Hallo,
durch Zufall bin ich auf dieses Forum gestoßen. Die vielen differenzierten Beiträge haben mich beeindruckt und ich habe mich entschlossen, mich anzumelden und mein Problem zu schildern. Vielleicht hat jemand Erfahrungen mit meiner Situation und kann mir weiterhelfen.
Zu mir und meiner aktuellen verzweifelten Situation: Ich bin 37 und seit 10 Jahren mit meinem Mann, wie ich bis vor zwei Wochen glaubte, glücklich verheiratet. Wir haben zwei Kinder im Vorschulalter. Mein Mann ist ein eher ruhiger, zurückhaltender und bescheidener Mensch, ein rücksichtsvoller Gatte und liebevoller Vater. Von Anfang an schätzte ich seine Warmherzigkeit, seine Intelligenz und (wie ich glaubte) absolute Ehrlichkeit. Ich vertraute ihm blind.
Vor etwa drei Jahren ist mein Mann nach einem beruflichen Stellenwechsel psychisch in ein Loch gefallen, aus dem er bis heute nicht herausgefunden hat. Obwohl er mir vor einem Jahr fest versprochen hat, sich darum zu kümmern, ist nichts passiert, und er wurde immer depressiver. Oft war er geistesabwesend, erzählte nie etwas von sich und hörte mir nicht mehr richtig zu. Ausserdem verbrachte er einen Großteil seiner Freizeit im Internet. Darauf angesprochen, meinte er nur immer, dass ihn das entspanne und dass er Zeit für sich brauche.
Ich nahm an dass er sich in einer Midlife Krise befindet, und hoffte darauf, dass das Genze bald überstanden sei.
Vor zwei Wochen kam dann durch Zufall die ganze Wahrheit ans Licht. Eine Freundin erzählte mir am Telefon, sie habe kürzlich im Auto meinen Mann gesehen, in einer anderen Stadt, welche etwa 50 km weit entfernt ist von seinem Arbeitsort. Ich war ziemlich perplex, denn mein Mann hatte mir nichts davon gesagt, dass er an dem besagten Tag in jener Stadt zu tun hätte. Ich dachte zuerst, meine Bekannte müsse sich wohl geirrt haben, doch dann erinnerte ich mich daran, dass ich an jenem Nachmittag mehrmals vergeblich versucht hatte, meinen Mann telefonisch zu erreichen. Nun wurde ich wirklich misstrauisch. Ich konfrontierte meinen Mann damit und fragte ihn, was er in jener Stadt gesucht hat und warum er mir nichts von seinem "Ausflug" erzählt hat. Ein paar Minuten lang hat er nur geschwiegen und in eine Ecke gestarrt. Ich konnte spüren, wie er mit sich kämpfte. Dann ging es wie ein Ruck durch ihn und er ist mit der Wahrheit herausgerückt: dass er seit etwa 2 Jahren regelmäßig Prostituierte besucht. Am Anfang offenbar nur sporadisch alle paar Wochen mal, dann immer häufiger. Dass er in den letzten 2 Jahren über 60 Mal Sex mit etwa einem Dutzend verschiedener Prostituierten hatte und dabei mehrere tausend Euro ausgegeben hat. Er gestand mir auch, dass er seit der Pupertät regelmäßig heimlich Pornographie konsumiert (zuerst Heftchen, dann VHS Filme und DVDs, dann im Internet).
Ich war wie vom Blitz getroffen und ich fühlte, wie sich unter mir ein riesiges Loch im Boden auftat und mich zu verschlingen drohte. Irgendwie habe ich es trotzdem geschafft, einigermaßen ruhig zu bleiben. Ich habe ihn gefragt, warum er das tut und damit alles, wofür er gekämpft hat, aufs Spiel setzt. Er meinte, er wisse es nicht. Dann brach er in Tränen aus und erzählte mir, dass er wiederholt versucht habe, damit aufzuhören, ohne Erfolg. Er war sogar mehrmals zur Beratung bei einer Sexualtherapeutin, was ich ihm glaube, da er mir Name und Adresse genannt hat. Aus Angst dass ich ihn verlassen würde, habe er sich bisher nicht getraut, mir die Wahrheit zu sagen. Offenbar hält diese Therapeutin meinen Mann für sexsüchtig. Sie hat ihm auch gesagt, dass sie schon viele Männer (und einige wenige Frauen) mit derselben Problematik therapiert hat.
Seither bin ich innerlich am Durchdrehen. Ich spüre dass ich immer weiter im Nichts versinke. Ich kann seit Tagen praktisch nichts mehr essen und nicht mehr schlafen. Weine, bis ich keine Tränen mehr habe. Immer wieder laufen dieselben eingebrannten Filme ab in meinem Kopf – und dann könnte ich nur noch schreien und alles um mich herum zerschlagen. Adrenalin pur... Zum Glück kümmert sich mein Mann um alles. Auf meinen Wunsch hin schläft er im Gästezimmer; beim bloßen Gedanken daran, dass er mich berühren könnte, wird mir übel. Ich denke, dass ich professionelle Hilfe brauche, aber ich schäme mich so. Ich komme einfach nicht damit klar, dass ich offenbar all die Jahre in einer Scheinwelt gelebt habe. Mein Mann ist mir so fremd geworden und ich begreife einfach nicht, wie er mir das, wie er uns allen das antun konnte. Warum hat er nie etwas gesagt?! Warum hat er sich mir nicht anvertraut, als es ihm schlecht ging? Warum hat er sexuelle Befriedigung bei Huren gesucht, statt mir seine Wünsche und Bedürfnisse anzuvertrauen...?!
Falls jemand hier Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation hat, wäre ich dankbar für Ratschläge, wie frau mit sowas leben und umgehen kann...
Antworten
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31.03.2009, 17:30Inaktiver User
Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
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01.04.2009, 02:11Inaktiver User
AW: Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
Ich habe damit keine Erfahrung. Auf jeden Fall ist das Ganze sehr krass.
Ich habe vor einem Jahr herausgefunden, dass mein Ex ekelige Pornos guckt. Er streitet es bis heute ab. Ausserdem hat er vermutlich zig Affären. Ich hing mit dem abartigen Verhalten meines Ex, zwei Jahre in der Luft, die Beziehung wurde immer destruktiver.
Es ist halt ein Schock.
Ich würde mich trennen, ohne wenn und aber. Ändern kann man nur sich selbst. Darauf warten, dass jemand anders sich ändert ist Warten auf Godot.
Bevor du noch Jahre es reust, Geh. Er hat dich schon lange belogen und kam mit irgendetwas nicht klar. Anstatt mir dir darüber zu reden, ist er zu Nutten gegangen. Konfliktscheu.
Ich wurde eine Lösung suchen ohne ihn, und sieh zu, dass du finanziell abgesichert bist.
Liebe Grüsse, Barbara
Natürlich kann man mit sowas nicht leben und umgehen. Aber du kannst gehen. Wenn er dies seit seiner Jugend machtk, oh je. Und er gibt tausende von Euros dafür aus - was für ein Egoist.Geändert von Inaktiver User (01.04.2009 um 02:14 Uhr) Grund: Ergänzung
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01.04.2009, 09:22Inaktiver User
AW: Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
Hallo norinaM ,
zuersteinmal , was Du gerade erlebst ist heftigst . Beziehe es aber nicht auf Deine Person , das hat mit ihm zutun , nicht mit irgendeinem Defizit Deinerseits .
Und gleichzeitig finde ich es gut , dass es Dein Mann geschafft hat , sich dir zu offenbaren . Meinst Du nicht , dass all dies eine riesige Hürde für ihn war ? Umso besser , dass er es gepackt hat , Dir es schonungslos - endlich - zu erzählen .
Ihm wird genauso schlecht dabei gewesen sein wie Dir beim Zuhören .
Holt Euch beide Hilfe . Denn Ihr leidet beide . Das ist offensichtlich .
Liebst Du ihn ? Liebt er Dich ? Dann ist vieles möglich , mehr als Du glaubst ertragen zu können und mit einigen Tagen Abstand und nach all den verzweifelten Tränen , wirst Du in Dich reinspüren und staunen , was alles für Kräfte in Dir stecken .
Hast Du eine nicht moralisierende Freundin , einen besten Freund ? Das wäre gut .
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01.04.2009, 09:25
AW: Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
Hallo Norina,
ich nehme dich erst einmal fest in den Arm
.
DU HAST KEINEN GRUND, DICH ZU SCHÄMEN !!!!!
Mache dir das bitte immer wieder bewusst.
Und dann, denke ich, das Wichtigste ist nun, dass du dir fachliche Hilfe suchst, alles andere ist mM vorerst nachrangig. Denke bitte erst einmal nur an dich und im zweiten Schritt an die Kinder.
Du hast zwei Kinder im Vorschulalter, die alleine schon sehr viel Kraft beanspruchen. Besteht die Möglichkeit, dass Oma, Tante, Patentante etc dir erstmal ein wenig abnehmen könnten?
Da es dir extrem schlecht zu gehen scheint, wäre es vielleicht auch sinnvoll, so etwas wie die Telefonseelsorge etc in Anspruch zu nehmen.
Alles, alles Gute für dich!
LG, KessieDie Größe eines Menschen ist daran zu erkennen, wie er Geschöpfe behandelt, von denen er keinen Vorteil zu erwarten hat(Teddy, Polizeihund in Berlin)
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01.04.2009, 09:30Inaktiver User
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01.04.2009, 09:33
AW: Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
Liebe Norina,
Diese Offenbarung ist in der Tat sehr krass.
Andererseits war auf Nachfrage schonungslos ehrlich und hat offenbar auch bereits Hilfe gesucht.
Um es ganz deutlich zu sagen: Er scheint schlicht und ergreifend SUCHTKRANK zu sein. Auch dies ist eine Krankheit.
Ich hoffe für Euch beide, dass er wenigstens Kondome benutzt hat.
Wendet Euch an die Therapeutin und sprecht offen und ehrlich über alles. Ich denke dann habt ihr durchaus eine Chance, dass es Euch beiden besser geht.
Dies ist aber nur möglich, wenn ihr beide wirklich wollt. Du und eben auch Dein Mann.
Ich möchte ihn nicht verteufeln, auf eine Art (wenn alles wirklich der Wahrheit entspricht) tut er mir ein bisschen leid. Und auch Dir gilt mein Mitgefühl.
Das das Vertrauen nun kaputt ist kann wohl jeder verstehen und das er mit seinem Verhalten alles aufs Spiel setzt scheint ihm auch klar zu sein.
Versuch Du bei DIR zu bleiben und versuche einzuschätzen, was Du zu diesem Zeitpunkt ertragen kannst.
Ich wünsche Dir und auch Deiner Familie viel Glück und ganz viel Kraft. Es muss nicht das Ende der Beziehung sein.
LG
wolki
Leben ist das was passiert, während man etwas anderes geplant hatte
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01.04.2009, 09:41
AW: Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
In manchen Städten gibt es auch bei der Stadtverwaltung eine Anlaufstelle für die Vermittlung von Fachkräften für die Krisenintervention.
Bei uns ist das der sozialpsychologische Dienst.
Du musst denen am Telefon auch nicht sagen, worum es geht. Nur dass du eine sehr schlimme Zeit erlebst und dringend und sofort Hilfe brauchst.
Einen Termin für ein Erstgespräch kannst du in der Regel schon am nächsten Tag bekommen.Geändert von Wakanda (01.04.2009 um 09:44 Uhr)
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"Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen."
(Peter Ustinov)
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01.04.2009, 11:23Inaktiver User
AW: Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
Vielen Dank für Eure Beiträge und Unterstützung.
Mein Mann hat vorgeschlagen, nächste Woche zusammen zu seiner Therapeutin zu gehen. Ich halte das für eine gute Idee und er versucht heute einen Termin zu vereinbaren. Ich spüre jedoch, dass ich auch professionelle Hilfe für mich allein benötige, um mit der Situation einigermaßen fertig zu werden. Seine Offenbarung vor zwei Wochen war traumatisch für mich und ich muss mich davon erst einmal erholen. Vielleicht kann mir die Therapeutin meines Mannes ja eine Adresse geben.
Mit einer Freundin kann ich zur Zeit nicht darüber reden, dafür schäme ich mich viel zu sehr.
Zum Glück kümmert sich mein Mann im Moment um alles. Die Heftigkeit meiner Reaktion hat auch ihn an seine Grenzen gebracht, aber er ist zur Zeit stabiler als ich. Er hat mir versichert, dass er sich beim Sex mit den Prostituierten immer geschützt hat (was ich ihm glaube). Ausserdem haben wir selbst seit der Geburt der Kinder keinen ungeschützen Verkehr mehr miteinander, da ich keine Hormone mehr nehmen mag. Die Wahrscheinlichkeit, dass er mich mit etwas angesteckt hat, halte ich deshalb für gering. Trotzdem hat er versprochen, zum Arzt zu gehen um sich testen zu lassen.
Ich wollte auch von ihm wissen, ob er bei diesen Frauen Dinge ausgelebt hat, über die er nicht mit mir sprechen konnte. Er hat mir jedoch gesagt, dass es ihm nicht darum gegangen sei. Ich glaube, er hat einfach nur unpersönlichen Sex gesucht, bei dem er sich passiv verhalten und sich verwöhnen lassen konnte.
Tatsächlich hat er das früher ab und zu erwähnt, dass er das bei mir vermisst. Aber er hatte immer schon Mühe damit, sich einzufordern. Übrigens nicht nur im Bett, sondern auch sonst in der Beziehung.
@rehbrauneAugen: ich weiss nicht, ob ich ihn noch liebe, denn ich habe das Gefühl, dass ich ihn gar nicht wirklich kenne. Der Mann, den ich die letzten 10 Jahre geliebt habe, scheint gar nicht zu existieren. Oder zumindest ist das, was ich bis jetzt von ihm gekannt habe, nur ein Teil seiner Persönlichkeit und seines Charakters. Der Teil, den er mir offenbart hat. Seine dunkle Seite hielt er sorgfältig verborgen. Ich war so blöd und naiv... dass er auch eine dunkle Seite hat, das habe ich nämlich immer geahnt, resp. gespürt (auch kein Wunder, bei seiner schwierigen Kindheit/Jugend).
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01.04.2009, 11:30Inaktiver User
AW: Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
Doch , doch , liebe norianM , Dein Mann ist kein anderer geworden .
Nicht er , sondern Du hast deinen Blick verändert , Du durftest hinter (ja durftest!!!!, das ist ein Kompliment und ein Vertrauensbeweis) sein Äusseres schauen .
Er hat Dich in sein Inneres schauen lassen , da wo er keinen Schutzschild mehr hat , wo Du ihn verletzen kannst .
Du meinst , er hat Dich verletzt . Klar ! Stimmt !
Aber schau mal , wieviel gehört denn dazu , sich so zu outen . Er hatte nun den Mut (der Verzweiflung?) und sich Dir offenbart .
Das tut weh , nie erwartete Verletzungen und ungläubiges Erkennen seiner tiefsten Seele hast du nun erfahren müssen .
Find´ ich wichtig , dass du Dir auch helfen lässt .
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01.04.2009, 11:42
AW: Mein Mann ging regelmäßig zu Prostituierten
Er hat sich erst geoutet, nachdem sie ihm auf die Schliche gekommen ist.
Vorher hat er das locker 2 Jahre durchgezogen.
Das sollte man schon bedenken. Freiwillig hätte er das nicht getan, sondern vielleicht noch Jahre so weitergemacht.
Das gibt mir schon zu denken.Eigentlich bin ich ganz anders, nur komm ich so selten dazu! (frei nach Harald Juhnke)
Nehmen Sie die Menschen so wie sind - es gibt keine anderen!


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