Liebe Gemeinde,
ich möchte eure Meinung. Habe einen netten Mann kennen gelernt und schätze ihn. Er hatte vor 5 Jahren einen Schlaganfall und ist körperlich sehr eingeschränkt, geistig top fit.
Meine Freundin lernte vor kurzem einen Mann kennen, der an Parkinson in frühem Stadium erkrankt war. Sie zog sich zurück, obwohl er ihr gefiel und ansonsten viel 'stimmte' .... welche Perspektive ?
Wie geht man damit um ????? Ich schätze jeden Menschen der redlich ist, mag überhaupt keine Ausgrenzung, aber .....
Ich bin gespannt,
LG B...
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Ergebnis 1 bis 10 von 87
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31.08.2008, 20:33
Ganz schwierige Frage: er ist behindert
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31.08.2008, 20:42
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Liebe kukkuk,
"Ausgrenzung" ist das eine, das andere ist, "Perspektive". Klar, jedem von uns kann morgen was Schlimmes passieren und man stirbt, wird zum Pflegefall, braucht den anderen mehr als früher. Dann ist man natürlich froh, wenn der Partner bleibt, "in guten wie in schlechten Zeiten". Aber wenn die schlechten Zeiten schon angefangen haben? Dann eine Partnerschaft aufbauen, davor hätte ich Angst. Weil das Ende schon so vorgezeichnet ist (oder zu sein scheint). Wenn er die ganz große Liebe meines Lebens ist, klar, dann will ich ihn, egal, wie lange es dauert.
Wenn es aber erstmal eine Begegnung ist und ich kann noch bremsen, dann würde ich bremsen.
Dass dieser Mann ja trotzdem ein wichtiger Freund werden kann, und du eine wichtige Freundin, die auch in Notzeiten da ist, das ist ja eine andere Sache und das ist vielleicht auch genau so wichtig und schön (vielleicht für den Mann in der Situation sogar noch schöner).
Aber, Deine Bedenken, was eine mögliche Liebesbeziehung angeht, kann ich zumindest rational verstehen. Für mich heißt "Beziehung" auch irgendwie "für immer" - natürlich gibt es das nicht, aber es soll zumindest am Anfang sich so anfühlen.
Kottan: "I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen"
Elvira: "Gar koan Fehler?"
Kottan: "Doch, i liag manchmal"
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31.08.2008, 22:04Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Hallo,
die körperlichen Einschränkungen sind da. Sie werden sich ggfs. verbessern, wohl kaum verschlechtern. Das heißt du weißt wo er steht und was möglich ist und inwiefern sich Einschränkungen im "normalen" Leben ergeben. Darauf kann man sich einstellen wenn man es möchte.
Bei Parkinson ist das schon nochmal was anderes, das ist eine schleichende chronische Erkrankung die sich verschlechtert. Was heute noch geht, kann in ein paar Monaten oder Jahren nicht mehr gehen und eine wirkliche Prognose kann ja keiner stellen. Von daher verstehe ich da den Gedanken der "Perspektive" besser.
Das alles ist aber sehr rational.
Grundsätzlich glaube ich dass Vertrauen, Zuneigung, Freundschaft, Liebe nicht vor körperlichen Einschränkungen halt macht. Es ist die Frage wieweit du dich überhaupt einlassen möchtest und was du erwartest. Hast du Sorge vielleicht auf etwas verzichten zu müssen was elementar wichtig für dich ist, z.B. gemeinsame sportliche Aktivitäten o.ä.?
Welche Perspektive meinst du?
LG
Susi
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31.08.2008, 22:28
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Liebe Kuckuck
Dein Beitrag lässt für mich einige Fragen offen. Du schreibst, dass Du den Mann schätztst - das heisst für mich, Du hast Dich (noch) nicht in ihn verliebt. Hast Du Angst, dass das passieren könnte, und möchtest Dich ggf. beizeiten zurückziehen? Wie steht es mit seinen Gefühlen? Wie hat Du ihn kennengelernt, und welcher Art ist die Anziehung zwischen Euch? Ich weiss auch nciht, wie alt du bist, was Du Dir von eienr evtl. Beziehung mit einem behinderten Mann erwartest, welche Rolle z.B. auch die Sexualität spielt...
Es wäre hilfreich, wenn Du uns ein paar mehr Infos geben könntest.
Ansonsten stimme ich Susi mit ihrem Beitrag voll zu.
LG, Katrin
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31.08.2008, 22:41Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
offen gesagt verstehe ich die frage gar nicht.
...aber doch irgendwie...
dir gehts grad durcheinander.
du hast jemand kennengelernt, der körperlich eingeschränkt ist, aber sonst fit.
was stört dich denn?
denke mal so spontan: die zukunft!
wenn du dich einlässt (blödes wort) dann ganz und gar...
und davor hast du schiss.
ich meine das nicht böse, ich versuche mich nur einzudenken.
und immer und immer wieder werde ich mich an dem ausdruck:
"behindert"
reiben - deshalb fand ich es so schön, dass du *eingeschränkt* geschrieben hast.
guck doch einfach mal ob du mit seinen einschränkungen klar kommst
wünsche dir das beste
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31.08.2008, 23:58
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Danke an euch, dass ihr euch mit mir Gedanken macht.
Um ein paar Fakten zu liefern, da gewünscht: es war ein erster Kontakt über eine Single-Börse. Ich bin emotional bisher überhaupt nicht engagiert, aber das Schicksal dieses Mannes macht mich trotzdem betroffen. Er stand mitten im Leben, hat tolle Kinder, ist sicher gestanden.
Morgen kann das uns passieren.
Das Wort 'behindert' gefällt mir auch nicht, er ist optisch gezeichnet (oh Gott, wie sag ich es richtig, ohne gleich einen vorgebrettert zu bekommen) und körperlich ziemlich beeinträchtigt.
Aber der Ausgangspunkt ist, dass man so einen sehr netten Kontakt sicher doppelt überdenkt. In einer ersten Kennenlern-Phase kann man noch sehr frei entscheiden. Meine Freundin hat damals sofort klar einen Strich gezogen. Hat mir gesagt: heute kann ich noch entscheiden. Ich möchte einen Partner, mit dem ich alles machen kann. Ich bin nicht an dem Punkt, mir heute solche Probleme in einer Partnerschaft von vornherein 'aufzuladen'. Ich fand das ziemlich hart aber auch konsequent bzw. ehrlich.
Wie gesagt, ich stelle das Thema zur Diskussion.
Habe mit meinen Partnerschaften alle schwierigen Situationen mitgetragen. Aber da war dann immer auch schon/noch viel Gefühl dabei. Ich habe aber keine Erfahrung mit Krankheit oder körperlichen Einschränkungen.
Ich bin, wie vorgeschlagen, auch den Weg gegangen und hab den Kontakt nicht weg geschoben. Wir werden weiter Kontakt halten. Mich interessiert eine Einschränkung nicht, wenn ich einen netten oder liebenswerten Menschen vor mir habe. Trotzdem möchte ich, dass mein Partner mein heutiges, sehr mobiles Leben mit mir teilen kann.
Wenn innerhalb einer Beziehung einem von uns etwas passiert, werde ich für ihn da sein, wie er hoffentlich für mich.
Was habt ihr für Überlegungen, wenn ihr euch jetzt damit konfrontiert oder wirklich in so einer Situation wart ? Bitte nicht so moralisieren. Ich weiß, wenn man sich in den Menschen verliebt, werden die meisten von uns es mit den Bedingungen aufnehmen.
Ich würde mich über weitere Inputs freuen. Macht es aber bitte nicht zu sehr an 'meinem Fall' fest. Es ist ein Denkanstoß!
LG B ....Geändert von kukkuck (01.09.2008 um 00:11 Uhr)
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01.09.2008, 10:19Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Den Unterschied würde ich nicht machen - wer einen Schlaganfall hatte, wird entsprechende Risikofaktoren haben und kann jederzeit einen zweiten bekommen (es sei denn, es war im Rahmen eines Unfalls, bei dem sich z.B. Blutgerinnsel gebildet haben, die die Attacke auslösen).
Zitat von Inaktiver User
Ist ein Mann mein Partner, gar mein Ehemann, würde ich bei ihm bleiben, egal was immer passiert.
Wäre ich "solo" und würde einen gesundheitlich stark beeinträchtigten Mann kennen lernen, bei dem man befürchten muß, daß er in Kürze ein Pflegefall wird, würde ich auf Abstand gehen.
Beherrschbare Erkrankungen wie Epilepsie oder ein amputiertes Bein etc. würden mich nicht abschrecken.
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01.09.2008, 11:55
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Hallo zusammen,
für mich käme es einmal auf den Grad der aktuellen Beeinträchtigung an und darauf, ob ich damit, wie es jetzt ist, leben könnte. Das hinge auch wiederum davon ab, was der Mann aus seiner Behinderung macht. Es gibt ja Rollstuhlfahrer, die allein um die halbe oder ganze Welt reisen oder sehr aktive Sportler sind und solche, die ein doch recht eingeschränktes Leben führen. Da würde ich mich halt fragen, wieviel Einschränkung ich dem anderen zuliebe dauerhaft auf mich nehmen könnte/wollte. Das kann ich nicht theoretisch beantworten.
Die andere Frage ist die nach der Zukunftsprognose. Einen Mann, der an einer Krankheit leidet, deren Verschlimmerung absehbar ist, könnte ich mir nur schwer als neuen Partner vorstellen. Da würde ich wohl auch frühzeitig die Reißleine ziehen.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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01.09.2008, 12:01Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Ich habe mal einen querschnittsgelähmten Mann kennen gelernt, der mich durchaus gereizt hätte.
Zitat von Malina70
Nur habe ich schnell festgestellt, daß dieser Mann mit seiner Krankheit "verheiratet" war und sein komplettes Leben und Denken darum kreiste, wann die Medizin soweit ist, daß er wieder laufen kann. Obwohl der Unfall schon 20 Jahre zurück lag ....
Auch so Jemand ist als Partner nicht geeignet.Geändert von Inaktiver User (01.09.2008 um 12:55 Uhr)
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01.09.2008, 12:32
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Meine Cousine,53,hat einen Mann der seit einem Arbeitsunfall (er verlor beide Arme,nur an einem Arm kann er später mal eine
Prothese tragen)schwerbehindert ist.Das kam, wie gesagt,unfallbedingt und nach gut 30 Jahren Beziehung/Ehe.
Also von heute auf morgen.Und sie kommt damit ÜBERHAUPT nicht klar,ihre Ehe wird leider vermutlich daran scheitern.Das war mal die Traumbeziehung schlechthin.Vor allem in Puncto Sexualität gibt es Probleme,sie mag einfach nicht mehr mit ihm schlafen oder Zärtlichkeiten austauschen,was ich nicht wirklich nachvollziehen kann.Andererseits,im Nachbarort gibt es eine Familie,wo der Mann eine schwere Muskelkrankheit hat,sie hat ihn schon im Rollstuhl sitzend kennengelernt,obwohl der Zustand sich kontinuierlich verschlechtert hat,sind sie seit Jahren zusammen und offensichtlich glücklich miteinander,2 kleine Kinder sind nun da.Ich selber kann das nicht pauschal beantworten,es kommt immer darauf an,wie tief die Gefühle gehen,wie weit man sich einlassen mag,vorstellen kann ich es mir ,wenn es der "Richtige" wäre,könnte ich das akzeptieren,ich glaube das ist "Herzenssache".
LG,Cella


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