Ich hatte es in einem anderen Strang schon gepostet, und es beschäftigt mich. Daher widme ich dem Thema einen eigenen Strang und kopiere das Posting. Mir ist etwas aufgefallen, von dem ich mich selbst auch gar nicht ausnehmen will:
Letztendlich geht es immer wieder darum den einen richtigen Traumpartner, nennen wir ihn mal TP, zu finden (egal ob männlich oder weiblich). Es werden Raster augestellt, in die TP passen muss. TP hat es aber nicht leicht, denn er muss ja nicht nur da Bild, das wir von ihm erdacht haben erfüllen. Er muss darüber hinaus ja auch noch uns so wir sind, bewundern, anhimmeln, lieben; er muss unsere Verletzungen aus der Vergangeheit heilen und uns gleichzwitig Mut für die gemeinsame Zukunft geben. Diese beiden Anforderungen sind schon mal eine echte Hürde - da gibt es sicherlich nicht so viele, die das aus dem Stand erfüllen könnten. Und aus dem Stand ist erforderlich, denn mehr als ein oder zwei Treffen geben wir nicht Zeit, dass TP uns beweist, dass er eben TP ist. Ist er dann nicht TP, wenden wir uns dem nächsten möglichen Kandidaten zu.
Was wir aber vergessen ist, dass TP ja auch seine Vorstellungen hat. Ob wir die erfüllen, ist ja ebenso fraglich (s.o.) Und so suchen die verschiedensten TP´s einander, passen dann aber doch nicht zusammen, denn mal ist es eben TP, mal Tp, mal tP, mal tp. Und weil keiner bereit ist, von seinen Vorstellungen abzuweichen, bleiben viele dieser TPs, tps, Tps oder tPs alleine und sind traurig.
Warum erlauben wir uns nicht mal, mit normalen Menschen Kontakt aufzunehmen? Warum treffen wir nicht mal Menschen, die unserem Raster nicht unbedingt entsprechen, aber auch irgendwie ganz wohltuend für uns sind? Ich lese hier von so vielen Singles auf der Suche nach TP. Alle kommunizieren stunden- und nächtelang. Sie bekunden sich Sympathie, schimpfen aufeinander, trösten ishc dann doch wieder, sagen sich Liebevolles und schwören nie wieder aufzutauchen, um dann am anderen Tag wieder da zu sein. Hier setzen sich Menschen miteinander auseinander, lernen sich virutuell kennen und reichen einander die Hände. Dabei ist vielleicht kein TP dabei, sondern es sind hier einfach nur normale Menschen mit Sorgen, Traurigkeit, Freude und Liebe treffen, die hier viel mehr Großzügigkeit im Umgang miteinander aufbringen, als sie es im richtigen Leben bereit wären.
Und ich frage mich:
Warum setzen wir uns nicht auch im richtigen Leben mit solchen Menschen auseinander? Warum "üben" Ihr nicht mal das Flirten, das Lachen, das Schimpfen, die Wut und den Ärger und das wieder vertragen? Hier geht es doch auch. Warum setzen wir uns im richtigen Leben nicht so lange mit einem anderen Menschen auseinander, bis wir wirklich beurteilen können, ob er Seiten hat, die uns gefallen (wofür auch immer)? Warum beschränken wir uns im richtigen Leben mittels Rasterfahndung und verbringen hier unsere Zeit mit Menschen, die da auch nicht reinpassen?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 14
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27.05.2007, 10:44Inaktiver User
Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
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27.05.2007, 11:06Inaktiver User
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
Nur zu einem Punkt meine Meinung:
Mein TP muß nicht meine Verletzungen der Vergangenheit heilen, nur neue sollte er mir nicht zufügen.
Und was mein Leben im virtuellen Leben betrifft, so habe ich es so gehalten, kurz zu chatten, dann zu telefonieren und sich innerhalb von ein paar Tagen zu treffen.
Deshalb habe ich die Männer auch mittels Umkreissuche ausgewählt. Und der war auf 25 km beschränkt. Da konnte ich notfalls schnell das Weite suchen.
Ich habe nie was davon gehalten, mir womöglich ein Bild vorzugaukeln, dass nicht der Realität entspricht. Papier oder PC sind geduldig. Ich nicht. Und deshalb bin ich mit meinem Internet bekannten nach 6 Wochen in Urlaub gefahren und es hat gepaßt und paßt noch.
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27.05.2007, 11:15Inaktiver User
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
liebe kranich,
du stellst da interessante, aber auch sehr schwere fragen, wie ich finde.
ich für meinen teil, mache einerseits gar keine großen unterschiede. so kann ich mich hier genau wie im rl aufregen, wenn jemand mir gegenüber persönlich wird. so cool, dass ich sage "ach, ist doch nur virtuell, was soll's?" bin ich da irgendwie nicht. so bin ich zb oft genervt, wie sich einige per pn verhalten. da wird man angeschrieben, schreibt zurück, erhält vll sogar noch eine antwort darauf....und kann es sich dann aber eigentlich schon sparen, nochmal zu schreiben, weil der andere spätestens dann nichts mehr von sich hören lässt. komme mir dann oft irgendwie ausgehorcht vor. merkwürdigerweise sind das sogar leute, die hier schon länger aktiv sind. darum habe ich inzwischen kaum noch interesse daran, kontakt außerhalb der stränge zu haben. wenn mich im rl jemand nett anspricht und eine frage stellt, ich diese beantworte und der andere kommentarlos weggeht, wäre ich auch arg bedient.
ansonsten sehe ich die menschen hinter ihren nicks ja nicht komplett. ich kann nur das sehen, was sie mir zeigen, und das ist ja natürlich nicht soooo viel. vll könnte ich euch irl alle überhaupt nicht leiden, wer weiß?
je mehr ich schreibe, desto weniger beantworte ich deine frage, wie ich gerade merke. sorry, ist gar nicht so einfach
du fragst, warum wir hier zeit mit menschen verbringen, die auch nicht in unser raster passen. zum einen, weiß ich nicht, ob brigitte ein gutes beispiel darstellt. es ist ja keine singlebörse und zudem schreiben vergleichsweise wenig männer mit. zum anderen gibt es auch hier user/userinnen, die mir schon online nicht besonders sympathisch sind. kommt vor.
was das reale leben angeht, so hast du leider recht, wenn du sagst, dass wir uns zu wenig mit potentiellen TP beschäftigen, um sie überhaupt zu erkennen. ich glaube, dass liegt daran, dass wir uns generell zu wenig zeit im leben für wirklich private dinge nehmen. die meiste zeit des tages benötigen wir für "wirkliche" taten.
darüber muss ich nachdenken...
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27.05.2007, 11:16Inaktiver User
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
Traumpartner sind zum Träumen und Märchenprinzen gibt es nur im Märchen - und beides wäre in der Realität ziemlich langweilig.Letztendlich geht es immer wieder darum den einen richtigen Traumpartner, nennen wir ihn mal TP, zu finden
Mir ging es darum, einen Lebenspartner zu finden - einen, um gemeinsam durch's Leben zu gehen.
Gruß, Leonie
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27.05.2007, 11:22
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
Ich kann dem Ganzen nur zustimmen. Aber auch noch etwas ergänzen. Etwas, das mir sehr "frauenspezifisch" zu sein scheint.
Nicht nur, dass TP gewissen Anforderungen aus dem Stand genügen muss. Tut er das nicht, weil er uns nicht gut tut (weil vielleicht tatsächlich ein "Mistkerl"), reden wir uns sein Verhalten und ihn so lange schön, bis der Schlag, der dann folgt, so richtig schön vernichtend ist. Und dann schimpfen wir pauschal darüber, dass "die Männer" ja so gemein sind.
Ganz toll.
Hätten wir uns offenen Auges und Herzens im obigen Sinne mit ihm auseinander gesetzt, hätten wir gesehen, dass wir nicht kompatibel sind.
(und das gilt nun wieder für m/w) Oder gar eine Seite an uns entdeckt, mit denen gar kein Mensch kompatibel ist. Und hätten vielleicht die Möglichkeit gesucht, diese zu ändern. Oder herausgefunden, dass wir gerade diese Seite an uns selber besonders gut finden und sie heraus gearbeitet. Das kann doch nur ein Vorteil sein!
Wir können andere Menschen nicht ändern! Ändern können wir nur uns selber.THE ONLY THING CONSTANT IS CHANGE....
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27.05.2007, 12:06
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
Guten Tag, Kranich!
So etwas ähnliches habe ich mir auch schon mal überlegt. Ich dachte mir vor etwa drei Jahren, dass mir mein TP, so er mir denn wirklich über den Weg laufen und mit mir zusammensein wollte, vielleicht gar nicht so gut täte. Wer sagt denn, dass das, was wir uns wünschen, auch wirklich das ist, was wir brauchen? Und währenddessen übersehen wir bestimmt viele Menschen, die nicht in unser Schema aus Wolkenkuckuksheim passen. Dann kam ich auf den Gedanken, dass doch eigentlich jeder Mensch liebenswert sei (fiese Diktatoren und ihre Helfershelfer ausgenommen) und somit theoretisch jeder Mensch mit jedem umgehen könnte. Ich machte das daran fest, dass wir doch als Kinder zunächst einmal leere Blätter sind und erst durch den Kontakt mit unserer Umwelt ganz schnell Präferenzen und Aversionen bilden und ausdehnen. Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn wir alle in einen Urzustand (goldenes Land, Paradies?) zurückkehren könnten, in dem wir unvoreingenommen aufeinander zugehen könnten.
Mit diesen Gedanken im Hinterkopf lernte ich dann meinen Freund kennen. Ich fand ihn nett, registrierte aber sehr bald, dass wir so rein gar nicht zusammenpassten, wenn wir nicht im Bett waren. Vieles von dem, was er sagte, fand ich vollkommen befremdlich, aber da ich ja von dem Gedanken beseelt war, dass eigentlich jeder mit jedem zurechtkommen könnte, blieb ich mit ihm viel länger zusammen als ich normalerweise mit ihm zusammengeblieben wäre. De facto wäre ich, wenn ich meine konkreteren Wünsche an einen Partner nicht ausgeklammert hätte, wohl gar nicht mit ihm zusammengekommen und hätte es bei einer sexuellen Beziehung im Rahmen einer Kumpelfreundschaft belassen. Stattdessen quälte ich mich durch eine offizielle Liebesbeziehung, in der er mir immer wieder sagte, wie verliebt er sei. Ich kam mir richtig schlecht vor, weil ich nicht mal ein Quäntchen davon zurückgeben konnte. Mein großer Gedanke war nicht tragfähig, wenn ich ihn in der Realität anzuwenden versuchte. Er war möglicherweise ebenso wenig tragfähig wie meine TP-Vorstellungen. Im Grunde merkte ich damals, dass ich einfach nur kurz davor war, mit jedem Mann, der mich gut behandeln wollte, zusammenzukommen.
Mein neu entflammter Idealismus war, so meine ich, ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich mich selbst betrog.
Was du allerdings meinst, ist meiner Meinung nach ein Mittelding. Keine Idealisierung (Traumpartner oder `Alle sind gleich gut´), sondern die Auseinandersetzung mit allen sich erst Zug um Zug manifestierenden Stärken wie Schwächen des anderen. Ja, warum tun wir bzw. warum tue ich das nicht? Es ist wohl das Bedürfnis nach Sicherheiten. Ich will möglichst bald spüren, dass ich angekommen bin. Da es überhaupt keine Sicherheiten gibt, ist dieses Argument eigentlich hinfällig. Und dennoch will ich dieses "Das ist es/er"-Gefühl haben, über das sich neben Oscar Wilde auch schon Watzlawick auseinandergesetzt hat. Beide warnen vor der Ankunft bei diesem "es".
Liebe Grüße
Hilde
Zitat von Inaktiver User
Geändert von Hildegard_K (27.05.2007 um 12:12 Uhr)
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27.05.2007, 13:06
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
Ich schätze einfach, dass aufgrund der Schnellebigkeit, langer Arbeitswege und Anforderungen es auch schneller geht, sich an den PC zu setzen und darüber zu kommunizieren.
Als es noch keine technischen Möglichkeiten zur Kommunikation gegeben hat,haben sich die Menschen auch öfter zusammengesetzt.
Ein weiteres Problem sehe ich in den Erwartungen. Wir bekommen sog. Perfektion vorgesetzt, körperlich und geistig. Das Kennenlernen erfolgt im virtuellen Leben einfach anders herum.
Im realen Leben sehen wir den Menschen, die Bewegungen, hören die Stimme, riechen ihn - das sind die Ursignale, die im virtuellen Leben nicht vorhanden sind. Gewissermaßen steril und eben auch anonym! Das erleichtert vieles. Ich schalte den PC ab, wenn mir etwas nicht paßt. Im realen Leben dauert es länger, mich aus der Affäre zu ziehen.
Natürlich wäre es herrlich, sich so im realen Leben auch austauschen zu können. So vielfältig und ich denke, einige Erfahrungen aus dem virtuellen Leben nehmen wir bestimmt mit, sei es die Ausdrucksweise oder auch die Kenntnis anderer interessanter Meinungen....
Eine wirklich interessante Frage Kranich, prima, dass Du diesen Strang eröffnet hast.
Bienie
Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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28.05.2007, 13:53
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
Das ist aber das Problem einer Partnerbörse schlechthin. Man hat eine Auswahl an Bildern, Berufen, Hobbys, Lebenssituationen etc. Daraus sucht man sich erstmal das Idealbild aus und versucht damit sein Glück. Aber da jeder von uns ja nur seine besten Seiten sieht (oder zeigen will), sind wir alle mit unseren Beschreibungen im Profil meist nicht so ganz ehrlich (oder sagen wir mal neutral). Dieses Problem gabs früher schon bei den Heiratsinstituten und heute halt in Internetbörsen oder Chats. Nur mit dem kleinen Unterschied: Die Hemmschwelle in einen Chat zu gehen ist natürlich nicht so hoch, als persönlich im Büro eines Ehevermittlers zu erscheinen. Aufgrund dieses enormen Zulaufs ist eben auch die Frustrationsrate, im Vergleich zu früher, enorm gestiegen. Der Internet-Kontaktmart boomt und wird es immer mehr tun.
Zitat von Inaktiver User
Vom potenziellen Traumpartner kenn ich erstmal nur ein Foto und ein paar Eckdaten. Alles andere spinne ich mir in meiner Phantasie zurecht. Und wenn ich mit ihm maile, bin ich höflich und taktvoll und gebe ihm damit vllt. auch Bestätigung in Bereichen, denen ich im RL niemals zustimmen würde. Er macht das gleiche mit mir. Es wird eine Seifenblase aufgebaut, die einfach platzen muss.Was wir aber vergessen ist, dass TP ja auch seine Vorstellungen hat. Ob wir die erfüllen, ist ja ebenso fraglich (s.o.) Und so suchen die verschiedensten TP´s einander, passen dann aber doch nicht zusammen, denn mal ist es eben TP, mal Tp, mal tP, mal tp. Und weil keiner bereit ist, von seinen Vorstellungen abzuweichen, bleiben viele dieser TPs, tps, Tps oder tPs alleine und sind traurig.
Wenn ich Tierrechtler bin, geb ich einem Jäger keine Chance, wenn ich allergisch gegen Tierhaare bin, klick ich den Hundezüchter weg. Wenn ich Männer mit blonden Haaren mag, such ich mir keinen mit schwarzen Haaren aus. Im wirklichen Leben sehe ich als erstes den Menschen, den Körper, die Person. Ein Jäger kann auf die Jagd verzichten, der Hundezüchter wird mir zuliebe seine Hunde von mir fernhalten. Der schwarzhaarige Mann betört mich durch seine stahlblauen Augen. Das Internet spiegelt uns aber eine Scheinwelt vor. Es lässt uns in dem Glauben, nicht allein zu sein und aus dem Vollen schöpfen zu können. Ein Irrglaube wie man hier in den Foren sieht.Warum erlauben wir uns nicht mal, mit normalen Menschen Kontakt aufzunehmen? Warum treffen wir nicht mal Menschen, die unserem Raster nicht unbedingt entsprechen, aber auch irgendwie ganz wohltuend für uns sind? Ich lese hier von so vielen Singles auf der Suche nach TP. Alle kommunizieren stunden- und nächtelang. Sie bekunden sich Sympathie, schimpfen aufeinander, trösten ishc dann doch wieder, sagen sich Liebevolles und schwören nie wieder aufzutauchen, um dann am anderen Tag wieder da zu sein. Hier setzen sich Menschen miteinander auseinander, lernen sich virutuell kennen und reichen einander die Hände. Dabei ist vielleicht kein TP dabei, sondern es sind hier einfach nur normale Menschen mit Sorgen, Traurigkeit, Freude und Liebe treffen, die hier viel mehr Großzügigkeit im Umgang miteinander aufbringen, als sie es im richtigen Leben bereit wären.
Weil wir im richtigen Leben nicht mehr die Möglichkeiten haben, andere Menschen kennenzulernen. Es liegt auch am Zeitgeist. Man geht nicht mehr alleine in ein Cafe, sondern trifft sich mit dem "Freundeskreis". Aber die meisten Leute haben keinen "Freundeskreis" mehr. Die Medien, die Werbung, die Gesellschaft spielt uns aber vor, dass dies zur Norm gehört. Wer es aber nicht geschafft hat, sich ein solches Umfeld zu erhalten (was nicht immer möglich ist, mit Beruf, Kindern etc.) fühlt sich einsam und isoliert. Das Internet ist somit die einzige Möglichkeit, auch von zuhause aus, mit gleichgesinnten Menschen in Kontakt zu treten.Und ich frage mich:
Warum setzen wir uns nicht auch im richtigen Leben mit solchen Menschen auseinander? Warum "üben" Ihr nicht mal das Flirten, das Lachen, das Schimpfen, die Wut und den Ärger und das wieder vertragen? Hier geht es doch auch. Warum setzen wir uns im richtigen Leben nicht so lange mit einem anderen Menschen auseinander, bis wir wirklich beurteilen können, ob er Seiten hat, die uns gefallen (wofür auch immer)? Warum beschränken wir uns im richtigen Leben mittels Rasterfahndung und verbringen hier unsere Zeit mit Menschen, die da auch nicht reinpassen?
Darum finde ich es auch so wichtig das es Foren wie die Bricom gibt. Man ist gar nicht so allein mit seinen Sorgen, sondern es gibt ja so viele andere auch, die gleiches oder ähnliches schon erlebt haben.
Und ich finde auch: Wenn man im Chat jemanden gefunden hat der einem symphatisch ist - umgehend treffen! Nicht noch wochenlang mailen und rumspinnen. Aber da muss ich dann auch wieder gestehen, dass ich vor diesen Treffen immer grosse Angst hätte, weil ich fürchten würde, ich könnte ihm nicht gefallen. Man muss ja dem "Raster" entsprechen.
Es ist sehr schwer den Partner fürs Leben zu finden, wenn mal älter wie 18 Jahre ist.
lg mondfisch
Lg Mondfisch
Die schöne Dame auf meinem Avatar ist Madame de Montespan und sie war lange Zeit die Mätresse des Sonnenkönigs...
* * * * *
Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib Acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.
Friedrich Nietzsche
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28.05.2007, 14:55
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
Hallo @all: ein sehr interessanter Strang!
@
mondfisch,
ein ganz toller Beitrag von Dir, wie ich finde. Super auf den Punkt gebracht - die Medien spielen tatsächlich eine große Rolle, und viele Menschen bemerken gar nicht, wie sehr wir durch deren Normvorgaben infiltriert werden.
Das Internet ist in diesem Zusammenhang Fluch und Segen zugleich. Der Austausch mit Gleichgesinnten bewahrt so manchen vor der endgültigen Verzweiflung, gleichzeitig fördert die Online-Welt die Weiterentwicklung des Individualismus.
Nichtsdestotrotz handelt es sich doch bei den Menschen, denen wir im RL begegnen, und denen, die sich in Single-Börsen tummeln um dieselben Personen! Zeigt also jeder nur ein Scheinbild von sich? Oder aber seine wahre Persönlichkeit? Ist es wirklich diese schier unendliche Auswahl, die uns so kompromisslos werden lässt? Muss man zwischendrin erstmal wieder auf "herkömmlichem" Wege einen Partner kennen gelernt haben, um auf den Boden der Realität zurückzufinden?
Fragende Grüße in die virtuellen Weiten
Hayley
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28.05.2007, 15:34
AW: Erfahrungen aus dem virtuellen Leben in das reale Leben übertragen
Vllt. sollten wir anders vorgehen. Problem Nr. 1 bei diesen Internetbekanntschaften ist doch oftmals die Entfernung. Da liegen 300, 400, 500 oder noch mehr km dazwischen. Sicher, Fernbeziehungen (die früher die absolute Ausnahme waren), sind modern. Aber geht das auch wirklich immer so gut, wie uns die Gesellschaft weismachen will? Wenn Paare sich z. b. vorrübergehend aus beruflichen Gründen so weit voneinander entfernen müssen, mag das ja ok sein. Aber von vorneherein? Ich denke da müsste man schon mal als erstes ansetzen. Kein Kandidat der weiter wie 50 km weg wohnt.
Zitat von Hayley
Tja und was das Scheinbild betrifft: Ich denke mal, jeder zeigt das beste Bild von sich. Das fängt doch beim Foto an. Wenn ich einen überproportional dicken Hintern habe, schicke ich keine Ganzkörperaufnahme. Der Mann verguckt sich ergo in mein schönes Gesicht und mein wallendes Haar und kippt beim ersten Treffen vom Stuhl. (jetzt mal ganz übertrieben dargestellt!).
Oder achte doch mal auf die Berufsbezeichnungen. Hast du je schon mal von einem Metzger gelesen? Oder einem Hilfsarbeiter in der Industrie? Nein, du liesest von Angestellten, Selbstständigen, Studierten... Ja, wo sind denn die einfachen Leute? Die aus dem breiten Volk? Die gibts im Chat offenbar nicht. Nanu?!
Ja, ich denke das Internet ist eine Scheinwelt. Hier kann jeder das ausleben, was er im realen Leben nicht ist. Und wer in dieser Scheinwelt auf ehrliche Weise einen Partner sucht, wird viel viel Frust einstecken müssen und ein hartes Fell brauchen. Gerade weil es ja auch wieder modern ist zu sagen: "Mein Mann und ich haben uns im Internet kennengelernt".
Lg Mondfisch
Die schöne Dame auf meinem Avatar ist Madame de Montespan und sie war lange Zeit die Mätresse des Sonnenkönigs...
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Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib Acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.
Friedrich Nietzsche


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