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  1. Inaktiver User

    Wie "krank" bin ich eigentlich...?

    Tja, das frage ich mich in den letzten Tagen desöfteren...

    Und da ich mit niemanden darüber reden kann, möchte ich meine Geschichte gerne hier loswerden...

    Ich bin mit meinem Freund seit fast 9 Jahren zusammen. Unsere Beziehung läuft in der Hinsicht gut, dass wir dieselben Interessen haben, den Alltag zusammen sehr gut meistern, uns sehr gut verstehen, usw. Aber rein körperlich funktioniert es nicht. Was bei mir ein Vertrauensproblem ist, da es bei ihm mindestens eine andere Frau gab, wo ich allerdings nicht weiß, was wirklich gelaufen ist. Und ohne Vertrauen kann ich mich körperlich nur schwer auf ihn einlassen.
    Nun fragt man sich, warum trennt man sich dann nicht? Ohne Vertrauen geht es doch nicht? Die Frage stelle ich mir zumindestens immer, allerdings fühle ich mich trotzdem bei ihm wohl. Es fehlt halt "nur" etwas und ich weiß nicht, ob es das wert ist, das ganze Gute deswegen aufzugeben. Das ist aber noch nicht mal das eigentliche Problem.
    Jetzt die Tatsache, warum ich mir ernsthaft Gedanken um meine geistige Gesundheit mache...
    Ich habe mich vor 2 1/2 Jahren in meinem verheirateten Kollegen verliebt und er sich in mich. Wir hatten keine Affaire, zumindestens keinen Sex. Es lief alles auf der Arbeit ab, was zwischen uns war. Körperlichen Kontakt gab es schon und das war immer unheimlich schön und intensiv. Auch ansonsten liegen wir auf einer Wellenlänge. Letztendlich hat er sich dann aber nach ein paar Monaten für seine Familie entschieden und ich wollte an meiner Beziehung arbeiten. Was bedingt funktionierte, obwohl ich mich immer nach meinem Kollegen gesehnt habe. Aber ich hatte begonnen, damit abzuschließen und ich dachte, er auch. Und ich war auf einem sehr guten Weg, ich war wieder ausgeglichen und mir mit halbwegs im Reinen. Auch wenn ich nur schwer mit meinem Geheimnis leben konnte, aber es war immerhin Vergangenheit.
    Und jetzt? Ich weiß nicht mal warum, jetzt sind wir uns plötzlich wieder näher gekommen. Es war relativ plötzlich so, ohne große "Vorwarnung". Auch körperlich, aber ohne Sex und ohne Küsse (ist vielleicht nicht entscheidend, wenn man auch ohne das soviel dabei empfindet). All das, was wir uns erarbeitet hatten, war plötzlich hinfällig. Und es war soooo schön. Und ich weiß gar nicht, was ich jetzt denken soll. Die Sehnsucht ist wieder da und zwar richtig. Festgestellt zu haben, dass die Gefühle nie weg waren, nur hübsch unter den Teppich gekehrt, auf beiden Seiten, diese Erkenntnis war fatal für mich. Andersrum bin ich sauer auf mich selbst, weil ich mich wieder darauf eingelassen habe. Wir hatten alles so schön im Griff, konnten normal als Kollegen und halbwegs als Freunde miteinander umgehen. Ich dachte, wir hätten es geschafft. Und nun das. Ich habe Angst, dass alles wieder von vorne anfängt und gleichzeitig bin ich schon mitten drin. Egal wann wir es beenden, ich werde wieder leiden wie ein Hund. Und ein Fünkchen Hoffnung ist ja auch immer noch da, dass ich von meinem Kollegen vielleicht doch alles haben kann.
    Mein Kopf sagt mir aber, beende irgendwas oder beides. Mach schon, das ist nicht gut für Dich. Dein Kollege wird sich nicht von seiner Frau trennen und Deinem Freund kannst Du nicht vertrauen. Aber ich habe Angst, komplett abzustürzen, wenn ich die wichtigsten Menschen aus meinem Leben streiche. Mein Leben ist die letzten Jahre eh schon so durcheinander und kompliziert. Und mein Gefühl sagt mir ständig, sei egoistisch, mach erstmal, was Dir gut tut. Achte nicht immer nur darauf, dass Du keinem weh tust, auf Dich nimmt auch keiner Rücksicht.
    Was ist nur los mit mir?

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    AW: Wie "krank" bin ich eigentlich...?

    Hallo Blossom,

    Also... kann es vielleicht sein, daß Du 2 Dinge verwechselst?
    Du sagst, Du fühlst Dich zu Deinem Kollegen so extrem hingezogen, daß Du die Körperlichkeit sogar genießt, ohne daß sie wirklich körperlich ist... richtig?
    Du sagst weiter, daß Du mit Deinem Freund nicht schlafen kannst, weil Du ein Problem hast - weil Du ihm nicht vertraust.

    Ist es nicht vielmehr so, daß vielleicht das Problem ist, daß Du mit ihm nicht körperlich sein kannst, weil Du eigentlich mit Deinem Kollegen körperlich sein willst?
    Das war bei meinem Ex und mir so. Ich hab mich jahrelang nach Sex gesehnt... und als er dann endlich mal wieder wollte, konnte ich nicht - weil ich eigentlich mein Herz an einen anderen verloren hatte.

    Vielleicht ist das bei Dir ähnlich. Dann sollte Dir die körperliche Abneigung gegen Deinen Freund ein Zeichen sein. Dann solltest Du Konsequenzen ziehen und Dich trennen.

    Ob es dann mit Deinem Kollegen etwas wird, steht auf einem anderen Blatt.

    Ich kann mir sehr sehr gut vorstellen wie Du Dich fühlst... aber in solchen Moment sollte man immer ganz tief in sich blicken und auch ganz ehrlich zu sich sein. Und wenn man seine eigenen Gefühle nicht einordnen kann, sollte man einen Weg suchen, es zu können.

    Kannst Du irgendwie nachvollziehen, was ich meine?

    Ganz liebe Grüße,

    Cassandra

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    AW: Wie "krank" bin ich eigentlich...?

    Ich kann mich Cassandra nur anschließen!

    Versuche in dich zu horchen, was fühlst du tief in dir?

    Ich könnte mir eine Beziehung, in der ich keinen Sex auf lange Sicht hätte, nicht vorstellen. Für mich hat das etwas mit annehmen zu tun. Ich freue mich immer dann, wenn ich meinen Mann wiedersehe (momentane Fernbeziehung) darauf, wie er schmeckt, wie er riecht, wie er sich anfühlt. Klar gibt es Zeiten, da hat man eben weniger Lust, aber das ist idR nur vorübergehend.

    Könnten die Gefühle für den Arbeitskollegen vielleicht auch deshalb so intensiv erscheinen, weil es verboten ist und weil du somit doch irgendwie deinem Freund etwas "zurückzahlen" kannst? Nicht bewusst, aber unbewusst?

    Alles Gute für Dich!
    Die Größe eines Menschen ist daran zu erkennen, wie er Geschöpfe behandelt, von denen er keinen Vorteil zu erwarten hat
    (Teddy, Polizeihund in Berlin)

  4. Inaktiver User

    AW: Wie "krank" bin ich eigentlich...?

    All das, was ihr hier als Antworten oder Vermutungen geäußert habt, habe ich mich auch schon gefragt. Warum kann ich nicht mit meinem Freund schlafen? Klar, es liegt auf jeden Fall am mangelndem Vertrauen, da bin ich mir sicher. Aber das wird es nicht nur sein. Ich habe auch ein schlechtes Gewissen, weil ich gedanklich viel zu oft bei meinem Kollegen bin. Und ich fühle mich von meinem Freund einfach betrogen. Tja, auch wenn ich selbst moralisch nicht besser gehandelt habe, kann ich bei meinem Freund ja nicht großzügig darüber hinweg sehen.
    Und ja, bestimmt ist das Gefühl bei meinem Kollegen zeitweise so intensiv, weil es eben auch verboten ist. Aber das ist es nicht nur. Wir sind einfach auf einer Wellenlänge, haben Höhen und ganz viele Tiefen in den 2 1/2 Jahren hinter uns. Und trotzdem sind die Gefühle zueinander unverändert. Auch wenn das alles ohne Zukunft ist. Und ja, natürlich würde ich gerne mit meinem Kollegen schlafen. Und vielleicht ist das tatsächlich auch der Grund, warum es mit meinem Freund nicht funktioniert. Ehrlich gesagt bin ich mir da relativ sicher. Und dann denke ich immer, ich werde aber nicht mit meinem Kollegen schlafen. Und soll ich das alles, was mit meinem Freund sehr gut ist, wegschmeißen, nur weil ich Lust auf meinem Kollegen habe? Es fühlt sich für mich halt einfach falsch an, mit meinem Freund zu schlafen, während ich eigentlich Lust auf einen anderen Mann habe. Das bekommt mein Kopf nicht hin, da verzichte ich lieber darauf, auch wenn's schwer fällt...
    Meinem Freund könnte ich damit ja nur etwas zurückzahlen, wenn ich es ihm erzählen würde. Klar, seinen Betrug konnte ich einfacher ertragen, weil ich selbst auch keine reine Weste habe. Ich weiß zwar nicht, wie weit der Betrug meines Freundes mit der anderen Frau ging, ich weiß nur, dass da etwas war. Und klar denke ich oft, wenn er mir mit irgendwas weh getan hat, wenn Du wüßtest, wie es sich anfühlt betrogen zu werden bzw. ich könnte dafür sorgen, dass Du weißt, wie es sich anfühlt.
    Ich weiß aber einfach nicht, ob ich etwas gewonnen habe, wenn ich mich gegen meinen Freund entscheide. Oder ob es mir dann noch schlechter geht...

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    AW: Wie "krank" bin ich eigentlich...?

    Aber Blossom - ob es besser oder schlechter wird, das weiß man doch vorher nie!

    Sicher ist nur: Wenn es besser geht, ist es schön - wenn es erstmal schlechter geht, dann wird es trotzdem auch wieder besser - so oder so, auf die eine oder andere Weise.

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    AW: Wie "krank" bin ich eigentlich...?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Meinem Freund könnte ich damit ja nur etwas zurückzahlen, wenn ich es ihm erzählen würde. Klar, seinen Betrug konnte ich einfacher ertragen, weil ich selbst auch keine reine Weste habe. Ich weiß zwar nicht, wie weit der Betrug meines Freundes mit der anderen Frau ging, ich weiß nur, dass da etwas war. Und klar denke ich oft, wenn er mir mit irgendwas weh getan hat, wenn Du wüßtest, wie es sich anfühlt betrogen zu werden bzw. ich könnte dafür sorgen, dass Du weißt, wie es sich anfühlt.
    Mir ist ja auch vor einiger Zeit so eine Geschichte "passiert" (ja, ja, ich weiss, einige sind der Meinung, so etwas passiert nicht, sondern wird bewusst gesteuert, aber darum geht es jetzt nicht).

    Heute sage ich mir, es war so etwas von überflüssig... ein absolutes Negativ-Erlebnis, wenn ich Aufwand und Ertrag gegenüberstelle (sorry, bin Ökonom). ABER: Als Erfahrung daraus habe ich genommen, dass es (bei mir) überhaupt nichts mit meiner Ehe und meinem Partner zu tun hatte. Mein Mann hatte vor einigen Jahren etwas Ähnliches erlebt ... erst jetzt konnte ich ihn verstehen, wie banal, wie unwichtig das Ganze eigentlich ist (zumindest für unsere Beziehung!)

    Das nur so am Rande. Gedanken, dass ich es ihm jetzt heimzahlen könnte, hatte ich nie. Ich muss gestehen, die Hormone hatten bei mir so eine Art von Vakuum im Gehirn erzeugt Ich bin tatsächlich mehr oder weniger davon überrannt worden.

    Und ich hätte zuvor Stein und Bein geschworen, dass mir so etwas niemals passieren würde!!!

    Alles Gute für dich!
    LG, Kessie
    Die Größe eines Menschen ist daran zu erkennen, wie er Geschöpfe behandelt, von denen er keinen Vorteil zu erwarten hat
    (Teddy, Polizeihund in Berlin)

  7. Inaktiver User

    AW: Wie "krank" bin ich eigentlich...?

    Hallo Magnolia

    so ganz verstehe ich das jetzt nicht

    Du schreibst, du bist seit 9 Jahren mit deinem Freund zusammen - und hast kein Vertrauen, weil es mindestens eine andere Frau gab? Er dich also betrogen hat?

    Davor war euer Sexleben gut? Hat er gebeichtet? Weißt du mit Sicherheit dass es so war oder nimmst du es nur an?

    Der Kollege ist so eine Art "was du kannst kann ich auch"?

    Wie alt seid ihr?

  8. User Info Menu

    AW: Wie "krank" bin ich eigentlich...?

    Was hältst Du denn davon, wenn Du und Dein Freund mal eine Paarberatung macht? Ich meine, so kann es ja nun auch nicht für die Ewigkeit weitergehen.

    Das Verlieben könnte ja ein Strohhalm sein, um das ansonsten langweilige Leben etwas aufzupeppen. Das Unterbewußtsein macht da tolle Sachen manchmal. Dir fehlt einiges in Deiner Beziehung. Also holst Du es Dir woanders. Daß es der Kollege wurde, liegt vielleicht daran, daß der da war. Es hätte auch ein anderer werden können.
    *küchenpsychologieaus*

    Ich denke auch, es geht nicht darum, daß Du keinen Sex mit ihm haben kannst. Du möchtest nicht. Und dafür hast Du Deine guten Gründe, ob die Dir nun bewußt sind, oder nicht. Sowas kann gut in einer Paarberatung aufgearbeitet werden. Man kann auch lernen, wie sich Vertrauen spürbar und meßbar wieder aufbauen lassen kann. Momentan lese ich auch ganz schön viel Wut auf ihn. Daß er Dir so wehgetan hat.

    Wenn Ihr Euch liebt, solltet Ihr Euch diese Chance nicht entgehen lassen. Trennen kann man sich immer relativ leicht. Aber was kommt dann? Wie vermeidest Du, daß Dir dasselbe in der nächsten Beziehung wieder passiert? Wenn Du noch nichtmal die Gründe und Hintergründe des "Warum" genauer erforscht hast? Wenn Du Deine Wut nie genau ausdrücken, kanalisieren kannst, kann sich das auch irgendwann nach innen - gegen Dich selbst - richten. So schwierige Gespräche mit dem Partner, also ich würde da schon einen Dritten hinzuziehen, der mehr von der Sache versteht .

    So eine Paarberatung ist eine spannende Reise. Ich würde mir das nicht entgehen lassen. Man lernt so viel über sich selber, und man kann besser Verständnis für den anderen entwickeln.

    Vielleicht denkst Du ja mal darüber nach.
    Solche ungeklärten Konflikte kosten unendlich viel Energie, die einem zum "normalen", glücklichen Leben an allen Ecken und Enden fehlt. Das merkt man erst dann, wenn der Konflikt bearbeitet ist, wie man aufatmet, wieder richtig fröhlich wird usw.

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


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