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    AW: K.O.-Kriterium Therapie?

    @Fender
    Kann man "Trauerarbeit" (was ist das eigentlich?) denn selbst und alleine leisten?
    Das ist ja eben eine Frage, die nur Du selbst Dir beantworten kannst. Wenn Du selber merkst, Dir geht es immer schlechter und schlechter und Du hast selber für Dich keine neuen Denkansätze mehr, kannst Dir selber nicht mehr weiter helfen, dann kann eine Therapie sinnvoll sein
    "Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen."
    (Immanuel Kant)

  2. Inaktiver User

    AW: K.O.-Kriterium Therapie?

    Zitat Zitat von Latona
    @ Tiana Dem kann ich mich zu 100% anschließen. Selektive Offenheit lautet das Stichwort! Das bedeutet, erst mal auch Sachen unter den Tisch fallen zu lassen, die problematisch sein können, bis der Herr sich als ein Mann erweist, der damit richtig umgehen kann. Vertrauen muss man sich eben auch verdienen, das sollte man jemandem nicht einfach so nicht hinterherwerfen.
    Auch wenn ich (zwinker @ Latona ) die Sache mit dem "Vertrauen verdienen müssen" völlig anders sehe, gehe ich d´accord mit der Haltung in Sachen selektive Offenheit.

    Ich möchte erst einmal einen Kontakt ein bisschen besser einschätzen können, bevor ich wirklich ans Eingemachte gehe. Das hat nichts mit Misstrauen zu tun, sondern mit meiner Erfahrung, dass ein Kontakt erst einmal ein gewisses Fundament braucht - persönliche, gemeinsame Erfahrungen, die dabei helfen, Dinge besser einordnen zu können.

    Auf die Nase fallen kann man allerdings auch wenn man glaubt, einen Menschen gut zu kennen, und davon ausgeht, dass ein Kontakt eine gegenseitige "Vertraulichkeitsvereinbarung" beinhaltet. Dann erfährt man vielleicht irgendwann überrascht, dass Details aus dem eigenen Leben Dritten mitgeteilt wurden, und die scheinbar vertrauenswürdige Person nichts dabei findet, hämisch bei anderen abzulästern.

    Ein Risiko geht man also immer ein, entsprechend ist die selektive Offenheit sicher keine schlechte Strategie.

    Ich finde naturgemäss nicht, dass eine Therapie ein K.O. Kriterium darstellt - für mich sind es die gesündesten Menschen, die sich selbst und ihre Themen so ernst nehmen, dass sie sich an einen Fachmann oder eine Fachfrau damit wenden, wenn es brennt, aber diese Überzeugung teilt nicht jeder.

    Warum wird der körperliche Schmerz oder die Körperliche Verletzung in unserer Gesellschaft höher bewertet als seelischer Schmerz? Wenn man dann noch weiss, dass jede körperliche Erkrankung ihren seelischen Gegenpunkt hat, wird dieses Denken absurd.

    Wir könnten Milliarden an Krankenkosten für Kopfschmerztabletten und Rückenops (um nur die signifikanten Auswirkungen der seelischen Schieflage auf den Körper zu nennen) sparen, würden sich alle Menschen, die einen Druck auf der Brust = Schmerz in der Seele fühlen, zu einem Gespräch mit einem Fachmann/Fachfrau, der sie vertrauen, gehen.

    Ich weiss nicht, wie alt wir alle werden müssen, damit endlich diese unüberlegten Äusserungen *wer in die Therapie geht, hat einen Hau*; *ich schaff das auch alleine* aufhören.
    Sehr gut auf den Punkt gebracht, Lukulla!

    Es gibt Zahlen:

    Etwa jeder Vierte hat in seinem Leben an irgendeinem Punkt mit Angststörungen zu kämpfen. Nur etwa jeder Zehnte davon bekommt tatsächlich adäquate Hilfe, weil meist eine Fehldiagnose gestellt, die wahre Ursache für die "Krankheitsgefühle" nicht erkannt wird.

    Fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland erfüllen aktuell die Kriterien einer depressi ven Störung, das entspricht ca. vier Millionen Menschen. Zehn Prozent der Bundesbürger erkranken einmal oder mehrmals in ihrem Leben an einer schweren depressiven Episode. Bei vielen Erkrankten stehen körperliche Beschwerden wie Magen-, Kopf- oder Rücken schmerzen im Vordergrund. Das macht es zusammen mit der unterschiedlichen Aus prägung der psychischen Symptome oft schwer, eine Depression zu diagnostizieren. Nicht nur vom subjektiven Erleben her, sondern auch objektiv gesehen ist die Depression eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung.
    (Quelle: Kompetenznetz Depression)

    Viele Menschen haben nicht begriffen, dass es sich bei einer Depression nicht um eine Stimmungsschwankung handelt, darum, dass ein Mensch zu schwach oder unfähig wäre, mit belastenden Ereignissen umzugehen, sondern dass daran Störungen in bestimmten Stoffwechselprozessen des Hirns ursächlich beteiligt sind - auf Neurotransmitter-Ebene stimmt es vorn und hinten nicht, und das führt teilweise zu massiven gesundheitlichen Einschränkungen, die medikamentös behandelt werden könnten und müssten. Unwissenheit und Vorurteile, wie sie Fender formuliert, tragen dazu bei, dass diese Menschen sich scheuen überhaupt in Betracht zu ziehen, dass ihre Symptomatik mit der Psyche zusammen hängen könnte.

    Der bekannte BurnOut ist letzen Endes eine Form der Depression - nur klingt es halt viel wichtiger und proaktiver, wenn jemand klagt, "ausgebrannt" zu sein - immerhin liefert diese Erklärung eine Rechtfertigung gleich mit, man hat schliesslich lange viel geleistet!

    Es ist für unsere Gesundheit ein Riesenproblem, dass viel zu lange in Dichotomien gedacht wurde - hier der Körper, dort die Psyche, und dass entsprechend Wechselwirkungen auch heute noch viel zu wenig Beachtung erfahren.

    Grüssle
    Seawasp

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    AW: K.O.-Kriterium Therapie?

    Schon von klein an werden wir darauf vorbereitet, dass die Ältesten die ersten sein werden die gehen. wir Trauern und Verarbeiten und akzeptieren die Situatíon dann. Der eine etwas schneller der andere etwas langsamer. Das ist "normales" Trauern.

    Das Trauma würde da anfangen, wo irgendwo, irgendetwas Dir die normale Trauerarbeit nicht ermöglicht.

    In diesen Beispielen wäre dies nicht möglich: Die Oma würde umgebracht, Die Oma war die Hauptbezugsperson und es gäbe keinen Ersatz...usw. Man könnte nicht "normal" Trauern, da in Bsp. 1 eine Menge Wut uvm. die eigene Trauerarbeit verhindern würden oder in Bsp. 2 würde man zusätzlich noch um den Verlust der Hauptbezugsperson trauern.
    errae humanum est

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    AW: K.O.-Kriterium Therapie?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Kannst Du alleine trauern? Oder hast Du zusammen mit Deiner Mutter, Schwester, Tante, Onkel, Cousine..... getrauert? Oder hast Du gar nicht getrauert?
    Sorry, ich verstehe das nicht.
    Was heißt denn "zu trauern"? Ich war sehr traurig, innerhalb kürzester Zeit 4 sehr liebe und mir wichtige Menschen verloren zu haben. Habe ich deshalb "getrauert"? Oder war ich einfach nur "traurig"? Ist das ein Unterschied?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Haben wir dem geliebten Wesen in unserer Psyche eine Ruhestätte angeboten und in unsere Persönlichkeit übernommen,...
    Hilfe!!!!!

    Zitat Zitat von Paulinacgn
    Was heißt evtl.?
    Evtl. heißt, dass es ja Umstände geben könnte, die das fragliche Gefühl des Betruges (aka der Verarschung) nicht aufkommen lassen könnten.
    Ich schreibe dies hypothetisch, daher kann ich ja keine "Garantie" für einen Eventualfall abgeben.
    Wie ich hier (klick) schrieb, ist ein Kollege von mir über eine Single-Börse mit einer Frau zusammengekommen. Lief auch alles ganz prima, und nach einer ganzen Weile ist jetzt von Zusammenziehen die Rede.
    Sie wollte unbedingt eine große Wohnung, und erst bei der Besichtigung (!) der ersten 4-Zimmer-Wohnung, auf seine Nachfrage, wofür sie denn eigentlich so viel Platz bräuchte, kam heraus, dass 2 Kinderzimmer für die beiden Kleinen benötigt werden. Außerdem - wo man gerade dabei war - stellte sich heraus, dass sie etliche Jahre älter war, als angegeben...


    Ich würde in meiner jetzigen Situation sagen, dass ich dieses Verhalten der Frau als Vertrauensbruch, Lüge und Betrug empfände, und so keine Beziehung beginnen könnte.
    Aber wer weiß, wie es aussähe, wäre ich an der Stelle des Kollegen?!
    Frauen sind nicht kompliziert. Sie wollen einfach nur geliebt werden.
    Und tolle Überraschungen. Und Schuhe. Und Schmuck.
    Und andere Dinge, die man erraten muss.

  5. Inaktiver User

    AW: K.O.-Kriterium Therapie?

    Fender... Es mag sogar Menschen geben, die nicht einmal sexueller Mißbrauch traumatisiert. Mir sind noch keine begegnet. Die, die eine Therapie machen, fangen im besten Falle irgendwann wieder an zu leben und zu lieben. Die, die es nicht tun, wissen womöglich ein ganzes Leben lang nicht, warum es weder mit dem Leben noch der Liebe klappt...

    Dagegen - wurde ein Mensch gut auf das Leben vorbereitet und das scheint bei Dir der Fall zu sein, dann wird er mit Verlusten - sei es wie bei Dir durch Tod aber auch durch Trennung etc. - besser oder vielleicht sogar sehr gut alleine fertig.

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    AW: K.O.-Kriterium Therapie?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Fender... Es mag sogar Menschen geben, die nicht einmal sexueller Mißbrauch traumatisiert. Mir sind noch keine begegnet. Die, die eine Therapie machen, fangen im besten Falle irgendwann wieder an zu leben und zu lieben. Die, die es nicht tun, wissen womöglich ein ganzes Leben lang nicht, warum es weder mit dem Leben noch der Liebe klappt...

    Dagegen - wurde ein Mensch gut auf das Leben vorbereitet und das scheint bei Dir der Fall zu sein, dann wird er mit Verlusten - sei es wie bei Dir durch Tod aber auch durch Trennung etc. - besser oder vielleicht sogar sehr gut alleine fertig.
    Sehr gut beschrieben!
    Fender, traurig kann ich sein, weil vielleicht ein Geschäft nicht geklappt hat...Trauer, richtig tief empfundene Trauer geht meines Erachtens nach tiefer. Die Bewältigung von Trauer kann sehr lange dauern, eine gewisse Traurigkeit, die kann sich schnell verflüchtigen...Ich kann auch einfach nur so traurig sein, ohne zu trauern.

    Und Nathaliethor hat Dich eigentlich darauf angesprochen, ob Du in dieser für Dich schweren Zeit alleine warst oder Dir liebe Menschen zur Seite standen.

    Gruß Bienie
    Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
    22.06.06 "Bienie" , 04.04.11 "King" , 24.05.17 "Raica" 29.09.21 "Pirry"

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