Liebe Kukkuck,
Deine Frage nach meinem Erleben will ich Dir gerne beantworten.
Die erste Ablehnung hab ich in meiner 2 jahrzehntigen Partnerschaft/Ehe
erlebt. Ich habe während dieser Zeit mein Handicap bekommen.
Er ist eine ganz lange Zeit erst an meiner Seite geblieben und es sah nach aussen
auch immer so aus, als ob er/wir damit gut klar kommen.
Aber ich denke heute, es war nicht so, ich habe es in meinem Unterbewusstsein
auch gespürt aber nicht hin gucken, es nicht wahrhaben wollen.
Es war sicherlich mit sein Trennungsgrund, wenn auch unausgesprochen mir gegenüber.
Jaja, die Moral, mann will ja gut da stehen ;-)
Und ich kann es im Ansatz sogar verstehen, jeder hat das Recht sein Leben
so zu leben wie er das möchte, auch wenn ich nicht so handeln würde.
Ich frage mich natürlich auch was war das denn dann für eine Liebe,
wenn sie das nicht aushält ???
Und mir wäre es erheblich leichter gefallen wenn ich diesen Grund aus
seinem Mund gehört hätte..... Dann hätten meine Gefühle ganz schnell
ein anderes Empfinden ihm gegenüber bekommen....
Ich hatte noch eine Beziehung danach die völlig unproblematisch lief,
was mein Handicap betrifft.... die ich dann beendet habe.
Jetzt bin ich seit 3 Jahren Single, habe die "tollsten" Erfahrungen machen müssen.
Vor ab gesagt, ich gehe ganz offen und ehrlich mit meinem Handicap dem Anderen
gegenüber um, halte damit nicht hinter dem Berg.
Im normalen Leben hat mich noch niemand angesprochen.
Also immer mal wieder die Single-Börse.
Ein großer Teil will damit nix zu tun haben. Punkt !
Die nächsten sehen das Bild, denken uhps, lecker, überlesen es glatt im Profil......
(sie können halt doch besser gucken als lesen....)
hören es dann noch einmal aus meinen Erzählungen und schon sind se wech.....
Ist vollkommen in Ordnung für mich, so trennt sich schon mal die Spreu vom Weizen !!!
Früher hat mich das traurig gemacht fast verzweifeln lassen,
fühlte mich in-die-berühmte-Ecke geschoben,
heute tangiert es mich nicht im geringsten.
Ich geb ihnen dann oft mit auf den Weg: Du weisst nicht was Du verpasst ;-)
Und es kann jeden zu jeder Zeit treffen.....
Wenn sich ein Mann auf ein Kennen lernen einläßt (beiderseits), ihn das Handicap
im Vorfeld nicht abschreckt, unterscheiden sich meine Erfahrungen nicht von
Deinen Erfahrungen, denke ich zumindest.
Da geht es dann um den Charakter, die Chemie.... etc.
Die wollen dann wirklich mich als Menschen kennen lernen!!!
Es ist mir noch nicht passiert, dass ein Mann gesagt hat,
jetzt wo ich das sehe, sorry, geht gar nicht. Oder es hat sich keiner getraut ?!
Es gab immer Gründe warum dann nicht, meist mehr sogar meinerseits.
Also Mr. Right war noch nicht dabei.
Ich habe jetzt die ganze Zeit überlegt, ob ich es mir anders wünschen würde?
Mir wünschen würde, dass mann mir überhaupt eine Chance gibt ?
Ein Eindeutiges NEIN.
Wer an der Stelle schon so eine "Einschränkung" in seinem Gedankengut hat,
da habe ich keine Lust meine Energie hineinzustecken um "Überzeugungsarbeit" zu leisten.
@ Susi @ Anima .......Danke !!!
die Pusteblume
Antworten
Ergebnis 41 bis 50 von 87
-
07.09.2008, 16:45
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
-
07.09.2008, 17:56Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Richtig. Und du hast es auch gar nicht nötig irgendjemanden von dir überzeugen zu müssen.
Zitat von Pusteblume4
Niemand hat das, ob Handicap oder nicht. Immer wieder lese ich hier im Forum Beiträge von Frauen die eben genau das nicht verinnerlicht haben: dass man seinen eigenen Weg gehen muss, nicht um Liebe und Zuneigung "betteln" muss - Frauen die jahrelang in einer Opferrolle verharren statt an sich selbst zu arbeiten und ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Wieviel können diese Menschen von dir lernen. Verantwortung für sich und sein Glück übernehmen, loslassen, akzeptieren.
Ich schweife gerade vom Thema ab... aber das ist eines der Dinge die ich gemeint habe. Wer gezwungen war sich mit sich selbst auseinanderzusetzen hat oft einen ganz anderen Blick auf das Leben, vor allem einen reiferen Blick. Und das meine ich mit Bereicherung.
Und ich möchte nochmal klarstellen: Ich habe keine Probleme damit wenn jemand für sich entscheidet mit einem BESTIMMTEN Menschen mit Handicap keine Beziehung leben zu wollen weil es seine persönlichen Bedürfnisse zu stark einschränkt.
Aber gegen die Überlegung "behindert = könnte problematisch werden" wehre ich mich einfach. Sicher kann es das, aber es kann auch ganz anders kommen.
Wer sich selbst gedanklich so einschränkt verpasst meiner Meinung nach oft das Wesentliche. Und das ist nicht nur auf das Thema Behinderung beschränkt.
Pusteblume,
vielen Dank dass du uns teilhaben lässt.
Susi
-
07.09.2008, 18:22Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Liebe Susi, dass Du Dich vehement dagegen wehrst, das spricht sicherlich für Dich - aber das Gros der Menschen hat Angst vor Krankheiten und damit auch vor Behinderungen. Das Wesentliche zu verpassen, die Tiefe von Gedanken, Gefühlen usw. - wer außer den Menschen, die so etwas bereits erlebt haben oder sich damit befassen, denkt überhaupt darüber nach? Ganz so einfach ist es nicht, es ist sicherlich auch davon abhängig, was für eine Behinderung ein Mensch mit sich herum trägt.
Zitat von Inaktiver User
Pusteblume hat recht - muss man um Zuneigung betteln oder hinterherrennen, Überzeugungsarbeit leisten? Das passt von vorneherein schon nicht.
@Pusteblume - ich schließe mich Susi an - Du hast uns Zeilen zum Nachdenken gegeben - einfühlsam und ehrlich.
Anima
-
07.09.2008, 18:53Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Anima, da gebe ich dir recht.
Zitat von Inaktiver User
Leider ist es so und ich möchte ganz sicher niemanden missionieren.
Ich werf an der Stelle gerne mal den Begriff "Vorurteil" ein. Wie der Name schon sagt ein Urteil das gefällt wird BEVOR man sich ein Bild machen konnte.
Sicher ist niemand frei davon. Aber sich ab und an selbst zu hinterfragen kann doch nicht das Schlechteste sein. Wahrscheinlich geht man sorgloser durchs Leben wenn man es nicht tut - aber mein Weg ist das nicht.
LG
Susi
-
07.09.2008, 18:56
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
ich bedanke mich auch, Pusteblume
.... und auch dir, Susi, du hast es richtig auf den Punkt gebracht.
Auf den Menschen schauen und dann entscheiden. Wie bei allen anderen Begegnungen und Situationen auch. Es gibt keine allgemein gültige Antwort zum Thema, wie meist im Leben.
Liebe Grüße !
B ...
-
10.09.2008, 21:26Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
die diskussion finde ich wirklich gut.
muss ich mal aus dem nähkästchen plaudern:
mein opa war behindert (kriegsversehrt) ich war mit oma und opa als kind oft in kur, da waren ja nur *solche*
einer hatte beide beine verloren, der fuhr (mit affenzahn) auf einem rollbrett.
als kind haben mich nur am anfang, die *erschreckt* die ein von granaten demoliertes gesicht hatten, nach ein paar tagen hab ich das aber gar nicht mehr *gesehen*
seit ein paar jahren arbeite ich in der gastronomie.
hier kommen oft behinderte, es gibt ein heim hier in der nähe.
da ist dann alles dabei, körperlich behinderte, geistig behinderte, blinde, gehörlose...
auch da hatte ich am anfang *schiss* dass ich nicht alles richtig mache.
damit will ich sagen das wir oft einfach erstmal hilflos sind, weil wir nicht wissen wie wir damit umgehen sollten.
mittlerweile frage ich einfach, so wie ich jeden anderen auch fragen würde: kann ich helfen?
mein mit-gefühl, gerne
mit-leid brauchen die wenigsten.
-
10.09.2008, 22:46
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
naja, eva, es ist schon ein unterschied, ob man in der gastronomie mit behinderten menschen zu tun hat, oder ob man einen solchen zum partner hat und mit ihm zusammen lebt....
ich verfolge die diskussion interessiert und nachdenklich. ich habe zwar keine behinderung, aber seit kurzem weiß ich, dass ich eine recht schwere chronische krankheit habe, die schnell lebensbedrohlich werden und jederzeit zu mehr oder weniger starken beeinträchtigungen und langen krankheitsphasen führen kann (so zumindest die aussagen der ärzte und betroffener - habe jedoch die hoffnung auf heilung nicht aufgegeben). von daher habe ich auch schon darüber nachgedacht, wie ich zukünftig mit der partnersuche umgehen werde und ob meine krankheit diese erschweren wird.
viele aussagen hier, muss ich sagen, machen mich schon sehr betroffen. ich könnte es wirklich keinem verübeln, wenn er sagen würde: nein, das will ich nicht, kann ich nicht. ich würde mich deshalb niemals als mensch herabgewürdigt oder verkannt fühlen. denn ich würde es mir selbst auch schwer überlegen, mich auf einen kranken menschen einzulassen. ich empfinde mich dabei nicht als intolerant oder vorurteilsbehaftet, wenn ich sage, ich habe schlichtweg angst davor und traue mir nicht zu, eine beziehung zu einem schwer kranken oder behinderten menschen einzugehen. kommt natürlich auch darauf an, was es für eine behinderung ist und wie derjenige selbst damit umgeht, das wurde hier ja schon gesagt.
für mich ist es vor allem eine sehr verantwortungsvolle entscheidung, wenn ich mich ehrlich und klar dagegen entscheide. ich übernehme damit verantwortung für mich, mein leben und natürlich auch für den anderen. ich lehne ihn damit nicht als menschen ab, um gottes willen. eine freundschaft - jederzeit, wenn es auf menschlicher ebene stimmt. auch in einer freundschaft kann man sich intensiv begegnen und zutiefst bereichern, dazu braucht es keine beziehung.
und was heißt, man solle doch mal nur den menschen sehen? nein - gerade für eine beziehung und partnerschaft spielen eben noch viel mehr dinge eine rolle, nicht nur der mensch, nicht nur die liebe, sondern vieles mehr. das gilt für gesunde und behinderte. und ich habe das recht und die pflicht zu sagen, das will ich, das kann ich und das nicht. und so der andere auch, wenn es um mich geht. so wie ich mich entscheiden kann, mit einem mann, der alleinerziehender vater von 6 kindern ist, der hohe schulden hat oder am anderen ende der welt lebt, keine beziehung einzugehen. da würde ich mich genauso überfordert fühlen und angst haben, es nicht bewältigen zu können. und na klar, für viele menschen sind gemeinsame hobbys wichtig, was keinen negativ aufstößt, wenn es sich um 2 gesunde menschen handelt.
ok, insofern ist partnersuche immer aussortieren. und da hat wohl jeder verständnis dafür. nur wenn es um eine behinderung geht, kochen die emotionen hoch.
und schließlich ist die behinderung ja ein teil dieses menschen - im positiven wie im negativen sinne. ich kann sie also nicht von ihm trennen. das was er heute ist, hat er zum teil durch diese behinderung oder krankheit erfahren. wie pusteblume das beschrieben hat. ein gesunder hat diese erfahrungen nicht. wenn ich gesund bin, fühle und denke ich eben wie ein gesunder. und ich möchte auch so leben. kann es nicht auch sein, dass das oft zu unverständnis führen kann? ich weiß es nicht!
man steht also u.u. an einem ganz verschiedenen punkten in seinem leben. möglicherweise kann man einander bereichern, möglicherweise aber auch behindern, weil der eine vielleicht ganz andere (lern-)aufgaben in seinem leben hat als der andere.
richtig wissen, was ich tun würde, kann ich wohl erst, wenn ich mich in so einer situation befinde, in der ich mich entscheiden müsste. vielleicht denke ich auch um, wenn sich mal jemand wegen meiner krankheit gegen mich entscheidet. heute kann ich nur sagen, was meine gedanken dazu sind, rein theoretisch...Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
-
11.09.2008, 09:00Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
Ich sehe das genauso Marla. Vor allem aber diskutieren wir in erster Linie über körperliche Behinderungen. Wie sieht es aus mit den seelischen oder psychischen Behinderungen? Ich möchte niemandem zu nahe treten, der ein psychisches Problem hat, aber - und das ist mir in den Sinn gekommen - das ist meiner Erfahrung nach ein genauso großes Problem, das sowohl von Betroffenen als auch von möglichen Partnern oft unterschätzt wird. Diese Behinderungen sind unsichtbar und können dennoch Schäden anrichten.
Zitat von marla63
Viele Gedanken am frühen Morgen, aber ich habe immer wieder die hier geschriebenen Zeilen gelesen.
Anima
-
11.09.2008, 09:36Inaktiver User
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
marla,
natürlich ist das ein unterscheid, ob gast oder partner.
ob opa oder kind.
mir ging es drum zu sagen was es mit dem *ersten eindruck* ist.
Kuckkuck schrieb ja dann irgendwann, nicht an ihrem *fall* festmachen...
dabei fiel mir ein, wie ich es als KIND empfunden habe.
wie mich manches auf den ersten blick erschrocken hat.
wie *einfach* dann alles doch war, auf den zweiten blick.
dabei wollte ich beitragen, dass die umgebung oft hilflos ist.
hilflos im sinne: ohje, wie damit umgehen.
-
11.09.2008, 09:44
AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert
>Es war sicherlich mit sein Trennungsgrund, wenn auch
>unausgesprochen mir gegenüber.
pusteblume, du hast da etwas sehr wichtiges geschrieben. woher weisst du, dass dein handicap der trennungsgrund war und nicht der grund, dass er die beziehung beenden will warum auch immer?
du unterstellst ihm, dass er einen grund vorgeschoben hat.
ich glaube, davor haben viele angst, wenn sie sich mit einem menschen mit handicap einlassen. sollte die beziehung beendet werden, wird von demjenigen mit handicap und wahrscheinlich von der umwelt unausgesprochen vermutet, dass in wahrheit das handicap der trennungsgrund ist. der trennungsgrund MUSS ja nicht der trennungsgrund sein.
darf ich fragen, was dein handicap ist?ann-christine
lebe lieber ungewoehnlich


Zitieren