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    Prioritäten - Nähe - Distanz

    Liebe Forumsmitglieder,

    ich habe mich neu angemeldet, weil ich seit geraumer Zeit mitlese und den Erfahrungsaustausch hier sehr schätze, auch und gerade, weil man nicht nur liest, was man gerne hören möchte.

    Zu meiner Geschichte:
    Ich, 51, geschieden, zwei erwachsene Kinder, alleine lebend, habe vor 8 Monaten einen Mann kennengelernt. Einfach so im Real Life ohne Hintergedanken an eine Beziehung. Da wir uns aber sympathisch waren, haben wir uns auf seinen Wunsch hin ein paar Mal getroffen. Ich mochte ihn sehr, fand seine ruhige und besonnene Art sehr angenehm und gewann ihn immer lieber. So ging es ihm auch und nach einigen Wochen stellten wir fest, dass wir anfingen, uns zu verlieben. Wir wohnen ca. 20 km auseinander.

    Er, seit 5 Jahren getrennt aber nicht geschieden, 2 Kinder, eines erwachsen, das andere (14) bei ihm teilweise lebend, beruflich sehr stark eingespannt und sich alleine sehr wohlfühlend. Ich hatte ein gutes Gefühl, keine wirklichen "Altlasten" mehr.
    Seine Frau hatte ihn und die Kinder 5 Jahre zuvor wegen einer 2 jährigen Affäre mit dem Lehrer der Kinder verlassen. Sie hatte damals den Kontakt komplett abgebrochen, mein Freund hatte jedoch alles getan, damit der Kontakt zwischen Mutter und Kinder wieder hergestellt wurde. Mit Erfolg. Sie haben heute wieder ein gutes Verhältnis und er bezeichnet sie als sehr gute Freundin.
    Das gefiel mir zunächst, weil ich Rosenkriege schlimm finde, gerade auch für die Kinder. Die Nochfrau wohnt ganz in seiner Nähe, für mich war alles in Ordnung.
    Der Freund der Frau hat sich zwischenzeitlich das Leben genommen und er war für sie da. Das war vor 4 Monaten. Sie wollte dann zu meinem Freund zurück, dies hat er jedoch massiv abgewehrt. Er bezeichnet sie zwar als sehr gute Freundin aber als Partnerin würde sie ihn anwidern. Entsprechenden Mailverkehr mit ihr hat er mir gezeigt.

    Von Anfang an war es mir bewusst, dass ich nicht viel Zeit mit ihm verbringen werde, weil er unter der Woche oft unterwegs sein wird und eben sein Kind eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt. Mit war klar, dass dies keine "Wir sehen uns jeden zweiten Tag" Beziehung werden wird. Das war mir Recht, ich bin selbstständig und habe einen großen Freundeskreis.

    Er war irgendwie von Beginn an begeistert, wollte seine Arbeit einschränken, weil er merkte, dass sein Privatleben seit der Trennung kaum Platz mehr in seinem Leben hatte. So hatte er auch in den vergangenen 5 Jahren keinen Beziehungsversuch mehr. Im Gegenteil, er blockte ab. Die Idee, seinen Job zu überdenken kam von ihm, ich hatte ihn nie darauf angesprochen. Steht mir wohl auch in den ersten Monaten kaum zu. Er malte sich die Zukunft mit mir aus, sprach über kommende Urlaub, wollte mich mitnehmen, wollte mich allen Leuten vorstellen und es passierte.........nichts.

    Er schrieb mir täglich unglaublich liebe Nachrichten, wenn er unterwegs war, verabschiedete sich nachts, begrüßte mich morgens, wen wir zusammen waren, war er aufmerksam, interessiert, liebevoll, zärtlich und wirklich glücklich. Bis eines Tages sämtliche Nachrichten ausblieben. Er war offline, hat sich nicht gemeldet und ich war fast panisch. Ich hatte Gedanken von Unfall, Krankheit, Betrüger... alles. Natürlich ist es unsinnig sich wegen einem Tag Nichtmelden sich diese Gedanken zu machen, aber wenn nach monatelangen Nachrichten plötzlich nichts kommt, ist das einfach seltsam. Er meldete sich den Tag darauf, dass er plötzlich totale Panik bekommen hatte und erstmal ein paar Tage für sich braucht. Das hat mich sehr verunsichert aber ich hatte Verständnis.
    Das passierte dann noch zweimal. Er zog sich nach zB einer Nacht mit mir zurück und brauchte Abstand. Oder er sagte Treffen kurz vorher ab, weil er alleine sein wollte und musste. Irgendwann fiel mir auch auf, dass ich nach einigen Monaten immer noch niemandem aus seinem Umfeld kannte. Weder Freunde, noch Kinder noch sonstige Familienmitglieder. Als ich ihn darauf ansprach meinte er, es gäbe keinen Grund dafür, es hätte nur noch keine Gelegenheit gegeben. Ich akzeptierte dies, merkte jedoch, dass ich mich dabei unwohl fühlte. Die Begründung erschien mir seltsam, weil ich ihn zB einfach zu Freunden oder meiner Tochter mitgenommen und vorgestellt habe. Aber jeder nach seinem Zeitempfinden dachte ich.

    Irgendwann merkte ich, dass Vorschläge für das nächste Treffen fast ausschließlich von mir kamen. Ich fragte: sehen wir uns nächstes Wochenende? Seine Antwort zB: ja gerne. Ich muss mal schauen, wann ich Zeit habe. Oder aber er sagte mir zB bei geplanten Veranstaltungen, für die ich Karten kaufen musste zu. Wir sahen uns höchten dreimal monatlich und dann aber auch immer nur über Nacht.

    Erstmalig kam das Thema Bindungsangst hoch.

    Ich habe ihn darauf angesprochen, aber es war ihm nicht bewusst. Er bezeichnete seine zwei bisherigen Beziehung als gut aber nicht übermäßig tief. Seine Ehe endete in den letzten Jahren mit viel Streit und Zickerein von Seiten seiner Frau und eben ihrer zweijährigen Affäre.
    Aufgrund seiner Kindheitsgeschichte erschloss sich ihm das Thema und er suchte Hilfe bei einem Hypnosetherapeuten.

    In der Zwischenzeit hatte er sich von mir getrennt, weil seine Angst so übermächtig wurde und er mich nicht verletzen wollte (ich gebe hier nur seine Worte wieder). Er will das mit mir schaffen aber dazu braucht er erst einen Therapietermin. In der Trennungsphase von 4 Wochen ging es ihm dermaßen schlecht, sodass er wieder Konatk aufnahme und ich natürlich schwach wurde. Die daraufhin stattfindende einmalige Therapie war laut seinen Aussagen ein voller Erfolg es kam einiges Schmerzhaftes hoch, alles weitere sei nun Arbeit.

    Nun ist es seither so, dass sich für mich nicht viel verändert hat. Ich habe (auf eigenen Wunsch hin) nun endlich eines seiner Kinder kennengelernt, was total unproblematisch verlief. Alles meine Terminvorschläge oder Nachfragen, wann wir uns wiedersehen kommen von mir.
    Wir haben nie konkrete Pläne und es gibt nie die Aussicht auf ein nächstes Treffen und wenn doch, dann ist es vage. Er ist begeistert von meinen Vorschlägen, meldet sich zB bei einem Konzert mit an, muss dann aber wegen der Arbeit kurzfristig absagen.
    Maximal ein: "wir sehen uns auf jeden Fall am Samstag" geht und das klappt dann auch meistens. Unsere Treffen belaufen sich auf durchschnittlich 3-4 Mal monatlich.

    In diesem Monat ist er beruflich besonders angespannt und befindet sich in der 250km entfernten Firma mit nachts. Dennoch wollte er unbedingt mit mir einen Theaterabend wahrnehmen. Letzten Endes ging es aber wieder nicht. Was mich etwas ärgert ist, dass er einen Tag zuvor die 250km auf sich nahm um seine Nochfrau und sein Kind vom Bahnhof abzuholen und nach einer Kur nach Hause zu bringen. Ich weiß, dass sich das sehr eifersüchtig anhört, ich habe selbst Kindern, ich weiß, wie wichtig die sind. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Frau andere Leute hätte fragen können. Und er sich den Termin für mich genauso hätte freihalten können. Oder anders planen und dafür mit mir ins Theater hätte gehen können. Nun, er hat es nicht getan und ich muss es akzeptieren, es geht schließlich um seine Arbeit und sein Kind.

    Außerdem macht er begeistert ganz viele Pläne für uns. Pfingsturlaub, Sommerurlaub, er hat es bereits gebucht, Freunde sind dabei und ich soll unbedingt mitkommen. Aaaaber....dann passiert nichts. Keine konkreten Pläne, keine Buchungen, keine Verbindlichkeiten. Und ich frage schon gar nicht mehr nach, um ihn möglichst nicht unter Druck zu setzen, was man ja bei einem Beziehungsphobiker nicht tun sollte.

    Ich kenne auch nach 8 Monaten noch niemandem aus seinem Kreis. Keine Freunde, nicht die andere Tochter, keine Verwandten. Bei mir passiert so etwas ganz selbstverständlich, ich mache mir da gar keine Gedanken, ihn meinen Kindern vorzustellen.

    Er letzte Woche hat er mir gesagt, dass seine Frau genau neben ihm wohnt. Das hat mich schockiert. Nicht die Tatsache ansich, sondern, dass er es mir 7 Monate nicht deutlich gesagt hatte. Zwischen "in der Nähe" und "neben mir" gibt es für mich einen Unterschied. Ein Bild von ihr und der Tochter hängt im Flur zusammen mit vielen anderen der Kinder. An Weihnachten gab es "Familienbilder", Silvester konnte er mit mir nicht verbringen, weil seine Tochter mit ihm feiern wollte und er mit ihr. Die Nochfrau war natürlich im Freundeskreis dabei. Sie spielt m.E. noch eine viel zu große Rolle in seinem Leben. Er fühlt sich verantwortlich für sie.

    Am Wochenende musste er zwei Termine mit mir absagen. Dabei keine Erwähnung, wann wir uns wiedersehen, er ist jetzt erstmal geschäftlich ab Mittwoch unterwegs.

    Nun ist es so, dass ich immer an mir selbst zweifle.
    Muss ich geduldiger sein? Darf ich ihn nicht weiter unter Druck setzen? Muss ich mich mehr um micht und mein Leben kümmern?
    Sind meine Bedürfnisse an eine Partnerschaft zu hoch?
    Wir haben in den letzten 7 Monaten zweimal 24 Stunden zusammen verbracht. Und nie mehrer Tage hintereinander. Wir sehen uns druchschnittlich 1 mal wöchentlich. Mit Unterbrechungen. Es läuft alles nicht rund. Wenn ich es anspreche, sagt er, dass alles anders wird.

    Meinen letzten Versuch, ein paar Tage zusammen an Ostern zu planen fand er toll. Er fragte nach dem Datum, ich antwortete und es kam nichts mehr. Ich kämpfe irgendwie gegen seine Arbeit, seine Exfrau, er hat sich jetzt zusätzlich noch im Fitnessstudio angemeldet, seinen Bedürfnis, Zeit für sich zu haben und den Dingen, die er zuhause noch erledigen muss. Und dann komme ich.

    Ich habe zwischenzeitlich das Gefühl, es beenden zu wollen, obwohl sich unsere Zweisamkeit sehr gut anfühlt, wenn sie denn stattfindet.

    Für Eure Meinungen danke ich Euch.

    LG

    Chachou
    Geändert von Chachou (12.02.2018 um 17:19 Uhr)

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    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    Liebe Chachou...

    Wie ist denn deine Vorstellung von deiner Zukunft? Du sagst, ihr habt euch recht zufällig kennengelernt... Klingt für mich, als wärst du nicht aktiv auf der Suche gewesen.
    Und du sagst "auf seinen Wunsch"... Wolltest du ihn dann auch unbedingt kennenlernen?

    Was für eine Beziehung möchtest du gern führen? Scheinbar reicht dir der derzeitige Kontakt nicht aus... das solltest du aus meiner Sicht stärker vertreten.

  3. Inaktiver User

    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    Nachdem ich alles gelesen habe, fällt mir dazu eigentlich nur eines ein:

    Dieser Mann ist noch lange nicht mit seiner Frau, seiner alten Beziehung, durch und weit davon entfernt, mit sich selber im Reinen zu sein.
    Es tut Dir nicht gut, ER tut Dir nicht gut. Es läuft nicht rund, es knirscht und eiert. Vertrau auf Dein Bauchgefühl und beende das.

  4. gesperrt

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    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    Liebe Chachou,
    Zu erst möchte ich mich kurz vorstellen: ich bin hier als die Schwarzseherin bekannt, die grundsätzlich Menschen misstraut. Allerdings behalte ich mit meinen Einschätzungen viel öfter recht, als es mir eigentlich lieb ist.
    Und nun meine Einschätzung deiner Situation. Der Mann ist noch lange nicht mit seiner Frau durch. Er ist verheiratet und wird es voraussichtlich bis auf weiteres bleiben. Wenn Scheidung nicht erfolgte, als der Liebhaber noch am Leben war, besteht jetzt gar kein Anlass dazu. Als du seine Worte zitiertest, seine Ehefrau sei eine gute Freundin, widert ihn aber gleichzeitig an, musste ich schmelzen. Manche Leute haben nun wirklich eine sehr eigenwillige Auffassung von Freundschaft.
    Er hält dich nur hin und warm, ist nicht wirklich entflammt. Mehrfachrs Versetzen aus welchen Gründen auch immer geht gar nicht. Und das ganze Gesülze wegen Bindungsangst, schwerer Kindheit, Trauma durch den Betrug der Ehefrau finde ich nur ermüdend und letztendlich banal.
    Tu dir was gutes und überlasse den Typen seiner Gattin.
    Und für die Zukunft: Finger. Weg. Von. Verheirateten. Männern. Egal welche Geschichten sie dir auftischen. Klebe dir den Spruch auf den Spiegel im Badezimmer. Das erspart viel Leid.

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    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    Ich habe ihn darauf angesprochen, aber es war ihm nicht bewusst. Er bezeichnete seine zwei bisherigen Beziehung als gut aber nicht übermäßig tief.
    Vielleicht hat er einfach nur ganz andere Vorstellungen von Beziehung als Du?

    Er hat einen (zeitlich) anspruchsvollen Job, Kinder, einen Freundeskreis, seinen Sport und scheint damit ausgelastet. Er scheint nicht das Bedürfnis zu haben, Dich in sein Leben mit einzubinden.

    Du scheinst anders zu sein. Für Dich scheint es selbstverständlich zu sein, ihn einfach mit in Dein Leben aufzunehmen und in Familien- und Freundeskreis einzubinden. Das kann aber nicht jeder.

    Es gibt so Vögelchen, die haben sehr unterschiedliche Kreise, die sie auch schön separiert halten - hat seine Vor- und seine Nachteile. Keine Art zu leben ist "richtiger" - ist halt nur anders. Da wird ihm nichts fehlen - aber Dir fehlt was. Damit setzt er Dich auch nicht zurück, sondern das ist für ihn normal und damit kann nicht jeder was anfangen.

    Oh, ich musste übrigens auch deutlich die 40 überschreiten, bis ich merkte, dass ich auch so separiere; mir war das gar nicht klar. Mir sagte das dann so ganz banal im Nebensatz ein Mann, der ganz anders war, diese Art aber kannte und damit umgehen konnte.

  6. gesperrt

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    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    Bei sowas frage ich mich immer ob die angebliche Ex weiß, dass sie die Ex ist.

    Und was von diesen ganzen Geschichten denn wahr ist.

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    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    Zitat Zitat von --martha-- Beitrag anzeigen
    Vielleicht hat er einfach nur ganz andere Vorstellungen von Beziehung als Du?

    Er hat einen (zeitlich) anspruchsvollen Job, Kinder, einen Freundeskreis, seinen Sport und scheint damit ausgelastet. Er scheint nicht das Bedürfnis zu haben, Dich in sein Leben mit einzubinden.

    Du scheinst anders zu sein. Für Dich scheint es selbstverständlich zu sein, ihn einfach mit in Dein Leben aufzunehmen und in Familien- und Freundeskreis einzubinden. Das kann aber nicht jeder.
    Damit gebe ich Dir grundsätzlich Recht, wenn er es nicht immer anders kommunizieren würde. Er freue sich darauf, mich seinen Freunden vorzustellen. Bald lerne ich seine Eltern kennen. Ich solle unbedingt mit ihm und seinen Freunden in Urlaub gehen. Bald lerne ich seine Kinder kennen. Und seine Exfrau..... Nichts davon ist eingetroffen.
    Diese Kommunikation ist verwirrend.

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    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    Zitat Zitat von friesbeforeguys Beitrag anzeigen
    Bei sowas frage ich mich immer ob die angebliche Ex weiß, dass sie die Ex ist.

    Und was von diesen ganzen Geschichten denn wahr ist.
    Das ging mir auch durch den Kopf aber ich war ja bei ihm, kenne seine Wohnung und seine Tohcter war dort mit dabei. Und ich weiß, dass seine Exfrau mit dem Freund zusammenlebte. Bis zu seinem Tod.

  9. gesperrt

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    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    Und als was wurdest du der Tochter vorgestellt?

  10. User Info Menu

    AW: Prioritäten - Nähe - Distanz

    doppelt

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