Das sagt sie...
Ich glaube, dass die TE in ihren Beiträgen seine Sicht nur sehr lückenhaft übermittelt (ja: noch lückenhafter als andere TEs das tun) und dadurch auch aufmerksam lesende Userirreführt.
Ich bin mir bewusst, dass wir an vielen Stellen nicht genug Informationen haben, weil uns weniger Abläufe oder Gespräche, sondern vielmehr in der Hauptsache Gefühle geschildert werden (Stichwort: „Bauchgefühl“). Um in das Ganze einen Sinn zu kriegen (in der einen oder anderen Weise), muss man hier Lücken ausfüllen und natürlich tut das jeder, je nach Erfahrungshintergrund, auf unterschiedliche Weise.
Ich meinerseits lese das folgendermaßen (Klappe – die neunzehnte!):
Erster, vermutlich aufwändiger Versuch des Freundes, die TE zu beruhigen und ihr ihre Angst zu nehmen.
Zweiter Versuch, vermutlich auch nicht unaufwändig....
(Außerdem: man beachte das fett Hervorgehobene: die TE hat offenbar eine ziemlich unglückliche Vorgeschichte, die ihr Bauchgefühl mutmaßlich stark beeinflusst.)
"Seit einer Woche war jedoch etwas anders" - Zunächst bekommen wir von der TE keine Begründung oder Beschreibung, was und warum genau anders war, später zieht sie sich hier auf ihr „Bauchgefühl“ zurück. (Was ich hier - ausnahmsweise - zu einfach finde.) Doch wenn man genau liest, findet sich diese Stelle hier:
D. h., es gab zwar tatsächlich eine Veränderung, zu der aber das Verhalten der TE durchaus beigetragen hat. Das teilt sie uns aber nur in einem Nebensatz mit. (Sicher weil ihr schlechtes Gewissen eh schon groß genug ist und sie das deshalb lieber verdrängt. Das ist verständlich, aber weder für ihre eigene Aufarbeitung noch für die Beurteilung hier sonderlich hilfreich.)
Nur ein paar Tage nach dem zweiten Grundsatzgespräch, bei dem er sich offensichtlich viel Mühe gegeben hat, sie zu beruhigen, kommt dann – anscheinend ohne irgendeinen Anlass - dieses:
Die User hier haben sehr hartnäckig versucht, herauszufinden, was denn der Grund für dieses Verhalten der TE war. Irgendwann sagte sie dazu (ich mag es jetzt nicht suchen): er hätte es eben in diesem Gespräch „nicht geschafft“, sie zu beruhigen.
Offenbar ist das ihr Anspruch an ihn: dass er das schaffen muss... Angesichts des bereits oben zitierten „und da ich Angst habe wieder eine Enttäuschung zu erleben wie so oft“ hätte ich an Stelle des Freundes das Gefühl, dass ich das nie und nimmer schaffen kann.Es ist klar, dass häufige Enttäuschungen ein tiefes Gefühl von Verunsicherung und Misstrauen in einem Menschen hinterlassen können. Doch das ist etwas, was die TE selbst angehen und wofür sie selbst Verantwortung übernehmen müsste. Der Partner kann da nur unterstützen. Doch offensichtlich erwartet sie, dass sie da nichts tun muss, sondern dass er dafür zuständig ist, sie zu heilen.
(Nein, das schreibt sie so nicht. Aber hätte sie das Bewusstsein, dass das ein Problem ist, das sie selbst aktiv angehen muss, dann hätten wir darüber etwas gelesen.)
Das wäre meine Reaktion an seiner Stelle auch gewesen: ich tue und mache, um sie zu beruhigen. Gerade eben erst hatten wir ein Gespräch, in dem sie alle ihre Ängste und Zweifel ausbreiten durfte und ich sie ermutigt habe. Ich hätte angenommen, dass sie jetzt erst mal etwas beruhigter ist. Aber was passiert? Sie ruft mich an einem der nächsten Tage zweimal kurz hintereinander an, macht dann direkt mit mir Schluss, weil ich nicht gleich zurückrufe, und als ich darauf auch nicht reagiere (weil nämlich noch gar nicht gelesen), schreibt sie mir, wie toll sie mich findet.
D. h. sie reagiert auf meinen Beruhigungsversuch eben nicht beruhigter, sondern eher aufgestörter. An Stelle des Freundes würde ich jetzt denken: „Ah, ok: gerade weil ich so ausführlich auf sie eingegangen bin, denkt sie jetzt, sie hat einen gefunden, der für alles Verständnis hat und an dem sie alle ihre Ängste ungefiltert raus lassen kann. D.h. also, je verständnisvoller ich bin, umso mehr wird sie sich gehen lassen.Ääähm – das war am Anfang zwar wirklich schön, aber ich glaube, dem bin ich nicht gewachsen...“
Und ja: das hat die TE nicht so beschrieben. Sie hat die Fakten zwar genannt, sie aber nicht in diesen Sinnzusammenhang gebracht – und von seiner Reaktion berichtet sie auch nur, dass ihn die zwei Anrufe hintereinander gestört hätten.Wie dargestellt, glaube ich aber überhaupt nicht, dass das sein Punkt war. Meinem Eindruck nach ist sie so beschäftigt mit ihren eigenen Ängsten und Sorgen und Schuldgefühlen, dass sie sich in seine Perspektive überhaupt nicht hineinversetzen und sie daher hier auch nicht adäquat darstellen kann.
Denise, wir beide wären nicht beziehungskompatibel...
Ich muss erst mal selbst wissen, was ich will und fühle, bevor ich in ein schwieriges Beziehungsgespräch mit einer Person gehe, bei der ich den Eindruck habe, dass sie meine Perspektive nicht nachvollziehen kann. D. h. bei mir ginge "er hat keine getroffen" weiter mit: "dann nimmt er sich die Zeit, die er zum Überlegen braucht".
Das wünsche ich mir auch, aber in so einem Fall könnte ich das nicht, ohne meine eigenen Grundbedürfnisse zu missachten.
Ich brauche, gerade wenn ich durcheinander bin oder über etwas nachdenken muss, Zeiten ganz ohne Kontakt, was heißt, auch ohne Mails, SMS, auf den AB sprechen etc. Sonst kann ich mich nicht sammeln und sortieren, um dann zu einer verbindlichen Aussage zu kommen.
Ich weiß, dass es Leute gibt, die da anders ticken. Das ist auch o.k., aber egal wie sehr ich die lieben mag, ich kann dieses Bedürfnis nicht erfüllen. Das hat nichts mit Desinteresse oder mangelnder Empathie zu tun.
Und ich glaube, dass der Freund der TE da ähnlich tickt wie ich. Das denke ich aus mehreren Gründen, aber vor allem weil er sie gefragt hat, ob sie ihm ein paar Tage Auszeit geben will bzw. kann oder ob sie sich gleich trennen will:
Er dachte sich schon, dass sie das vielleicht nicht aushält. Er braucht das aber. Das hat er klar kommuniziert und dafür Verantwortung übernommen.
Sie hingegen hat nicht gesagt: „Nein, das halte ich nicht aus und trenne mich lieber gleich.“ (Was, so wie ich sie hier erlebe, die für sie angemessene Entscheidung gewesen wäre.)
Sondern sie hat einerseits gesagt: „Ja, mach.“ Und dann andererseits schon nach einem Tag wieder mit Texten angefangen, weil sie es eben doch nicht aushält...
Für mich wäre das an seiner Stelle, nachdem ich gerade um ein paar Tage Auszeit gebeten hatte, eine klare Überschreitung meiner Grenzen. Auch wenn das – wie hier offensichtlich – nicht aus bösem Willen passiert, würde mir das zeigen, dass ich es hier mit einer Person zu tun habe, der ich mein Bedürfnis nach eigenem Raum offensichtlich nicht so vermitteln kann, dass sie es versteht und respektiert.
Das Problem der TE ist aus meiner Sicht nicht ihr Kontaktbedürfnis, sondern mangelnde Selbsterkenntnis.
Edit:
Wie schön, dass Du das sagst...![]()
Antworten
Ergebnis 411 bis 420 von 436
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14.01.2018, 15:07
AW: Er muss nach Kennlernphase nachdenken
We are born to be happy, not perfect.
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14.01.2018, 15:18
AW: Er muss nach Kennlernphase nachdenken
Für mich auf den Punkt gebracht
Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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14.01.2018, 15:21
AW: Er muss nach Kennlernphase nachdenken
Dankeschön, Lilith!

Ich bin (bekanntlich
) in der Regel sehr für Bauchgefühl, und gerade in diesem Punkt oft anderer Meinung als Du, Beatrix. Aber in diesem Thread sehe ich das genau wie Du.
Das finde ich super zusammengefasst und da bin ich absolut bei Dir.
Das sehe ich anders. Wenn ich es richtig lese – und das ist zugegebenermaßen in diesem Strang schwierig - war er „verändert“ nach dem Wochenende, an dem beide von der Arbeit gestresst waren. Diesen Umstand lässt die TE hier weg. (Und schiebt damit implizit ausschließlich ihm die Verantwortung für die Veränderung zu.)
Das sehe ich anders als Du.
Ich vertraue zwar oft dem Bauchgefühl, sowohl dem meinen wie auch dem anderer. Ich glaube aber, dass es sehr wichtig ist, gerade wenn man sich vom Bauchgefühl leiten lässt, auch zu beobachten, wann man „spinnt“, d. h. wann das eigene Bauchgefühl üblicherweise verzerrt ist.
Ich schätze mal, dass es da bei jedem Situationen und Trigger gibt, wo das so ist. Bei mir ist das z. B. der Fall, wenn ich befürchte, mich jemandem aufzudrängen. Ich kann dann nicht mehr spüren, ob die andere Person das wirklich so empfindet oder ob das nur meine Angst ist. Das wäre also eine Situation, wo ich mein Bauchgefühl gänzlich beiseite lassen würde und z. B. wenn mir die andere Person versichert, dass ich nicht störe und sie mich gerne da hat, das glauben würde - auch dann, wenn ich vielleicht weiter ein komisches Gefühl habe. Eben weil ich weiß, dass mein Gefühl an der Stelle verzerrt ist.
Ich habe den starken Eindruck, dass das Bauchgefühl der TE durch frühere schlechte Erfahrungen stark beeinflusst und verzerrt ist, sie das aber überhaupt nicht berücksichtigt.We are born to be happy, not perfect.
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14.01.2018, 15:25
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14.01.2018, 15:34Inaktiver User
AW: Er muss nach Kennlernphase nachdenken
Take No 19 Ende...

@himiko was neues war es jetzt nicht in der Quintessenz, aber wirklich sehr gut analysiert und vielleicht auch für die TE zum Nachspüren anregend ...
So. 20. Versuch? Irgendwer noch nicht?
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14.01.2018, 15:39
AW: Er muss nach Kennlernphase nachdenken
Danke, Beatrix.

Ich verstehe leider nicht, was Du mir sagen willst, tut mir leid...
Also, was ich sagen wollte (falls das hilft), war nur, dass ich es angesichts der Tatsache, dass ich gerade dabei war, das zum 18. Mal Durchgekaute ein 19. Mal durchzukauen, ermutigend fand, dass Du sagtest, man könne das sowieso nicht oft genug tun.
We are born to be happy, not perfect.
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14.01.2018, 15:45
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14.01.2018, 15:48
AW: Er muss nach Kennlernphase nachdenken
Achso, o.k.. Na dann ist ja alles fein.
We are born to be happy, not perfect.
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14.01.2018, 16:03
AW: Er muss nach Kennlernphase nachdenken
[editiert]
Ich kann ihn sogar gut nachvollziehen, das er genervt ist und ein paar Tage für sich braucht. Es war nicht nur mein Bauchgefühl und der Stress von meiner und auch seiner Seite, die das schlechte Bauchgefühl in mir ausgelöst haben, es gab schon klare Anzeichen die Abstand signalisierten (wie zB, dass er an keinem kommenden Termin Zeit hatte oder mit "mal schauen" ausgewichen ist. Damit will ich mein Verhalten auf keinen Fall rechtfertigen! Er nicht dafür zuständig mir meine Angst zu nehmen oder sonstiges, das habe ich von ihm auch nie erwartet. Ich habe überreagiert mit meiner Reaktion und wollte mit ihm nur reden warum ich so reagiert habe, bevor er sich etwas zusammen reimt was nicht stimmt. Ich betone hier wieder, auch die Erklärung hätte es nicht entschuldigt! Ich wollte ihn nicht einengen oder sonstiges. Klar habe ich Fehler gemacht, ab da wo ich ihm nicht mehr vertraut habe, dass das was er sagt auch stimmt, aber das kann ich nicht mehr ändern. Der Rest liegt bei ihm. Kann auch verstehen, wenn er sich nicht mehr meldet.
Generell möchte ich auch für eure Reflektionen/Ratschläge danken. Werde mich nun zurückziehen. Einfach um selbst damit abschließen zu können.Geändert von Inaktiver User (14.01.2018 um 17:19 Uhr) Grund: Bitte korrekte zitieren und v.a. ellenlange Zitate vermeiden
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14.01.2018, 16:14
AW: Er muss nach Kennlernphase nachdenken
Alles Gute und mach dir nicht so einen Kopf! Es ist jetzt nicht mehr zu ändern und wenn er dich wirklich gerne hat, meldet er sich auch nochmal. Ich glaube einfach, dass Partnerwahl nicht nur rein rational abläuft und das man da auch mal verzeihen können sollte.



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Es ist klar, dass häufige Enttäuschungen ein tiefes Gefühl von Verunsicherung und Misstrauen in einem Menschen hinterlassen können. Doch das ist etwas, was die TE selbst angehen und wofür sie selbst Verantwortung übernehmen müsste. Der Partner kann da nur unterstützen. Doch offensichtlich erwartet sie, dass sie da nichts tun muss, sondern dass er dafür zuständig ist, sie zu heilen.
Ääähm – das war am Anfang zwar wirklich schön, aber ich glaube, dem bin ich nicht gewachsen...“
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