Ich fühle mich gerade aus einem anderen Grund sehr betroffen eine sehr nahestehende Freundin betreffend. Sie wurde kurz vor Weihnachten Witwe. Und wie es der Teufel will hatte ich sie exakt an diesem Tag am Telefon. Nun trennen uns aber ein Ozean. Ihr Mann war auch auf unserer Hochzeits-Feier dabei. Wir haben uns gegenseitig nur angestottert, keinen vernünftigen Satz zustande gebracht. Da ich in der davor liegenden Zeit diejenige war, die sich wesentlich öfter gemeldet hat, bin ich mit ihr so verblieben, das sie sich einfach meldet, wenn ihr danach ist.
Ich bin sowas von hilflos, mir ist keine bessere Lösung eingefallen.
Ich denke mal, sie bracht erstmal Luft zum atmen, ist eh noch in der Schockstarre. Wir sind zusammen erwachsen geworden...
Antworten
Ergebnis 711 bis 720 von 736
Thema: Witwer kennen gelernt...
-
29.12.2016, 09:57
AW: Witwer kennen gelernt...
Geändert von froschaugen (30.12.2016 um 09:24 Uhr)
-
29.12.2016, 13:23Inaktiver User
AW: Witwer kennen gelernt...
Liebe Froschaugen.
Ungebeten erlaube ich mir, dir einen Rat zu geben. Wenn ihr euch Nahe steht, dann melde du dich regelmässig bei ihr. Jeder Mensch ist anders, trauert anders. Ich war 35 als mein Mann starb und ich war froh um einige enge Freunde, die sich wieder und wieder bei mir gemeldet haben, obwohl ich selber fast nie aktiv auf sie zugegangen bin. Ich hatte schlicht die Energie nicht dazu. Ich war und bin so froh, dass meine Freunde nicht darauf gewartet haben, dass ich mich melde, so im Stil von "jetzt haben wir schon dreimal angerufen - jetzt muss sie sich auch mal melden", sondern das immer wieder von sich aus getan haben. Aber wie gesagt, jeder trauert anders, vielleicht bringt sie die Energie auf, dich anzurufen wenn es ihr schlecht geht. Alles Gute!
-
30.12.2016, 08:40
-
30.12.2016, 09:30
AW: Witwer kennen gelernt...
Da hasst Du recht Josy. Alle Feiertage, Urlaubszeit manchmal sogar noch die WoEnden, immer wieder falle ich da in den alten Trott. Ich habe mir gestern mal einen Tag frei genommen und bin in der Gegend rumgefahren. Das war schön und ich habe mich gefragt, warum ich mir das nicht öfter mal gönne.
Jaws - ich denke ist halt im Moment ein Schock, aber ich bin da bei Dir und Deiner LG ganz optimistisch. Ich drücke auf alle Fälle die Daumen.
-
30.12.2016, 09:55Inaktiver User
AW: Witwer kennen gelernt...
-
30.12.2016, 22:00Inaktiver User
AW: Witwer kennen gelernt...
@ froschaugen,
ich sehe da weder einen Grund für Dich, besonders betroffen zu sein noch Dich öfter zu melden. Bin da pragmatisch.
Ihr standet euch nicht nahe, Du und sie, wenn ich es recht gelesen habe. Jedenfalls standest Du ihr nicht nahe.
-
31.12.2016, 13:53
AW: Witwer kennen gelernt...
Ich wollte auch mal meinen Senf als "Fachfrau" dazu geben. Das ganze Thema Sterben, Tod und Witwe sein hab ich immer sehr pragmatisch nach dem Tod meines Mannes vor einem Jahr behandelt.
Meine Tränen und meine Trauer haben von Anfang an nur mir gehört. Und ich kann allen versichern, wenn man einen nahe stehenden Menschen verloren hat, ist da sehr viel Wut und Trauer , und das muss raus. Mir ging es schon nach ein paar Monaten sehr viel besser. Ich hab auch heute noch jeden Tag Moment, in denen mir die Tränen kommen.
Aaaaaber eine gute Freundin von mir wurde vor ein paar Monaten nach 20 Jahren Ehe mit die Kindern von ihrem Ehemann ratzfatz verlassen, mittlerweile ist seine 20Jahre-jüngere Neue schwanger und es ist ein fieser Rosenkrieg entbrannt. Und sie leidet sehr, was ich sehr gut verstehen kann. Ihr wurde genauso wie mir einfach ihr gewohntes und geliebtes Leben einfach unter den Füssen weggezogen.
Während ich meine Trauer nach zwei Monaten schon "gut im Griff" hatte, für meine Umwelt, ist sie mit ihrer Geschichte überall unterwegs. Es ist immer und überall Gesprächsthema, der "Rosenkrieg" wird sie und ihr Leben wohl nach länger begleiten, da sie gemeinsame Kinder haben.
Zwei unterschiedliche Situationen, zwei unterschiedliche Frauen, die ganz verschieden mit ihrer neuen Lebenssituation umgehen.
Und keine von uns beiden hat damit gerechnet, keine konnte vorher sagen, wie sie damit umgehen würde, und wir beide wünschen uns eigentlich nur, dass alle unsere Art mit unserem Leben umzugehen, einfach nur respektiert wird.
P.S.: Während sie nie wieder einen neuen Partner haben will (sagt sie jedenfalls jetzt) , bin ich seit kurzem sehr verliebt und will, dass was draus wird.Geändert von silberstein (31.12.2016 um 13:59 Uhr)
-
31.12.2016, 14:09
AW: Witwer kennen gelernt...
Silberstein, ich bewundere dich für den pragmatischen Umgang mit der Trauer.
Den hatte ich nie, nach 2 Monaten war ich noch lange nicht im tiefen Tal auch
nur angekommen. Das mag daran liegen, dass bei mir Kinder im Spiel waren,
die mich neben dem Job natürlich forderten- neben der ganzen Bürokratie
und was sonst noch alles anstand. Man muss sich einfach "zusammen reißen",
ganz egal wie man sich gerade fühlt, das hat mir gar nicht gut getan und sich
auch auf meine körperliche Befindlichkeit ausgewirkt- lange danach.
Auch bin ich kein "Gruppen-oder Therapie"-Mensch, habe immer versucht andere
außen vor zu halten, bis auf wenige und seltene Ausnahmen.
Bei mir jähren sich im Frühjahr zwei Todestage, der 13. und der 8. und ich werde
niemals sagen können das mir diese Menschen nicht mehr fehlen , auch wenn
ich wieder glücklich bin in meiner neuen, auch schon über 5 jährigen Beziehung,
inzwischen Ehe, denn es waren diese Menschen, die nur einmal hier waren
und die nie wieder zurück kehren.
Aber deshalb habe ich meinem jetzigen Mann gegenüber absolut kein schlechtes
Gewissen, er kannte meine Vorgeschichte, ich seine und wir haben uns inzwischen
ein Leben im Hier und Jetzt aufgebaut.
Es tut mir manchmal weh, wenn Verwitwete als "Beziehungsversager" dargestellt
werden- und eigentlich alles nur falsch machen können.
Denn es ist immer die Person als solche verantwortlich für ihr Leben und den Umgang
mit anderen, ganz egal was einem im Leben widerfährt. Der/die neue Partner, Partnerin
wird auch nicht in allem perfekt sein, aber es ist einfacher alles Übel beim Gegenüber
zu suchen. Fehler machen wir alle, wenn es absolut nicht passt, gibt es auch für jeden
jederzeit die Möglichkeit zu gehen- glücklicherweise.
Was du schreibst, spricht mir aus dem Herzen !
Ein gutes 2017 wünsche ich dir !Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
wir waren
Aharon Appelfeld
-
02.01.2017, 11:14
AW: Witwer kennen gelernt...
Eine Beziehung zu einem Menschen, der jemanden durch den Tod verloren hat, folgt einer speziellen Dynamik. Es ist immer eine Gratwanderung zwischen, Geduld, Verständnis und sich selber nicht aufgeben. Es ist wie ein Gummiband. Mal ganz nah, dann wieder mit Abstand.
@jaws: hochzeitsbilder im schlafzimmer dürfen wir nicht persönlich nehmen. Ist bei uns auch so und Weihnachten ist emotional gesehen eine achterbahnfahrt, egal wie lange der Tod her ist, deshalb feiern wir getrennt.
LG
Mondelfe
-
02.01.2017, 12:58
AW: Witwer kennen gelernt...
Das ist genau der Punkt mit Nähe, Distanz und Bindungssicherheit.
Wer das Gummiband verträgt und wem es egal ist, wenn der andere die Distanz bestimmt - für den kann so eine Beziehung glücklich sein. Wer aber durch das Wechselbad emotional "getriggert" wird, für den ist das nichts.
Eigentlich ist das ganz einfach. Man muss sich als Partner selber nur gut genug kennen und seine persönliche Schmerzgrenze definieren.


Zitieren

