Lieber grobi,
ich danke dir sehr für dein mich verstehen wollen.
Ja, meine besten Texte sind immer die, in denen ich verschlüsselt selber vorkomme. Also meine vielfältigen Charakteranteile, Sehnsüchte, Leidenschaften auf die verschiedensten Figuren verteile. Auch die dunklen Seiten. Das ist das schöne und schwierige am Schriftsstellerleben, man hat es ständig mit sich selbst zu tun. Und manchmal merkt man erst im Nachhinein, wo man sich offenbart hat oder sich selbst nahe kam.
Ich glaube fest an den Satz, dass ein jeder immer (auch) über sich selber spricht. Was okay und gut ist.
Das mit dem cool sein, kommt anscheinend schwer rüber. Ich meine nicht die gängige Coolness. Da muss ich mich arg verstellen, um sie hinzukriegen und das ist mir zu anstrengend.
Vielleicht wird es klarer mit dem guten alten Satz: Einen kühlen Kopf bewahren, sich nicht vom Herzen gleich hinreissen lassen, das will ich lernen. Gute Gefühle einfach mal aushalten statt sie sofort auszudrücken etwa...Und dann warten, ob das Gefühl Nahrung bekommt, ob es beantwortet wird, sich wieder einstellt, sich vielleicht potenziert und im anderen auch aufscheint.
Ich glaube, damit kann ich mich jetzt auf Idealistens letzte mail beziehen. Ja, so finde ich das auch. Wir können lernen wichtige emotionale Signale - von Angst bis Schwummerig bis weiß ich was - genau und rasch zu spüren, um uns dann zu schützen oder genau zu reagieren. Das kann ich in vielen Bereichen zunehmend besser.
Daneben bleibt die unschuldige Sehnsucht, bei Menschen anzudocken, denen man sich ganz und gar offenbaren kann. Jenen wenigen, einzigartigen Seelenverwandten. In weiblich und männlich. Dass dies sein kann, habe ich schon erlebt. Das dies dann auch mal überwölkt wird, ist auch klar, aber bei den Herzensmenschen macht das nichts. Die können Wolken wegpusten und nähren sich lange vom unendlichen Vorrat ihrer Liebe und Zuneigung. Tja und richtig tief wird Freundschaft dann, wenn man nach einem Schiffbruch derselben gemeinsam das Floß der Freundschaft wieder zusammenzimmert.
Das hält dann fürs Leben und muss kein Ozeandampfer sein.
Mir fiel übers Wochenende der Tucholsky wieder in die Hände und da fand ich einen Satz zum hinknien und beten, der so meins war im letzten Jahr.
"Denn dies ist mein Privatsparren: still muss es sein, so still, dass man die Druckfehler in den Büchern knistern hört."
sagt die inzwischen wieder schwatzhafte K.
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Thema: Angst vor dem Glück?
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15.10.2008, 15:56Inaktiver User
AW: Angst vor dem Glück?
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15.10.2008, 16:01Inaktiver User
AW: Angst vor dem Glück?
Hab ich ja eingeräumt: Schreiben kann man viel, aber man kann genauer hinzusehen versuchen. Im RL wirst ja genauso "beschixxen", dann halt in mündlicher Form. Auch aufpassen.
Zitat von Idealist
Aber: Weißt, ich lese speziell im Forum hier von derart viel Angst, Warnung, Mißtrauen, Regeln und Nicht-Regeln, Warngefühl, Bauch, Kopf, all dem (meine hier das RL) - und was ist das Resultat? Eine völlige Behinderung jedweder Natürlichkeit bis hin zu komplett unnatürlichen Verhaltensweisen. Und dann wundert sich eine zunehmende Menge Menschen, warum und warum nicht....und das, obwohl keineswegs so häufig der/ das Gegenüber so oft ein "Lügner" "kaputter Typ" ist, wie das die Zahl der gescheiterten Fälle vermuten läßt. Meine also: Entweder mangelt es am Augenmaß oder es gibt ne Art Hyperhysterisierung öhm oder so. Wollte mal ein Fremdwort einbringen :)
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15.10.2008, 16:06Inaktiver User
AW: Angst vor dem Glück?
Meine Rede:
Zitat von Inaktiver User
1. Man kann sich mit Dingen doch Zeit lassen
2. wenn das der Fall ist, stimmt doch ein guter Teil.
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15.10.2008, 16:10
AW: Angst vor dem Glück?
Naja, worauf ich rekuriere (auch ein schönes Fremdwort, gell?) ist, dass man zwar auch im realen Leben besch... wird, aber man da (vielleicht erst nach entsprechender Schulung.... ) es an den non-verbalen Signalen des anderen unbewusst überprüfen kann.... Sinn des Bewusstwerdens ist ja, dieses natürliche Unwohlsein anzuerkennen als natürliche Reaktion. Die ist uns ja abtrainiert worden, will sagen: wir, die wir diese Ängste haben, reagieren gar nicht angemessen, gerade in Intimbeziehungen...
Zitat von Inaktiver User
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15.10.2008, 16:40Inaktiver User
AW: Angst vor dem Glück?
Hallo, genieße dieses Kaffeeründchen sehr,
gerade noch eine Tasse aufgebrüht, bevor ich das Amtsgedröhn zur Post schaffen muss.
Grobi, alles klar soweit. Kann keine Widerrede halten.
Dass mich der frische Treppensturz so angeschlagen hat, hat mit dem Davorliegenden zu tun. Das war und ist eine heftige Lektion gewesen, und ich habe sie wohl noch nicht ganz durch.
Und daher auch die Erkenntnis: ich bin noch nicht in der richtigen Verfassung fürs zarte und harte, für die schöne Grausamkeit von dem Liebe. Der Minnesänger hatte da ja in beide Richtung hohe Anteile.
Meine starken Seiten - die hat er außerdem verkennen wollen. Jetzt kennt er sie. Und ich erinnere mich vage daran.
Habe sie anscheinend kurzfristig auch verkannt.
So zum Ablachen für Dich: Bei der SB musste ein Psychotest ausgefüllt werden. Da hab ich geschummelt und bei den Bildchen immer die ganz runden angekreuzt statt die mehr eckigen. Ich fand den Test a. blöd, b. lästig.
Außerdem (rot werd) Hatte mir vor einer Ehe mal ein erstaunlich kluger Astrologe gesagt, "es ist jetzt nicht an der Zeit für die Liebe. Ihre Yang-Anteile sind zu ausgeprägt, sie sind momentan viel zu sehr Powerfrau, um den Powermann anzuziehen, der zu ihnen passt..." Das fand ich sowas von Sch... Mit-dem-Fuß-aufstampf und Trotzreaktion. Hat die Powerfrau also nicht drauf gehört und ist mit Power ans Glücksschmieden rangegangen. Und hat sich einen Tandaradei eingefangen - schrecklich lieb!
Tja, dass wollte ich diesmal ganz anders machen. Also Yang-Anteile nicht so betont. (Jaja ich merks selber. Habe also den Fehler vom Glücksschmieden wiederholt! Gott ist wirklich ein Scherzkeks.)
Da man also rund gemeinhin mit weiblich und eckig eher mit männlich assoziiert (Fremdwort, yippie), war ich am Ende rund wie der Mond. Hab ich alte Lügentante mich also grandios selbst beschummelt.
Ich bin zwar sehr weiblich, aber mehr so unbeschreiblich weiblich, wie Nina Hagen mal vor Urzeiten sang. Sun versteht gewiss, was ich meine.
Und doch habe ich wie soviele hier Angst, vor all dem Licht, dass ich ausstrahlen könnt. (So im Mandela-Sinn).
@Idealist. Zu deinen Worten fiel mir ein, dass man im Gegenüber oft die unerlösten Anteile seiner Selbst sucht. Tja, mein bisheriger Trick bestand immer darin, erstmal diese Anteile in mir zu entfesseln. Dann baruch ich es nicht vom Gegenüber und begegne vielleicht genau den Menschen, die gerade zu mir passen. Die mich nicht erlösen müssen und die ich nicht erlösen muss.
So und eine Sparte, finde ich, sollte keinen Zutritt zu Schrulli-Dorf kriegen: Verdrehte Psychoklempner mit zuviel Lockerschrauben.
ach Idealist, ist es nicht wenigstens schön gewesen, bei Boheme mal richtig gerührt zu sein? Da hat ja jeder so seine Momente und Musik für. Und beides kann einem keiner wegnehmen. Auch nicht Madame M. Das gehört ganz dir.
Gruß K.
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15.10.2008, 17:02
AW: Angst vor dem Glück?
Das hast Du wohl Recht, Keschka, bei der Suche nach den unerlösten Anteilen (da kann schon mal ein einsamer Urlaub helfen, ich war 6 Tage in der Wildnis in Norwegen ganz allein unterwegs)... und bei La Bohème auch...@Idealist. Zu deinen Worten fiel mir ein, dass man im Gegenüber oft die unerlösten Anteile seiner Selbst sucht. Tja, mein bisheriger Trick bestand immer darin, erstmal diese Anteile in mir zu entfesseln. Dann baruch ich es nicht vom Gegenüber und begegne vielleicht genau den Menschen, die gerade zu mir passen. Die mich nicht erlösen müssen und die ich nicht erlösen muss.
So und eine Sparte, finde ich, sollte keinen Zutritt zu Schrulli-Dorf kriegen: Verdrehte Psychoklempner mit zuviel Lockerschrauben.
ach Idealist, ist es nicht wenigstens schön gewesen, bei Boheme mal richtig gerührt zu sein? Da hat ja jeder so seine Momente und Musik für. Und beides kann einem keiner wegnehmen. Auch nicht Madame M. Das gehört ganz dir.
Aber: Haben wir nicht alle lockere Schrauben, sonst wäre wir doch nicht die Schrullis, oder?
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15.10.2008, 17:24Inaktiver User
AW: Angst vor dem Glück?
Lieber Idealist,
ja klar sind wir das Dorf der Locker-Schrauben. Und darum will ich auch keine Psychoklempner von der Sorte, die das im Hau-Ruck-Schema-F-Verfahren geradebiegen wollen. (...Minnesänger) Nette Psychos sind wie alle Berufsgruppen herzlich willkommen.
Und einen geheimnisvollen Dorfschamanen, der uns in die Schwitzhütte jagt, damit die schlechten Gedanken verdampfen oder damit die schwarzen Krähen, die manchmal um unsere Köpfe kreisen, verduften ---- den könnten wir sicher brauchen!
Na, und einsam durch Norwegen, ja, gelegentlich ist das genau das Richtige. Ich reise gerne allein. In meinem Tempo, mal rascher, mal langsamer und wenn ich will, vertrödel ich ewige Zeiten im örtlichen Supermarkt statt die Kultur zu begucken oder brech mein Wanderprogramm nach einer Stunde ab, weil ich glaube die schönste Stelle schon gefunden zu haben. Meine Stelle.
Überhaupt "schöne Stelle". Manchmal spiel ich mir von einer Sinfonie nur diese vor, weil der Rest mal gerade nicht wichtig oder richtig ist. Oder immer dasselbe Lied.
Heute vielleicht ein bisschen Brahms?
Oder den mathematisch-durchgeklärten Bach?
Oder was ganz anderes.
Pynchon hat hoffentlich wieder heilsame Tipps (Übrigens huhu an Dich und die anderen).
Vielleicht hör ich auch gar nix an oder nur Musik ohne Geräuschentwicklung.
Liebe Grüße von K.
Und noch ein Satz von C.G. Jung, der mich mal mitten ins Herz getroffen hat (in ungefähr): Was uns in unserer Kindheit am meisten prägt, ist nicht das gelebte, sondern das ungelebte Leben der Eltern."
Im Sinne von unerlöste Anteile, die noch zu erlösen und zu verlebendigen sind. Da hat man dann so seine Lebensaufträge. Genau wie zuvor die Eltern und und und...
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15.10.2008, 17:49Inaktiver User
AW: Angst vor dem Glück?
Dazu mal eine Frage an die kultivierten Banausen unter uns wegen der Bach-Fugen: Es heißt ja "aus den Fugen geraten", darüber habe ich gestern nachgedacht. Woher das Sprichwort stammt. Ich kann es mir im Zusammenhang mit Bodenfugen oder so nicht erklären; ist vielleicht tatsächlich aus den harmonischen Fugen (also vom musikalischen Ursprung her) gemeint?
Zitat von Inaktiver User
schlüssig wäre es ja, nicht wahr?
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15.10.2008, 18:10Inaktiver User
AW: Angst vor dem Glück?
AUS DEN FUGEN GERATEN
habe die etymologische Wurzel versucht zu googeln, scheint mit etwas mehr Arbeit verbunden.
Aber, mei, die Redewendung wird im Moment ja zu Tode strapaziert im Zusammenhang mit den Brösel-Börsen! Und immer wieder wird auf die Apokalypse verwiesen. Die les ich jetzt aber mal nicht.
Hab mir nur den aktüllen Spiegel besorgt, um mich mal gemütlich in Weltuntergangsstimmung zu versetzen. Vielleicht verschafft mir das den nötigen Schwung, "Schrulli-Dorf" in meiner realen Welt mal deutlich anzustupsen. Oder wenigstens Wg. Obwohl....hm. so Robinson-Insel ist auch nicht schlecht.
Brauche ich nur einen Schiffbruch erleben, kleinen Werkzeugkasten und Bibel retten, sprachbegabten Papagei zähmen und einen Sklaven finden, der mich lieber bedient als aufzufressen. Und eine Insel mit Kokosnüssen. Weil ab und an ein Pina Colada wäre ja nett.
Bis bald K.
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15.10.2008, 18:21Inaktiver User
AW: Angst vor dem Glück?
Joar, den Spiegel les ich auch grad. Gestern hab ich den Unternehmensberater angerufen, meinte der doch: "Hach, die Krise ist gar keine, Panik machen bloß die Medien." Nun gut, die Medien haben es echt drauf, wenn sie Island pleite bekommen und weltweit 2 Billionen Euro mal eben wo reingeschossen werden
unfaßbar, was die Leute an dreisten Sprüchen raushauen, weil sie von dem Quatsch fett leben.


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