Hallo ihr fleißigen LeserInnen und SchreiberInnen,
ich würde gern hier auch mal meine aktuelle "Kennenlern-Geschichte" schildern, da der betreffende Mann jetzt leider auch erstmal wieder 5 Wochen weg ist und ich (leider?) Zeit habe (zu viel?) nachzugrübeln.
Ich versuche es kurz zu halten.
Er und ich sind seit mehr als 9 Jahren befreundet, wobei wir uns nicht so häufig gesehen haben. Wir haben uns damals über eine gemeinsame Freundin kennen gelernt. Er kommt aus Argentinien, hat aber von den 9 Jahren auch ca. die Hälfte der Zeit in Deutschland verbracht (erst studiert, dann gearbeitet), und hat ab Februar auch einen unbefristeten Job hier. Er hat immer geschwankt ob er sich hier etwas aufbauen oder zurück nach Argentinien will, schließlich hat er da seine Familie, Freunde etc. Jetzt soll es für die nächsten Jahre aber wohl Deutschland sein.
Gegenseitige Attraktivität war zwischen uns beiden schon von Anfang an immer da. Es ist aber, bis auf einen Kuss vor 7 Jahren, nie mehr zwischen uns passiert. Er war zwischendurch auch mal 2 Jahre in Argentinien, ich war mal ein halbes Jahr im Erasmus, und später beruflich für fast 3 Jahre auf einem Auslandseinsatz. Auch "beziehungstechnisch" haben wir uns immer verpasst, meist wenn wir uns gesehen haben, war einer von uns vergeben. Der Kuss damals war sehr schön, aber kurz vor meinem Erasmussemester. Er hat damals sehr darauf gedrängt, dass wir es mit einer Beziehung versuchen, ich hatte allerdings grade erst eine Fernbeziehung hinter mir und fand die Aussicht "erst ich weg im Erasmus, dann er 2 Jahre in Argentinien" nicht für eine Beziehung passend. Dazu kommt, dass das damals sein erster Kuss war (er war damals 22 und hatte vorher nie eine Beziehung). Ich habe damals irgendwie eine große Diskrepanz hinsichtlich unserer Erfahrung gespürt, und mich auch deshalb gegen einen Beziehungsversuch entschieden. In den Jahren danach habe ich das manchmal, na ja, nicht unbedingt bereut, aber in Frage gestellt.
Wir sind immer in Kontakt geblieben, haben viel und oft geskypt, uns gegenseitig über schwere Krisen hinweggeholfen, er musste den Suizid eines Angehörigen verkraften, ich hatte eine Zeitlang mit der Bewältigung von Kindheitserlebnissen zu tun (Missbrauch durch meinen Großvater, was nicht so schlimm war im Vergleich zu dem was manch andere Kinder erleiden müssen, er hat mich "nur" mehrmals intim angefasst, schlimmeres ist Gott sei Dank nie passiert. Es hat mich nicht richtig "geschädigt", ich kann auch Sexualität heute gut leben, aber in der Zeit nach dem Tod meines Großvaters habe ich das halt aufgearbeitet). Wir haben all sowas miteinander geteilt und waren, meist auf die Ferne, füreinander da. Und: wir haben so viel über alles mögliche geredet, auch so offen wie man es manchmal vielleicht auch besser auf die Ferne kann, dass wir auch die dunklen, negativen Seiten/Gedanken des anderen ganz gut kennengelernt haben.
Um jetzt zum Punkt zu kommen: letzte Woche haben wir uns nach längerer Zeit einmal wieder gesehen, das letzte Mal als wir uns davor sahen (im März) war er noch in einer Beziehung. Jetzt sind wir beide Single und was soll ich sagen, als wir uns letzte Woche gesehen haben war das so schön, so vertraut und trotzdem aufregend. Wir haben uns lange unterhalten und dann lange geküsst.Und mir flattern noch immer die Knie davon.
Jetzt ist er zuhause in Argentinien über Weihnachten für 5 Wochen und ich mache mir viele Gedanken. Er hat auch ein paar Sätze dazu gesagt, wie er das sieht, aber nach dem einen einzigen Abend weiß ja keiner von uns, was draus wird. Was er gesagt hat, war, dass er denkt, wir waren damals noch jung, hatten ein schlechtes Timing. Und dass es in seinen Augen jetzt so zusammen kommt, wie es soll. Und er hat mir zu verstehen gegeben dass ihm viel daran liegt es mit mir zu versuchen und dass er "schon lange auf diesen Moment gewartet" habe.
Mein Herz sagt ganz klar ja! Dass mich heute mal noch ein paar Küsse so aus der Fassung bringen würden hätte ich nicht gedacht, es war seit Jahren das schönste Gefühl mit einem Mann.
Ich mache mir jetzt nur viele Gedanken a la "Freundschaft riskieren, ist es das wert?". Ich möchte ihn als Freund auf gar keinen Fall verlieren. Und ich habe Sorge dass wir im Alltag, als Paar, zu verschieden sind. Dinge, die in einer Freundschaft nicht auffallen, nicht stören, aber in einer Beziehung dann doch in den Vordergrund treten. Es sind auch Kleinigkeiten teilweise und ich weiß nicht, ob ich mich da jetzt zu sehr verkopfe. Ich konnte mich bisher immer ganz gut in Beziehungen einfach fallen lassen, ausprobieren wie es so passt, ohne vorher viel zu grübeln. Er ist mir aber ein so guter Freund schon seit so vielen Jahren, das ist für mich sehr schützenswert...
Dinge die ich grade so überlege sind: die Distanz, die Unsicherheit ob er wirklich langfristig in Deutschland bleiben will, ich kann mir auswandern nicht vorstellen... unsere verschiedene Lebensart, er ist in Buenos Aires aufgewachsen, Millionenstadt, er liebt es 24h ins Kino/essen/tanzen gehen zu können. Ich bin ziemlich ländlich aufgewachsen, bis ich 8 war auf einem Bauernhof, und ich konnte mir für später auch immer einen ländlichen Wohnort vorstellen. Dazu gibt es einfach so viele "kleinere" Dinge in denen wir grundverschieden sind. Ich esse bspw. kein Fleisch, habe das schon als Kind aufgehört. Er als Argentinier ist der absolute Fleischfan, für ihn gehört das glaub fast täglich auf den SpeiseplanIch bin da sehr offen und auch nur einer meiner Expartner war Vegetarier, es gab da von meiner Seite nie Probleme, ich bin null "missionarisch" unterwegs. Hatte aber auch einen Expartner an dem genau das ein ewiger Streitpunkt war, da es ihn genervt hat darauf Rücksicht nehmen zu müssen (beim gemeinsamen Kochen) bzw. wir immer zwei verschiedene Abendessen machen mussten. Und na ja, das sind eben einige so Kleinigkeiten, die ich mir grade überlege. Ich bin auch noch ein bisschen wirr im Kopf und berauscht von dem Abend mit ihm letzte Woche. Es war furchtbar schön.
Für Gedanken zu alldem wäre ich sehr dankbar.
Liebe Grüße und schönen Winterabend,
Cantaloupe
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08.12.2016, 19:04
9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
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08.12.2016, 19:19Inaktiver User
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
Hmmm ich könnte das nicht. Nach so langer Freundschaft würde erotisch bei mir nichts mehr laufen aber ihr scheint ja füreinander bestimmt zu sein irgendwie....versuch es halt.
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08.12.2016, 19:50
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
Da hilft nur ausprobieren, irgendjemand von Euch müsste sich dazu aber in die eine oder andere Richtung bewegen. Ich würde es drauf ankommen lassen. Schlimmstenfalls passt es dann eben nicht als Paar. Dann wäre die Freundschaft vielleicht erst mal auf Eis-aber mit Abstand ( also auch räumlich) kann sich das auch wieder einrenken.
Machen!
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09.12.2016, 05:06
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
Für mich liest sich das einfach nur fürchterlich verkopft. Wenn ich derart grübeln und Zweifel haben würde wie du, würde ich die Freundschaft nicht riskieren. Und wenn ihr so unterschiedlich seid, bzw. auch noch unterschiedliche Vorstellungen vom Lebensentwurf habt (Deutschland/Argentinien), dann wird das langfristig eh nichts, wenn sich nicht Einer dem Anderen anpasst.
Alternativ könntest du dich natürlich auch auf die Sache einlassen, ein paar schöne Jahre genießen und schauen, was draus wird. Mit der Option, dass es wahrscheinlich nicht für immer ist.
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09.12.2016, 09:49
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
Ran an den Mann! Wie oft passiert es denn, dass ein Mann dich so berührt? Also beik mir nicht oft... deswegen werde ich dann aktiv.
Du hast nicht wirklich was zu verlieren. Eure "Freundschaft" ist wie eine Basis, die auch inder Beziehung bleibt. Kenne ich, weil ich mit meinem Partner auch anfangs länger befreundet war, und heute ist es noch eine Basis unserer Beziehung, die ich liebe. Man kann sich alles sagen, man kennt sich gut menschlich, die Chemie ist da. Du hast nicht wirklich was zu verlieren, nur zu gewinnen.
Genieße die Weihnachstage, skype-t oft, und dann wohnt er ab Februar ja in DE. Ob er langfristig bleibt kannst du sowieso nicht wissen, er wohl auch nicht. Aber es ist doch eine Möglichkeit, oder?
Also freue dich einfach, ihn bald wieder zu sehen. Da tickt ein innerer Countdown, und 5 Wochen sind bald um.
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09.12.2016, 10:14
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
und da überlegst du noch?
ich glaub ja gar nicht, dass es dir wirklich darum geht die freundschaft nicht zu gefährden, du hast einfach schiss vor einer enttäuschung (verzeih mir wenn ich irre
), das ist auch ok und normal, aber ich rate dir, schalt den kopf aus. no risk no fun.
manchmal muss man sich in eine liebesgeschichte einfach reinschmeißen, keine rücksichit auf verluste, lass es flattern! was gibt es schöneres?
das klingt alles viel zu gut um es zu zerdenken.
viel glück!
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09.12.2016, 10:18
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
Himmel die Berge, lass es laufen, wenn Du Dich nicht traust wirst Du es niemals wissen...
Es gibt für zwischenmenschliche Beziehungen kein Netz mit doppeltem Boden!Das Leben macht was es will und ich auch!
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09.12.2016, 13:47
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
oh je, soviel Rumgehirne. Und das schon bevor es richtig angefangen hat zwischen euch... Lass es doch erstmal laufen, sich entwickeln und genieße doch erstmal das schöne Gefühl das er Dir gibt. Seid ihr nach dem einen Kuss wirklich schon soweit, Zukunftspläne zu schmieden?
Und wenn Du wirklich keinesfalls damit leben kannst, dass er evtl. wieder in die Heimat zurück will oder dass er Fleisch isst, dann stoppe es und belasse es bei der platonischen Freundschaft.life's a beach
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09.12.2016, 14:04Inaktiver User
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
herzlich willkommen in der bri

ja, du bist sehr verkopf, aber auf der anderen seite auch sehr realistisch.
ich frage mich, wie eine beziehung funktionieren soll auf zwei kontinenten?
zumal du ja auch nicht auswandern magst.
ich glaube das wird scheitern, aufgrund der riesen distanz.
was hat der missbrauch deines großvaters eigentlich mit allem zu tun?
oder wolltest du das nur mal los werden?
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09.12.2016, 14:26
AW: 9 Jahre transatlantische Freundschaft... und jetzt?!
Hallo alle miteinander, danke für die Antworten!

Wir haben gestern noch geskypt und ich hab alles hier gelesen und ihr habt auf jeden Fall Recht, ich habe mir viel zu viel den Kopf zerbrochen und auch viel zu weit gedacht. Ich musste grade selber innerlich über mich lachen, dass ich das gestern mit dem Fleischkonsum wirklich geschrieben habe. Keine Ahnung was mich geritten hat, dass ich mir über tausend solche Kleinigkeiten vorab den Kopf zerbrochen habe. Wahrscheinlich ist es so, wie du schreibst, ImeanIdream, dass es nicht nur um die Freundschaft geht die ich nicht belasten will, sondern auch Schiss vor einer Enttäuschung. Und das macht ja nun mal gar keinen Sinn, das vorher alles so zu analysieren.
Ich denke dass diese Kontinent-Sache wirklich etwas ist worüber wir irgendwann nachdenken müssen. Das ist keine Kleinigkeit. Aber auch dafür ist nicht jetzt, nach dem allerersten Schritt, der richtige Zeitpunkt. Er bleibt jetzt ja erstmal in Deutschland ab Februar. Und wir stehen beziehungstechnisch noch bei Null und ganz am Anfang, auch wenn wir uns als Freunde schon so lange kennen.
Mich hat dieser Abend mit ihm völlig umgehauen, ich war schon auch durcheinander und dadurch dass er jetzt in Argentinien ist und wir uns nicht treffen können, ging das Grübeln erst recht los.
Ich habe beim Skypen mit ihm gestern ganz deutlich gespürt dass ich dem eine Chance geben will und dann mache ich das jetzt auch, ohne dieses Wenn und Aber... wir werden ja sehen was daraus entsteht und wir haben so viel zu gewinnen. Er ist so ein kluger, witziger, empathischer Mensch und küsst unfassbar toll
Und es stimmt, wie oft passiert einem das, dass jemand einen so arg berührt? Mir in der Form schon länger nicht mehr passiert und ich bin jetzt grade so dankbar dafür und genieße es jetzt einfach 
Danke für die Schubser, ich beschäftige mich jetzt wieder mit sinnvollen Dingen, höre auf zu grübeln und freue mich auf seine Rückkehr in 5 Wochen.
Entschuldige, dann war das im Kontext nicht gut erklärt. Ich habe das, wie auch den Todesfall in seiner Familie, als Beispiel dafür genommen, wie eng unsere (bisher freundschaftliche) Beziehung war, trotz der Entfernung. Da er damals sehr für mich da war und ich am Anfang mit nicht vielen darüber sprechen konnte, aber ihm konnte ich das mitteilen und wir haben auch solche schweren Zeiten miteinander geteilt. Es war als Beispiel gedacht. Ist im Zusammenhang mit uns ansonsten nicht weiter von Bedeutung.was hat der missbrauch deines großvaters eigentlich mit allem zu tun?
oder wolltest du das nur mal los werden?


Ich bin da sehr offen und auch nur einer meiner Expartner war Vegetarier, es gab da von meiner Seite nie Probleme, ich bin null "missionarisch" unterwegs. Hatte aber auch einen Expartner an dem genau das ein ewiger Streitpunkt war, da es ihn genervt hat darauf Rücksicht nehmen zu müssen (beim gemeinsamen Kochen) bzw. wir immer zwei verschiedene Abendessen machen mussten. Und na ja, das sind eben einige so Kleinigkeiten, die ich mir grade überlege. Ich bin auch noch ein bisschen wirr im Kopf und berauscht von dem Abend mit ihm letzte Woche. Es war furchtbar schön.
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