Antworten
Ergebnis 51 bis 60 von 87
Thema: Tausend Mal berührt?
-
14.05.2019, 22:21
AW: Tausend Mal berührt?
-
14.05.2019, 22:29
AW: Tausend Mal berührt?
-
15.05.2019, 07:21
-
15.05.2019, 09:32
AW: Tausend Mal berührt?
Naja, da ist ja eh alles ganz typisch vorhanden. Schön wie aus dem Lehrbuch.
Ich würde die Finger davon lassen, wenn du mich fragst und ich würde jeder Freundin und Frau die mir das beschreibt dazu raten es sein zu lassen. Das geht nie ohne Plessuren ab.
Wie schon geschrieben. Die grundsätzliche Sehnsucht nach Nähe und Intimität mit einem anderen menschlichen Wesen liegt unserer Gattung zuinnerst. Das würde ich meinen, hat jeder in seinem Kern, wir sind soziale Wesen, aus der Nähe zwischen Zweien entstanden und in Nähe zwischen Zweien groß geworden.
Weiter oben, und störend, liegen die Neurosen über dieser Kernerfahrung. Wollen und Können sind dann halt nicht deckungsgleich.
Irgendwo auf diesem ersten Weg, als die Symbiose zwischen ihm und seiner ersten Bindungsperson noch total war, wurde die Bindung als große vitale Gefahr erlebt. Die Gefahr gilt es, für das gesamte zukünftige Leben zu vermeiden und diese bedrohliche Angst nie wieder zu erleben.
Normalerweise nichts, ehrlich gesagt.
Erst wenn beim Betroffenen selbst durch irgend einen Lebensumstand ein dermaßen hoher Leidensdruck entstünde, dass sein Leben so wie es ist, überhaupt nicht mehr befriedigend läuft und mehr Schmerz erzeugt als die Flucht vor Nähe Erleichterung, dann wird so jemand ernsthaft Schritte zur Änderung unternehmen. Aber das sind seltene Fälle, darauf würde ich nie und nimmer spekulieren.
Ja, denkst du. Würdest du seine Gefühlslage kennen, dann würdest du das nicht denken. Alleine das du auf der Welt bist, egal an welcher Ecke, zur gleichen Zeit wie er, wäre schon zuviel Nähe und damit tödliche Enge, wenn er dieses Bindungsding laufen hat. Nähe ist gefährlich, Bindung ist gefährlich, so fühlt sich das an.
So viel Freiheit "geben", dass die Angst aufhört, kannst du nicht.
Das ist genau das Thema. Bindungsstörung. So sieht das aus.
Von außen betrachtet könnte mensch nun sagen: Hey ist doch alles gut für die beteiligte Frau, sie fährt mit ihm auf Urlaub, sie lebt mit ihm, sie sind im selben Freundeskreis; ist doch egal wie er es nennt.
Ist aber nicht so. Weil es sich im Inneren des Konstruktes auch nicht wie eine Beziehung anfühlt, nicht nur nicht so heißt. Sie hat keine Sicherheit ob das alles auch in der nächsten Woche noch so sein wird. Nie. Sie kriegt keine richtige Nähe. Nie. Sie wird in so einer Sache nie spüren, dass zwischen ihm und ihr etwas anderes ist, als zwischen ihm und seiner Nachbarin zb. geschweige denn, das er ihr etwas liebevoll, verbindliches, auf Zukunft und Zweisamkeit ausgerichtetes sagen wird. Die innige wohlige Decke, die über "normalen" Liebenden liegt und sie als eine Einheit fühlen läßt, die gibt es nicht. Da sind immer und in jeder Sekunde einer und noch einer, zwei Einzelne, auch wenn sie gemeinsam etwas unternehmen.
Wer das aushält und wem das reicht. Bitteschön. Lustig ist das nicht, auch wenn für Freunde, die damit noch nie zu tun hatten, oberflächlich betrachtet alles super aussieht.Durchsage:
"Achtung, es wurde eine herrenlose Damenhandtasche gefunden ..."
-
15.05.2019, 10:12Inaktiver User
-
15.05.2019, 11:04
AW: Tausend Mal berührt?
Silberklar, da musste ich jetzt fast ein Tränchen verdrücken. Das was du schreibst, spiegelt natürlich exakt meine Angst und Befürchtung wider. Und trotzdem hab ich irgendwie Hoffnung, dass es vielleicht nicht so sein könnte. Oder zumindest nicht ganz so drastisch.
In Therapie war er, er hat also schon versucht, an seinen Problemen zu arbeiten. Das sehe ich insofern positiv, als dass es ihn stört und er es sich eingestehen konnte. Ich kann natürlich überhaupt nicht beurteilen, wie erfolgreich das war.
Es wäre so schade. Ich würde ihm so sehr wünschen, dass er sein Glück findet, mit wem auch immer. Er ist so ein Guter, als Freund tut er alles für mich.
So, jetzt sind hier also Silberklar und Lanya65 der Meinung, ich sollte die Finger von ihm lassen (aus guten Gründen), Marta-Agata und Sprachlos meinen, ich bin bloß zu verkopft. Ihr macht es mir nicht leicht. ;-)
-
15.05.2019, 11:28
AW: Tausend Mal berührt?
Also wenn es um eine Stimmauswertung geht (scherz!!!) schließe ich mich Silberklar und Lanya65 an.
Was du schreibst klingt eher nach einem Pflegefall als nach einem ernsthaften Partner.
Solltest du ein Helfersyndrom haben und drauf stehen kann man damit glücklich werden keine Frage aber da steckt viel Arbeit drin wo nicht viel zurück kommt. Das ist nicht negativ gemeint, so ist das beim helfen eben.
-
15.05.2019, 11:57
AW: Tausend Mal berührt?
Mein Ex-Freund war auch so. Wir haben in der Anfangszeit schon Monate eine Beziehung geführt mit allem was dazugehört, aber er konnte das Kind einfach nicht beim Namen nennen. Bei ihm war das Problem, dass er in vergangenen Beziehungen schlechte Erfahrungen gemacht hatte, genau mit dem Thema einengen und kontrolliert werden und das eben mit Beziehung in Verbindung gebracht hat. Ich habe es erstmal so laufen lassen und wir haben immer mal wieder darüber gesprochen, dass sich an unserem Miteinander nichts ändern würde, wenn man es benennt, weil wir eben im Grunde schon eine Beziehung leben, so wie ich sie mir vorstelle. Und als er eine zeitlang gesehen hat, dass er von mir diese Kontrolle nicht zu befürchten hat, gings dann auch auf einmal.
Das was du beschreibst bzgl. seiner Äußerungen erinnert mich ein bisschen daran.
Nur, dass bei ihm eben noch erschwerend hinzukommt, dass er in seiner Kindheit kein gutes Vorbild hatte und sich vermutlich auf Biegen und Brechen anders verhalten will, als er es erlebt hat. Aber auch das könnte er ja am eigenen Leib erfahren, wenn ihr euch auf die Art näher kommen würdet und ggf auch diesbezüglich seine Meinung ändern bzw. seine Ängste ablegen.
Die Frage ist, was hast du zu verlieren? Wenn es nicht klappt, verlierst du ihn vllt. auch als Freund. Aber so verknallt wie du bist, könntest du überhaupt dauerhaft damit leben, wenn es "nur" eine Freundschaft bleibt? Oder würdest du die auch dann verlieren?
-
15.05.2019, 12:16
AW: Tausend Mal berührt?
Schon wieder eine Stimme dafür und eine dagegen, so kann das ja nichts werden! ;-)
Nein, ein Helfersyndrom hab ich (hoffentlich) nicht. Ich bin hilfsbereit. Aber das ist er auch.
Dann ist eure Beziehung nicht primär daran gescheitert?
Ob ich die Freundschaft so weiter führen könnte wie bisher, weiß ich nicht so genau. So schnell beenden würde ich sie aber auch nicht. So ein melodramatisches Gespräch a la "Ich bin verliebt und kann nicht mehr mit dir befreundet sein" würde wahrscheinlich selbst mich verschrecken. ;-)
Zu verlieren hab ich also eigentlich nichts, aber je tiefer die Gefühle sind, desto schmerzhafter kann es halt für mich werden.
-
15.05.2019, 13:27
AW: Tausend Mal berührt?
Nein gar nicht. Wir haben, nachdem er sich nach etwa einem halben Jahr endlich diesbezüglich entspannt hat, 2 Jahre lang eine tolle Beziehung geführt. Er hat (öffentlich) zu mir gestanden und alles was dazu gehört. Die Trennung hatte völlig andere Gründe.
So ein Gespräch wäre vllt wirklich etwas melodramatisch
Aber wenn ihr jetzt weiterhin Kontakt habt, werden deine Gefühle ja vermutlich eher tiefer, als auf einmal wieder zu verschwinden. Und irgendwann kommst du dann vllt. an den Punkt, wo du es nicht mehr aushältst, ihn nicht "ganz" haben zu können. Vllt schleicht es sich dann einfach aus.
Ich glaube jedenfalls, dass man mittelfristig nicht mit jemandem befreundet sein kann, wenn man in ihn verliebt ist und es mind. eine Kontaktpause braucht um die Gefühle einzudämpfen - glaube aber auch, dass körperliche Anziehung nicht einfach veschwindet, wenn man sie nicht zumindest mal ausgelebt hat.
Deshalb eben die Frage, was du wirklich zu verlieren hast, wenn du nicht versuchst eure Beziehung auf eine andere Ebene zu heben.



Zitieren