Ist das Schnüffeln, also das Kontrollieren des Handys, des Rechners oder anderen Medien bei starkem Verdacht gestattet und verzeihlich? Kann die Kontrolle den Zweifel besiegen und so zu einem harmonischen Miteinander führen? Oder ist diese Kontrolle nur der Schlusspunkt in einer vollkommen verfahrenen Situation?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 109
-
26.02.2018, 20:19
Schnüffeln und Kontrollieren - der Zweck heiligt die Mittel? Outtake
Geändert von skirbifax (08.03.2018 um 17:03 Uhr)
Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian MorgensternIn einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
- Ich habe meinen Sport gefunden.
Sommer 2021 - mehr als nur nasse Füße... reinklicken und mithelfen!
Moderatorin für:
Was bringt Sie aus der Fassung?Beziehung im AlltagTrennung und ScheidungÜber das KennenlernenForum für AlleinerziehendeReine Familiensache
-
06.03.2018, 09:05Inaktiver User
AW: Doppeldaten beim kennenlernen
@ Tuco,
ich glaube, das Problem besteht in erster Linie, weil wir hier über zwei unterschiedliche "Wertesystemen" diskutieren.
Ein Mensch, der selbst integer ist und handelt, fühlt sich mit jedem Recht der Welt durch Nachspionieren verletzt und empfindet so eine Handlung als übergriffige, vertrauensbrechende Aktion.
Aber bei so jemandem hätte sich (meiner Vermutung nach) das - berechtigte- Bauchgefühl der TE ja gar nicht gemeldet, denn es wäre ja auch nichts zu finden gewesen.
Davon gehst Du aus, wenn Du (mit Deinem Wertemaßstab
) argumentierst.
Also hätten wir hier keinen Fall zum Diskutieren, keine Lüge von Seiten des Mannes, kein schlechtes Bauchgefühl, kein Nachspionieren

Nun ist es aber in diesem Fall hier- und ganz vielen anderen- anders gewesen.
Die TE hatte schon Beweise, daß das, was der Mann ihr versicherte und das, was wirklich war, mit normalem logischen Menschenverstand nicht wirklich zusammenpassen.
Das verursachte das ungute Bauchgefühl, den Zweifel, sogar wahrscheinlich schon ein bisher eben "unbestätigtes innerliches Wissen".
Aus dem EP:Schon hier passen Tatsachen und Aussagen nicht wirklich zusammen, denn wenn jemand einem anderen helfen will und diesen nicht erreicht, dann ruft man doch gerade als Nur-Helfender nicht "penetrant" mehrmals hintereinander an, sondern wartet eher nur auf einen Rückruf.Ich habe bemerkt, dass eine Frau mehrmals versucht hat bei ihm abzurufen und als wir einen gemeinsamen Flug nach London buchen wollten sah ich auch, dass sie ihm Nachrichten schreibt. Als ich ihn fragte wer das sei meinte er „eine freundin seiner Bekannten“ die ihm bei irgendwas helfen wollte.
Wenn dann noch
würden bei mir in heutigen Tinder-Wisch-und-Weg-Zeiten - leider!- bei einem fast unbekannten Mann auch die Alarmsirenen klingeln, denn das scheint dann eine vorher eher noch nicht bekannte Frau (daher alle Daten gespeichert und nicht nur "Gaby") und zusätzlich würde ich (als Handy-Kaumnutzer) bei so einer Art der Speicherung vermuten, daß dieser Mann scheinbar sehr viele Frauen-Daten sammelt und um eine Übersicht zu behalten, diese daher sinnvoll struktieren muß.Nachdem sie unter ihrem vollen Namen sowie der Stadt abgespeichert war glaubte ich ihm natürlich kein Wort, habe aber nichts gesagt.
Jetzt wäre also ein (tatsächlich berechtigtes, wie wir ja durch den Verlauf wissen) Grundmißtrauen wahrscheinlich da.
Nun könnte man an dieser Stelle tatsächlich das Kennenlernen einfach beenden und auf sein Bauchgefühl vertrauen.
Das Schlimme daran ist aber, daß man dann nie eine echte Gewißheit hätte und im allerschlimmsten Fall einem Menschen sogar sehr großes Unrecht damit täte.
Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden und dann handeln würde,
ich glaube, ich würde mich auch selbst rückversichern "müssen", daß mein Bauchgefühl stimmt.
Wenn wir über Werte und Integrität sprechen, dann wurden diese ja vom Mann gebrochen, indem er zweigleisig fuhr, obwohl er anderes versicherte (die TE sagte ja sogar, in dieser Phase wäre es für sie ok gewesen).
Der Mann hat also bewußt gelogen- und damit jegliche Integrität vermissen lassen -
und das dann auch noch so unlogisch, daß die TE verständlicherweise mißtrauisch wurde.
Wie also soll oder kann man handeln, wenn man es mit einem Menschen zu tun hat (wie die TE, was sich ja herausstellte), dem Integrität nichts bedeutet?
Wenn man an einen solchen Menschen die eigenen Maßstäbe anlegt, dann kann so jemand leider, wenn er geschickt ist, ein regelrechtes Doppelleben führen, gerade wenn er in zwei Städten lebt und arbeitet.
So jemand könnte im übelsten Fall sogar zwei Familien haben.
Ja, Nachschnüffeln ist Riesenmist, aber ich sehe wirklich nicht, wie die TE es anders hätte lösen können, die den Mann ja erst offen ansprach und ihm damit alle Chancen der Welt gab, ehrlich zu sein.
Ich glaube, kein Mensch ist leichtherzig in der Lage, ein bisher eigentlich tolles Kennenlernen nur wegen des eigenen Bauchgefühls abzubrechen.
Weil man dann für immer mit der Frage zurückbliebe, ob man Recht hatte oder einem "unschuldigen" anderen Menschen großes Unrecht tat.
Was ich persönlich sogar noch schlimmer fände, als als Re-Aktion einem Lügner gegenüber fast zwangsläufig dann auch nicht mehr so integer gewesen zu sein, wie es der eigene Wertemaßstab normalerweise verlangt.
Nochmal, bei einem ehrlichen Menschen wäre das Bauchgefühl wahrscheinlich gar nicht angesprungen.
Ich erlebe es im Verlauf der Zeit mit Menschen tatsächlich immer wieder, daß ich meinem Bauchgefühl bisher eigentlich immer vertrauen kann.
Neuen Menschen begegne ich mit einem ziemlich großen Grundvertrauen - bis sie so handeln, daß ich spüre, da stimmt was nicht. Aber dann will ich auch wissen, daß mein Gefühl richtig ist und das nicht nur vermuten. Meistens regelt es das Leben von selbst durch "Beweise", aber wenn ich die - in einer sich anbahnenden Beziehung- nicht hätte, wäre ich wohl auch versucht, so zu handeln wie die TE.
Aber wie gesagt, ich habe keine Patentlösung, ich halte das "Rückversichern" in einem solchen Fall nur für das kleinere Übel.Geändert von Inaktiver User (06.03.2018 um 09:19 Uhr)
-
06.03.2018, 23:09Inaktiver User
Schnüffeln und Kontrollieren - der Zweck heiligt die Mittel? Outtake
Mönsch, Leute, das hat er doch schon mehrfach gesagt, oder?
Genau so habe ich es bisher auch eigentlich immer gemacht: Schlechtes Bauchgefühl - rumübelegen woran es liegt - das Bauchgefühl bleibt schlecht - ansprechen, je nach Situation direkt oder indirekt - und meist hat es sich dann in eine Richtung verstärkt, bis ich für mich Klarheit hatte .... Und ich damit umgehen konnte, in die eine oder andere Richtung.
Darum, ich sehe es jetzt nicht ganz so dramatisch wie tuco, dass die TE einmal in das Handy geguckt hat, wobei ich es auch nicht gut finde. Ich glaube aber einfach, die Sicherheit kriegt man anders.
Und wenn das Vertrauen eben schon so hinüber ist, dass man tatsaechlich im Handy schnüffelt, dann ist es doch eh kaputt, dann kann man doch gleich gehen.
Ausnahme könnt es vielleicht geben nach 20 Jahren Ehe, 5 gemeinsamen Kindern und man kapiert echt überhaupt nicht was los ist....wobei auch da wahrscheinlich reden, hinsehen und konfrontieren genau so schnell Sicherheit bringt, vermutlich sogar schneller.
Es gibt doch diesen Spruch "Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand".
Ich glaub einfach es ist für das eigene Ego nicht so gut, zu schnüffeln, auch weil selbst der Beziehungspartner sich mal über einen auskotzen darf.....und vielleicht die Sachen, die er in einer bestimmten Emotion geschrieben hat schon wieder ganz anders sieht....
-
06.03.2018, 23:44Inaktiver User
AW: Doppeldaten beim kennenlernen
Wie wär's damit: Grenzenloser Respekt vor der Privatsphäre des Partners?
Ich z. b. wähle ein anderes moralisches Konzept. Ich bin auch für Vertrauen aber ich schaue ab und zu nach. Wenn ich nix finde, bin ich beruhigt und ich schaue von selber nicht mehr nach. Wenn ich was finde, kommts drauf an, was es ist und ob es sich lohnt das ans Tageslicht zu ziehen.
Ich bin einigermaßen sprachlos.
-
07.03.2018, 01:11Inaktiver User
AW: Doppeldaten beim kennenlernen
Das ist jedenfalls der erste Strang bei dem ich etwas lerne:
Man muss also, laut Bri, beim Kennenlernen, nicht nur die Obermenge aller Checklisten abchecken, sondern zusätzlich ein Metagespräch über den Umgang mit persönlichen Informationen führen.
Also wenn ich eine bzw. die eine Frau dabei erwischen würde wie sie sich an meinem phone, pc, sonstigen Infoquellen zu schaffen macht, würde ich ihr den Kopf abreißen und den Löwen verfüttern.
Aber anscheinend gibt es dazu sehr konträre Anschauungen. Also (zusätzlich!!) vorher klären.
Ein Wunder das "wir" so lange überlebt haben :-)
t
-
07.03.2018, 07:08
AW: Doppeldaten beim kennenlernen
Nein, niemand kommt klar, wenn das Objekt der Begierde wortlos geht.
Aber mit dem Hinweis, dass man Schnüffelei als Vertrauensbruch empfindet, gibt es einen guten Grund für den Abbruch des Kennenlernens.
Die "roten Flaggen" sind am Anfang das beste Warnsignal, dass etwas nicht stimmt - zu schnell geht, irgendwie nicht passt. Deswegen schlägt das Bauchgefühl ja an.
-
07.03.2018, 07:59
AW: Doppeldaten beim kennenlernen
Volle Zustimmung, wenn man sich kennt und vertrauen kann. (Selber würde ich nicht mal 'ne Ansichtskarte lesen, die nur an meine Zarte adressiert ist.)
Aber beim Kennenlernen oder Hinweisen auf zweigleisig oder altlastig rate ich sogar dringend zu angemessener Vorsicht und Kontrolle und letztlich dazu, über alles mit dem Partner zu reden.
tuco, gaaanz sicher, dass Du bei aufkommenden Zweifeln an der "Tugend" Deiner Partnerin erhaben bist über jede Form von Kontrolle? Auch sicher, dass Du im Gespräch mit ihr alles bei ihr "rauskitzeln" kannst? Und bei Bestätigung Deines Verdachtes Dich sofort trennst, wenn Du liebst und vielleicht sogar selbst nicht perfekt warst?
-
07.03.2018, 08:47
AW: Doppeldaten beim kennenlernen
Sie (=konfrontieren): "Du, ich hab das Gefühl, du triffst dich nebenher auch noch mit andren Frauen. Kann das sein? (=weil berechtigter Verdacht) Du tippselst sogar im Bett noch WA und guckst auf dein Handy und ich hab da ein komisches Gefühl."
Er: "Nö, ich treff keine andren Frauen." *tief in ihre Augen schau, ruhig*
Sie (=Reaktion anschauen, ihre Schlüsse ziehen): "Okay. Ich glaube dir."
Sie (= Ruhe geben).
Blöd ist aber in deinem Modell: Der Mann lügt. Und er schaut ihr dabei ganz ruhig in die Augen. Sie glaubt ihm. Weil er ein guter Lügner ist.
Weißt du, warum ich glaube, dass du so derart allergisch reagierst auf dieses Thema "Handykontrolle"?
Vermutlich hast du selbst mal miese Erfahrung damit gemacht. Entweder hattest du eine eifersüchtelnde Frau an der Backe, die dich nicht in Ruhe gelassen hat (obwohl nix war). Oder du hattest jede Menge Grund, deine Handys zu sperren, eben w e i l du was nebenher hast laufen lassen.
Wer zeigt sich denn besonders genervt von Handyschnüffeleien? Richtig: Der, der was zu verbergen hat.
Wer zeigt sich besonders sauer von Handyschnüffeleien? Richtig: Der, der merkt, hups, mir wird hier nicht vertraut. Was wäre dann die richtige Schlussfolgerung? Richtig: Okay, scheinbar vertraut sie mir nicht. Was habe ich getan, dass sie mir so misstraut? Gebe ich einen Grund? Oder hat sie vielleicht schlechte Erfahrungen vor mir gemacht?
Blöd ist halt, wenn man beim Schummeln erwischt wird. Gerade Männer, die noch nicht so ganz in ihrem Erwachsen-Sein stehen, fühlen sich dann besonders auf den Schlipps getreten und plustern sich auf.
Ein Kontrolletti geht für mich meist weit über sowas wie "mal ins Handy linsen" hinaus.
-
07.03.2018, 08:57
AW: Doppeldaten beim kennenlernen
Das wäre ebenfalls meine Reaktion, wenn mein Freund in mein Handy sehen würde. Ich würde mich zuallererst einmal fragen, ob ich ihn irgendwo mehrmals abgeklemmt und allein gelassen habe im Gespräch oder ob die letzte Beziehung mit den schlechten Erfahrungen noch reinspielt.
Würde ich beides verneinen, würde ich mit ihm reden, aber es wäre sicherlich kein Grund, die Beziehung zu beenden, weil solche Ängste und Aktionen einfach allzu menschlich sind. Würde er das regelmässig machen, also ein unkontrollierter controletti sein, dann wäre es was anderes, das wäre schwierig. Aber so einmalige Aktionen bei angstvollem Bauchgefühl könnte ich sicherlich "verzeihen".
Deshalb verstehe ich auch den Aufstand nicht, den Menschen bei dem Thema machen.
Ich neige selber aber auch gar nicht zum kontrollieren, deshalb würden mich solche Ausnahmefälle eben auch kaum triggern. Auf beiden Seiten nicht, wenn ich es ausnahmsweise mal aufgrund von schlechtem Bauchgefühl mal mache (sofern mir der Partner vorher das Gespräch verweigert) oder wenn mein Partner es ausnahmsweise mal aufgrund von schlechtem Bauchgefühl macht.
Ich schliesse mich Dir an Blue, ich - ! - vermute auch, dass Menschen, die bei diesem Thema ganz krass getriggert sind, entweder wirklich regelmässig Dinge zu verbergen haben und sich da ihr unabhängiges Ecklein bewahren wollen oder in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben mit einem kontrollierenden Partner - oder selbst Kontrolettis sind.
-
07.03.2018, 09:10Inaktiver User
AW: Doppeldaten beim kennenlernen
Und wäre es da nicht verständlich, dass diese Menschen nicht wollen, dass sich die schlechten Erfahrungen mit einem kontrollierenden Partner wiederholen? Gerade nach schlechten Erfahrungen weiß man doch, was man nicht (mehr) will und setzt dann schnell eine Grenze. In meinem Fall würde das eben bedeuten, dass ich mit solch einem Mann nicht zusammen sein möchte.


Zitieren
