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  1. Inaktiver User

    AW: Ist Mode politisch....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und wer stellt dann sicher, dass die Stoffe "korrekt" produziert wurden? Oder glaubt ihr, bei den Stoffen geht es anders zu als bei fertigen Produkten?
    Natürlich nicht.
    Die Herkunft der Stoffe nachzuvollziehen ist generell schwierig, denn ein Großteil der Kleiderstoffe dürfte nicht in Europa produziert worden ein.

  2. Inaktiver User

    AW: Ist Mode politisch....

    Also ist das auch nur "halb" eine Alternative zum Fertigkauf, jedenfalls, wenn es um menschenwürdige Produktionsbedingungen geht.

  3. Inaktiver User

    AW: Ist Mode politisch....

    Selbernähen ist kein Instrument, um gegen die Produktionsbedingungen in der Textilwirtschaft zu protestieren, denn wenn niemand mehr diese Textilien kauft, wird damit nur erreicht, dass diese Frauen arbeitslos sind.

    Ob das der Sinn der Sache ist? Die Tatsache, dass die Frauen Geld verdienen, stärkt ihren Status innerhalb der Familie und ermöglich diesen einen bescheidenen Wohlstand, der wiederum die dortige Wirtschaft ankurbelt.

    Aber natürlich sind die die Produktionsbedingungen ein ewiger Streitpunkt. Wichtig wäre, dass die Textilketten Druck auf die Produzenten ausüben, dass sie anständige ortsübliche Löhne bezahlen und auf die Sicherheit ihrer Mitarbeiter achten.

    Da sich die Löhne in den einzelnen Ländern an den Lebenshaltungskosten orientieren (die zB. in manchen Teilen Asiens sehr niedrig sind), ergibt sich auch bei anständiger Bezahlung noch eine deutliche Preisdifferenz, die die Produktion in Asien rentabel macht.

    Mit Ländern Handel zu treiben ist besser als jede Entwicklungshilfe.

  4. gesperrt

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    AW: Ist Mode politisch....

    Zitat Zitat von Letho Beitrag anzeigen
    Ist nur nicht ganz billig und darum nicht für jeden machbar.
    Stimmt. Mal abgesehen von jenen Leuten, die wirklich jeden Cent fünf Mal umdrehen müssen, bevor er ausgegeben wird, ist es allerdings eine Frage der Prioritäten, wie viel einem ein faires Arbeitsverhältnis auch im Ausland wert ist.


    Selber nähen ist nicht so einfach, wie man denken könnte, sonst wäre das ja eine Alternative. Vor allem für diejenigen, die in die standardisierten Einheitsschnitte nicht hinein passen.
    soo schwer ist's nun auch wieder nicht. Vor allen, wenn man bei Konfektion womöglich nur was Kleines ändern muss, zB einen Ärmel abschneiden und säumen.

    Gerade wenn man keine Standardfigur hat (wie ich) kann es auch sehr befriedigend sein, statt drei Stunden in der Stadt rumstiefeln und NICHTS finden, die drei Stunden dafür investieren, sich was Massgefertigtes zu erarbeiten. Tutorials und Kurse aller Art gibt es ja reichlich, im Internet oder im RL.

    Selbst nähen ist schon politisch; nur schon die Gedankengänge sind ganz Andere. Wenn man kauft, besonder mit nicht-Standardfigur, ist der Gedankengang oft "das ist das Einzige was immerhin plusminus passt, das nehm ich jetzt auch wenn es nicht perfekt ist" hin zu dem viel grundlegenderen "was mag ich, was will ich, was steht mir?" Kleidung selbst machen können, ist ein riesiges Stück Freiheit und Unabhängigkeit. Und ja, klar, man muss etwas üben, das ist der Preis, den es zu zahlen gilt.

    gruss, barbara

  5. gesperrt

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    AW: Ist Mode politisch....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und wer stellt dann sicher, dass die Stoffe "korrekt" produziert wurden? Oder glaubt ihr, bei den Stoffen geht es anders zu als bei fertigen Produkten?
    nein, meist nicht.

    Aber man kann darauf verzichten, diesen ausbeuterischen Markt zu füttern, indem man zB in der Lage ist, abgetragene Kleidung zu recyclen und somit länger zu benutzen. zu Selbstgenähtem hat man auch eine engere Beziehung (die ganze Arbeit, die da drin steckt!), das sind folglich meist auch Dinge, die sehr lange getragen werden. Das sind Handlungen, die dem Kapitalismus Umsatz entziehen, auch wenn man nicht jedes Detail der Herstellungskette kontrollieren kann. Man macht eben, was geht.

    Das Argument "dann haben diese Frauen in Bangladesh wenigstens eine Arbeit" teile ich nicht. Dies setzt nämlich voraus, dass Erwerbsarbeit nach westlichem Muster notwendigerweise die bestmögliche Lebensform ist, und da bin ich keineswegs sicher, dass das stimmt.

    gruss, barbara

  6. Inaktiver User

    AW: Ist Mode politisch....

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Gerade wenn man keine Standardfigur hat (wie ich) kann es auch sehr befriedigend sein, statt drei Stunden in der Stadt rumstiefeln und NICHTS finden, die drei Stunden dafür investieren, sich was Massgefertigtes zu erarbeiten.
    Da ist was dran, auch umgekehrt.

    Ich habe offensichtlich eine asiatische Standardfigur, mir passt so ziemlich alles in meiner Konfektionsgröße. Und weil Kleidung inzwischen so preiswert geworden ist, nähe ich seit Jahren nichts mehr selbst, obwohl ich es recht gut könnte. Ich frage mich dann jedesmal, ob es sich lohnt, da Arbeitszeit zu investieren. Wenn ich meinen üblichen Stundensatz zugrunde lege, lohnt es sich zB. überhaupt nicht.

    Vermutlich werde ich aber demächst wieder mit dem Nähen anfangen, und zwar für meine Enkelin.
    Fast alle großen Hersteller bieten nur Kollektionen mit den Basisfarben Rosa und Pink für kleine Mädchen an. Es gibt so gut wie nichts in einem klassischen, klaren Rot.

    Auch das ist politisch: Warum müssen kleine Mädchen weltweit wie Bonbons herum laufen?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Dies setzt nämlich voraus, dass Erwerbsarbeit nach westlichem Muster notwendigerweise die bestmögliche Lebensform ist, und da bin ich keineswegs sicher, dass das stimmt.
    Darüber kann man streiten. Viele Befragungen ergaben, dass die Frauen selbstbewusster werden, wenn sie Geld verdienen, dass sie von ihren Familien mehr geschätzt werden und auch in der Wahl ihrer Ehepartner Vorteile haben.

    Frauen in der Dritten Welt zählen wenig, wenn sie "nur" zuhause arbeiten. Als Frau Geld für die Familie zu verdienen, ist ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung und verringert die wirtschaftliche Abhängigkeit.

    Ich hatte mal die Gelegenheit, mich mit einer jungen Frau in Hanoi ausgiebig über dieses Thema zu unterhalten (Vietnam ist ein kommunistischer Staat, aber seit Jahren mit einer kapitalistischen Wirtschaft, ähnlich wie China). Seitdem denke ich anders über die Globalisierung, weil ich gesehen habe, wie die Menschen in Asien davon profitieren.

    Das Upcycling von Textilien kann durchaus Spaß machen und kreative Ergebnisse hervor bringen.
    Geändert von Inaktiver User (25.06.2015 um 14:37 Uhr)

  7. gesperrt

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    AW: Ist Mode politisch....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Auch das ist politisch: Warum müssen kleine Mädchen weltweit wie Bonbons herum laufen?
    Nicht in Finnland - da kriegen alle Neugeborenen bzw deren Eltern eine vom Staat finanzierte Grundausstattung an Kleidung. Genderneutral, für Jungen und Mädchen dasselbe. Sieht so aus:
    Äitiyspakkaus - kela.fi


    Darüber kann man streiten. Viele Befragungen ergaben jedoch, dass die Frauen selbstbewusster werden, wenn sie Geld verdienen, dass sie von ihren Familien mehr geschätzt werden und auch in der Wahl ihrer Ehepartner Vorteile haben.
    Glaub ich gern. :-)

    Für uns Westliche ist allerdings eher das Thema, wie wir wieder wegkommen von der Monetarisierung von allem, und (wieder) geldfreie Wirtschaftsformen entwickeln. Oder zumindest Wirtschaftsformen, wo weniger Geld benötigt wird als heute; wo eine Tätigkeit nicht erst wertgeschätzt wird, wenn ein Lohncheck damit kommt.

    gruss, barbara

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    AW: Ist Mode politisch....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Also ist das auch nur "halb" eine Alternative zum Fertigkauf, jedenfalls, wenn es um menschenwürdige Produktionsbedingungen geht.
    Es ist überhaupt keine Alternative. Oder glaubst du, das Leben der Näherinnen in Asien verbessert sich dadurch, dass die Frauen hier sich ihre Plünnen selbst nähen?

    Sorry, ich weiß, du glaubst das nicht.

  9. Inaktiver User

    AW: Ist Mode politisch....

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Nicht in Finnland - da kriegen alle Neugeborenen bzw deren Eltern eine vom Staat finanzierte Grundausstattung an Kleidung. Genderneutral, für Jungen und Mädchen dasselbe. Sieht so aus:
    Äitiyspakkaus - kela.fi
    Genial!

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Für uns Westliche ist allerdings eher das Thema, wie wir wieder wegkommen von der Monetarisierung von allem, und (wieder) geldfreie Wirtschaftsformen entwickeln. Oder zumindest Wirtschaftsformen, wo weniger Geld benötigt wird als heute; wo eine Tätigkeit nicht erst wertgeschätzt wird, wenn ein Lohncheck damit kommt.
    Das stimmt schon. Die totale Ökonomisierung aller Lebensbereiche ist katastrophal.

    Allerdings darf man nicht vergessen, dass es hierzulande noch gar nicht so lange her ist, dass Frauen ökonomisch von ihren Männern abhängig waren und diese Abhängigkeit auch als Machtinstrument mißbraucht wurde. Wer zahlt, schafft an.

    Ob ein reines Tauschsystem besser wäre, wage ich zu bezweifeln, denn oft passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Geld wurde sozusagen als neutrales Zwischenglied erfunden, um das Ganze einfacher zu machen.

    Nur hat sich das ganze System über Zins und Zinseszins immer mehr aufgeschaukelt und heute leben wir in einer Feudalwirtschaft, die vom Geldadel regiert wird.

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    AW: Ist Mode politisch....

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Das Argument "dann haben diese Frauen in Bangladesh wenigstens eine Arbeit" teile ich nicht. Dies setzt nämlich voraus, dass Erwerbsarbeit nach westlichem Muster notwendigerweise die bestmögliche Lebensform ist, und da bin ich keineswegs sicher, dass das stimmt.

    gruss, barbara
    Das glaube ich auch nicht.
    Aber ich finde betteln und hungern noch weniger erstrebenswert.

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