Im Grunde genommen hat es schon ähnliche Strangtexte gegeben und dennoch greife ich das Thema der „Krankheit“ noch einmal auf:
Ich habe viel Kontakt zu kranken Menschen, insbesondere Frauen, die mir ihr Leid klagen, dass ihr Mann sie verlassen will, weil sie im Augenblick nicht als Frau funktionieren kann oder der Mann schiebt seine Freundin an deren Eltern ab, damit sie dort gepflegt wird. „Mit so einer Frau kann man(n) ja nix anfangen“.![]()
Nachher werde wieder ich mit einer Frau telefonieren , der es wirklich sehr schlecht geht, versuchen, ihr den Halt zu geben, den sie von Ihrem Mann nicht bekommt, schade!![]()
Ich poste hier im Forum unter „Kennenlernen“, da vermutlich schon in der Anfangsphase des Kennenlernens erkennbar sein muss, ob der Mann in der Lage ist, der Frau im Krankheitsfalle beizustehen (ich meine damit nicht einmal Pflege, sondern es genügt schon eine ehrlich gemeinte Erkundigung, wie es ihr denn geht – auch „Kleinigkeiten“ können den Genesungsprozess voran bringen).
Aus eigener Erfahrung habe ich es immer gleich erkannt, bzw. auch erkennen müssen. Ich bin selten krank, aber wenn es mich erwischt, dann schon richtig – damit meine ich keine Erkältung....Gerade dann, wenn ich schwach war, wurde diese Situation dahingehend „ausgenutzt“, dass ich: eine Abschieds-sms bekommen habe, einen Brief mit lauter Vorwürfen, ein Verschwinden ohne Nachricht....Ich gebe zu, dass ich überhaupt nicht mehr gerne äußere, wenn es mir wirklich schlecht geht. Auf diesem Gebiet wieder Vertrauen zu fassen, das fällt mir außerordentlich schwer. Das ist wie im Job: Nix anmerken lassen...
Es soll kein Angriff auf die Männer sein – oh nein, ich kenne auch Frauen, die plötzlich den Abgang machen – aber die Anzahl der Männer, wo mir der Fall bekannt ist, ist definitiv größer.
Was mich nun interessiert: Wie sammeln andere Frauen – oder auch Männer - die Kraft, solche Situationen zu bestehen? Warum lassen sich viele das von Anfang an gefallen? Nur um dem möglichen Partner fürs Leben zu halten?
Und die Frage an diejenigen, die sich zurückziehen: Was geht da vor? Angst? Gedankenlosigkeit? Oder ist es wirklich so: Nur ein Mensch, der immer gut drauf ist, immer funktioniert, der ist für ein "gemeinsames" Leben bestimmt?
Bienie, der solche Situationen einfach immer wieder nahe gehen...
Antworten
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Thema: "Sie" wird krank - und nun?
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19.10.2007, 12:40
"Sie" wird krank - und nun?
Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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19.10.2007, 12:53Inaktiver User
AW: "Sie" wird krank - und nun?
Bienie,
ich war nie gesund. Zwar sieht man mir meine Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen nicht an, aber sie sind da, und ich mache daraus auch kein Geheimnis.
Ich habe in Sachen Partnerschaft KEINE schlechten Erfahrungen gemacht. Mein Liebster ist mit mir durch dick und dünn gegangen, auch als ich eine ganze Weile als Frau nicht so "funktioniert" habe. Wir haben das thematisieren können und unseren Umgang gefunden. Der war nicht immer einfach, aber das wäre wohl auch kaum zu erwarten.
Ein wichtiger Punkt ist aber mit Sicherheit der Faktor Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit. Beides habe ich nie an meinen Partner abgegeben, nicht einmal zu der Zeit, als ich krankheitsbedingt kachektisch war. Die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist eher die, dass ich die Jungs wegschicken musste, damit sie nicht vergessen, ihr eigenes Leben zu leben. Eine grosse Krise in meiner Beziehung hatte damit zu tun, dass mein Partner Probleme damit hatte, mich loszulassen, und eher in eine "bemutternde" Rolle drängte, was ich nicht akzeptieren konnte. Es nahm mir die Luft zum Atmen.
Ich bin krank, nicht lebensuntüchtig oder entscheidungsunfähig. Meine Erkrankung manage ich selbst, meinen Alltag kann ich auch ohne Partner gut bewältigen. Ich laufe nicht Gefahr, meinen Partner zu missbrauchen oder Themen, die in meinen Verantwortungsbereich fallen, an ihn zu delegieren.
Zeiten, in denen der Sex nicht im Vordergrund steht, gibt es in jeder Beziehung mal, das hat nicht notgedrungen damit zu tun, dass jemand krank wäre. Hübsch und gepflegt kann ich auch MIT einer Erkrankung sein. Lebendig, interessiert, fröhlich ebenfalls.
Ich wüsste also nicht, was einen Partner davon abhalten sollte, sich mit mir wohl zu fühlen und mit mir ein normales Leben zu führen. Es gibt KEIN Leben, das völlig frei von Einschränkungen wäre - meine sind krankheitsbedingt, no big deal.
Grüssle
Seawasp
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19.10.2007, 13:09
AW: "Sie" wird krank - und nun?
@seawasp - ich freue mich, zu diesem Thema ein paar positive Zeilen zu bekommen.
Du hast einen Menschen um Dich, mit dem Du reden kannst und der Dich so akzeptiert wie Du bist.
Würde ich nicht so oft genau das Gegenteil zu hören bekommen, hätte ich hier nicht gepostet.Es geht hier auch nicht um mich. Okay, ich habe nun einmal Menschen kennengelernt, die mit einer plötzlichen Schwäche meinerseits nichts anfangen konnten - aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben...
Ich stimme Dir absolut zu, dass Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit sehr wichtig sind.
Beispiel: Die Frau ist wirklich chronisch krank - eigentlich seit Jahren. Die ganze Zeit schluckt sie Schmerztabletten (und was für Dosen sie mittlerweile braucht!) , macht alles, um für ihren Mann da zu sein. Dann geht es nicht mehr, Operationen folgen.
Jetzt ist sie weg und es ist unklar, wann sie wieder als Frau "funktionieren" kann. Plötzlich Vorwürfe, sie solle sich nicht so haben, sie solle ihrem Mann wieder "zur Verfügung" stehen, sonst würde er sie verlassen....
Läuft da nicht von Anfang an etwas schief? Ich höre von vielen Frauen, dass sie gesagt bekommen: Sie solle sich nicht so anstellen....
Es erschreckt mich einfach...
Gruß BienieTanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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19.10.2007, 13:16Inaktiver User
AW: "Sie" wird krank - und nun?
meine mama ist "krank" seit ich ein teenager bin.
mein papa kümmert sich rührend um sie.
gut, sie ist nicht pflegebedürftig, aber er putzt auch und geht einkaufen....
mein papa käme gar nicht auf den gedanken, meine mama deswegen im stick zu lassen.
sie begrüßen sich auch immer mit küsschen.
wie man sich sowas vorstellt, eine liebe und zusammenhalt und das seit 46 jahren.
ich vermute mal, dass es in den partnerschaften schon anders irgendwie gekriselt haben muss und DESWEGEN die männer weg laufen
meine schwiegereltern pflegen IHRE kranke bettlägerige mutter, und schwiegerpapa zieht da voll mit. auch bewundernswert.
so erfahrungen wie du bienie habe ich noch nicht gemacht....
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19.10.2007, 13:18Inaktiver User
AW: "Sie" wird krank - und nun?
Liebe Bienie,
ich vertrete ja die These, dass sich Menschen oft einen Partner suchen, der ihre eigenen Probleme eher verstärkt. Wenn ich mich klein und häßlich finde, stoße ich unbewußt auf Menschen, die mich eben auch klein und häßlich finden. Warum soll mich ein Dritter besser finden, als ich mich selbst einschätze.
Und so geht es m. E. auch Menschen mit Erkrankungen, Behinderungen. So lange sie selbst ihre Erkrankung oder Behinderung nicht angenommen haben, nicht dazu stehen und als Teil von sich selbst akzeptiert haben, werden sie immer wieder auf Menschen stossen oder die Menschen in ihrer Umgebung dahin "lenken", dass sie diese Erkrankung auch nicht akzeptieren.
Ich finde, dass seaswap das sehr schön beschrieben hat. Wer so mit beiden Beinen im Leben steht, wird auch von anderen Menschen als selbstvewußt und attraktiv im seelischen Sinne wahrgenommen.
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19.10.2007, 13:18Inaktiver User
AW: "Sie" wird krank - und nun?
Für mich läuft da eigentlich von Anfang an etwas schief.Beispiel: Die Frau ist wirklich chronisch krank - eigentlich seit Jahren. Die ganze Zeit schluckt sie Schmerztabletten (und was für Dosen sie mittlerweile braucht!) , macht alles, um für ihren Mann da zu sein. Dann geht es nicht mehr, Operationen folgen.
Jetzt ist sie weg und es ist unklar, wann sie wieder als Frau "funktionieren" kann. Plötzlich Vorwürfe, sie solle sich nicht so haben, sie solle ihrem Mann wieder "zur Verfügung" stehen, sonst würde er sie verlassen....
Läuft da nicht von Anfang an etwas schief? Ich höre von vielen Frauen, dass sie gesagt bekommen: Sie solle sich nicht so anstellen.... Es erschreckt mich einfach...
Die Frau tut alles, um für ihren Mann da zu sein? Tut sie denn auch alles, um in erster Linie für SICH da zu sein? Das ist in meinen Augen die erste Pflicht, die ich habe - dafür zu sorgen, dass ich mit meiner Erkrankung gut zurecht komme. Ich kann nur dann für andere sorgen und für sie da sein, wenn ich mit meinen Kräften haushalte. Vergewaltige ich mich selbst, gehe ich über meine Grenzen, ist klar, dass ich irgendwann zusammen klappe und in ein Loch falle.
Ist mein Gegenüber dann daran gewöhnt, dass ich ja immer da bin, ist klar, dass Irritationen entstehen.
Die würden aber auch entstehen, wenn beide gesund wären. Mir scheint, der entscheidende Faktor ist nicht das Thema Krankheit, das im übrigen jeden jederzeit ereilen kann, sondern Geben und Nehmen innerhalb der Paarbeziehung.
Klar ist auch, dass bezüglich der Sexualtiät Gespräche notwendig sind, wenn diese dauerhaft wegfällt. Ich kann nicht erwarten, dass mein Partner, wenn ich diesbezüglich nicht mehr "zur Verfügung stehe", dauerhaft ein enthaltsames Leben führt. Das wäre zwar romantisch, aber ich halte das für nicht realistisch. Wichtig ist aber auch hier: Geben und Nehmen. Gemeinsames Suchen nach Lösungen. Ein Partner, der auf die von Dir geschilderte Weise fordert, darf gern seine Koffer packen - partnerschaftliche Gesinnung ist von ihm wohl kaum zu erwarten.
Grüssle
Seawasp
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19.10.2007, 14:00
AW: "Sie" wird krank - und nun?
@seawasp
Du bringst mich schon ins Grübeln.
Womöglich hat sie nie auf ihre eigenen Interessen geachtet?
Und erst jetzt, wo es ihr wirklich schlecht geht, bricht der ganze Konflikt auf?
Soweit ich weiß war sie vorher immer gesund, gut, Kleinigkeiten, wie sie bei Frauen gel. anfallen einmal ausgeschlossen....
Aber ich werde wohl beim Kennenlernen nie wissen, ob ich mich in solchen Fällen auf einen Partner verlassen könnte - oder doch?
Was mich betrifft, so hatte ich mein drastischstes Erlebnis dann, wo eigentlich nur ein "Verdacht" bestand - der sich zum Glück nachher als ganz harmlos herausgestellt hat.
Ansonsten bin ich ein "Glückskind", schon als Kind habe ich mir beim Sport usw. Verletzungen geholt. Wenn jemand einen Virus zu verteilen hat, schreie ich unbewusst auch schnell hier....
Bin also auch nicht "pflegebedürftig", aber halt auch mal schwach...
Seufz - ich höre wohl gerade zu viel an Negativem?
Gruß BienieTanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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19.10.2007, 14:06
AW: "Sie" wird krank - und nun?
Jein - denn niemand weiß ja, was das Leben so mit sich bringt. Manche Krankheiten können sich auch erst im Nachhinein herausstellen. Das kann anfangs wunderbar sein, zwei gesunde Menschen treffen aufeinander, dann wird einer krank....
Zitat von Inaktiver User
Wie aber merke ich, ob ich mich auch im "Falle eines Falles" auf einen Partner verlassen kann? Ist das überhaupt möglich???Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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19.10.2007, 14:07
AW: "Sie" wird krank - und nun?
DAS lese ich jetzt wirklich gerne! Ich lasse mich gerne davon überzeugen, dass es auch anders geht!
Zitat von Inaktiver User
Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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19.10.2007, 14:12
AW: "Sie" wird krank - und nun?
Ich denke einmal, dass es diesen Frauen vor allem selbst extrem wichtig ist immer stark und leistungsfähig zu erscheinen, so schlucken sie z.B. lieber Kiloweise Schmerztabletten, als sich einfach einmal krank zu melden und zu Hause zu bleiben.
So werden Sie immer gewesen sein, auch vor ihrer Krankheit -> Natürlich ziehen sie damit Männer an die genau auf den starken, immer leistungsfähigen Typ stehen.
Wer immer und zu jeder Zeit zu sich (und damit auch zu seinen Schwächen) steht wird dieser Spezie Mann von Anfang an nicht zu Gesicht stehen .... aber dann kommt natürlich der Ehrgeiz und frau denkt sich: "DEN kaufe ich mir" - dann hat sie ihn und kommt dahinter, dass der Kerl den ganzen Aufwand wirklich nicht wert wäre.
In Prinzip kann man die "guten" und die "schlechten" sehr schnell aussortieren - nur muss man dann halt auf so manche romantische Vorstellung die man sich vom momentanen Objekt der Begierde in den Kopf gesetzt hat fahren lassen und sagen: "Sieht zwar schnuckelig aus, ist auch sicher gut zum Fun haben aber sonst ist er ein herzloses A****"Vergiß die Nadel - Nimm den Heuhaufen


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