@ Anova
Ich habe den Eindruck, Dein Freund muss erst mal seine eigene Baustelle aufräumen. Vermutlich ist seine Berufswahl nicht ganz ohne persönliche Betroffenheit zustande gekommen, und eigentlich ist er selbst noch gar nicht therapiert bzw. reif für diesen Beruf. Es wird ja nicht umsonst bei der Ausbildung von Psychotherapeuten vorgeschrieben, dass sie selbst eine Therapie machen sollen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wie jemand mit der Problematik Deines Freundes andere therapieren können will.
Egal, ob diese Frauen nun „gestört“ waren oder nicht, offenbar gehört eine gewisse psychische Labilität bei Frauen im Moment noch bei ihm zur sexuellen Anziehungskraft. In solche Frauen verliebt er sich, in andere nicht. Das sagt mehr über ihn aus als über Dich! Oder wärst Du lieber „gestört“, nur damit Du bei ihm bessere Chancen hast???
Unabhängig davon: Ein Mann, der mir zu verstehen gibt, dass ich nicht in sein sexuelles Beuteschema passe – egal, woran das nun liegt - hat bei mir ziemlich schnell verschissen. Ich würde keine Energie mehr dafür aufwenden, ihm doch noch irgendwie zu gefallen. Letztlich wird er sich dann doch wieder eine suchen, die dem mehr entspricht, und wer dann die Angeschissene ist, das muss ich wohl nicht mehr ausführen. Ich bin nämlich kein Notnagel, und dafür solltest Du Dir auch zu schade sein.Du schreibst, Stolz sei nicht Deine herausragende Eigenschaft. Hier geht es nicht um Stolz, sondern um Selbstachtung. Es ist ein Zeichen eines intakten Selbstwertgefühls, wenn Du Dich von einem Mann abgrenzt, der Dir zu verstehen gibt, dass Du als Frau für ihn nicht interessant genug bist. Denn Du willst einen Mann, der Dich als Frau will, und so einen hast Du auch verdient.Ja, ok, ich gebe zu, Stolz ist nicht gerade die Eigenschaft, die mich am meisten auszeichnet.
Mich irritiert es auch, dass er so an Dir klebt. Wie kam es denn, dass seine Beziehungen immer nur ein Jahr hielten? Entweder, er hat nach einem Jahr von der überbordenden Nähe zu seiner Partnerin die Nase so voll, dass er sie fallen lässt, oder aber der Partnerin wird es zuviel, so dass sie ihn verlässt.
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Thema: Worte oder Taten?
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30.06.2008, 13:16
AW: Worte oder Taten?
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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30.06.2008, 19:00Inaktiver User
AW: Worte oder Taten?
Ich will nicht unken, aber wahrscheinlich bist du abgemeldet, sobald ihm die nächste "Gestörte" über den Weg läuft.
Wenn er nicht verliebt ist, ist das (was auch immer er darunter verstehen mag) für mich ne klare Ansage, die ich an deiner Stelle nicht einfach unter den Teppich kehren würde...ganz egal, wie er sich dir gegenüber verhält.
Aber letztendlich musst du selber wissen, ob es dir reicht, mit einem Mann zusammen zu sein, der lt eigener Aussage nicht in dich verliebt ist.
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30.06.2008, 22:44
AW: Worte oder Taten?
Hallo anova,
meinen beiden Vorschreiberinnen möchte ich voll und ganz zustimmen!
Normalerweise würde ich sagen, dass man den Taten mehr Glauben schenken darf als den Worten. Das gilt besonders für Fälle, wenn jemand schön daherredet, Versprechungen macht und so weiter. Wenn die Taten dann eine ganz andere Sprache sprechen, weiß frau, dass es mit den schönen Worten nicht weit her war. Schließlich ist es leicht, etwas Positives zu sagen!
Schwer ist es hingegen, so etwas zu sagen wie Dein Freund: "Ich bin nicht verliebt in Dich" - So etwas kommt doch nicht so leicht über die Lippen, und auch das Geständnis, sich vor allem zu psychisch labilen Frauen hingezogen zu fühlen, verlangt doch einige Überwindung - gerade weil er sieht, wie glücklich Du bist.
Deshalb solltest Du seine Worte sehr ernst nehmen.
Ich selbst bin 46 Jahre alt und lebe gerade in Scheidung, nach 25-jähriger Beziehung und 18-jähriger Ehe. Mein Noch-Ehemann hat bei der Trennung zu mir gesagt, er habe bloß nicht "nein" sagen können zu mir damals.
Wenn ich auf viele Situationen zurück blicke, muss ich sagen, er hat wahrscheinlich sogar recht - er hat damals auch gesagt, er sei nicht in mich verliebt. Ich hab es auch nicht recht glauben wollen, weil er so nett war, mich dauernd treffen wollte, mir geholfen hat, Geschenke gemacht hat usw.
Aber ich habe damals von Äpfeln geträumt, die außen schön und innen faul sind und auf dieses Gefühl habe ich leider nicht gehört. Irgendwie hat mich dieser Traum so sehr beeindruckt, dass ich mich immer noch an ihn erinnere.
Oft hatte ich das Gefühl, irgendwas stimmt hier nicht, aber ich wusste all die Jahre nicht, was.
Sei Dir zu schade für so was!
Alles Gute,
Raratonga
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30.06.2008, 23:29
AW: Worte oder Taten?
Wenn er nicht in Dich verliebt ist, wie bezeichnet er denn dann seine Gefühle Dir gegenüber? Wäre ja vielleicht ganz interessant zu erfahren.
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30.06.2008, 23:33
AW: Worte oder Taten?
Na, bei einem angehenden Psychotherapeuten und einem hohen Anteil weiblicher Klienten dürfte die nicht lange auf sich warten lassen. Er kann sozusagen aus dem vollen schöpfen. Wenn auch Beziehungen zwischen Therapeut und Patientin berufsrechtlich unerwünscht sind.
Zitat von Inaktiver User
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01.07.2008, 09:21
AW: Worte oder Taten?
Sätze wie „Ich bin nicht in dich verliebt“ sagt man, wenn man jemandem keine Hoffnungen machen will, wenn man jemandem letztlich doch auf Distanz halten will. Wenn man sagen können will: „Aber ich habe es dir doch gleich gesagt!“ Das ist das Gegenteil einer Liebeserklärung, mit der man sich emotional bindet! Von daher würde ich so eine Aussage immer ernst nehmen und an so einen Menschen keine großen Hoffnungen auf eine Beziehung mehr verschwenden.
In seltenen Fällen kann sich sowas ändern. Aber nicht, wenn der andere sich nur in Menschen aus seinem festgelegten Beuteschema verliebt, und von den Beuteschematreuen gibt es sehr viele.
Denn dann findet er wahrscheinlich schneller jemand, der da rein paßt, bevor sich in dich verliebt.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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01.07.2008, 11:10
AW: Worte oder Taten?
Zitat von Latona
Latona! Das sehe ich ganz genau so.
Gründe, weshalb er momentan mit dir, anova, gern zusammen ist, gibt es trotzdem genug:
Er findet Dich sehr nett, will nicht allein sein, findet Dich körperlich attraktiv, will jemanden um Sex zu haben, findet dich hübsch und ist stolz auf Dich an seiner Seite, will einfach ausprobieren, wie es mit einer "normalen" Frau ist, wie er sich da fühlt...
Wenn Dir das reicht...
Liebe Grüße,
Raratonga
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01.07.2008, 15:27
AW: Worte oder Taten?
Danke für die ausführlichen Antworten!
Auch wenn es eventuell bescheuert ist, ich lasse es jetzt erstmal, bis es mir zu blöd wird (der Punkt kommt irgendwann), weiterlaufen. Er gibt mir so schon das Gefühl, dass ich sehr sehr wichtig für ihn bin und dass er kein sexuelles Interesse (das über bloßes "ficken" hinausgeht) kann ich nicht behaupten.
Wir hatten uns in einem längeren Gespräch auch schon einmal darauf "geeinigt", dass wir verschiedene Definitionen vom Wort "verliebt" haben und er ist eher ein Mensch von Extremen, was er in der Zwischenzeit an sich selbst auch ziemlich ungut findet. Ach, ich habe gar keine Lust, ihn zu verteidigen (obwohl ich das tue), ich glaube eher, dass zu früh meine Verliebtheit gestanden habe und er "uns" anders sah.
Wir hatten übrigens 6 Wochen vorher (als wir noch nicht "pärchenmäßig" auftraten, ich ihn auch noch nicht so toll fand, es eher anstrengend fand, dass er mir so hinterher rannte) ein Gespräch, in dem wir beide festgestellt hatten, dass wir nicht ineinander verliebt sind. Vielleicht hatte sich das noch in ihm festgesetzt (ich war damals auch wirklich nicht in ihn verliebt!). Eventuell ist auch das ein Grund, warum ich noch "hoffe".
Und ich möchte mir nicht vorwerfen können, ich hätte es nicht versucht.
Nochmal kurz zum Thema Therapeuten und eigene Probleme etc.:
Eigene Neurosen/Störungen (sofern man sich deren bewusst ist!!!!) sind absolut kein Ausschlusskriterium für einen guten Therapeuten. Die besten, die ich kenne, haben definitiv ihre Schwächen. Ich kenne zwar auch einige, die sehr "normal" sind, aber ich denke schon, dass es der eigenen therapeutischen Identität sehr dienlich ist, mehrere Störungen/Macken/Erfahrungen des menschlichen Daseins gut zu kennen. Nicht umsonst sind etwa trockene Alkoholiker die besten Alkoholismustherapeuten, weil da mehr Verständnis, aber auch mehr Härte da ist. Nur so nebenbei.
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01.07.2008, 15:56
AW: Worte oder Taten?
Da wünsch ich viel Vergnügen. Ich hab nen Bekannten, der sich in der selben Situation wie Dein Freund befindet, und das seit über zehn Jahren. Wohnung und Kind sind da, aber er liebt sie nicht. Sie weiß das auch. Das wird irgendwann vielleicht ein böser Absturz für sie.
Zitat von Anova
Das kann zwar auch so in einer normalen Beziehung passieren, aber hier ist es ja mit Ankündigung.
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01.07.2008, 15:59
AW: Worte oder Taten?
@ Anova
Man kann an "verliebt sein" rumdefinieren, wie man will, wichtig ist nur, dass man auf den gleichen Nenner kommt, was die emotionale Verbindlichkeit angeht. Offenbar ist die Initiative für das Ganze sehr von ihm ausgegangen, aber ich finde es trotzdem merkwürdig, dass er dann mit den Ansage, er sei nicht verliebt, so einen Rückzieher macht - interessanterweise, nachdem Du ihm zuerst Deine Verliebtheit gestanden hast.
Zitat von Anova
Es gibt diese Männer, die eine Frau so lange interessant finden und ihr hinterher rennen, wie sie sich ihrer nicht sicher sind und sie noch erobern können. Haben sie die Frau dann an der Angel und sicher, ist sie nicht mehr interessant. Dann erfolgt der langsame oder auch schnelle Rückzug. Du solltest aufpassen, ob er nicht zu dieser (bindungsunfähigen) Spezies gehört.
Das möchte ich gar nicht in Abrede stellen, dass eine eigene Störung eine besondere Sensibilität für andere Menschen mit dieser Störung mitbringt. Das setzt aber voraus, dass dieser Mensch bereits nicht mehr von dieser Störung in seinem eigenen Leben beeinträchtigt wird, sondern den Bewältigungsprozess dazu weitgehend erfolgreich hinter sich gebracht hat! Du schreibst, trockene Alkoholiker sind gute Therapeuten für Alkoholkranke - ich verweise hier ausdrücklich auf das Wort "trocken"! Dein Freund macht mir jedoch nicht den Eindruck, als sei seine Störung bereits so reflektiert und bewältigt, dass er sich und/oder andere damit nicht mehr verletzt. Er scheint darin noch ziemlich gefangen. Wie ist es denn sonst zu erklären, dass er nur "gestörte" Frauen attraktiv findet? Welche Funktion erfüllen diese Frauen für ihn, die normale, gesunde Frauen für ihn nicht erfüllen?Nochmal kurz zum Thema Therapeuten und eigene Probleme etc.:
Eigene Neurosen/Störungen (sofern man sich deren bewusst ist!!!!) sind absolut kein Ausschlusskriterium für einen guten Therapeuten. Die besten, die ich kenne, haben definitiv ihre Schwächen. Ich kenne zwar auch einige, die sehr "normal" sind, aber ich denke schon, dass es der eigenen therapeutischen Identität sehr dienlich ist, mehrere Störungen/Macken/Erfahrungen des menschlichen Daseins gut zu kennen. Nicht umsonst sind etwa trockene Alkoholiker die besten Alkoholismustherapeuten, weil da mehr Verständnis, aber auch mehr Härte da ist. Nur so nebenbei.
Ausserdem besteht bei so einer Konstellation die Gefahr, dass er seine Klientinnen für seine eigenen Problemlösungen mißbraucht, und das ist nicht der Sinn einer Therapie.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!


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