Liebe Hilde,Zitat von Hildegard_K
Du machst mich ganz verlegen....Aber ich arbeite tatsächlich gerade an mir, weil ich das Gefühl und die Gedanken von Dir sehr gut nachvollziehen kann.
Je mehr Optimismus ein Mensch ausstrahlt, umso mehr kommt auch von seiner Umgebung zurück (hast Du mal das Buch gelesen: Bestellungen ans Universum von Bärbel Mohr?)...
Ich selbst habe mich zu lange von Äußerlichkeiten blenden lassen und bin dann ziemlich selbstsicher auf der Nase gelandet. Tiefer schauen, gut schauen, zuhören oder lesen - da liest Du aus manchen Texten innere Schönheiten heraus, wie man/frau sie wohl auf der Straße oder der Disco so schnell nicht findet. Ich meine auch keine Partnervermittlungen....Aber dazu habe ich Dir eine PN geschickt.
Du hast recht - wer ist schon angstfrei? Ich bestimmt nicht, aber ich lerne gerade, mich selbst einfach als "selbstverständlicher " anzunehmen, das Glück und die Freude in kleinen Dingen zu suchen und auch zu finden.
Gut, vermutlich wird Dir das bei Zahnschmerzen heute verdammt schwer fallen! Lasse Dein Gebiß richten, damit Du bald wieder um die Wette strahlen kannst![]()
Im Beruf lerne ich auch viele Männer kennen - aber da ist Distanz angesagt, das bringt die Position mit sich und ist auch nicht sooo gut.
Du kannst es schaffen Hilde! Mache den Badeurlaub!
Liebe Grüße...Bienie![]()
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Thema: Körperliche Normabweichungen
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11.05.2007, 21:00
AW: Körperliche Normabweichungen
Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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12.05.2007, 13:07
AW: Körperliche Normabweichungen
Das wäre aber nicht so, wenn du deine Beine als zu dir gehörig akzeptieren könntest. Dazu mußt du erst mal hinderlichen Ballast loswerden, der nicht zu dir gehört:
Zitat von Hildegard_K
Die Ursachen für deine psychischen Wunden sind nicht deine Beine, sondern die Unfallfolgen und die Dummköpfe, die danach nochmal über dich drübergefahren sind. Um zu verhindern, daß das nochmal passiert, brauchst du aber nichts zu verstecken, es reicht, wenn du die Dummköpfe nicht an dich heranläßt.
"Perfektion" ist weder erforderlich noch hinreichend für erotische Anziehung. Die Werbung erweckt natürlich diesen Eindruck, damit möglichst viele Leute Geld für Hochglanzmagazine und Hautcremes ausgeben. Menschen mit Narben oder anderen vermeintlichen Schönheitsfehlern können auf andere Menschen sehr erotisch wirken, das gilt auch für dich, wie du ja aus eigener Erfahrung weißt. "Perfektion" wäre ein Fluch, denn andere Menschen haben auch ihre Selbstzweifel und Nähe entsteht nur, wenn man das persönlich nachvollziehen kann.
Wenn du dich mit deinem Körper angefreundet hast, dann kannst du dich ins Leben stürzen und deinen Schatz aus positiven Erlebnissen vergrößern, und wenn der groß genug ist, dann schaffst du es auch, deinen Körper zu lieben.
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12.05.2007, 19:38
AW: Körperliche Normabweichungen
Hallo Heureka,
Du meinst, du hast nur ein Thema? So war das nämlich bei besagtem Mann. Er erzählte mir immer nur von dem Sohn des ehemaligen Bürgermeisters dieselbe Geschichte.
Zitat von Heureka
Öm, nein???Merkst Du, dass Du Dir selbst widersprichst?
Hab mir jahrelang eingeredet, dass ich ja eh mehr so der Bildungstourityp sei. Museen, Theater, Schlossgärten und so. Stimmt aber nicht. Das sind alles nur faule Ausreden.Das ist nicht schade, dass ist ENTSETZLICH!
Scheiß drauf, ob Dich die Männer am Strand sexy finden oder nicht. Ein Badeurlaub ist mit Abstand (!!) die tollste Art Urlaub zu machen!
Dass ich darauf so bedacht bin, hängt wohl am ehesten damit zusammen, dass ich in Teenagerzeiten überhaupt nicht als weibliches Wesen wahrgenommen wurde. Ganz im Gegenteil gab es sogar einen Sack voll Häme, weil ich zumindest bis zu meinem 15. Lebensjahr auch noch ziemlich füllig war. Die Häme hörte auf, als ich abnahm. Die Leute wurden freundlicher, als ich, wie man so schön sagt, etwas aus mir zu `machen´ begann. Und so legte ich in meinem Oberstübchen folgende Datei an: "gut aussehen = besseres Leben, fast Unverwundbarkeit". Völlig falsch ist das nicht, oder? Ich hab eben auch das totale Gegenteil erlebt, und das waren definitiv keine guten Zeiten. Dahin möchte ich nicht zurück. Klar, wir sind jetzt alle erwachsen, und Erwachsene pöbeln andere Erwachsene in der Regel nicht frontal an, aber Häme gibt es da auch. Sie ist subtiler, darum aber nicht weniger effektiv. Ich reagiere darauf, indem ich mich durch ein möglichst gutes Aussehen schütze. Und was den Ausdruck `sexy´ angeht, kann ich in dieselbe Richtung argumentieren. Es tat weh, als Teenager von den Jungs nicht als Mädchen wahrgenommen zu werden. Es tat weh zu hören, dass die ersten Dates stattfanden. Ich wusste, dass ich weit davon entfernt war. Als meine ersten Dates mit 20, 21 anfingen, hatte ich mich zwar optisch deutlich gewandelt, konnte aber mit den Männern nichts anfangen. Ich beließ es bei einem Date, wich weiteren Treffen aus, war am Telefon nicht erreichbar. Das Ganze war für mich enorm angstbesetzt. Ich hab dann ein Jahrzehnt lang Schneckenschritte auf sie zugemacht und zwischendurch mal die bereits erwähnten Aussetzer unter Alkoholeinfluss gehabt. Angst aus Erfahrung ist der Tod jeder Beziehungsanbahnung. Ich kann nicht aus meiner Haut, könnte man sagen.Liebe Hilde *ernsthaft ins Gewissen red*, hör auf, ständig sexy sein zu müssen. Das ist nämlich gar nicht nötig. Du kannst sexy sein, wenn Du abends auf die Rassel gehst und nur mit Beute heimkommen willst. Den Rest der Zeit sei bitte einfach MENSCH. Und genieße Dein Leben.
Es ist ja nicht so, dass ich auf Männerfang wäre. Ganz im Gegenteil gehe ich Männern sogar aus dem Weg. Ich bin am Wochenende nicht auf der Piste.Geh ins Meer schwimmen (ich sag Dir: das ist unvergleichlich toll) und mach mal 2 Wochen Pause vom Männerfang. Wenn Du mit einer solchen Einstellung rangehst, bist Du auch nicht enttäuscht, wenn Du wirklich keinen kennen lernst.
Schwimmen gehen will ich ja mal. Das kann ich mir schon vorstellen. Irgendwo, wo mich keiner kennt, kann es mir egal sein, wer mich wie anguckt. Das könnte ein guter Anfang werden.
Danke dir!
LG Hilde
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12.05.2007, 20:00
AW: Körperliche Normabweichungen
Hallo Bienie,
Nein. Ich habe es mal in der Hand gehabt.Je mehr Optimismus ein Mensch ausstrahlt, umso mehr kommt auch von seiner Umgebung zurück (hast Du mal das Buch gelesen: Bestellungen ans Universum von Bärbel Mohr?)...
Werde ich mir gleich angucken.Ich selbst habe mich zu lange von Äußerlichkeiten blenden lassen und bin dann ziemlich selbstsicher auf der Nase gelandet. Tiefer schauen, gut schauen, zuhören oder lesen - da liest Du aus manchen Texten innere Schönheiten heraus, wie man/frau sie wohl auf der Straße oder der Disco so schnell nicht findet. Ich meine auch keine Partnervermittlungen....Aber dazu habe ich Dir eine PN geschickt.
Es gibt Phasen, in denen ich mich ebenfalls so verhalte. Dann merke ich aber bald, dass diese Bemühungen kein Fundament haben. Vielmehr eigne ich mir dann die Rhetorik irgendeines Ab-heute-liebe-ich-mich-selbst-Ratgeberschinkens an. Das ist nur für kurze Zeit tragfähig. Dass es so ist, tritt am deutlichsten zu Tage, wenn ich mich wieder einmal umsonst für einen Mann interessiert habe. Dann bin ich erst einmal wieder ganz klein mit Hut.Du hast recht - wer ist schon angstfrei? Ich bestimmt nicht, aber ich lerne gerade, mich selbst einfach als "selbstverständlicher " anzunehmen, das Glück und die Freude in kleinen Dingen zu suchen und auch zu finden.
Das wird am Dienstag geschehen. Es ist aber gar nicht so schlimm. Ich darf halt nur keine allzu harten Sachen essen.Gut, vermutlich wird Dir das bei Zahnschmerzen heute verdammt schwer fallen! Lasse Dein Gebiß richten, damit Du bald wieder um die Wette strahlen kannst
Also, der letzte Mann, in den ich mich verguckt habe, war ein Kollege. Aber der war halt nicht nur ein Kollege sondern zu allem Überfluss auch noch liiert. Was sollte ich mit dem also?Im Beruf lerne ich auch viele Männer kennen - aber da ist Distanz angesagt, das bringt die Position mit sich und ist auch nicht sooo gut.
Ansonsten gibt es zum Thema `Liebe am Arbeitsplatz´ zwei Ansichten: Don´t fuck the company einerseits, andererseits die statistische Tatsache, dass sich die meisten Paare am Arbeitsplatz finden. Ich kann mir derzeit nur schlecht vorstellen, etwas mit einem Kollegen anzufangen, weil ich es unangenehm fände, ihm noch ständig über den Weg laufen zu müssen, wenn es nicht klappte. Andererseits denke ich mir, warum ich mir diese doch wohl für so viele Leute äußerst gute Chance nehmen sollte?!? Das passte ja mal wieder zu meiner Bindungsphobie.
Ich werde es tun!Du kannst es schaffen Hilde! Mache den Badeurlaub!
LG Hilde
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12.05.2007, 20:07Inaktiver User
AW: Körperliche Normabweichungen
Liebe Hildegard,
Zitat von Hildegard_K
lass dich nicht von solchen Dumpfbacken nerven! Ich habe auch Unfallnarben, die auch auffällig und lang sind, aber deswegen hat mich noch keiner schief angeguckt. Ehrlich gesagt, vergesse ich die auch meistens. Nur wenn ich jemanden neu kennengelernt hatte und es das erste Mal auf Tuchfühlung ging, habe ich das angesprochen. Ich habe das immer liebevoll den "Huch-Effekt" genannt.
Zum Glück habe ich aber auch nie eine so fiese Reaktion gekriegt wie du. Mein Selbstbewusstsein scheint -jedenfalls der Narben wegen- nicht sonderlich angeknackst zu sein. Ich stehe zu ihnen und die dazugehörige Geschichte ist ein Teil meines Lebens. Vor allem bin ich froh, dass ich diesen Unfall überlebt habe! Im Übrigen bin ich leider inzwischen nicht mehr ganz so knackig. DAS ist mir wesentlich unangenehmer als die Narben, aber auch das quält mich nur mittelmäßig.
Mir ging es schon oft so, dass ich im Bikini im Schwimmbad herumgelaufen bin (habe die größte Narbe auf dem Bauch) und irgendwann dachte: Hä, wieso gucken die Leute mich so irritiert an? Bis mir einfiel: Ach, die sehen meine Bauchnarbe. Das hat mich dann eher zum Schmunzeln gebracht.
So, ich hoffe, ich habe dir jetzt ein wenig Mut gemacht!

PS: Ich habe mich auch schonmal scherzhaft als "Scarbody" (in Analogie zu Scarface) bezeichnet. Hey, sei stolz auf deine Narben, denn sie erzählen eine Geschichte!Geändert von Inaktiver User (12.05.2007 um 20:11 Uhr)
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12.05.2007, 20:38Inaktiver User
AW: Körperliche Normabweichungen
Nee, das ist eine Frage des individuellen Wohlgefühls, jedenfalls bei einigen.
Zitat von Hildegard_K
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12.05.2007, 20:42Inaktiver User
AW: Körperliche Normabweichungen
Leg doch mal einen anderen Film ein:
Zitat von Hildegard_K
A - Der Mann sieht/fühlt die Narbe und fragt interessiert und mitfühlend, wie du die bekommen hast.
B - Der Mann sieht/fühlt die Narbe und kümmert sich nicht weiter drum, weil er sie als normal und gegeben wahrnimmt.
C - Der Mann sieht/fühlt die Narbe und fährt voll darauf ab. Er findet sie erotisch und will sie gerne mal küssen. (Nein, kein Perverser
)
A und B sind die Varianten, die mir tatsächlich passiert sind!
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12.05.2007, 20:42
AW: Körperliche Normabweichungen
Hallo Glaux
,
Nach dem Unfall war alles anders. Ich habe noch einige Vorher-nachher-Photos. Auf den Vorher-Photos habe ich meistens ein breites Grinsen im Gesicht hängen, auf den Nachher-Photos wirke ich häufig ängstlich oder ärgerlich. Es wurden damals viele Katastrophen-Reden geschwungen, und zwar sowohl aus dem familiären als auch aus dem nachbarschaftlichen Umfeld. Dass ich nach wie vor alles schaffen könnte, stand nicht zur Debatte. Ich habe mich dann auf meinen Intellekt zurückgezogen.Das wäre aber nicht so, wenn du deine Beine als zu dir gehörig akzeptieren könntest. Dazu mußt du erst mal hinderlichen Ballast loswerden, der nicht zu dir gehört:
Die Ursachen für deine psychischen Wunden sind nicht deine Beine, sondern die Unfallfolgen und die Dummköpfe, die danach nochmal über dich drübergefahren sind. Um zu verhindern, daß das nochmal passiert, brauchst du aber nichts zu verstecken, es reicht, wenn du die Dummköpfe nicht an dich heranläßt.
Ich bin nun 31 und sollte es besser wissen. Wenn ich noch nicht weiter bin, dann weil mir diese Lerngeschichte im Nacken sitzt. Mir ist bewusst, welche Glaubenssätze ich internalisiert habe. Sie sind leider immer noch mächtiger, weil ich keine positiven Gegenerfahrungen zulasse. Angst ist da der entscheidende Faktor. Da kann ich wohl nur das Fazit Entes einsetzen: Move your ass and your mind will follow. Das ist schwer!
Heute habe ich mal spaßeshalber einen Ausflug in das BriCom-Heiratsforum gemacht. Da fragen sich Frauen Dinge wie: "An welcher Hand trägt man eigentlich den Ehering?" Und dann denke ich mir: "Mein Gott, für andere ist das Leben so einfach. Ich wünschte, mich würden solche Fragen plagen." Denke ich da zu einseitig? Es sollte mal ein wenig einfacher werden, das liebe Leben. Ich will nicht ständig kämpfen, überwinden, draufhalten ...
Davon habe ich wirklich erstmals hier etwas gehört! Ich kannte bislang nur Aussagen der Art "Er/sie hat den Makel X, aber es macht mir gar nichts aus." Was du meinst, ist sind ja positive Assoziationen mit körperlichen Abweichungen. In meinem Umfeld versuchen die Leute sich an der Vertuschung körperlicher Abweichungen - sei es nun das Gewicht, die Akne oder die Narbe."Perfektion" ist weder erforderlich noch hinreichend für erotische Anziehung. Die Werbung erweckt natürlich diesen Eindruck, damit möglichst viele Leute Geld für Hochglanzmagazine und Hautcremes ausgeben. Menschen mit Narben oder anderen vermeintlichen Schönheitsfehlern können auf andere Menschen sehr erotisch wirken, das gilt auch für dich, wie du ja aus eigener Erfahrung weißt. "Perfektion" wäre ein Fluch, denn andere Menschen haben auch ihre Selbstzweifel und Nähe entsteht nur, wenn man das persönlich nachvollziehen kann.
Es war für mich schon ein großer Schritt, meinen Körper bzw. insbesondere meine Beine als sportfähig zu erleben. Die Erleuchtung kam vor 3 Jahren über mich. Mittlerweile habe ich überall dort, wo an meinen Beinen noch Muskeln sein können, tatsächlich auch Muskeln ausgebildet. Das erfüllt mich wirklich mit Stolz. Es ist aber natürlich noch zu einseitig. Es fehlt da eine innere Ruhe, eine Akzeptanz, die auch dann vorhanden wäre, wenn ich vielleicht sogar den größten Schwabbel an den Beinen hängen hätte.Wenn du dich mit deinem Körper angefreundet hast, dann kannst du dich ins Leben stürzen und deinen Schatz aus positiven Erlebnissen vergrößern, und wenn der groß genug ist, dann schaffst du es auch, deinen Körper zu lieben.
Seinen Körper zu lieben fällt, so weit ich weiß, statistisch nur einer Minderheit zu. Zwischen `seinen Körper lieben ´ und `seinen Körper ablehnen´ gibt es aber zig Abstufungen, und mir wäre schon damit gedient, wenn ich mich ins Mittelfeld bewegen könnte.
LG Hilde
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12.05.2007, 22:04Inaktiver User
AW: Körperliche Normabweichungen
Zitat von Hildegard_K
Wie grausam!
Aber: Du nennst da doch einen guten Ansatzpunkt: Dein Vater hatte diesbezüglich ein Problem mit dir, doch das lässt absolut keine Rückschlüsse auf die Allgemeinheit der Männer zu! Gib ihm diesen fiesen Ausdruck zurück!
Mannomann, wie übel manche Eltern ihren Kindern mit solchen Aussagen mitspielen...
Eine Bekannte hatte da eine relativ humorvolle Lösung bezüglich ihrer eigenen Kinder, wenn sie Mist gemacht hat: "Oha, das waren wieder 5 Euro für die Therapiekasse."
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12.05.2007, 22:06
AW: Körperliche Normabweichungen
Hallo Salsera,
Du hast das jeweils vor dem ersten Sex erzählt? So interpretiere ich jetzt den Ausdruck `Tuchfühlung´.lass dich nicht von solchen Dumpfbacken nerven! Ich habe auch Unfallnarben, die auch auffällig und lang sind, aber deswegen hat mich noch keiner schief angeguckt. Ehrlich gesagt, vergesse ich die auch meistens. Nur wenn ich jemanden neu kennengelernt hatte und es das erste Mal auf Tuchfühlung ging, habe ich das angesprochen. Ich habe das immer liebevoll den "Huch-Effekt" genannt.
Was ich bislang noch nicht so deutlich gemacht habe: Ich glaube, dass es da einen ganz blöden Regelkreislauf gibt. Ich vergleiche das jetzt mal mit einer Erfahrung, von der mir mein Vater immer wieder erzählt: Mein Vater ist viel mit dem Rad unterwegs. Dabei kommen ihm ständig Jugendliche entgegen, denen es völlig wurscht zu sein scheint, ob sie nun auf der falschen Seite fahren oder nicht. Sie halten einfach drauf und rechnen damit, dass mein Vater ausweicht. Das macht er dann auch und regt sich darüber jedesmal auf. So, nun meine Version: Ich bin viel mit dem Rad unterwegs. Dabei kommen mir häufig Jugendliche und andere Leute entgegen, denen es völlig wurscht zu sein scheint, ob sie nun auf der falschen Seite fahren oder nicht. Das wiederum ist mir ziemlich wurscht. Ich richte meinen Blick fest nach vorne und gebe via Körperhaltung zu verstehen, dass ich nicht diejenige sein werde, die jetzt eine Zirkusnummer hinlegen und ausweichen wird (Klar, für den Notfall halte ich etwas Abstand, aber eben nur dafür). Nur in den seltensten Fällen musste ich bislang ausweichen.Zum Glück habe ich aber auch nie eine so fiese Reaktion gekriegt wie du. Mein Selbstbewusstsein scheint -jedenfalls der Narben wegen- nicht sonderlich angeknackst zu sein. Ich stehe zu ihnen und die dazugehörige Geschichte ist ein Teil meines Lebens. Vor allem bin ich froh, dass ich diesen Unfall überlebt habe!
Was ich damit sagen will: Man erlebt, was man erwartet. Ich erwarte Ablehnung, weil ich wirklich schon abgelehnt wurde. Du erwartest keine Ablehnung, weil du nicht abgelehnt wurdest. In der Liebe gehe ich so vor wie mein Vater auf dem Rad. Was mir hier mehrheitlich geraten wird, ist das, was ich auf dem Rad mache und mein Vater nicht fertig bringt: Ich soll meinen Blick fest nach vorne richten, mich nicht beirren lassen, meine Rechte wahrnehmen.
So, ich hoffe, ich habe dir jetzt ein wenig Mut gemacht!
Das erinnert mich jetzt an ein Argument, das Schauspielerinnen häufig in Interviews verwenden, in denen sie nach Schönheits-OPs gefragt werden. "Die Falten erzählen meine Geschichte. Die gehören zu mir."PS: Ich habe mich auch schonmal scherzhaft als "Scarbody" (in Analogie zu Scarface) bezeichnet. Hey, sei stolz auf deine Narben, denn sie erzählen eine Geschichte!
LG Hilde


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