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  1. Inaktiver User

    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    Latona,

    Ich finde du machst in deiner Antwort auf das post von HansDampf sehr viel an 'äusserlichkeiten' fest.
    Haus &Ehe & Kinder = bürgerlich = 'angepasst und nicht-individuell'.
    Z.B Weltumseglung und 'Künstlerkarriere' = unkonventionell.

    Um es jetzt mal arg verkürzt widerzugeben.Viele andere Aspekte bzw Schwierigkeiten bei der Umsetzung/ realistsichen 'lebbarkeit' erörterst du schon für mich nachvollziehbar und sind sicher auch geltende Argumente.

    Trotzdem - ob HansDampf es so gemeint hat, weiss ich nicht, aber ich habe es eigentlich so verstanden:
    Individualität leben bedeutet, Entscheidungen individuell und autonom zu treffen. D.h. sich von äußeren dominierenden Einflüssen emanzipieren und nach seinen eigenen Bedürfnissen leben

    Und um es etwas überspitzt und einfach zu formulieren- individuell lebe ich dann, wenn ich das lebe, was ich für richtig halte.Ist das nun Haus& Karriere & und Ehe zb weil ich genau das als ein für mich und aus mir kommend gutes Lebensmodell empfinde, mit dem ich glücklich und zufrieden bin , dann ist das zig mal 'individueller' als wenn ich ernsthaft der Meinung bin, das ich nach einer zB Weltumsegelung und anschliessendem Künstlerleben ein riiisieger 'Individualist ' wäre- wenn ich diesen Weg aber nur beschritten habe, um krampfhaft aus der 'norm' rauszufallen und 'alles-ganz-anders' zu machen und womöglich gerade aus der Motivation es damit den anderen zu zeigen: Ich bin anders.
    Das muss dann nämlich gar nicht mehr so individuell sein.
    Und oft erkennt man für meine Begriffe in der Geisteshaltung solcher Menschen mehr beschränktes 'Klischeedenken' als bei manchem anderem.
    Nur mal so am Rande- kann ebenso möglich sein.

    Tory

  2. Inaktiver User

    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    Die Menge ist die Unwahrheit. Sören Kierkegaard

    Für wen spielt es eine Rolle, wie individuell der einzelne ist? Für die Statistik, für die Soziologie? Bildet der Mensch die Soziologie oder die Soziologie den Menschen? Sören Kierkegaards Zitat erfasst die Problematik gänzlich.

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    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    Zitat Zitat von Latona
    @ HansDampfIch verstehe, was Du meinst. Man kann antibürgerlich in seiner Lebensweise sein, ohne wirklich davon überzeugt zu sein, nur damit man in seinem eher antibürgerlichen Umfeld nicht aneckt, oder weil man Antibürgerlichkeit per se mit Individualismus gleichsetzt.

    Dennoch bleibe ich bei der Meinung, dass das bürgerliche Lebensmodell mit Karrieremann, Kindern und zu erwerbendem Hauseigentum im Grünen nicht genügend Freiräume für andere wesentliche Projekte läßt, jedenfalls nicht für Frauen, aber eigentlich auch nicht für Männer, denn irgendjemand muss ja für die relativ hohen materiellen und immateriellen Kosten dieser bürgerlichen Familienlebensweise aufkommen: Der Mann sorgt für den stabilen Teil des Einkommens, die Frau betreut die Kinder und den Haushalt (und arbeitet vielleicht mit). Das bürgerliche Familienleben bindet nämlich jede Menge Kräfte.

    Ich frage mich, wo da noch die zeitlichen, energiemäßigen und finanziellen Ressourcen herkommen sollen, unkonventionellere Lebensträume konsequent zu verfolgen, ohne dass es zu Lasten des Familienlebens geht. Für jeden Ausritt aus dem bürgerlichen Leben des einen Partners muss der andere die Stellung halten. Wenn das beide hinkriegen, ist das ein bewundernswerter Balance-Akt. Allerdings ist dann die Frage, ob sich das Paar als solches nicht zu sehr auseinanderlebt. Bei etlichen Paaren reicht ein Kind schon völlig aus, damit sie sich bei dessen Schuleintritt nicht mehr viel zu sagen haben.

    Eine Weltumsegelung kann man als Paar vielleicht noch machen, als Einzelner kann man auch viel Zeit für einen Hungerlohn in ein Projekt stecken, das man selbst für gesellschaftlich sehr wichtig hält, als Einzelner kann man eine sehr engagierte Künstlerkarriere verfolgen, die dennoch nicht viel einbringt, aber wenn erstmal zwei Kinder da sind, das Haus (aus)zubauen und Hypotheken abzuzahlen sind, kann man solche Projekte in der Regel vergessen.
    Latona,

    das sehe ich zu weiten Teilen auch so. Die Wahl eines Lebensmodells wie Familie schließt (wie jede Wahl) andere Lebensoptionen mehr oder weniger aus. Aus Zeit- Kraft-und Geldgründen.

    Nicht zustimmen kann ich Dir in der Gleichsetzung von "individuell" und "unkonventionell". Unkonventionell ist ein Lebensmodell abseits vom Mainstream. Individuell heißt unangepasst im Sinne von autonom. Die Weltumseglung ist unkonventionell, ein bürgerliches Leben kann individuell sein (ist aber nicht sehr unkonventionell).

    Das Problem ist die unterschwellige Wertung in den Begriffen, die wir hier verwenden.

    (Und ein Paar kann nach einer Weltumseglung ebenfalls in die Situation geraten, daß sie sich nicht mehr viel zu sagen haben.)

    Die Frage ist einfach, welche Bedürfnisse ich habe. Trage ich "Mainstream"-Bedürfnisse in mir (d.h. bin ich bedürfnis-technisch so wie viele), werden mir andere "wesentliche Projekte" nicht so reizvoll erscheinen.
    Problematisch wird es, wenn ich meine Bedürfnisse nicht kenne und in einem Lebensmodell lande, welches es mir nicht ermöglicht, die Dinge zu tun die ich wirklich tun möchte (mit Betonung auf "wirklich", denn induzierte Wünsche und deren fehlendes Potential, uns glücklich zu machen, kennen wir wohl alle).

    Gruß
    Hans
    ----------------------------------------------------------------
    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

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    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    @ Tory
    Und um es etwas überspitzt und einfach zu formulieren- individuell lebe ich dann, wenn ich das lebe, was ich für richtig halte.
    @ HansDampf
    Die Weltumseglung ist unkonventionell, ein bürgerliches Leben kann individuell sein (ist aber nicht sehr unkonventionell).
    Das stimmt so sicherlich. Nur glaube ich persönlich, dass viele Menschen nur deshalb das bürgerliche Lebensmodell vorziehen, weil alle anderen das auch so machen, und/oder weil sie nicht genügend Eigensinn haben, um ihr Leben vielleicht anders gestalten zu wollen, obwohl sie sich damit vielleicht viel besser fühlen würden. Mit Eigensinn meine ich sowohl von diesem Modell abweichende Ideen als auch die Kraft, deswegen die Mißbilligung der Mehrheit aushalten zu können.

    Und eine Entscheidung für dieses Mehrheits-Modell aus diesen Gründen mag vielleicht individuell ausgewählt sein, ist jedoch deshalb noch lange nicht individualistisch. Zum Individualismus gehört essentiell, dass man eben nicht alles so macht, wie die meisten anderen.

    Und selbst wenn man individuell und unabhängig von seiner Umgebung zu dem Schluß kommt, dass das bürgerliche Lebensmodell für die eigenen Bedürfnisse am besten paßt, ist das noch kein Individualismus. Dieser ist das Gegenteil von Konformismus, von Mainstream, von Mehrheitskultur.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Individualismus
    Geändert von Latona (31.03.2008 um 16:50 Uhr)
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

  5. Inaktiver User

    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    Zitat Zitat von Latona
    Und eine Entscheidung für dieses Mehrheits-Modell aus diesen Gründen mag vielleicht individuell ausgewählt sein, ist jedoch deshalb noch lange nicht individualistisch. Zum Individualismus gehört essentiell, dass man eben nicht alles so macht, wie die meisten anderen.
    und ich denke: wer wirklich sich selbst lebt (also qua definition individualist ist) schert sich nicht den deut darum ob er individuell ist.

    wohingegen man den spießer, egal ob er in einem baumhaus, einer tonne oder einem einfamilienhaus lebt, immer an seiner unglaublichen angst, spießig und mainstream zu sein, erkennt.

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    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    @ Bereschit

    Für echte Individualisten stellt sich nicht die Frage, ob sie Individualisten sein wollen oder nicht, und sei es aus Angst, sonst als spießig zu gelten. Echte Individualisten sind einfach individualistisch, sie können gar nicht anders, sie merken irgendwann, dass sie anders sind als die meisten anderen, und manche leiden darunter, wenn sie merken, dass sie so, wie sie sind, von der Mehrheit nicht akzeptiert werden. Dazu braucht es nämlich ein gesundes Selbstwertgefühl, um Individualismus wirklich leben zu können. Das ist definitiv nichts für Leute, die dauernd Angst haben, anzuecken.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

  7. Inaktiver User

    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    Zitat Zitat von Latona
    @ Bereschit

    Für echte Individualisten stellt sich nicht die Frage, ob sie Individualisten sein wollen oder nicht, und sei es aus Angst, sonst als spießig zu gelten. Echte Individualisten sind einfach individualistisch.
    my words.


    deswegen begriefe ich eigentlich nicht, warum du 'individualismus' so am 'unkonventionellen lebenstil' festmachst - jedenfalls verstand ich das so.

    'unkonventioneller lebenstil' kann ausdruck des stromlinienförmigsten denkens und leben sein.

    ich denke da jetzt speziell an die gothic- oder punk-kids. das ist nicht individuell. das ist der versuch eienr abgrenzung von einer gruppe in dem man unter die wärmende decke der zugehörigkeit einer anderen gruppe schlüpft. mehr nicht.

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    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    @ Bereschit
    Zitat Zitat von Inaktiver User
    ich denke da jetzt speziell an die gothic- oder punk-kids. das ist nicht individuell. das ist der versuch eienr abgrenzung von einer gruppe in dem man unter die wärmende decke der zugehörigkeit einer anderen gruppe schlüpft. mehr nicht.
    Ich bin nicht allein deshalb Individualistin, nur weil ich Gothic bin. Ich unterscheide mich auch innerhalb der Gothics durchaus von der Mehrheit dort.

    Abgesehen davon gibt es sowas wie eine Gothic-Persönlichkeit, und die unterscheidet sich durchaus vom Durchschnitts-Jugendlichen in einigen Punkten. Schließlich ist es kein Zufall, zu welcher Subkultur sich jemand zugehörig fühlt, und das ist nicht nur eine Modesache, sondern auch eine Frage dessen, wo man sich so, wie man ist, angenommen fühlt. Ich habe von Gothics schon öfters den Ausspruch gehört "Ich habe das Gefühl, hier in der Szene nach Hause gekommen zu sein." Das würde dieselben Jugendlichen nicht von sich sagen, wenn sie sagen wir mal mit der Rapper-Szene in Kontakt kämen, obwohl das auch eine sich abgrenzende Subkultur ist.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

  9. Inaktiver User

    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    Zitat Zitat von Latona
    @ Bereschit Ich bin nicht allein deshalb Individualistin, nur weil ich Gothic bin. Ich unterscheide mich auch innerhalb der Gothics durchaus von der Mehrheit dort.
    mist, fettnapf. wusste ich nicht, tschuldigung. ich meinte auch nicht dich und das sollte KEINE spitze sein.

    (und jetzt les ich den rest deines postings)

  10. User Info Menu

    AW: Wie wichtig ist Individualität??!

    @ Bereschit
    Zitat Zitat von Inaktiver User
    mist, fettnapf. wusste ich nicht, tschuldigung. ich meinte auch nicht dich und das sollte KEINE spitze sein.
    Damit hab ich kein Problem.

    Lass es mich nochmal so formulieren: Ein Individualist ist anders als die meisten anderen. Das muss sich nicht unbedingt sofort äusserlich sichtbar am Lebensstil festmachen. Aber irgendwo muss ein spürbarer Unterschied zwischen ihm und der Mehrheit sein. Und da die Gestaltung des eigenen Lebens immer auch ein Ausdruck des eigenen Denkens ist, muss es sich zwangsläufig irgendwo auch im Lebensstil niederschlagen.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

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