Ich weiß, der Thread ist schon etwas alt und, wie es scheint, sind auch nicht mehr alle Mitredner da, aber da ich ihn gerade beim Googlen entdeckt und in den vergangenen Stunden mit Interesse gelesen habe, weil darin so viele Dinge stehen, die mich gerade umtreiben, habe ich mir jetzt doch mal ein Herz genommen und mich extra hier angemeldet, um meinen Senf dazuzugeben.
Erst einmal vielen Dank für die verschiedenen Sichtweisen! Ich (33 Jahre) bin einer von denjenigen Männern, die sich in der Tat während der Kennenlernphase nicht genug Gedanken machen können und von einer Unsicherheit erfüllt sind, die nicht mehr feierlich ist.
Wer mag, darf sich hier mal kurz meine Geschichte anhören...
An sich war und bin ich mit meinem Singledasein seit nunmehr über fünf Jahren sehr zufrieden. Zwar habe ich mich bald nach meiner Trennung von meiner Ex auf mehreren Singlebörsen angemeldet, mich dabei aber nie so recht unter Druck gesetzt, unbedingt die Partnerin fürs Leben finden zu müssen. Mein Motto: "Wenn sich was ergibt, gut - wenn nicht, auch gut." Das Problem dabei ist allerdings: Wenn ich mich dann bei meinen sporadischen Treffen verliebe, dann so richtig, sodass ich in jenen Kennenlernphasen praktisch auch an nichts anderes mehr denken kann.
Tatsächlich ist es mir im Juli 2017 nach all den Jahren Singlebörsen erstmals passiert, dass ich eine Frau kennengelernt habe, bei der es zu mehr als zwei Treffen gekommen ist. Für mich stand schnell fest: Das ist DIE Frau, mit der ich ständig etwas unternehmen möchte. Innerhalb von 15 Tagen kam es schnell zu mehreren Telefonaten, täglichen What'sApp-Nachrichten und vier Dates, wobei zwischen dem zweiten und dritten Date dann auch gleich knapp zwei Wochen lagen - eine Phase, in der ich permanent zwischen absoluter Glückseligkeit und totaler Unsicherheit hin- und herschwankte. Obwohl die Verliebtheit auf Gegenseitigkeit beruhte, stellte ich mir permanent die Frage: Warum sollte sich diese tolle Frau ausgerechnet in mich verlieben?
Meine Zweifel schienen sich beim vierten Date zu bestätigen, denn am Ende gestand sie mir, noch nicht über ihren Ex hinweg zu sein. Ich war am Boden zerstört, löschte schnell ihre Handynummer mitsamt der Nachrichten, sperrte sie bei der Singlebörse und entfreundete sie bei Facebook. Doch noch am selben Abend schrieb sie mich erneut über What'sApp an und entschuldigte sich: Sie hätte das nur gesagt, weil sie Angst hätte, wieder enttäuscht zu werden - und fragte, ob ich ihr irgendwann noch eine zweite Chance gebe. Natürlich wollte ich. Ich schlug ein klärendes Gespräch vor, das wir dann führen könnten, wenn sie bereit sei. Das wollte sie unbedingt.
Tja, und wie soll es anders sein? Ihre Unsicherheit prallte auf meine Unsicherheit. Sie: Wann kann ich mich wohl wieder bei ihm melden? Ich: Wann meldet sie sich denn endlich? Wochen vergingen. Monate vergingen. Irgendwann sah auch ich mich in Zugzwang: Was ist, wenn sie selbst so unsicher ist und sich nach all der Zeit gar nicht mehr traut, sich bei mir zu melden, aber sich insgeheim doch liebend gern melden würde? Sollte ich das also nicht lieber tun und schauen, was dabei rauskommt? Heiligabend fasste ich mir ein Herz und wünschte ihr frohe Weihnachten. Gleich am nächsten Morgen antwortete sie mir, sie hätte sich sehr über meine Grüße gefreut und würde sich sehr über einen gemeinsamen Kaffee freuen.
Und so kam es, dass wir am vergangenen Samstag unser fünftes Treffen hatten - genau dort, wo wir uns damals das erste Mal persönlich getroffen hatten. Es war so, als wären die Monate Pause dazwischen nicht gewesen. Alles sehr vertraut, keine lästigen Schweigephasen. Ein bisschen schwierig war es, das Thema einer möglichen Beziehung anzusprechen. Schließlich traute ich mich und stellte klar, dass wir es ruhig angehen lassen können, und wenn sie den Eindruck hätte, das würde alles zu schnell gehen, solle sie Bescheid sagen. Sie bestätigte, dass ihr damals bei unseren ersten Treffen alles irgendwie zu viel war. Es wurde ein sehr schöner Nachmittag, an dessen Ende ich sie nach Hause brachte und wir uns zärtlich verabschiedeten. Wir vereinbarten, uns zwei Wochen später wiedersehen zu wollen.
Tja, und obwohl wir beide ganz offenkundig die zweite Chance ergreifen wollen und obwohl wir vor dieser zweiten Chance Klartext gesprochen haben, ging bereits am ersten Tag das Grübeln los. Seitdem finde ich immer wieder neue Dinge, über die ich mir Gedanken machen kann, die diese doch eigentlich so schönen Schmetterlinge im Bauch mehr und mehr übertünchen und die Erinnerungen an den letzten Samstag verblassen lassen: Erst war es die erneute Freundschaftseinladung, die sie erst einen Tag später bestätigte. Dann war es die Frage, wann ich mich melden kann. Damals haben wir täglich geschrieben, aber das war vielleicht etwas viel und wir wollen es ja ruhig angehen lassen. Schreibe ich ihr am Montag noch? Dienstag? Ich schrieb ihr am Mittwochabend, ob sie ihre neue Wohnung bekommen hat, die sie unbedingt haben wollte. Mittwochabend kam keine Antwort mehr. Donnerstagmorgen antwortete sie, sie hätte sie leider nicht bekommen. Donnerstagmittag drückte ich mein Bedauern aus und schrieb, ich würde ihr weiter die Daumen drücken, dass sie schnell eine passende finden wird. Ich formulierte das extra nicht als Frage, damit ich nicht unbedingt mit einer Antwort darauf rechnen muss. Natürlich tue ich es insgeheim doch. Bis jetzt. Am Sonntag hat sie Geburtstag. Sie ist zu Hause bei ihrer Familie. Rufe ich sie da an oder ist das zu aufdringlich und ich schreibe lieber nur eine Nachricht? Erwartet sie eventuell eine Glückwunschkarte von mir, wenn sie wieder da ist? Und am nächsten Wochenende wollten wir uns doch treffen, haben ja aber noch keinen genauen Termin ausgemacht, ob am Samstag und am Sonntag. Wann machen wir das denn? Und wie? Schriftlich? Oder telefonisch?
Ihr seht: Auch ich als Mann bin in einem Gedankenkarussell gefangen, und umso froher bin ich, dass ich hier diese Diskussion entdeckt habe, in der all das ausgesprochen wird, was so durch meinen Kopf geht. Einerseits entdecke ich viele Gleichgesinnte, andererseits lese ich kritische Stimmen, doch alles viel, viel lockerer zu sehen, sich nicht an festgelegte Schemata zu halten, alles auf sich zukommen zu lassen. Zumindest für den Moment bin ich etwas entspannter geworden. Mal schauen, wie lange das anhält.
Danke jedenfalls noch einmal für die Diskussion und fürs Lesen meines Beitrags (wenn ihr so lange durchgehalten habt ;-))!
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12.01.2018, 22:22
Unsicherheit und viel zu viele Gedanken in der Kennenlernphase
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12.01.2018, 22:55
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Hallo,
da dein Text so lang ist, mach ich es jetzt kurz
Ruf sie an ihrem Geburtstag an.
Habt ihr schon ausgemacht, was ihr dann am Samstag oder Sonntag machen wollt?
Liegt es an ihr, das ihr noch keinen festen Termin habt?Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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12.01.2018, 23:31
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Danke! Ich wollte eigentlich auch nur mal meine ganzen Gedanken runterschreiben. Einige haben dafür ihr Tagebuch, ich habe jetzt mal dieses Forum genutzt. War also auch so eine Art Selbsttherapie. ;-)
Ja, ich werde es versuchen. Und wenn ich sie nicht erreiche, kann ich ja eine Nachricht hinterherschicken à la "Ich wollte es wenigstens mal telefonisch versucht haben, nun also schriftlich: Alles Gute ..."Ruf sie an ihrem Geburtstag an.
Ja, wir hatten auf meinen Vorschlag hin einen Tagesausflug geplant, weil sie so gern Städtetouren macht. Den wollten wir eigentlich schon bei unserem vierten Treffen machen, aber da kam ihr kurzfristig was dazwischen, weshalb wir es aufs Eisessen verkürzt haben.Habt ihr schon ausgemacht, was ihr dann am Samstag oder Sonntag machen wollt?
Liegt es an ihr, das ihr noch keinen festen Termin habt?
Dass wir noch keinen festen Termin haben, ist eher meine Schuld, weil ich so etwas wie "Können wir ja dann noch sehen" gesagt habe (im Hinterkopf habend, dass man so einen Ausflug ja auch vom Wetter abhängig machen muss).
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13.01.2018, 01:31
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Okay, vielleicht hältst du jetzt erst mal in Gedanken die Füße still.
Man kann sich auch zu schnell in etwas verbeißen.
Sie ist ja auch "nur" ein Mensch mit Fehlern. Wenn bestimmt auch ein sehr netter.
Lerne sie erst mal in Ruhe kennen.
Rufe sie an ihrem Geburtstag an. Geht sie dran, frag sie am Ende des Telefonates, wann es ihr das Treffen besser passt. Samstag, oder Sonntag. Geht sie nicht dran, schreib eine Nachricht, in der du sie am Ende dasselbe fragst.
Tja, und dann weißt du schon mehr.Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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13.01.2018, 06:50
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Das möchte ich auch unbedingt. Das Tempo, das wir im Sommer vorgelegt haben, war mir auch fast schon zu schnell. Damals haben wir uns jeden Morgen Guten-Morgen-Nachrichten geschickt, und jeden Morgen hatte ich so lange ein mulmiges Gefühl, bis ich endlich von ihr gehört hatte. Oder dieser Druck zu überlegen, ob wir abends nach der Arbeit telefonieren, weil sie ja sonst annehmen könnte, es wäre kein Interesse vorhanden... Nee, das will ich nicht noch einmal haben. Leider hat sich aber auch durch das langsamere Wiederannähern nichts in meinem Kopf geändert, obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, mehr von Treffen zu Treffen zu denken und den Istzustand zu genießen.
So werde ich's machen. Ich muss dann nur noch den richtigen Schwenk von den Geburtstagsglückwünschen hin zum Treffen finden. :-PRufe sie an ihrem Geburtstag an. Geht sie dran, frag sie am Ende des Telefonates, wann es ihr das Treffen besser passt. Samstag, oder Sonntag. Geht sie nicht dran, schreib eine Nachricht, in der du sie am Ende dasselbe fragst.
Tja, und dann weißt du schon mehr.
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13.01.2018, 07:27Inaktiver User
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Auweia...
Ich denke nach wie vor, dass eine Beziehung nur gelingen kann, wenn beide alleine schon glücklich sind und der andere das Sahnehäubchen fürs Leben ist . Klar ist Verliebtsein ein Ausnahmezustand..... und trotzdem...
Ich empfehle das Buch : ich liebe dich weil ich dich brauche“
Und eins für mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit....
Gehst Du alleine weg? Hast Du einen Freundeskreis?
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13.01.2018, 07:51
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Wie ich in meinem ersten Beitrag weiter oben schrieb, bin ich auch als Single glücklich. Ich genieße meine Unabhängigkeit, freue mich, meinen Tag so gestalten zu können, wie ich möchte, abends nach der Arbeit in meine Wohnung zu kommen und zu entscheiden, ob ich nochmal rausgehe oder einfach faul zu Hause bleibe. Nur wie gesagt: Wenn ich verliebt bin, wird alles andere nebensächlich und ich steigere mich in den Gedanken hinein, unbedingt mit dieser Frau zusammen sein zu wollen. Ich habe keine Lust mehr auf meine Hobbys und lege mich früh ins Bett, weil ich nicht mehr weiß, was ich machen soll. Dabei vergesse ich zu schnell, dass ich vor der Kennenlernphase ja auch vollauf zufrieden war.
Ich gehe allein weg - wobei ich zugeben muss, dass ich aufgrund meiner eher weniger ein Ausgehen nötig machenden Hobbys (Filme und Texte schreiben) ein Wochenende auch mal ausschließlich in der Wohnung verbringen kann. Freunde habe ich, nur leider nicht (mehr) in dieser Stadt.Gehst Du alleine weg? Hast Du einen Freundeskreis?
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13.01.2018, 08:06Inaktiver User
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Warum ist es ein Zeichen vom Singleleben? Gestaltest du in Beziehungen dein Leben nicht wie du möchtest? Wer gestaltet es dann?
Zum Thema - du musst lernen, weniger Angst davor zu haben, einen Fehler zu machen. Das schlimmste, was du machen kannst, ist die Untätigkeit, monatelange Pause hat es ja gezeigt.
Wenn du keine Fehler machst, kannst du auch aus ihnen nicht lernen.
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13.01.2018, 08:06Inaktiver User
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Selbst wenn ich schwer verliebt bin, vergesse ich das nicht, sondern, was mir vorher wichtig war, bleibt das nach wie vor, denn das ist ein wichtiger Teil meines Lebens und bleibt das auch und ich bleibe geerdet.
Auch in einer Beziehung lebt man sein eigenes Leben weiter und gibt nicht alles in symbiotischer Verschmelzung auf.
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13.01.2018, 08:29
AW: Aushalten der Unsicherheit beim Kennenlernen
Tja, das ist mein Fehler bei der vorherigen mehrjährigen Beziehung (meiner einzigen richtigen) gewesen, den ich nicht noch einmal machen möchte. Da wohnte ich mit meiner Freundin von Anfang an unter einem Dach und man hockte so fast zwangsläufig ständig aufeinander, unternahm quasi alles gemeinsam und - ja, leider habe ich dabei auch meine Interessen zu oft ihr zuliebe hinten angestellt, habe mich zu oft verbogen. Da stimmte die Verhältnismäßigkeit nicht. Deshalb habe ich nach der schmerzhaften Trennungsphase auch mehr und mehr meine wiedergewonnene Freiheit (klingt etwas fies, ich weiß) genossen - und tue das eben bis heute.
Ja, das muss ich wirklich lernen - eben auch, dass ein Fehler nicht gleich bedeutet, dass alles vorbei sein muss. Zum Thema Untätigkeit: Die resultierte ja aber auch daraus, dass wir uns darauf verständigt hatten, dass sie sich meldet, wenn sie bereit dazu ist, denn sie war es ja, die mit der Situation überfordert war, während ich schon beim zweiten Treffen klarstellte, dass es für mich gar kein Problem ist, es ruhig angehen zu lassen. Und normalerweise sollte man doch dann den Partner auch nicht bedrängen, wenn er erst einmal Zeit braucht, um sein Gedankenchaos zu ordnen, oder?Zum Thema - du musst lernen, weniger Angst davor zu haben, einen Fehler zu machen. Das schlimmste, was du machen kannst, ist die Untätigkeit, monatelange Pause hat es ja gezeigt.
Wenn du keine Fehler machst, kannst du auch aus ihnen nicht lernen.


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