Hallo zusammen,
ich möchte gerne unsere Geschichte hier aufschreiben, vielleicht kann sie dem ein oder anderen helfen bzw. Mut machen ?!?
Mein Mann ( 37 ) und ich ( 32 ) sind seit 11 Jahren zusammen, seit 7 Jahren verheiratet. Wir haben 2 Kinder ( 6 und 3 Jahre ).
Niemals hätte ich erwartet, dass uns sowas auch mal treffen könnte !
Unsere Probleme fingen vor ca. 5 Jahren an.
Mein Mann war auf dem Karriereweg nach oben und ich saß zuhause und betreute unser Kind. Da er in einer anderen Stadt arbeitete, hatte ich wenig einblick in seine Welt. Es war ein reines Familienunternehmen und mein Mann war die einzige aussenstehende Person, die eine leitende Funktion hatte.
Die Familie band ihn sehr stark ein, stärkte aber auch extrem sein Selbstwertgefühl und bald schon kam er sich vor wie ein Teil dieser Familie.
Es war irgendwie absehbar das das nicht gut gehen konnte.
Er lebte in seiner Welt und ich in meiner.
Mit den Jahren entfernten wir uns voneinander, unbeabsichtigt, aber auch unfähig dies zu erkennen und es zu ändern.
Ich war viel alleine mit dem Kind und total genervt von seinen 10-12 Stunden Tagen.
Er sah nur die Karriere und das er ja für uns arbeitet, damit es uns gut geht.
Das sexuelle Interesse meinerseits nahm total ab.
Ich fühlte mich zurückgestellt, unwichtig und ungeliebt von ihm.
Und wie ich heute weiß, fühlte er sich genauso.
Wir stritten uns viel, weil ich mehr gemeinsame Zeit wollte, er aber keine Möglichkeit sah, Zeit zu beschaffen.....er mußte ja arbeiten. Wenn wir im Urlaub waren, oder Zeit da war, wurden viele Probleme gewälst.....gestritten und gefordert.
Ich forderte Zeit für mich alleine ein, was er wiederum kaum verstand, da ich ja auch Zeit mit ihm wollte....usw.
Als dann unser Sohn vor 3 Jahren zur Welt kam, spitze sich die Lage noch mehr zu.
Ich wurd noch gefrusteter, und er noch genervter von meinen Launen und Forderungen.
Letzendlich verloren wir in Streitgesprächen schon teilweise den Respekt voreinander. Besonders ich wollte ihn mit Worten verletzen und/oder wachrütteln. Ich setze ihn unter Druck, drohte sogar mit Trennung.
Irgendwann vor 2 Jahren hat er dann in der Tochter des Hauses eine Ansprechpartnerin gefunden.
Sie lebte in Trennung von ihrem Mann und er tauschte sich mit ihr über unsere Probleme aus. Suchte sich Rat und bekam falsche Bestätigung für seine Sicht der Dinge.
Sie bewunderte ihn, für seine Arbeitsleistung, für sein Tun....usw.
Und sie bestärkte ihn, ohne mich zu kennen, in seiner Meinung mir gegenüber.
Er hat mir nie von ihr erzählt....
Wie ich heute weiß, weil er wußte, ich hätte es nicht verstanden.
Er fühlte sich bei ihr verstanden, bei mir nicht mehr.
Und ich tat es zu dieser Zeit auch nicht.
Ich sah nur mich und gab ihm die alleinige Schuld unserer eingefahren Ehe und unserer sexuellen Probleme ( er war ja nie da ) !
Die Gespräche fanden zu erst nur auf der Arbeit statt, nach ca. 1 Jahr fuhr er das erstemal zu ihr nach Hause, nach der Arbeit.
Wir hatten uns mal wieder vorher gestritten und er wollte sich bei ihr auskotzen....nur noch nicht nach hause, wo die Diskussionen weitergehen würden.
Es kam wie es kam.....sie tranken was und landeten im Bett.
Mein Mann sagt, er hätte es sofort bereut und fühlte sich mieß.
Er sagte mir nichts davon, weil er wußte, dann würde ich mich sofort trennen und das wollte er nicht.
Denn trotz unserer Probleme liebte er mich nach wie vor....
Auch darüber redete er oft mit ihr. Das er mich liebt, aber sich sicher ist, dass ich ihn nicht mehr lieben würde. Und er so auch nicht glücklich ist....!
Nach diesem Vorfall traf er sie mehrere Monate nicht mehr.
Trotzdem sahen sie sich jeden Tag auf der Arbeit. Also konnte er ihr nie wirklich aus dem Weg gehen. Gespräche ließen sich nicht vermeiden.
Unsere Probleme zuhause blieben, wurden sogar noch schlimmer.
Auch ich dachte hin und wieder über Trennung nach, wollte und konnte so nicht weiterleben. Fühlte mich aber gefangen, da ich nicht mehr berufstätig war/bin.
Auch sowas sagte ich ihm mitten ins Gesicht "wäre ich nicht so finanziell abhängig von Dir, wäre ich schon längst weg".
Ich wollte ihm damit wachrütteln, wollte das er was ändert, mich glücklich macht...usw.
Irgendwann nach 5 Monaten, traf er sie erneut. Sex hatten wir kaum noch, und wenn war es mehr eine Pflichtübung als alles andere. Leider.
Ab da an sahen sie sich regelmäßiger.
Alle paar Wochen, wenn er es hier nicht mehr aushielt, fuhr er spontan noch zu ihr.
Nach 5 Monaten beendete er die Geschichte mit ihr. Konnte damit nicht mehr leben und wollte klare Verhältnisse.
Mir sagte er aber immernoch nichts. Wollte mir das nicht antun und wollte mich nicht durch sowas verlieren.
Trotzdem sprach mein Mann kurz nach unserem Urlaub das erstemal mit mir über Trennung.
Er sagte mir wie unglücklich er sich fühlt in der Ehe und das es so nicht weitergeht.
Ich nahm ihn nicht wirklich ernst, ich wußte er liebt mich doch, und kann das nicht ernst meinen, denn er ist doch derjenige der meiner Meinung nach was falsch macht. Nicht ich.
Die Trennung hielt nicht lange, er führte Gespräche mit meinem Vater und begriff zum erstenmal, dass er tatsächlich viel zu viel fort ist.
Er suchte nach Lösungen, wollte mit uns umziehen, wollte mit seinem Hobby kürzer treten....usw.
Das Ganze hielt dann 3 Wochen.
Mit dieser Frau war immernoch Schluß.
Aber es änderte sich nichts.
Ich verweigerte mich immernoch und konnte mir blöde Kommentare nicht verkneifen. Verletze ihn immernoch verbal und fühlte mich ja soooo im Recht.
Nach 3 Wochen merkte ich ihm an, dass er total auf Distanz ging. Plötzlich wollte er keine körperliche Nähe mehr und ich wußte er denkt immernoch über Trennung nach.
An diesem Tag fand ich durch Zufall eine SMS in seinen Handy.
Sie war von ihr und der Inhalt eindeutig. "Träum schön von uns beiden".
Für mich brach in dem Moment eine Welt zusammen.
Er gestand mir alles und versicherte mir aber sofort, dass sie damit überhaupt nichts zu tun hätte.
Für mich war aber alles klar. Er hat eine Andere. Deshalb war er nie zuhause usw. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf und ich schmiss ihn raus.
Er versuchte nichts schönzureden, bat mich auch (noch) nicht um verzeihung.
Für ihn war klar, es ist jetzt aus.
Er fuhr zu seinen Eltern ( nicht zu ihr ) und verbrachte dort das Wochenende.
Wir hatten erste SMS Kontakte, indem ich meiner Wut ausdruck brachte.
Nach dem Wochenende führten wir Gespräche.
Ich fragte meinen Mann ob er sie lieben würde und er verneinte es.
Er versuchte mir zu erklären wie er sich fühlte, all die Jahre.
Und zum erstenmal verstand ich ihn.
Ich konnte verstehen, dass auch er sich ungeliebt fühlte.
Das wir seit Jahren in getrennten Betten schliefen, keinen normalen Sex mehr hatten und ich nur noch Forderungen gestellt habe. Ich habe ihn nicht mehr gesehen. Er war für mich wie ein Möbelstück, welches immer da war, aber kaum Aufmerksamkeit benötigte. Ich kritisierte Alles was er machte, nichts machte er in meinen Augen gut. Weder auf der Arbeit, noch zu Hause.
Wenn wir mal Zeit hatten, wälzte ich Probleme, anstatt die Zeit zu genießen...mit ihm.
Und er verstand zum erstenmal wie ich mich fühlte.
Das er mich Ausschloss aus seinem Leben. Das wir keinerlei Gemeinsamkeiten mehr hatten, weil es sich nur noch um seinen Terminkallender drehte. Das er sich zu sehr in diese Familie hat integrieren hat lassen und mich dabei vergessen hat.
Diese Frau gab ihm lediglich das , was er von mir gerne gehabt hätte.
Er liebte sie nicht, er hat sie ehr genutzt ( benutzt ) um sein Ego zu streicheln.
Alle paar Wochen mal.
Er beschreibt es selber ehr als eine Aneinanderreihung mehrerer One-Night -Stands.
Sie führten keine Beziehung, telefonierten nicht oder sonstiges.
Er dachte , genauso wie ich, zum Schluß über Trennung nach. Und sie war nur allzu bereit ihm dabei zu helfen. Sie wollte ihn.
Er hätte sie haben können. Tochter vom Chef...was gibt es Besseres ?
Aber er wollte nicht.
Wir haben eine Woche lang viel geredet und geweint.
Letztendlich ist er dann wieder eingezogen.
Seine Konsequenz war die sofortige Kündigung.
Er tat es ohne Aufforderung von mir. Aber er wußte, ohne die berufliche Veränderung hätte ich es nicht geschafft.
Er trennte sich von der Firma und geht gerade ein sehr hohes Risiko ein ( selbständigkeit ).
Unsere Ehe läuft seitdem sehr gut.
Wir reden immernoch viel, nehmen Rücksicht, und lieben uns ganz anders.
Er bereut sehr, welchen Weg er damals gegangen ist. Haßt sich dafür, mir so weh getan zu haben.
Er hätte mit mir sprechen sollen, anstatt mit ihr. Aber ich bin so ehrlich und Selbstkritisch, dass ich weiß, ich hätte ihn damals nicht verstanden oder verstehen wollen.
Wir haben nie aufgehört uns zu lieben. Das ist das wichtigste.
Wäre die Affäre nie rausgekommen, wären wir vermutlich heute tatsächlich getrennt !
Gestanden hätte er sie mir sie ebenfalls nicht, da er mich davor beschützen wollte ( so doof wie das klingt ).
Und wäre ich selber nicht so Selbstkritisch nach des Outings gewesen, wären wir ebenfalls getrennt. Denn dann würde ich ihn nur als das Arschl*** sehen, der mir fremdgegangen ist....aber ich würde nichts verstehen.
Natürlich ist die Zeit jetzt hart für mich. Und ich hasse ihn manchmal dafür, was er mir angetan hat. Ich bin sehr verletzt, enttäuscht und habe kein Verttrauen mehr .
Ich weiß wozu er im Stande war, dass er mich belügen und betrügen konnte. Ich habe Angst davor, dass er es wieder tun könnte.....usw. Verlustängste eben.
Aber mein Mann macht alles um mir zu helfen. Er ist sich seiner Schuld bewußt und achtet sehr darauf, nichts unüberlegtes zu tun. Er läßt sich freiwillig kontrollieren und hilft mir wo es nur geht langsam wieder zu vertrauen.
Er kaut immernoch alles von vorne mit mir durch, beantwortet meine Fragen zum 1000sten mal und und und.
Nur leider kann auch er die Dinge nicht ungeschehen machen.
Er blickt sehr positiv in die Zukunft und stärkt mich damit mit.
Kontakt zu ihr hat er seit dem Tag X garnicht mehr und das glaube ich ihm auch.
Wir haben eine Eheberatung gemacht und haben bestätigt bekommen, dass wir auf dem allerbesten Weg sind.
Wir hatten eine Krise, unabhängig von der Affäre, die fast zur Trennung geführt hätte.
Durch die Affäre sind wir beide erwacht. Haben das Ende gespürt und haben gelitten wie die Hunde.
Hätte er sie geliebt, hätte er gehen können, tat er aber nicht.
Menschen machen Fehler, dass wichtigste ist, sie lernen daraus.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 494
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21.11.2008, 11:08
Unser Neuanfang nach seiner Affäre
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21.11.2008, 11:27Inaktiver User
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
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21.11.2008, 12:19
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
eine gute geschichte, die sich da zwischen euch entwickelt hat.
ich wünsche euch alles gute.
respekt, achtung und gelassenheit.
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21.11.2008, 13:49
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
Liebe marien,
Alles in Allem ein guter Umgang mit einer dummen Situation. Herzlichen Glückwunsch, ich denke die Basis stimmt wieder und der Rest braucht halt Zeit. Aber auch das werdet ihr bestimmt noch schaffen.
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22.11.2008, 18:39
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
Er liebte sie nicht, er hat sie ehr genutzt ( benutzt ) um sein Ego zu streicheln.
Alle paar Wochen mal.
Er beschreibt es selber ehr als eine Aneinanderreihung mehrerer One-Night -Stands.
Sie führten keine Beziehung, telefonierten nicht oder sonstiges.
Hmmm, er hat sie benutzt,tolle Aussage und Charakter von diesem Mann... ohne Worte...mehrere ONE Night-Sands, ja und was ändert das?
Ich wünsche euch alles Gute und Achtung voreinander !
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22.11.2008, 18:40Inaktiver User
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
mal die augenbrauen sehr fragend hochzieht. toller mann.
Zitat von Zwinker
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22.11.2008, 18:47
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
Ja, wenn man die Geliebte zum Feindbild macht oder abwertet kann man den eigenen Mann wieder zum Helden werden lassen....
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22.11.2008, 18:49Inaktiver User
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
Wahr. Aber es ist üblich.
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22.11.2008, 18:50Inaktiver User
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
sehe ich auch so.
hauptsache wir haben ein gemeinsames feindbild. dann passts auch widda
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23.11.2008, 13:38
AW: Unser Neuanfang nach seiner Affäre
Mmmh, ich glaube, das versteht ihr ein wenig falsch.
Weder ich noch mein Mann machen uns diese Frau zum Feindbild.
Mein Mann trägt für diesen Schritt die alleinige Verantwortung. Sie ist nicht die böse Verführerin, die meinen Mann in die Falle gelockt hat.
Auch macht mein Mann diese Frau nicht schlecht vor mir.
Was mich manchmal sehr verletzt, aber er spricht weder positiv noch negativ über sie. Er übernimmt dafür die alleinige Verantwortung.
Nur mit dem Unterschied , dass er anscheinend auch klar behaupten kann, dass er sie nicht geliebt hat.
Natürlich hat sie ihm gefallen und sie hat ihm eben immer dann wenn er es brauchte, genau das gegeben was er wollte. Ohne Verpflichtungen, ohne Forderungen....schön einfach und bequem.
Ich weiß das das für Geliebte immer unglaubwürdig klingt, wenn sie hören der Betrüger hätte sie nicht geliebt.....
Aber warum ist er dann nicht bei ihr ?
Natürlich ist es letztendlich egal, ob er es als ONS betrachten will oder als handfeste Affäre, weh tut es so oder so.
Und ich sitze auch nicht hier und finde alles garnicht schlimm und verzeihe einfach mal eben so. Ganz bestimmt nicht.
Richtig verzeihen werde ich das womöglich nie, dafür tut es einfach in mehreren Hinsichten zu weh.
Auch ist viel kaputt gegangen, das Vertrauen ist erstmal hin, usw.
Aber wir persönlich haben auch viel gelernt.
Wie gesagt, niemand von uns beiden nimmt die Rolle als armes,armes Opfer ein.....
Wir sind uns dadurch bewußt geworden, was wir versäumt haben. Wo unsere Fehler lagen.
Mein Mann hat vor allem gemerckt welche verkehrte Richtung er durch seinen Job eingeschlagen hat. Wie sehr er mich dabei vergessen hat usw. Wie sehr er sich aber auch hat einlullen lassen von dieser Familie, von ihr.
Unsere Geschichte ist ein wenig anders gelagert als die meisten Affären hier.
Aber der Schmerz ist der gleiche.


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