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  1. Inaktiver User

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Hallo,

    also erstmal: ich habe auch keine "Not" mich mit dem Thema zu beschäftigen, weder meine Tochter noch ich haben eine Behinderung. Ich setze mich auch völlig "freiwillig" damit auseinander.
    Und ganz sicher möchte ich hier niemanden persönlich angreifen oder irgendwas zerfleddern. Ich habe auch dir kukkuck niemals unterstellen wollen dass du nicht vorurteilsfrei mit dem Thema umgehst.

    Worum es mir geht ist folgendes:
    Dass überhaupt eine Diskussion zu diesem Thema entbrennt ist doch ein Indiz für die Vorurteile in unserer Gesellschaft. Behinderte Menschen sind erstmal "schwierig". Warum sind sie nicht einfach "anders" als man selbst? Und ist nicht jeder auf seine Art und Weise "anders" als andere?
    Wo fängt Behinderung an und wo hört sie auf?

    Ist ein Diabetiker auch behindert? Oder jemand mit starken Allergien? Auch da gibt es Beeinträchtigungen im Alltag.

    Warum sehen wir nicht einfach den Menschen? Und beurteilen dann wieweit wir uns auf ihn einlassen möchten. So wie wir es mit Nicht-Behinderten auch machen.

    Wenn ich einen z.B. einen Mann kennenlerne der verwitwet ist und vier Kinder hat..... wird es da nicht auch Schwierigkeiten im Alltag geben? Oder jemand der arge finanzielle Nöte hat, der passt vielleicht nicht zu meinem Lebensstil...
    Entscheidend ist doch der Mensch dem ich begegne.

    Für mich klingt die Diskussion hier einfach zu viel nach vorsortieren, die und die Kriterien dann scheidet jemand aus, fällt durchs Raster des "Gewünschten". Und das finde ich einfach schlimm.

    Sicher habe ich Verständnis wenn jemand sagt: ich mag mich nicht damit belasten. Ich möchte nicht auf bestimmte Sachen verzichten. Das ist ja legitim und ich hebe da nicht den moralischen Zeigefinger. Aber ich komme mit den Verallgemeinerungen "die Behinderten" gar nicht klar, das ist mir zu stereotyp.

    Jeder Mensch ist anders und manche mag ich andere nicht. In manche verliebe ich mich und vielleicht gibt es auch den Partner fürs Leben. Einige sind Freunde, andere können es nie werden.
    Aber das weiss ich doch nicht vorher - behindert oder nicht.

    Versteht hier jemand was ich sagen möchte???

    Susi

  2. Inaktiver User

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Warum sehen wir nicht einfach den Menschen? Und beurteilen dann wieweit wir uns auf ihn einlassen möchten. So wie wir es mit Nicht-Behinderten auch machen.
    Versteht hier jemand was ich sagen möchte???
    Susi
    Ich verstehe sehr gut, was Du "sagen" möchtest. Aber wir sind alles Menschen, keine besonders guten oder schlechten. Es liegt in der Natur des Menschen ganz ursprünglich, sich einen gesunden Partner zu suchen. Das hat nichts mit Menschlichkeit zu tun, sondern mit reinem Überlebensinstinkt. Und womöglich auch mit der Angst, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, was wäre, wenn ich....solche Gedanken werden beiseite geschoben. Man lebt jetzt.

    Auch ich kenne behinderte Menschen - wunderbare Menschen, die natürlich auch das gleiche Recht haben wie wir Nichtbehinderten - geliebt zu werden. Wir alle wollen doch eigentlich so geliebt werden, wie wir sind.

    Und es gibt Menschen, die über Behinderungen hinwegsehen können, naturgemäß eben nur sehr wenige. Nur wer selbst einmal Ausgrenzungen aus irgendwelchen Gründen erfahren hat, beginnt, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und die Hülle eines Menschen nicht mehr so wichtig zu sehen. Dazu erfordert es eine Menge eigener Stärke und Selbstbewusstsein, schließlich muss ein Partner sich auf den anderen verlassen können.

    Sicher, es sagt sich so leicht, dass es auf die inneren Werte ankommt. Deswegen erlebe ich dennoch, dass ein Mensch wegen Hautfarbe, Haarfarbe, Figur o. ä. abgelehnt wird - selbst ohne Behinderung. Dass die inneren Werte akzeptiert werden - ich fürchte, davon sind wir noch meilenweit entfernt.

    Würde ich mich nun in einen behinderte Menschen verlieben - ich könnte ganz ehrlich jetzt nicht aus dem Stehgreif sagen, wie ich damit umgehen kann. Könnte ich ihm ein starker Partner an der Seite sein? Bin ich selbst seelisch so weit, über alles hinweg zu sehen? Vielleicht bin ich auch zu schwach?...Wer weiß...

    Anima

  3. Inaktiver User

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Würde ich mich nun in einen behinderte Menschen verlieben - ich könnte ganz ehrlich jetzt nicht aus dem Stehgreif sagen, wie ich damit umgehen kann. Könnte ich ihm ein starker Partner an der Seite sein? Bin ich selbst seelisch so weit, über alles hinweg zu sehen? Vielleicht bin ich auch zu schwach?...Wer weiß...
    Wie und ob ich damit umgehen könnte weiss ich auch nicht. Aber das weiss ich doch nie, bei niemanden. Ich weiss doch nie vorher wie ich mit dem jeweiligen Menschen zurecht komme, mit seinen Eigenheiten, seiner ganzen Geschichte, seinen Schwächen und Stärken.
    Dieses "starke Partner sein" das impliziert für mich dass der andere schwach ist. Sind behinderte Menschen schwächer als andere? In manchen Hinsichten sicher ja, aber in vielen auch ganz sicher nicht. Und da schließt sich für mich wieder der Kreis, denn wir alle haben Stärken und Schwächen.

    Natürlich sind das ganz persönliche Gedanken und Entscheidungen. Die genannte Freundin die keine Beziehung zu einem an Parkinson erkrankten Mann eingehen wollte hat ganz klar für sich eine Entscheidung getroffen und das ist nicht "zu hart" oder moralisch verwerflich. Sie hat sicher für sich überlegt was ihre Wünsche und Ziele sind und entsprechend die Konsequenzen gezogen. Das ist völlig in Ordnung.
    Aber ich finde das wirklich sehr individuell und es hat für mich nichts mit "Behinderung ja oder nein" zu tun.

    Ein behinderter Mensch der im Leben steht, seine Beeinträchtigungen annimmt und gelernt hat damit zu leben kann eine sehr grosse Bereicherung sein. Diese Menschen haben sich sehr oft intensiv mit sich selbst und dem was sie vom Leben erwarten auseinandergesetzt.
    Ja, ich höre schon die Aufschreie. Natürlich gibt es auch andere. Die, die mit ihrem Schicksal hadern, verbittert sind, egozentrisch.

    Aber beides gibt es genauso bei Nicht-Behinderten.

    Abschrecken oder anziehen würde mich nicht die Behinderung. Sondern das was der jeweilige daraus macht.

    Susi

  4. Inaktiver User

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Zitat Zitat von Caramon

    Und nochmals meine Frage, WAS koennen "wir" denn von "euch" lernen?
    Koennte es nicht eher sein, das das was ihr "anbietet" fuer Nichtbehinderte keinen Sinn macht? Das ihr schlicht nichts in der Hand habt, was einen Nichtbehinderten interessieren oder geben kann?
    Nochmal ich.

    Diesen letzten Satz finde ich einen Schlag ins Gesicht aller Menschen mit Beeinträchtigungen.

  5. User Info Menu

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Liebe Kukkck,

    ich hab es nicht als ein Zerfleddern empfunden, darum schrieb ich auch TEILWEISE...

    Nein, als ich das Thema sah war ich sehr neugierig und wollte auch gerne wissen wie die "andere Seite" darüber denkt, habe es mit verfolgt und hatte dann irgendwann das Bedürfnis auch etwas dazu schreiben zu müssen weil ich TEILWEISE schon sehr entrüstet war und manche Passagen als grenzwertig empfinde.

    @ Caramon @alle

    Das mit Deinem Freund tut mir sehr leid. Ich spüre durch Deine Antworten deine Verzweiflung an der Stelle.
    Diese Chance die ich meine sieht man auch nicht zu Beginn der Erkrankung/Unfall....zu Anfang wollte auch ich nur mit aller Macht mein altes Leben zurück....das ging bestimmt ein ganzes Jahr so.
    Jeden morgen weinend das Frühstück gemacht wenn mein geschundener Körper es endlich geschafft hat aus dem Bett zu kommen. Mich und mein Schicksal bemitleidet......etc
    Dann wurde mir nach und nach klar, so geht es nicht weiter. Wenn ich so weiter mache will niemand mehr etwas mit mir zu tun haben und ich auch bald nicht mehr.
    Ich habe nur dieses eine Leben, ich alleine bin dafür zuständig und ich habe die freie Wahl, entweder mache ich das Beste daraus oder ...... Es hilft nix ewig zu jammern, es hilf niemanden ewig auf den Vollidioten zu schimpfen, es ist wie es ist und nun seh zu, dass Du das Beste daraus machst.

    Also VERABSCHIEDE dich von deinem alten Leben, LASS LOS von Sachen die du nicht ändern kannst.
    AKZEPTIERE deine Krankheit/Einschränkung, SCHLIESSE FRIEDEN mit dem alten Idioten, VERGEBEN fällt auch mir an der Stelle schwer, aber ich arbeite daran ;-)
    Und übernimm VERANTWORTUNG dass du für dein glückliches neues Leben zuständig bist und niemand anders.
    Habe KEINE ERWARTUNGEN, freu dich über Sachen die gelingen, Freunde die bleiben und RESIGNIER NICHT wenn es mal nicht klappt.

    Diese Chancen fallen unendlich schwer in der Umsetzung, nur ich als Gehandicapte habe keine andere Möglichkeit um wieder zufrieden und glücklich zu werden und es ist ein langer harter Weg und manchmal sogar Kampf mit mir selber.

    Diese SCHLAGWORTE sind es die ich als Chance/Vorteil sehe, sie sind in viele alltägliche Situationen übertragbar........ sollte ich es benennen würde mir gerade nur Lebens-Erfahrung einfallen......ihr Nichtgehandicapte könnt es bei uns abgucken/lernen, wenn ihr wollt......

    Ich hoffe, dass ich rüber bringen konnte worum es mir geht.

    @ Susi

    Ich versteh Dich sehr gut :-)))

    die Pusteblume

  6. Inaktiver User

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Zitat Zitat von Pusteblume4
    Diese SCHLAGWORTE sind es die ich als Chance/Vorteil sehe, sie sind in viele alltägliche Situationen übertragbar........ sollte ich es benennen würde mir gerade nur Lebens-Erfahrung einfallen......ihr Nichtgehandicapte könnt es bei uns abgucken/lernen, wenn ihr wollt......

    Ich hoffe, dass ich rüber bringen konnte worum es mir geht.

    @ Susi

    Ich versteh Dich sehr gut :-)))

    die Pusteblume

    Danke Pusteblume.
    Für diesen tollen Beitrag und dass du verstehst worum es mir geht.

    Susi

  7. Inaktiver User

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Zitat von Caramon

    Und nochmals meine Frage, WAS koennen "wir" denn von "euch" lernen?
    Koennte es nicht eher sein, das das was ihr "anbietet" fuer Nichtbehinderte keinen Sinn macht? Das ihr schlicht nichts in der Hand habt, was einen Nichtbehinderten interessieren oder geben kann?
    Zitat von Susi

    Nochmal ich.

    Diesen letzten Satz finde ich einen Schlag ins Gesicht aller Menschen mit Beeinträchtigungen.
    ...und auch aller "gesunden" Menschen. Mit dieser Einstellung möchte ich mich nicht assoziiert wissen. Wie kleingeistig und kleinherzig, einfach dem Leben und all seinen Möglichkeiten gegenüber verschlossen.

  8. Inaktiver User

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Diesen letzten Satz finde ich einen Schlag ins Gesicht aller Menschen mit Beeinträchtigungen.
    Susi - Du beziehst Dich auf einen Satz von Caramon. Seine Frage sehe ich eher als Schlüssel dafür, warum Behinderte leider abgelehnt werden. Versuche doch, seine Frage einmal ganz in Ruhe zu lesen und nicht zu gefühlsbetont.

    Ich füge hinzu, dass ich selbst auch ausreichend Ablehnungen im Leben erfahren habe, nicht gerade aufgrund von Behinderungen, aber es gibt noch ausreichend andere Gründe, um nicht als "komplett gesunder Mensch" angenommen zu werden.

    Es gibt Menschen, die zwar behindert sind, aber dennoch enorme Fähigkeiten besitzen, die bei nicht behinderten Menschen kaum ausgeprägt sind - vermutlich das, was Du als Bereicherung beschrieben hast, wobei ich Dir recht gebe.

    @Pusteblume - Du besitzt viel Stärke in Dir

    Anima

  9. Inaktiver User

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Zitat:
    So ein Schicksalsschlag läßt einen in die Abgründe gucken, das Wesentliche im Leben sehen und unwahrscheinlich wachsen.
    Das ist durchaus ein Vorteile den ein "Nichtbehinderter" so gar nicht sehen kann.... und in den Genuss er nie kommen wird.
    Den aber offensichtlich die wenigsten "Nichtbehinderten" vermissen oder offenbar brauchen.

    Ich hatte Dich gefragt, was das denn fuer ein Vorteil ist und wie er sich denn aeussert?
    Halte das fuer eine verbale Nebelkerze ohne Inhalt. Gibt einem ein gutes Gefuehl ist aber halt- und sinnlos.
    Caramon, wenn du das für eine sinnlose Nebelkerze hältst, dann hast du das, was die "vom Leben gebeutelten" zu geben und zu schenken haben, verdammt nötig.


    Hast du wirklich keine Idee und Vorstellung, was das sein könnte?
    Ich weiß, was es ist, werde es dir aber nicht sagen.

    Finde es selbst heraus...!
    Und wenn du es gefunden hast, dann würdest du "es" nie wieder, um keinen Preis, als verbale Nebelkerze bezeichnen.

  10. User Info Menu

    AW: Ganz schwierige Frage: er ist behindert

    Pusteblume,

    das, was du schreibst habe ich mir von dir erhofft. Es ist doch gut, wenn man sich gegenseitig Empfindungen und Erfahrungen vermitteln kann.

    Wir haben ja wohl festgestellt, dass auch viele Unwegbarkeiten da sein können, die mit einer Behinderung im klassischen Sinn nichts zu tun haben, die sich aber auf eine Beziehung auswirken. Sie sind lediglich erst mit einem besseren Kennenlernen zu ergründen. Z. B. wenn ein Partner unfähig ist, wirklich zu kommunizieren wenn Probleme auftauchen.

    Darf ich dich fragen, wie du ein Kennlernen erlebst? Hast du erfahren, dass du eine gleiche Wellenlänge und große Sympathie gespürt hast und dann die Hürde der Behinderung den anderen hat zögern lassen oder er sich abgekehrt hat?

    Nochmal zu deinen Erfahrungen: sie sind aus einer extremen Situation entstanden. Diese gibt es natürlich auch in anderen Lebenbereichen, z. B. durch den Tod oder eine schwere Krankheit im nächsten Umfeld, bei Partner oder Kind, Eltern. Auch diese Menschen werden mit neuen Wahrnehmungen daraus hervor gehen und sich auf eine andere Art von Leben einstellen müssen.

    Mein genauer Ansatz war allerdings (ich wage ihn kaum noch zu schreiben, erwarte ich dann doch ne 'Breitseite' aus irgendeiner Ecke): mein Kennenlernen eines Mannes, der von seinem Schlaganfall wirklich gezeichnet ist (halbseitige Lähmung von Kopf bis Fuss). Und daraus die Auseinandersetzung (mit mir), gehe ich den Schritt 'frei' weiter auf ihn zu. Dazu kann ich noch sagen, dass er sich zeigte wie er ist und es auch erklärte. Mehr kam aber nicht. Wobei er sicher weiß, dass Frau ins grübeln kommt, auch wenn er noch so nett schreibt.

    Wenn ich wieder in meiner Stadt bin, wollen wir einen Kaffee trinken gehen. Ich werde ihn zum Thema ansprechen, den Mut nehm ich hieraus mit. Ich glaube aber nicht, dass es mehr werden kann (was allerdings zu 80-90% ja auch bei jedem anderen Mann nicht der Fall ist). Es muss halt auf vielen Ebenen passen.

    Liebe Grüße,
    B ....
    Geändert von kukkuck (07.09.2008 um 13:13 Uhr)

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