Hallo zusammen,
nach einiger zeit melde ich mich mal wieder.
Ich hatte Ende August schon einmal gepostet.
Auch, wenn es dem Ganzen nicht gerecht wird. Ich versuche noch mal in zwei, drei Sätzen zu schreiben um was es ging.
Ich bin verheiratet, über 20 Jahre. Die Liebe zu meinem Mann war gegangen. Die Routine ist gekommen. Ich lebte vor mich hin. Dann lernte ich jemanden kennen und hatte eine "Affaire".
Ich liebe diesen Mann wirklich. Allerdings ist er sehr viel jünger als ich. Im August habe ich meinem Mann alles gestanden, wollte mich trennen. Er ließ es nicht zu. Ich hatte Angst. Ich versuchte die Affaire zu beenden. Meinem Mann habe ich gesagt, sie sei seit August zu ende. In Wirklichkeit eher Anfang November.
Aber jetzt ist es wohl tatsächlich vorbei. Nein, die Gefühle sind nach wie vor da. Aber ich habe mich nicht getraut den Schritt zu machen.
Jetzt habe ich ein Buch gelesen. Ich möchte gerne ein paar Zeilen davon zitieren. Ich hoffe das versößt nicht gegen irgendwelche Copyright Rechte. Das Buch heißt "Ich habe Sie geliebt" von Anna Gavalda.
Es geht darum, dass ein ca. 60 Jähriger Mann seiner Schwiegertocher von ein Affaire erzählt, die er mal hatte. Die Liebe seines Lebens. Auch er hat sich aus Angst damals nicht getrennt. Nun ein kurzer Ausschnitt (er spricht zu seiner Schwiegertochter)
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Einmal, vor ganz langer Zeit, als meine Tochter noch sehr klein war, bin ich mit ihr in der Bäckerei gewesen. Es kam selten vor, dass ich mit meiner Tochter in die Bäckerei ging. Es kam selten vor, dass ich ihr die Hand gab, und noch seltener, dass ich mit ihr allein war. Es muss Sontagsmorgen gewesen sein, die Bäckerei war voll, die Leute kauften Erdbeerkuchen und Baisertorte. Beim Hinausgehen bat mich meine Tochter um das Knäuschen des Baguettes. Ich habe es ihr verweigert. Nein, habe ich gesagt, nein. Erst wenn wir bei Tisch sind. Wir kamen zurück und setzten uns an den Tisch. Eine hübsche kleine Familie. Ich schnitt das Brot auf. Aber als ich meinem Töchterchen das Knäuschen hinhielt, gab sie es an ihren Bruder weiter.
>Du hast doch gesagt, du wolltest es haben.<
>Vorhin wollte ich es haben<, hat sie geantwortet und ihre Serviette auseinandergefaltet.
>Aber es schmeckt doch jetzt noch genauso gut<, insistierte ich, es ist das gleiche.
Sie drehte den Kopf weg.
>Nein, danke.<
Ich würde gern noch eine Frage stellen. Ich stelle sie nicht dir, ich stelle sie nicht mir, ich stelle sie der Holzverkleidung an der Wand:
Hätte dieses kleine dickköpfige Mädchen nicht lieber mit einem glücklicheren Papa zusammen gelebt?
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Diese paar Zeilen haben mich sehr berührt und lassen mich viel nachdenken, was richtig und was falsch ist.
Kann das jemand nachfühlen?
maria
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Ergebnis 1 bis 8 von 8
Thema: Nicht glücklich leben?!
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18.11.2008, 13:41
Nicht glücklich leben?!
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18.11.2008, 13:47Inaktiver User
AW: Nicht glücklich leben?!
Ich kann nachempfinden wie du dich fühlst - verstehen kann ich dich nicht wirklich.
Nicht weil ich glaube, die Ehe ist heilig und es gilt "bis das der Tod uns scheidet" Ich bin in zweiter Ehe verheiratet!
Nein, ich meine eher diese verpaßten Gelegenheiten, dieses "hätte ich nur" "wieso habe ich nicht" -
Deine Ehe ist vorbei, wie du schreibst - du liebst ihn nicht mehr.
Wieso hattest du Angst dich wirklich zu trennen?
Dein Geliebter ist jünger? Das ist kein Argument.
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18.11.2008, 14:40Inaktiver User
AW: Nicht glücklich leben?!
Alles was Du tust wird auch ein wenig falsch sein und hoffentlich so viel wie möglich richtig. Wenn etwas ganz falsch ist, was Du lebst und sich tot anfühlt, dann wirst Du es schon merken, aber ob Du den Preis dafür bezahlen willst, ich weiß es nicht.
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18.11.2008, 15:34
AW: Nicht glücklich leben?!
ist lieb von euch.. aber ich meinte das jetzt nichtmal so sehr auf mich bezogen, sondern was ihr wohl auf die frage vom dem herrn antworten würdet?!
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18.11.2008, 15:49Inaktiver User
AW: Nicht glücklich leben?!
Natürlich sind Kinder mit davon betroffen, wenn sich ein Elternteil nicht wohlfühlt oder wie früher klassischer Weise und heute auch noch oft die Flucht in den Beruf ergreift. Gesellschaftlich anerkannt und unauffällig. Andererseits sind die Ansprüche an die Liebe höher geworden, aber ich finde es gut so, nur erfordert es auch Mut. Die Kinder machen sicher bei Trennungen auch was durch, aber das kann sich bei vernünftigem Umgang miteinander auf eine relativ kurze Zeitspanne beschränken, während jemand, der meint in der Ehe festzustecken seine depressive Denkweise doch weitergeben kann und damit die Zeit vergiften kann.
Zitat von mariag
Ich kann da ehrlich sein, ich hätte mir manchmal gewünscht, dass meine Eltern sich trennen und diese Art der Beziehung nicht noch fälschliger Weise Liebe nennen.
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18.11.2008, 16:12Inaktiver User
AW: Nicht glücklich leben?!
Doch hätte sie, aber hat sie eben nicht. Ich finde diese ewige Fragerei "was wäre wenn alles anders gekommen wäre, weil ich zu diesem Zeitpunkt anders entscheiden hätte" müßig. Es gibt eben nur die Entscheidung die der Moment zulässt und keine andere. Selbst wenn es einen zerreisst entscheidet man letztendlich richtig. Nämlich authentisch, individuell, konform mit dem zu dem man in der Lage ist. Ich kenne dieses Buch auch und er sagt einmal , dass er seine Geliebte mehr als alles auf der Welt geliebt habe. Aber eben dieser Mann hat in diesem Moment nicht den Mut sich für sie zu entscheiden. Es gibt eben keine andere Option.
Auch wenn die Konsequenzen Schmerz und Reue sind.
FriedaGeändert von Inaktiver User (18.11.2008 um 16:16 Uhr)
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18.11.2008, 19:47
AW: Nicht glücklich leben?!
Hallo Mariag,
wieso ist die Affaire eigentlich jetzt zu Ende. Hast Du sie beendet?
Und wenn ja, warum?
Meinst Du, Deine Ehe hätte noch eine Chance, wenn Du keine Affaire hättest und Ihr vielleicht eine Eheberatung machen würdet?
Ich nehme mal an, Dein Mann hat Dir diese Affaire verziehen, also liebt er Dich nach wie vor?
Wie lange lebst Du denn schon ohne Liebe zu Deinem Mann? Vielleicht ist es nur eine vorübergehende Krise, irgendwann wird wohl jede Liebe mal zur Frendschaft. Die Leidenschaft zu erhalten finde ich sehr schwierig. Ich habe es auch nicht geschafft.
Aber eine Trennung schaffe ich auch nicht.
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18.11.2008, 20:04Inaktiver User
AW: Nicht glücklich leben?!
Zitat von mariag
"Ja!", hätte dieses Mädchen gesagt. "Ein glücklicher Papa wäre toll gewesen." Und deswegen fragt dieses Mädchen zurück: "Warum warst du zu feige zu gehen?" Und wenn du schon nicht gegangen bist: "Warum warst du nicht mutig genug, deine Feigheit zu erkennen?" "Und warum schiebst du mir die Verantwortung für DEIN Leben und für deine Entscheidungen zu?"Hätte dieses kleine dickköpfige Mädchen nicht lieber mit einem glücklicheren Papa zusammen gelebt?
Ich finde diese Frage in diesem Buch unerträglich sentimental und geheuchelt. Sie trieft vor Selbstmitleid unter dem Deckmantel der Väterlichkeit!


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