Hallo EinfachIch,
ich habe dir ganz am Anfang des threads den Tipp mit dem Kompetenznetz Depression gegeben und seitdem lange überlegt, ob ich nochmal ausführlicher schreibe. Nach deinem letzten Beitrag will ich das nun tun.
Ich will absolut nicht schwarz malen - jede psychische Erkrankung ist anders, wirkt sich anders aus. Und jeder Angehörige kann damit anders umgehen. Was ich in einer langen Beziehung mit einem stark depressiven Mann gelernt habe, ist aber folgendes: Wenn man es nicht schafft, sich abzugrenzen, ist die "Gefahr", dass man in sehr großem Maße nur noch für den Kranken lebt, sehr hoch. Einer der größten Fehler, die ich gemacht habe, war zu denken "Mit meiner Hilfe und Unterstützung, meiner Liebe schafft er das schon, schaffen wir das schon".
Einen psychisch kranken Partner unterstützt man - keine Frage. Ich selbst habe das lange Zeit geschafft; habe viele Phasen durchgehalten, in denen er weder seine eigenen Gefühle noch meine Liebe spüren konnte, habe mich oft verdammt allein gefühlt, weil er nicht reden wollte. Irgendwann habe ich mich gefragt, wo ich denn bei der ganzen Geschichte eigentlich bleibe? Ich, meikeline, die sehr eigenständige Frau, die immer ein übersprudelnder Energiequell war, mit einem Haufen Freunden, gut gelaunt, positiv... Ich war überhaupt nicht mehr da, hatte mich vollkommen verloren, weil ich all meine Energie (neben extrem stressiger Arbeit) in die Beziehung gesteckt habe.
Wir haben es zusammen nicht geschafft, haben uns getrennt, sind jetzt aber sehr gute Freunde. Für mich selbst weiß ich, dass ich so etwas nie mehr mitmachen kann und will. Ich würde in Zukunft sofort reißaus nehmen, wenn ich einem Mann näherkommen sollte, der depressiv ist.
Sicherlich ist das ein Extrembeispiel. Andere wären damit vielleicht anders und besser zurecht gekommen. Und ich will deinen Freund auch auf gar keinen Fall mit meinem Exmann vergleichen, zumal ich ja gar nicht weiß, was er genau für ein Krankheitsbild hat.
Ich möchte dir aber sehr eindringlich ans Herz legen: Mach dich schlau und such dir - wenn du dich hundertprozentig auf ihn einlässt - Unterstützung, z.B. in einer Angehörigengruppe. Mach dir bewusst, dass es Zeiten geben kann, in denen du sehr viel in die Beziehung reinsteckst, aber so gut wie nichts zurückbekommst. Such dir Quellen, die dir Kraft und Energie geben. Grenz dich ab, indem du bestimmte Aussagen und Verhaltensweisen nicht auf dich beziehst. Überschätz deine eigene Stärke nicht.
Ich möchte dir keine Angst machen. Aber wenn ich zu Beginn der Beziehung solche Tipps bekommen und mir Unterstützung geholt hätte, hätte ich mit vielem ganz anders umgehen können.
Ich wünsche dir viel Kraft, die richtigen Entscheidungen und alles Gute.![]()
Antworten
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14.09.2008, 10:01
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
"Ich habe eine ganz einfache Philosophie: Fülle, was leer ist. Leere, was voll ist. Kratz dich, wo es juckt."
Alice Roosevelt Longworth (1884-1980), amerikanische Gastwirtin
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14.09.2008, 11:21Inaktiver User
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
Sehr gutes Posting.
Leider muss ich sagen, dass ich mich
auch nicht mehr einlassen würde.
Die Erfahrung war menschlich zu schmerzhaft,
die Situation zu unberechenbar.
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14.09.2008, 21:46
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
ich hoffe mir ist niemand böse das ich nicht im detail auf gewisse postings eingehe... im augenblick tut es mir einfach nur gut hier meine gedanken niederzuschreiben und zu lesen was andere dazu denken oder welche erfahrungen sie in ähnlichen situationen gemacht haben.
heute ist mir aufgefallen das er sich mir gegenüber sehr distanziert verhält. kontakt auf ein minimum beschränkt und wenn sehr oberflächlich.
liebe worte von mir drangen gar nicht zu ihm durch, geschweige denn das er drauf reagiert hätte.
ich habe ihn dann drauf angesprochen und ihn gefragt. er entschuldigte sich und dann meinte er ich hätte recht, heute würde es echt nicht zu ihm durchdringen und ich soll ihm nicht böse sein, es sei weder böse noch persönlich gemeint.
ich habe ihm dann geantwortet das er sich nicht entschuldigen müsse da ich mir ja bewusst sei das solche tage kommen würden, da er mich ja um zeit und geduld gebeten hätte. ich schrieb ihm weiter das er mir einfach nur sagen soll wenn es ihm nicht gut geht, wenn solch momente da sind, damit ich ein bisschen besser damit umgehen kann, denn sonst merkt man einfach nur die ignoranz und dann hat man das gefühl das die lieben worte von gestern heute schon nicht mehr der wahrheit entsprechen. ich schrieb ihm, das lieb haben auch bedeutet einen menschen in den momenten lieb zu haben, wenn er nichts zurück geben kann in gewissen momenten.
auf diese nachricht erhielt ich keine reaktion mehr... es ist sehr schwer für mich, aber ich hoffe er hat verstanden was ich damit sagen wollte.
mir ging es heute sehr sehr schlecht... hätte er mir einfach gesagt das ein scheiss tag ist, hätte ich glaub ich besser damit umgehen können als mit dem haufen fragen die mir den ganzen tag durch den kopf geschossen sind.Lebe die Liebe
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14.09.2008, 22:17
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
Hmm...mal eine Frage zwischendurch. Läuft die Kommunikation über SMS ab?
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14.09.2008, 22:33Inaktiver User
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
Liebe EinfachIch - wenn ich Deine Zeilen lese, dann fühle ich mich so an mich erinnert, mit dem Unterschied, dass ich vorher nicht gewusst habe, was los ist und jetzt -
Zitat von EinfachIch
Wahrscheinlich "macht er zu", wenn es um Gefühle und um ihn selbst geht. Das kann ein Anzeichen der Erkrankung sein und lässt vermuten, dass noch vieles im Argen ist.
Es ist natürlich, dass es Dir schlecht geht, denn das, was Du empfindest - ist normal - aber vergleiche sein Empfinden nicht mit seinem. Erwarte nicht zu viel - der Schmerz wird sonst immer unerträglicher. Lies Dir bitte ganz genau das Posting von meikeline durch.
Anima
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15.09.2008, 09:09
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
Guten Morgen,
an den Wochenenden wo wir uns nicht sehen läuft die Unterhaltung per sms oder aber per messenger. Unter der Woche jedoch immer persönlich und dann abends wenn jeder bei sich zu Hause ist zusätzlich noch per sms. Es gibt also genügend reale Momente die man für Gespräche nutzen kann, nur ist es im geschäftlichen Bereich etwas schwierig private Momente zu finden.
Ich habe mir jetzt die ganze Nacht über viele Gedanken gemacht. Auch wenn hier jeder sagt, das ich erstmal erkennen muss wo ich bei dem ganzen stehe, so ist es mein bestreben, erstmal zu verstehen wie er im Moment so tickt.
So denke ich zum Beispiel folgendes: Er hat es ja geschafft die ganzen Wochen, eine gewisse Distanz zu wahren, sprich nie so ganz aus sich raus zu gehen.
Seit Mittwoch ist diese Distanz ja weg gewesen, sprich er hat mich mehrfach geküsst, meine Nähe gesucht, hat gemerkt das er mich vermisst, hat mir gesagt das ich ihm fehle usw.
Nun geht mein Gedanke dahin, das ihm das jetzt übers WE bewusst geworden ist und das er genau damit nicht klar kommt. Das seine Mauer ein wenig eingebrochen ist und er sich nun mit seinen Ängsten konfrontiert sieht, sprich damit nicht klar kommt und das das der Grund ist, warum er sich so zurückgezogen hat übers WE.
Haltet Ihr das auch für möglich?Lebe die Liebe
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15.09.2008, 17:32Inaktiver User
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
Gründe für solche Rückzüge gibt es viele - die müssen nicht einmal unbedingt mit Dir zu tun haben. Regel Nr. 1 - denke nicht immer daran, dass es etwas mit Dir zu tun haben könnte. Regel Nr. 2 - denke nicht so viel darüber nach, was er jetzt denken könnte.
Zitat von EinfachIch
Der Schweregrad seines psychischen Zustandes ist nicht einschätzbar - zumindest nicht von mir -
Wenn er Ruhe braucht, dann braucht er sie. Wenn er einmal keinen Kontakt möchte, dann lässt er es - weil jeder Zwang einen Rückschlag bringen könnte.
Noch einmal: Wie er "tickt" kannst Du besser begreifen, wenn Du Dich auch mit der Krankheit auseinandersetzt. Er denkt und fühlt anders als Du, vergiß das nicht. Die Krankheit ist ein Teil seiner Person!
Anima
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16.09.2008, 08:28
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
ich will mich ja damit auseinandersetzen...aber dafür muss ich mehr von der krankheit...von seiner krankheit erfahren und das kann ich im grunde nur von ihm. und ich hab das gefühl das wenn ich den versuch starte etwas zu erfahren, er nur noch mehr mauert. ich hab mich aber jetzt mal schlau gemacht über google was zu seinem medikament zu finden ist.... denn davon hab ich immer ne reserve bei mir für ihn.
Lebe die Liebe
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16.09.2008, 09:00Inaktiver User
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
Hallo,
nun habe ich deinen Strang noch mal gelesen EinfachIch - bisher habe ich nur noch nicht mitgeschrieben.
Meine Erfahrungen mit Depressiven sind ähnlich wie die von Meikeline - ich hatte über 2 Jahre einen depressiven Mann( er war 2 Jahre krank verheiratet waren wir 14 Jahre), der heute auch mein Exmann ist, aber die Trennung war viele Jahre später. Ich habe es also "geschafft" die Krankheit meines Mann zu "überleben" Allerdings wurde er wieder ganz gesund und mußte nie mehr Tabletten o.ä nehmen.
Nun, was mich interessieren würde ist, was nimmt dein Freund für Tabletten?
Und wieso ist er "rehabilitiert"?
Meine Einschätzung ist ein wenig anders - und ich sehe auch noch nicht, dass sein Verhalten Krankheitsbedingt ist, denn das Verhalten ist auch bei vielen Nichtkranken gar nicht so ungewöhnlich.
Du verhältst dich sehr bedürftig ihm gegenüber - du machst aus allem was er bereit ist dir an Krümmeln hinzuwerfen einen Aufstand als ob er dir einen Antrag gemacht hätte. Du achtest auf jedes Wort, jede Geste von ihm und interpretierst und deutest was er damit meinen würde. Du setzt keine Grenze, kein
"ich habe heute keine Zeit" kein "ich habe etwas anderes vor" etc. du wartest was von ihm kommt und stimmst danach dein Leben ab. Ja sogar von seiner Laune läßt du dich beeinflussen.
Bleib bei dir! Wenn er wirklich krank ist, was ich so ganz nicht glauben kann, dann mußt du Grenzen setzen, deine Belastbarkeit ist nicht Grenzenlos glaub mir ich weiß wovon ich spreche.
Die Zeiten mit meinem kranken Ehemann sind noch sehr präsent und ich habe oft Zuflucht bei Freunden und Familie gesucht weil ich einfach nicht mehr konnte, Nachts mit dem psychiatrischen Notdienst telefoniert usw. DAS ist kein Zuckerschlecken, aber wir waren schon einige Jahre ein Paar und da ist es für mich selbstverständlich gewesen ihm zur Seite zu stehen. Eine Beziehung eingehen mit einem Depressiven? Ich nicht!!
Viel Glück
Dharma
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16.09.2008, 09:09Inaktiver User
AW: psychisch krank, wie gehe ich damit um?
Solange er Medikamente nimmt - ist die Depression auch noch nicht im Griff. Überfordere ihn auch nicht mit zu vielen Fragen, denn es kann sein, dass das auf ihn Druck ausübt. Sicher, Du kannst fragen, was er für Medikamente nimmt, fragen, wie es ihm geht - aber Du wirst viel mehr erfahen von Menschen, wo der persönliche Bezug nicht vorhanden ist.
Zitat von EinfachIch
Anima


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