Hallo, ihr Lieben,
vor kurzem habe ich hier geschrieben, dass ich jemanden übers Internet kennen gelernt habe, der zu meinem Leidwesen sächselt, und mich gefragt, ob ich bescheuert bin, weil ich damit möglicherweise ein Problem habe.
Nun, ich habe mich diese Woche mit ihm getroffen. Letzte Woche war er in Urlaub, schrieb jeden Tag mindestens eine Mail, ich bekam sogar eine Karte, und als er zurück war, stand fest: wir treffen uns.
Ich wusste, dass er Witwer ist, er wusste, dass ich geschieden bin; wir hatten einander mehrere Fotos geschickt, und ich habe immer wieder ein bisschen versucht, ihn zu bremsen, weil er so "euphorisch" war. Er konnte nicht begreifen, fragte mich: wie fühlst Du Dich eigentlich in der letzten Zeit, seitdem wir miteinander so intensiv kommunizieren oder hat sich da noch nicht, auch nicht im geringen Maße gefühlsmäßig eine andere Stimmung eingestellt oder beherrscht Dein Zweckpessimismus immer noch stark Deine Gefühle, dass sich da noch keine, wenn auch noch so kleine positive Stimmung einstellen kann???
Meine Antwort war: Wie ich mich fühle? Hm, ganz ehrlich? Gedämpft optimistisch, denke ich. Natürlich hat mich unser intensiver Kontakt der letzten Wochen positiv berührt, ich habe mich über jede Nachricht von dir gefreut, und auch darüber, dass es so vieles zu geben scheint, das uns verbindet. Ich halte es für sehr wichtig, dass wir uns heute real treffen, um das Kennenlernen auf andere Füße zu stellen und zu sehen, was möglich ist. Alles andere ist bis jetzt doch Spekulation, und da spekuliere ich nicht gerne ins Blaue - das hat mit dir nichts zu tun, so bin ich halt.
Dann der erste "Rückschlag": Das Café, in dem wir uns treffen wollten, hatte ausgerechnet an dem Tag Ruhetag. Ich rief ihn noch einmal an, um ihm das mitzuteilen, und wir verabredeten uns trotzdem davor, um dann zusammen woanders hin zu gehen. Wir trafen uns, begrüßten uns freundlich, fanden dann ein nettes anderes Café und setzten uns.
Irgendwie fing dann ein Gespräch an, nachdem wir die üblichen Banalitäten abgewickelt hatten, und mir fiel auf: ich fragte, er erzählte. Erst vom Urlaub (klar), dann von seiner Familie (auch klar, er war mit ihnen in Urlaub gewesen), dann waren wir bei der weiteren Verwandtschaft gelandet, und es kam, wie es wohl kommen musste: wir sprachen über seine an Weihnachten 2005 verstorbene Frau. Er saß auf seinem Stuhl, ganz weit zurückgelehnt (also so weit weg von mir wie nur möglich), die Arme vor der Brust wie zum Schutz verschränkt, und alles an ihm sagte mir: "Komm mir bloß nicht zu nahe!"
Irgendwann kam dann die Bedienung zum Kassieren, weil das Café schließen wollte, wir verabschiedeten uns und fuhren heim.
Am nächsten Tag bekam ich eine ziemlich konfuse Mail von ihm, dass er gar nicht mehr wüsste, worüber wir gesprochen hätten, und - dass er auf dem Heimweg an einem Sonnenblumenfeld vorbeigekommen wäre und angehalten hätte, um ein paar zu kaufen und sie seiner Frau aufs Grab zu legen, denn "das wären ihre Lieblingsblumen"...
Wir haben noch ein paarmal hin und her gemailt, und dann kam heute diese Mail: Und im Vorfeld dieses Treffens habe ich auch versucht jeglichen Pessimismus davon fern zuhalten, sonst hätte ich auch gar nicht erst zu diesen Treffen gehen sollen. Ich fühle mich auch jetzt dermaßen schuldig, mit so einem Optimismus an so ein Treffen herangegangen zu sein, obwohl ich doch noch gar nicht reif, bereit oder vielleicht auch willig gewesen bin.
Natürlich habe ich ihm sofort zurück geschrieben, dass er sich wegen nichts schuldig zu fühlen hätte, dass ich aber den Eindruck hatte, dass er die Zeit seiner Ehe und ihres traurigen Endes noch nicht verarbeitet hat und noch gar nicht wirklich frei ist für etwas Neues; dass er sich gegenüber seiner verstorbenen Frau schuldig fühlte, als hätte er die Befürchtung, sie "verraten" zu haben. Geendet habe ich mit:
Vielleicht hat unser Treffen doch wenigstens etwas in dir angestoßen, dass du dich wieder für andere Menschen öffnen kannst.
Antworte mir, wenn du magst.
Was soll ich jetzt noch tun, was kann ich noch tun?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 13
Thema: Es war zu früh...
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07.09.2007, 15:57Inaktiver User
Es war zu früh...
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07.09.2007, 16:01Inaktiver User
AW: Es war zu früh...
ich würde erst mal gar nichts tun, nur abwarten...
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07.09.2007, 16:02Inaktiver User
AW: Es war zu früh...
wie hast du denn bei eurem treffen eigentlich sein "sächseln" empfunden?
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07.09.2007, 16:10
AW: Es war zu früh...
ich glaube du kannst gar nicht tun als zu warten!
vielleicht hat er sich wirklich auf dich gefreut, wollte sich auf dich freuen. und dann hat er gemerkt, daß es mit Wollen nicht getan ist.
Wärst du denn an mehr interessiert?
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07.09.2007, 16:17
AW: Es war zu früh...
Du hast das doch bisher sehr angenehm und elegant gelöst!
Möchtest Du den Kontakt zu ihm halten, oder gar intensiver gestalten?Es ist was es ist sagt die Liebe
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07.09.2007, 16:19Inaktiver User
AW: Es war zu früh...
Wäre ich an mehr interessiert? Im Augenblick sicher noch nicht. Er war so, wie ich es erwartet hatte (und ich hatte ja sonst keine Erwartungen), wir haben noch mehr Gemeinsamkeiten entdeckt, und es war nett. Mehr war nicht. Es würde mir nicht weh tun, wenn er heute sagte, es hätte keinen Sinn.
Zitat von Sisma
Aber es würde mir Leid tun, neutral gesehen quasi.
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07.09.2007, 16:20
AW: Es war zu früh...
Nichts zum Thema, nur eins: ich finde es .. hm.. wie soll ich sagen... recht grenzwertig, hier private Mails zu zitieren...
Gruß
Matthias, der das nicht wollen würde.
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07.09.2007, 16:25Inaktiver User
AW: Es war zu früh...
Kann ich verstehen, Matthias, ich habe auch lange überlegt, ob ich es tun soll. Aber dann fand ich es doch doof, es nur um des Verfremdens willen umzuformulieren. Ich habe auch versucht, Persönliches herauszuhalten.
Zitat von Matze133
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07.09.2007, 16:26
AW: Es war zu früh...
dann laß es laufen, würd ich vorschlagen. vielleicht kannst du ihm irgendwann ja auch schreiben, wie du fühlst bzw. nicht fühlst. aber nur, wenn du dann wirklich nicht mehr erwarten würdest.
Zitat von Inaktiver User
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07.09.2007, 16:52Inaktiver User
AW: Es war zu früh...
Meinst du denn, was ich geschrieben habe, reicht, um ihm klar zu machen, dass er sich mir gegenüber nicht schuldig fühlen muss?
Zitat von Sisma


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