Liebe BricommlerInnen!
Vor einigen Monaten habe ich (39)einen wirklich merkwürdigen Mann (37) kennengelernt. Deutlich angeschickert und mit dem festen Vorsatz, diese Nacht nicht alleine zu verbringen, pflückte ich mir den Guten vom Thresen. Die Nacht war prima, ich liess anstandshalber meine Telefonnummer da, ging aber davon aus, dass da ein One-Night-Stand ohne weiteren Kontakt stattgefunden hat. Er sagte, er will anrufen.
Zwei Tage später kriegte ich die erste SMS, die hab ich brav beantwortet. Weil ich die Kommunikation per SMS abgrundtief hasse, rief ich ihn dann bei einem nächsten Kontaktversuch per SMS unmittelbar an und er ging nicht ran.
Wenige Tage später klingelt dann doch mein Handy, er ist dran und sagt ausser "Hallo, ich bins, wie gehts dir", dies deutlich lallend, einfach mal gar nichts mehr. Schwieg, während ich alles mögliche in den Hörer plapperte und zwischendurch sogar mal ein Liedchen sang. Irgendwann wurde es mir zu doof und ich legte auf. Prompt klingelts wieder, das ganze von vorne. Kein Ton von ihm, Hintergrundgeräusche, eindeutig Kneipe, ich plappere, um ihn zu einer Wortmeldung zu bewegen. Aufgelegt. Wieder klingelts...
Nach dem fünften Anruf hab ich mein Handy ausgemacht und da ging es auf dem Festnetz weiter. Ich hab dann schlicht verlangt, an den Kneipenwirt weitergereicht zu werden, den ich bat, seinem sprachlosen Gast doch mal einen ordentlichen Kaffee zu kochen. Dann hatte ich erst mal Ruhe.
Drei Stunden später rief er nochmal an, entschuldigte sich, sagte er hätte sich nicht getraut, mich anzurufen, hätte sich Mut antrinken müssen, um mir sagen zu können, das er mich unbedingt wiedersehen wolle. Ich schlug vor, das er sich einfach am nächsten Tag und nüchtern noch mal melden solle.
Wir sahen uns danach einige Male, hauptsächlich um miteinander in die Kiste zu fallen und die nächsten 18 Stunden nicht mehr aufzustehen. Da gab es herrausragend guten Sex und Dauerumarmungen, er bat mich um grösstmögliche Nähe, wollte mich nie mehr weglassen und am besten gleich behalten. So Sprüche halt.
Aber dieser Mann ist ganz offensichtlich nicht zu normalem Kommunikationsverhalten fähig. Er ruft nicht an, er geht nicht ran, ausschliesslich SMS.
Kommt er in die Kneipe und ich sitz schon da, werde ich demonstrativ auf den Mund geküsst und mit Beschlag belegt (und nach Möglichkeit abgeschleppt), komme ich mit (männlichen) Freunden rein, gibt es Eifersüchteleien.
Ich kenne einen Teil seiner Freunde und seine WG, alle wünschen sich für ihn, das aus uns "was werden" möge. Eins der ersten Dates kam nur zustande, weil ein Freund ihm das Telefon abnahm, als er gerade ziemlich rumeierte und nicht sagen konnte, was er will, und an seiner Stelle was vereinbarte.
Ich habe versucht rauszukriegen, was eigentlich los ist mit ihm, und er erzählte von Ängsten, vor Verletzung und Verlust.
Es gibt lange Kommunikationspausen, in denen ich das Gefühl hatte, das ich in seiner Welt gar nicht existiere. Die längste dauerte zwei Monate, die hatte allerdings ich mir ausgebeten, weil ich das Nicht-Kommunikationsverhalten als eine Art Machtspiel empfunden habe und mich davon nicht verrückt machen lassen wollte.
Ich brauche gerade keine Beziehung und habe ihm das auch so gesagt. Ich habe mich vor einem halben Jahr erst getrennt, leide nicht mehr unter der Trennung, habe aber nicht so richtig das Bedürfnis nach einem Neuanfang.
Jetzt läuft das ganze nach einer durch mich initiierten Aussprache als Affäre, ich blocke konsequent alles was in Richtung "behaltenwollen" u.ä. von ihm kommt, und ich habe das Gefühl, dass er damit auch nicht so richtig zufrieden ist. Und ich? Bin relativ gelassen in der Sache, aber manchmal beschleicht mich so ein "schade eigentlich"-Gefühl.
Würdet ihr was tun? Und was?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 12
Thema: Schade eigentlich
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13.03.2007, 10:58
Schade eigentlich
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13.03.2007, 11:10Inaktiver User
AW: Schade eigentlich
Als Alkoholiker-Beziehungsgeschädigte würde ich jeder Frau nur raten, die Finger von einem Mann zu lassen, der nur unter erheblichem Alkoholeinfluss imstande zu sein scheint, aus sich raus zu gehen bzw. überhaupt von sich hören zu lassen. Und ich denke, daran wird sich nix ändern.
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13.03.2007, 12:02Inaktiver User
AW: Schade eigentlich
nein, ich würde nichts tun. Du kannst es auf dem Weg weiter laufen lassen und das "schade" als "schade" stehen lassen. Schade...dass der Mann nicht mehr hergibt....schade, dass er so viel Alkohol trinkt....schade, dass er den Alkohol braucht (?).
Zitat von posterestante
"Schade eigentlich" passt doch zu Deiner Einschätzung und zu Deinen Gefühlen. Laß es stehen.
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13.03.2007, 12:24Inaktiver User
AW: Schade eigentlich
Hallo Postesterante,
alle Süchtigen haben Geschichten von Verletzung, Verlust, Angst und Scham hinter sich - aber du kannst keinen Süchtigen retten. Mit nix. Nicht mit Liebe, nicht mit Tipps, mit gar nix.
Nicht, dass das keine liebenswerten Menschen wären - aber sie machen ihre Umgebung auf Dauer verrückt.
Joanna hat recht: du wirst Schaden erleiden.
Pass auf dich auf.
Liebe Grüsse
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13.03.2007, 12:49
AW: Schade eigentlich
@Joanna
Diesen Gedanken hatte ich am Anfang auch, und ich habe mir sein Trinkverhalten mal genauer angesehen. Unter der Woche trinkt er keinen Alkohol, auch nicht wenn er allein zu Hause ist. Das geht rein jobtechnisch auch kaum.
Wenn er aber mal zulangt, dann eben so richtig. Manchmal findet er kein Ende, aber nicht immer. Es gibt Situationen, wo er sich vorsätzlich und systematisch abfüllt, er will betrunken werden.
Er verträgt nicht allzuviel, nach Gewöhnung an grosse Mengen Alkohol sieht mir das erst mal nicht aus.
Er wirkte am Anfang total verunsichert, wenn wir uns irgendwo getroffen haben. Plaudert munter mit allen möglichen Männern und Frauen, komm ich dazu, fängt er an zu stammeln.
Ich bin ziemlich kontaktfreudig und offen, beginne Gespräche mit wildfremden Menschen, argumentiere selbstbewusst und schlagfertig und wirke auf die Leute sehr sicher.
Mitunter reagieren Männer mit ziemlicher Aggressivität auf mein Auftreten.
Von diesem Mann höre ich oft, das er mich "frech" findet, ich nehme das immer als Kompliment, glaube aber nicht, das er es wirklich so meint.
Wenn wir allein sind, hat er oft Angst vor Gespächspausen. Er erzählt dann hektisch drauf los, als wäre er verpflichtet, mich zu unterhalten. Ich sage ihm dann klar, das er das nicht ist.
Nach den letzten Treffen, und insbesondere seit ich ihm klargemacht habe, dass ich das ganze als Affäre sehe und auch nicht mehr versuche, zwischendrin mit ihm Kontakt aufzunehmen, ist er etwas sicherer geworden.
Von einem kleinen gemeinsamen Ausflug mit mir kam er so offensichtlich entspannt zurück, das er von Freunden daraufhin angesprochen wurde.
Irgendwie werd ich nicht schlau aus der Geschichte.
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13.03.2007, 14:31Inaktiver User
AW: Schade eigentlich
wenn die Leber nach jahrelangem Besaufen erstmal hin ist, baut sie den Alkohol nicht mehr so gut ab und die frühere Gewöhnung ist dahin. Dann verträgt auch der ehemalige Kampftrinker nichts...
Zitat von posterestante
wenn er zwischen nüchtern und volltrunken nichts kennt, ist das nicht unproblematisch
und offensichtlich braucht er die Enthemmung durch den Alkohol
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13.03.2007, 15:08
AW: Schade eigentlich
@all
Ich sehe, in das Alkoholthema muss ich mich erst mal reinlesen, hatte dieses Problem zum Glück noch nicht. Da habt ihr mich jetzt sensibilisiert und da werde ich auch genau hinschauen.
Wie lange er das schon so macht, weiss ich nicht.
Aber es stimmt auf jedem Fall, dass er die Wirkung des Alkohols benutzt, um seine Schüchternheit zu überwinden.
Zu Denken gegeben hat mir auch die Formulierung im ersten Posting von Miss Dashwood ...Schade-das der Mann nicht mehr hergibt...
Es ist schon so, das ganze Bereiche seines Lebens für mich unsichtbar bleiben. Das fände ich gar nicht so problematisch, ist ja nur ne Affäre, aber manchmal stösst mir schon auf, das ich im Gegenzug mit meinen ganzen "guten Gaben" gegen die Wand laufe. Die werden - ausgenommen auf der sexuellen Ebene - gar nicht zur Kenntnis genommen bzw. eher abgewertet, vielleicht ist es das, was hinter diesem "ich finde dich frech" steht.
Danke, dass ihr mich zu diesen Gedanken gebracht habt...
@Evemie ich bin zum Glück ziemlich gut im auf mich aufpassen
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13.03.2007, 15:27
AW: Schade eigentlich
Posterestante, am Schluss deines Berichtes fragst du
Möchtest du eine ganz ehrliche Antwort?
Zitat von posterestante
Wenn ich an deiner Stelle wäre, ich würde von diesem Mann NICHTS wollen, gar nichts, auch keinen Sex, und selbst wenn er (also der Sex) noch so phänomenal wäre.
Das musst du jetzt nicht annehmen, aber du fragst ja nach anderen Meinungen
Ich wundere mich eher, dass du das schon einige Monate so mitmachst.
Ein Mann, der zu keinem normalen Kommunikationsverhalten in der Lage ist (deine Worte ...) - ja was willst du denn mit dem?
Wie muss man sich das denn vorstellen? Ihr werdet ja nicht nur telefonieren, sondern vielleicht auch mal "in natura" miteinander reden, oder? Wie sind eure Gespräche? Fühlst du dich von ihm gesehen, als Mensch? Oder redet er nur irgendwas, um seine Unsicherheit nicht zu spüren?
Nach deinen Schilderungen habe ich ganz stark den Eindruck, dass du es mit einem Menschen zu tun hat, der schwerwiegende psychische Probleme mit sich herumträgt. Sein Alkoholproblem dürfte nur ein Teil davon sein.
Der Wunsch seiner Freunde, dass es mit euch "was werden möge" ist verständlich - dann gäbe es jemanden, die sich für ihn verantwortlich fühlen würde
was die Freunde natürlich entlasten würde.
Aber: willst du das? Die Mama- oder Therapeutinnenrolle für einen erwachsenen Mann übernehmen?
Wenn du dir eine Affäre mit diesem Mann vorstellen kannst, nur zu ... ich denke nur, er wird wohl immer mehr wollen .. seine Eifersüchteleien, sobald Freunde um dich rum sind, zeigen das ja deutlich.
Zitat von posterestante
Viel Glück!
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13.03.2007, 19:28
AW: Schade eigentlich
[
Gelöscht wegen Zitierunfall, später neu
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13.03.2007, 22:09
AW: Schade eigentlich
Liebe Analuisa!
Zitat von Analuisa
Ich sehe es nicht so drastisch wie du. Aber ich danke dir für deine ehrlichen und auch drastischen Worte. Natürlich denke ich momentan gerade über die Perspektiven und auch eventuelle Folgen dieser Geschichte nach.
Das passt zu meiner gegenwärtigen Lebensituation. Ich habe mich vor einem guten halben Jahr sehr plötzlich aus einer bis dahin gut laufenden Beziehung mit einem Mann, der zwei Kinder aus erster Beziehung hat, getrennt. Wenn ich mich im Strang über "gebrauchte Männer" umsehe, finde ich mich in einigem, was kinderlose Frauen, die einen Partner mit Kindern haben,berichten, durchaus wieder. Fakt ist, das frau in eine solche Beziehung deutlich mehr "investiert", als in eine Beziehung mit einem kinderlosen Mann. Und frau verliert auch mehr bei einer Trennung, insbesondere, wenn das Verhältnis zu den Kindern gut war.
Zitat von Analuisa
Mir fehlt momentan einfach die Kraft und die Lust, eine richtige Beziehung, einen Neuanfang in dieser Hinsicht, zu gestalten.
Das wird sich auch wieder ändern, und jetzt ist halt mal die Zeit, in der ich mich mit so merkwürdigen Leuten verzettele. Nichtsdestotrotz denke ich intensiv darüber nach, was mir da gerade begegnet.
Er ist nur mit mir zu keinem normalen Kommunikationsverhalten in der Lage. In seinem Freundeskreis ist er selbstsicher, witzig und fast eloquent. Seine Freunde erleben ihn so, wie er mit mir kommuniziert nur, wenn er in ihrer Gegenwart versucht, mich anzurufen oder wenn ich in seiner Umgebung auftauche.
Zitat von Analuisa
Telefonieren geht so gut wie gar nicht. Wenn wir uns in natura treffen, ist er unsicher und braucht ne ganze Weile, um ruhiger zu werden. Dann redet er tatsächlich seine Unsicherheit weg. Es klingt für mich als würde er ständig befürchten, was Falsches zu sagen. Irgendwann wird er dann sicherer, dann können wir über alles mögliche reden, es gibt durchaus Tiefgang.
Ob er allerdings den Menschen in mir sieht, da bin ich unsicher und da hast du den Finger auf den wunden Punkt gelegt.
Ich bin jemand, der sehr nahe an Menschen herangeht und das auch sehr klar und offen tut. Mein Eindruck ist, dass er vor der Intimität, die dadurch entsteht, flüchtet. Es wirkt, als würde er die Begegnung - das Angefasstwerden - die durch diese Art von Intimität entsteht, fürchten und deshalb meiden wollen. Ich weiss nicht, ob er das tut, weil er Angst hat, Fehler zu machen oder ob er einfach die Nähe fürchtet. Da seh ich nicht klar.
Die Unsicherheit ist übrigens komplett verschwunden, sobald wir uns ins Bett begeben. Da ist auf einmal Souveränität da,
und ich bin auf keinem Fall devot, daran kanns also nicht liegen.
Auch das sehe ich nicht ganz so drastisch wie du.
Zitat von Analuisa
Seine Freunde sehen in ihm den beruflich erfolgreichen, gesellschaftlich engagierten und solidarischen Menschen, die erleben ihn ja gar nicht so problembehaftet wie ich. Und auf genau dieser Ebene sind wir uns sehr ähnlich. Die träumen sich da wohl eher ein schlagkräftiges Dreamteam zusammen.
Zitat von Analuisa
Dafür bin ich sowieso zu undiplomatisch. Ich rede Klartext, auch und gerade mit ihm. Zu dieser Rolle tauge ich nicht. Es gab diese Tendenz, mich für Probleme, die er hatte, (mit)verantwortlich zu machen. Da hab ich mich klar abgegrenzt und das hat er mittlerweile auch verstanden.
Zitat von Analuisa
Ich reagiere darauf unmittelbar mit klarer Ansage vor versammelter Mannschaft.
Zitat von Analuisa
Viel Glück meinst du ironisch...ich merke, das ich mich ein bisschen in Rage geschrieben habe und möchte noch sagen, das eventuell aggressive Untertöne in diesem Beitrag ausdrücklich nicht gegen dich gerichtet sind, sondern ihren Ursprung in dieser mir quer im Schädel liegenden merkwürdigen Geschichte haben.
Zitat von Analuisa
Gruss und Dank PR


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