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  1. Inaktiver User

    Erleuchtung Vertrauensbruch nie verwunden

    hallo bricomm,

    ich möchte euch kurz meine geschichte aufschreiben und ich hoffe, dass ich hier neue gedankenanstösse evtl. sogar lösungen, die ich bisher nicht gesehen habe oder nicht sehen wollte, für die sache die mich beschäftigt, finde.

    vor vielen jahren hatte ich eine kurze affäre mit einem mann, der seitdem aus meinem leben nie ganz verschwunden ist. zum einen, weil er wirklich physisch von zeit zu zeit in meiner nähe ist, zum anderen, weil ich ihn mit "meinem hass" nie wirklich ganz habe aus meinem leben gehen lassen.

    zu den fakten was damals passierte:

    ich habe mich damals sehr in ihn verliebt, nach ca. 2-3 wochen meinen freund verlassen. er war ebenfalls liiert und machte mir sehr regelmäßig und sehr deutlich hoffnungen, er würde sich von seiner freundin ebenfalls bald trennen.

    er integrierte mich so stark in sein leben in dieser zeit, dass ich ihm das mit der beabsichtigten trennung auch glaubte, dass heisst ich lernte menschen aus seiner direkten umgebung kennen, er nahm mich mit zu familienfeiern etc, d.h. eigentlich muss seiner freundin damals irgendwie auch klar gewesen sein, dass es mich gab, einmal habe ich sie sogar angerufen (ich war verzweifelt und wollte ihn sprechen), da sagte sie einfach "oh, XY ist gerade nicht da, ruf ihn doch auf dem handy an"
    ich weiss bis heute nicht, ob sie von der situation überhaupt wusste - ich glaube es nicht.

    in der zeit schauten wir uns regelmäßig wohnungen an, in die wir zusammen ziehen wollten, er sagte er wolle ja raus aus seiner wohnung wegen der trennung und ich wohnte damals sehr klein und beengt). wir unternahmen damals also viele dinge, aus denen zumindest ich geschlossen habe, dass das ernst ist.

    es war eigentlich rückblickend das klassische geliebten verhältnis:
    wenn ich wusste, dass er kommt, war ich der glücklichste mensch auf der welt.
    war er da, war ich seelig.
    wenn er wieder weg fuhr, war holland in not und drama.
    am WE hatte er nie zeit, da war seine freundin dran.

    nur eines hat gefehlt: er hat nie mit mir geschlafen.
    wir waren zwar zärtlich zueinander, und mich hat das rasend gemacht (ich wollte halt sex mit ihm, irgendwie logisch wenn man wochenlang heiss gemacht wird....) auch das: grosses fragezeichen, warum macht ein erwachsener mann so etwas?
    ich habe in der zeit echt angefangen zu glauben, dass ich wohl ziemlich unattraktiv sein muss wenn er mich so behandelt (obwohl das gegenteil der fall ist).

    ich habe das alles nie verstanden und es hat an meinem selbstbewusstsein immens genagt.
    nach einigen wochen (die mir vorkamen wie eine ewigkeit) kam es zum grossen showdown und ich habe ihn quasi inflagranti mit der freundin erwischt, von der er eigentlich behauptet hat, dass sie keinerlei rolle mehr in seinem leben spielt.

    ich habe das ganze dann von heute auf morgen konsequentestens beendet! anfangs hat er noch versucht den kontakt zu mir zu halten, aber ich habe mir das verbeten.
    seitdem ist kein einziges wort mehr zwischen uns gefallen, welches private gründe hätte. ich habe mir gedacht, dass missachtung die beste medizin ist.

    in den jahren darauf hat es mich mal mehr, und mal weniger aufgefressen.
    ich hatte ganz schlimme hass-phasen gegen ihn, war kurz davor mit ihm sprechen zu wollen, um diese situation für mich aufzulösen,
    ich habe es nicht getan, weil ich weiss, dass ich für das geschehene weder eine entschuldigung noch einer erklärung erhalten werde (aber auch diese phase liegt schon lange zeit hinter mir).

    soviel zu vergangenheit.

    nun zur gegenwart:

    heute spielt er nicht mehr diese rolle in meinem leben, ich habe mich verändert, mein leben und meine lebensumstände.
    ich lebe in einer sehr glücklichen partnerschaft und fühle mich wohl.

    aber: ich habe ihn mit meinem groll, den ich immer noch irgendwo in mir habe, nie ganz gehen lassen. er hat immer noch eine bedeutung, weil ich sie ihm gebe.

    in seiner gegenwart spüre ich, dass mir das alles wieder hochkommt, daran hat sich in den ganzen jahren nichts geändert.
    es gibt noch heute momente in denen ich denke, ich engagiere einen kräftigen mann der ihm für 50 euro mal ordentlich nachts im dunkeln.... ach lassen wir das....

    nun ist es gegenwärtig so, dass er mehr und mehr (aufgrund hierarchie-ebenen) in meine nähe kommt - und das gefällt mir gar nicht, aber ich werde es nicht ändern können.

    ich fühle mich in seiner gegenwart immer sehr unwohl.
    ich mag nicht mit ihm reden, nicht mit ihm an einem tisch sitzen, nicht in gruppen dabei stehen in denen er sich auch aufhält, ja: ich meide ihn regelrecht.

    nur wenn es nötig und nicht vermeidbar ist, gehe ich auf ihn zu, kläre die dinge, und verabschiede mich dann wieder freundlich (ihr habt es vielleicht erraten: er ist ein kollege).
    im inneren bin ich jedoch sehr unsicher ihm gegenüber.

    ich wollte, dass meine getroffene entscheidung (distanz) eine strafe für ihn ist, aber ich merke, dass es mehr und mehr eine strafe für mich geworden ist. und ich frage mich ernsthaft: wie komme ich aus dieser spirale wieder raus?

    auf ihn zugehen und sagen: nu komm, lass uns frieden schliessen (käme m.e. einer absolution und verzeihen gleich...) - Nein!

    ihn weiter ignorieren - ist scheinbar auch nicht des rätsels lösung, klappt ja nicht bzw. bringt mich nicht weiter.

    ein ritual vollziehen und ihn damit "gehen lassen" - nicht für mich!

    wie seht ihr das?

    viele grüße
    sieliebtdenDJ

  2. Inaktiver User

    AW: Vertrauensbruch nie verwunden

    Vielleicht hasst du ja mehr deine eigene erlebte Hilflosigkeit als ihn. Und vielleicht kannst du dir diese "Schwäche" nicht verzeihen und deshalb auch ihm nicht, der dir diese "Schwäche" vor Augen geführt hat.

  3. Inaktiver User

    AW: Vertrauensbruch nie verwunden

    Ich seh es auch so:

    Was er denkt, tut, fühlt oder will, ist scheißegal.
    Ihm musst du nicht verzeihen, da könntest du auch gegen die Wand pinkeln (sorry!).

    Am wichtigsten ist es, dass du dir selbst vergibst für die "Fehler" der Vergangenheit und die verschwendete Zeit, die nicht mehr zurückkommt.

    Erst dann wirst du Frieden in deiner Seele finde.

    Mir war auch nach Ausdiskutieren, ins Gesicht schlagen, Hass und noch schlimmeres (ja, ich gestehe), aber es bringt dich nicht weiter. Es bindet dich noch mehr......

    Gib es ab, und vergib dir.
    Der Rest kommt dann von alleine..........

  4. User Info Menu

    AW: Vertrauensbruch nie verwunden

    Kenn ich, so eine Situation! Zwar nicht mit einem Lover, sondern einem Familienmitglied, aber glaub mir es war auch so zermürbend.

    Ein Anfang war eine Übung bei einem Psychologen (wo ich sowieso war, Therapie aus anderen Gründen):
    Eine Stellvertreter-Übung.
    Der Psychologe übernahm die Rolle des XY.
    IHM konnte ich alles sagen, was ich dem XY sagen wollte.

    Tat ungeheuer gut.
    Die Wut verraucht nach und nach. Es macht nicht "klick", und alles ist gut, aber ich glaub, das war die richtige Übung.

    Mit nicht-vergeben-können schadet man sich in der Tat. Denn die negative Energie bleibt bei uns selber.
    Ich hab gelesen, daß Haß-Phantasien (ich werde ihm einen Mörder schicken...:-)) eine ansich gesunde Sache sein sollen. Psycho-Hygiene sein sollen.
    Also denk nicht schlecht von Dir selbst, wegen Deinen Phantasien.
    Du hast Deinem XY damals gestattet, Dich abgewertet fühlen zu lassen.
    Gestatte Dir selbst jetzt und heute, Dich aufzuwerten. Tu was für Dein "ich-bin-gut!"-Gefühl. Was das sein könnte? Weiß ich so auch nicht zu sagen, sprich mal mit Dir, was würde Dich aufpeppen, Dir ein Erfolgserlebnis sein?

    Bei mir hilft ja immer:
    Coole neue Frisur. Banal, ich weiß, aber mir hilft´s.

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


  5. User Info Menu

    AW: Vertrauensbruch nie verwunden

    Ich seh das ähnlich wie Dobby_lieb: in erste Linie musst du DIR verzeihen. Du hast einen Groll auf ihn, den er nie zu spüren bekam. Willst du das nach so langer Zeit nachholen? Und wenn ja, was erhoffst du dir davon?
    Versuch mit der Sache abzuschliessen. Du schreibst selbst, dass er noch diese Bedeutung hat, weil DU sie ihm gibst.
    Dein Verhalten ihm gegenüber (wenn nötig mit ihm reden, freundlich verabschieden) find ich gut so. Das einzige, woran du arbeiten musst, ist deine Unsicherheit.
    Dabei wünsch ich dir alles Gute

  6. User Info Menu

    AW: Vertrauensbruch nie verwunden

    Und jetzt noch eine Frage dazu, die mich interessiert. Du schreibst, du hast damals wegen ihm deinen Freund verlassen. Nur wegen ihm? Und wie sehr hast du das bereut?

    Ich bin leider grad in einer ähnlichen Situation: Es gibt einen anderen Mann in meinem Leben (http://www.brigitte.de/foren/showthread.html?t=101165) und überlege meinen Freund zu verlassen. Nicht nur wegen dem anderen (das ist wohl eh aussichtslos). Bin nur momentan sehr verwirrt, weil es eben den anderen gibt und ich Angst habe, dass meine Entscheidungen von ihm beeinflusst werden...

  7. Inaktiver User

    AW: Vertrauensbruch nie verwunden

    hallo,

    vielen lieben dank für eure antworten!

    @ gowest:
    ja, ich weiss, ich hasse mich selber für die paar wochen in meinem leben, in denen ich so viel falsch gemacht habe. mit falsch gemacht meine ich, dass ich so einem menschen - der mich so offensichtlich angelogen hat - meine uneingeschränkte liebe geschenkt habe. das dem so ist, habe ich längst erkannt - nur habe ich noch keine ausweg gefunden.

    @ dobbylieb:
    natürlich ist es scheissegal, was er denkt und fühlt, und das ist mir auch nicht mehr wichtig, und zwar schon sehr lange nicht mehr. ausdiskutieren will ich mit ihm schon lange nicht mehr - entschuldigung für das was geschehen ist, wäre mir lange zeit sehr wichtig gewesen, aber dieser zug ist abgefahren.

    @ karla 48:
    das mit dem dialog, den dein therapeut mit dir geführt hat, gefällt mir ganz gut. ich wollte ihm übrigens keinen mörder schicken (für 50 euro wahrscheinlich auch schwierig.... ), sondern jemanden der ihm mal so richtig eins auf die 9 gibt....!
    und zur neuen frisur: das hat mir damals akut geholfen, ich habe damals kurz danach viele dinge getan, die mir sehr gut taten, und ich habe auch ein paar monate danach wieder jemanden kennengelernt in den ich mich sehr verliebt habe und mit dem ich mehrere jahre sehr glücklich zusammenlebte.

    @ diary of dreams:
    ja, an meiner unsicherheit muss ich arbeiten!
    ich weiss, aber ist nicht einfach, ich habe generell damit zu kämpfen und es in dieser hinsicht nicht immer leicht (gehabt).
    in den nächsten monaten wird es eine veranstaltung geben, auf der ich mehrere tage mit ihm in einer größeren gruppe unterwegs sein werde. ich denke in der zeit werde ich mich mit sicherheit mit jedem dieser gruppe einmal persönlich unterhalten - zB bei einer abendveranstaltung - nur mit ihm kann ich mir das beim besten willen nicht vorstellen, bei einem glas wein über gott und die welt smalltalk zu halten (was ich mit anderen eigentlich ganz nett finde, ein bißchen klönen halt).
    du fragst, ob ich die entscheidung meinen damaligen freund für ihn zu verlassen danach bereut hätte.
    nein, habe ich nie bereut!
    ich war traurig über die ganze situation als klar wurde, dass mit XY nichts wurde, aber ich habe nicht damit gehadert, dass ich vorher für mich die andere entscheidung traf - die war richtig! und ich hätte sie vermutlich zu einem späteren zeitpunkt ebenso getroffen.

    viele grüße
    sieliebtdenDJ

  8. User Info Menu

    AW: Vertrauensbruch nie verwunden

    ich glaube, dass er Potenzprobleme hat und deshalb nicht mir dir ( ausser seiner Freundin) schlafen konnte.

    deshalb war die Freundin glaub ich auch so " cool". sie war sich sicher mit ihm.

    lagaluga

  9. Inaktiver User

    AW: Vertrauensbruch nie verwunden

    Zitat Zitat von Lagaluga
    ich glaube, dass er Potenzprobleme hat
    weisst du was? das habe ich damals auch öfter gedacht.
    es ist ja nicht so gewesen, dass da gar nichts lief, aber er hat immer im letzten moment einen rückzieher gemacht.

    kann sein, dass das ein spiel war um sich interessant zu machen - oder es ging schlicht und ergreifend nicht.

    wenn ich jetzt so drüber nachdenke fällt mir noch ein detail von damals ein: eine zeitlang (so ca. 3-4 wochen am anfang der story) hat er mir gesagt, dass er aus irgendeinem grund (grund hab ich vergessen) eine OP an seinem besten stück hat machen lassen müssen. angeblich sei da ein verband und er müsse damit regelmäßig zum arzt.
    in der zeit durfte ich nicht mal annähernd da ran....

    passt eigentlich auch ins bild...

    ich glaube das er ein mensch ist, für den es sehr wichtig ist, dass er sein selbstbewusstsein durch statussymbole und coole geschichten die er erzählen kann aufmotzt. vielleicht fehlte ich zu der zeit einfach in seiner sammlung....

    nur: woher soll die freundin wissen, dass es bei ihr wohl klappt und bei anderen damen nicht??

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