - es ist unser individuelles Modell ... zugegeben ohne Prickeln aber mit viel Zuneigung! Wenn es nicht genügte, würde es mein Mann oder ich etwas ändern!
Wir geben unseren Kindern keine heile Welt vor - sie ist heil! (... und zwar nach der von uns vieren gelebter Definition!)
Wir sind materiell unabhängig - haben gemeinsames Haus, keine größeren gemeinsamen Besitztümer!
Und wahrscheinlich würde mein Mann leiden, wenn er etwas erfahren würde - deshalb will er es auch nicht wissen!
Fixstern3
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28.05.2009, 12:13
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
Hallo Elli,
danke für Deine Einschätzung. Mit der Geschichte, die zu allem führte hast Du natürlich recht. Und es wurde doch nach einer "Täterin" gesucht - aber ich fühle mich tatsächlich im rechtlichen Sinne nicht so!
Fixstern
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28.05.2009, 12:35Inaktiver User
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28.05.2009, 12:43
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
Hallo fixstern,
ich wollte mit der Eröffnung dieses Strangs nicht das Täter-Opfer-Denken unterstützen, sondern es in Frage stellen.
Es führt zu nichts.
Elli hat es beschrieben. Liebesbeziehungen taugen nicht dazu, um in juristischen Kategorien zu denken.
Schön, dass du und dein Mann so leben könnt. Ich für mich könnte mir das nicht so nicht vorstellen. Ich hätte dann doch lieber sagen wir mal - das Meiste - aus einer Hand. (Alles geht ja nicht...
)
pepkuss
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28.05.2009, 13:34
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
Was ich ein wenig schade finde, ist, dass die Fragen von Pepkuss nicht beantwortet werden. Ich dachte es ginge hier darum, dass man versucht, denjenigen der zum "Täter" (schreckliches Wort) irgendwie zu verstehen.
Ich weiß aus meiner "Opferzeit" (ebenso gräßlicher Begriff), dass die Aufarbeitung und das Verzeihen mit der Annahme der Situation begonnen hat. Aber annehmen konnte ich erst, als ich anfing zu verstehen. Verstehen ging in dem Moment, in dem ich mich in die andere Position versetzt habe.
Natürlich kann man alle möglichen Bewertungen finden, auch dass einem das NIE passieren würde und passieren ist nicht - ist immer geplant. Genau das habe ich auch gedacht und kundgetan. Ich fühlte mich moralisch all diesen "Betrügern und Fremdgängern" schrecklich überlegen. Habe zwar eingeräumt, dass man nie nie sagen sollte, innerlich war ich aber sicher, bei mir steht das nie.
Pustekuchen!!!
Und ich weiß von einer sehr lieben Freundin, dass sie - mittlerweile mit ihrem Mann wieder glücklich - heute sagt, erst als sie sich versuchte, in ihn einzudenken, da konnte sie anfangen zu verarbeiten und zu verzeihen. Sie ist eine wunderbare Frau, die heute eine viel entspanntere Sicht auf das Leben hat.Die Größe eines Menschen ist daran zu erkennen, wie er Geschöpfe behandelt, von denen er keinen Vorteil zu erwarten hat(Teddy, Polizeihund in Berlin)
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28.05.2009, 13:39Inaktiver User
AW: Lüge und Betrug aus der Sicht der "Täter"
meine ansicht, auch aus meiner eigenen geschichte ist:
es gibt keinen klaren opfer-täter-charakterisierungen.
einer tut etwas- daraus entwickelt sich etwas anderes.
das ist ein hund der sich in den schwanz beisst und gleichzeitig ständig die richtung wechselt.
dann werden '"opfer" aus verletztheit zum "täter" und co.
was ist überhaupt die "untat"?
etwas was ich tue, etwas was ich nicht-tue, etwas was ich unterlasse-
wer will das an welchem punkt beurteilen?
auch die formulierung: lüge------------- das kann der reine selbstschutz sein.
lüge und betrug aus der sicht der täter---------------
das ist schon eine vorverurteilung.


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