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Thema: Fassadenmenschen?
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18.11.2015, 20:26Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
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18.11.2015, 20:27Inaktiver User
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18.11.2015, 20:55
AW: Fassadenmenschen?
Liebe ja-aber,
ich habe jetzt nicht alles gelesen, sondern nur den Eingangspost und etwas quer durch die folgenden Seiten (was mir gerade etwas zu viel Text
), also verzeih wenn das was ich sage so schon genannt wurde.
Bei dem was ich gelesen habe, fielen mir sofort zwei Begriffe ein:
Abhängige Persönlichkeitsstruktur und Narzisst.
Die ideale Kombi und nach dem was du so schreibst scheint du Tendenzen zum ersteren und deine Männer zum zweiteren zu haben.
Wie waren diese Männer denn zu dir? Waren sie am Anfang voller Überschwang und fanden dich super perfekt, haben dann aber schnell mit kleinen subtilen Sticheleien an deiner Person die sich irgendwann gesteigert haben, angefangen?
Waren die Beziehungen ein ständiges Auf- und Ab zwischen Nähe und Distanz? Hatten die Männer echtes Interesse an dir oder ging es ihnen nur darum sich mit deiner Bewunderung für sie volllaufen zu lassen? Waren sie schnell aufbrausend bis hin zur Aggressivität in vollkommen unerwarteten Situationen?
Emphatielosigkeit, Egomanie, Empfindlichkeit und Entwertung Anderer - die 4 E's des Narzissmus.
Ich weiß, dass der Begriff Narzisst in letzter Zeit häufig bemüht wird. Die wenigsten Männer sind wohl pathologische Narzissten, aber die Tendenz dazu ist weit verbreitet und so wie du dich beschreibst suchst du genau nach so Jemanden: einem äußerlich tollen, aber unnahbaren Menschen dessen Zuneigung du zu erlangen suchst.
Das Wort Wiederholungszwang fiel hier schon, bzw. die Aufarbeitung vergangener Beziehungen durch ein Wiedererleben der selben Muster.
Ich glaube nicht, dass du anstrengend oder falsch bist und auch nicht, dass du an deinem eigenen Auftreten arbeiten musst. Ich glaube eher du solltest versuchen zu durchschauen was es genau ist, dass dich an diesen Männern so fasziniert und dabei komplett ehrlich mit dir sein.
Nur wenn das Muster klar ist, kann man es umgehen...
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18.11.2015, 21:04
AW: Fassadenmenschen?
Achja, passt auch zum Titel des Threads. Wenn es sowas wie DEN Fassadenmenschen schlechthin gibt, dann ist es ein Narzisst.
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18.11.2015, 22:22
AW: Fassadenmenschen?
Das würde ich voll unterschreiben! Es ist ja oft so, dass man das zuerst als Widerspruch empfindet - wenn man gesagt bekommt, man solle "bei sich" und authentisch bleiben und sich in einer Beziehung nicht verlieren oder sich völlig verbiegen - denn handkehrum enthält das für einen ja auch wieder die Botschaft "So wie du bist, bist du nicht okay". Also bei sich bleiben und die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren - aber gleichzeitig soll man lockerer werden und nicht so fordernd oder anstrengend oder empfindlich sein und nicht aus allen Mäusen Elefanten machen und Worte auf die Goldwaage legen usw.... Eben - das wirkt ja zuerst einmal einfach paradox: Wie soll ich das denn anstellen - meine Authentizität bewahren und bei mir selber bleiben, wenn ich halt nun mal so bin - kompliziert und empfindlich und mich halt gewisse Dinge treffen, die ich dann aber nicht bemängeln darf, weil ich sonst wieder extrem "unlocker" bin???
Und da denke ich eben, dass das, was Caramac geschrieben hat, den Kern der Sache trifft. Denn das Problem ist eigentlich nicht, dass einen ANDERE kritisieren und nicht annehmen, wie man ist, sondern dass man das SELBST nicht tut. Dass man mit sich selber nicht im Reinen ist, dass man so ist, wie man nun eben ist. Dann sucht man die Bestätigung und die Akzeptanz bei anderen statt bei sich selbst, und das kann auf Dauer nicht gut gehen. So in der Art: Wenn ich irgendwann einen Mann finde, der mich so liebt und vollkommen akzeptiert, wie ich bin, dann habe ich endlich meine Legitimation - die Bestätigung, dass ich "okay" bin. Wenn man sich diese Bestätigung aber im tiefen Innern nicht selber geben kann, dann wird man unglücklich und unfrei. Wenn man darauf wartet, dass andere einen zuerst bestätigen, bevor und damit man sich selber akzeptieren kann, ist das wohl immer ein "recipe for disaster".
Und wenn du, liebe ja-aber, denkst, ich könne das so souverän, was ich hier predige, dann lass mich dir sagen, dass es nicht so ist.. Ich bin vor nicht allzu langer Zeit wieder so was von reingerasselt und lecke jetzt noch meine Wunden. Aber theoretisch wäre ich sehr weise...
Und ich glaube auch an das, was ich hier schreibe. Es ist nur wirklich schwer und braucht Zeit und Geduld und manchmal halt auch schmerzhafte Konfrontationen mit sich selbst, aber es ist machbar, davon bin ich zutiefst überzeugt.
Und noch etwas: Selbstzweifel und Selbstkritik sind doch nicht per se etwas Schlechtes - ich finde das auch liebenswert! Einen Menschen, der das nie hat oder glaubt, man könne irgendwo "ankommen" und diese Position dann sein ganzes übriges Leben nie mehr hinterfragen, den fände ich schwer zu respektieren.
Ich finde, du wirkst hier sehr sympathisch und hart im Nehmen!
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19.11.2015, 09:45Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Ich glaube, dass auch die Männer sich da ziemlich draufgestürzt haben, zumindest die letzten beiden. Der eine hatte diese tiefe Familiensehnsucht, der andere war ja doch ganz frisch Witwer. Das lag nicht nur an mir, sondern war beiderseits so. Der erste sprach nach ein paar Wochen schon von Heirat, der andere ja ganz fix von Zusammenziehen. Das befeuert mich dann leider auch gleich noch. Ich lerne, ich muss unbedingt stärker auf die Bremse treten statt in Luftschlösser einzuziehen....
Insgesamt muss ich darauf achten, das nehme ich hier mit, mich wirklich mehr mit dem Mann zu beschäftigen. Also, was er IST; nicht nur was er sagt - und, da achtete ich ja schon beim zweiten stärker drauf was er tut.
Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, wie viel weiß ich, da weiß ich vor allem von vielen Baustellen und Defizien und dem Leben in der Vergangenheit. Ich habe zwar ein paar Freunde und Bekannte getroffen, aber als integriert würde ich mich nicht betrachten, da gab es beim ersten ja auch viel Zwietracht, beim zweiten ja nur die Nähe zu den zwei Damen, die ich nicht kennengelernt hab. Zwar haben beide einen großen Dunstkreis von Bekannten, aber so regelmäßige "Kumpelabende" oder so gab es nicht. Mag beim zweiten auch dem Stress geschuldet gewesen sein, er war ja ständig auf Seminaren. Vielleicht ist der Business-Kontext sein Freundeskreis, da saß man ja auch abends zusammen.
Ich hab mich mit dem zweiten so 1-3x die Woche abends getroffen, manchmal eben auch tagsüber mit den Kindern. Da war ja noch am Wachsen, aber ich fand eigentlich auch, dass wir schon sehr weit mit Themen waren, die eigentlich noch nicht auf dem Plan standen. Gerade das Zusammenzug-Thema war für mich sehr emotional belastet, da ich an meinem Haus schon sehr hänge. Wir haben das Thema von Anfang an gehabt, Ende Juli hab ich darum gebeten, das bis September zu verschieben. Die Option ausziehen stand für ihn immer sehr zur Debatte, für mich gar nicht, auch so ein Punkt. Er fühlte sich unter Druck gesetzt, bei mir einziehen zu müssen, weil ich ja nicht weg wollte, und das fühlte sich für ihn nicht gut an. Das war nicht ausdiskutiert, aber wäre sicher auch ein Meilenstein einer möglichen Trennung gewesen. Für mich stand das irgendwie noch gar nicht zur Debatte. Aber das mal wegen der "Schnelligkeit".
Bei beiden spielten meine Ängste eine große Rolle. Das Haus als Wegfall-Option hat mich schon sehr getriggert, in beiden Fällen ging es ja um Wohnen und Häuser, der erste kämpfte mit der Ex um "sein" Haus, in dem sie wohnte und auch da war Thema "dann zieht Ihr zu mir".
Das Schluss machen muss ich echt üben.
Ich hab immer den Drang, wenn ich ja zu etwas gesagt habe, dann auch alles daran zu geben, dass es funktioniert. Das hat mir bei vielen Momenten im Leben sehr geholfen, ich kann mich durchbeißen und dann genießen, dass es geklappt hat. Ich bin sehr kompromissbereit. Mein Haus sehe ich als so ein "Ja", wo mir jeder am Anfang den Vogel gezeigt hat, ich habe es trotzdem gemacht, viel Arbeit und Herzblut investiert und es geschafft. Letztlich wär auch die Option gewesen, nein zu sagen, meinen Ex insolvent gehen zu lassen, und von Null und schuldenfrei in einer kleinen Wohnung wieder neu anzufangen. Vielleicht wäre das leichter gewesen, aber ich genieße es sehr, dass ich es geschafft habe, unser Zuhause zu erhalten, die Kredite und alle anderen Verträge zu verhandeln und das zu erreichen, was ich mir wünsche.
Nun frage ich mich seit gestern tatsächlich, will ich unbedingt (irgend)eine Beziehung? Mache ich deshalb nicht Schluss? Das nagt schon an mir.
Ich habe mein Eheversprechen damals ernst genommen. Ich hätte eigentlich den Ex spätestens nach Geburt unserer Tochter vom Hof jagen müssen, aber ich habe gekämpft, wir haben ein zweites Kind bekommen und blieben noch sieben Jahre verheiratet. Warum hab ich mir das angetan? Er hat absolut nichts für die Ehe, für mich, für die Gemeinsamkeit, für Nähe, für ein Zuhause-Gefühl getan. Ich habe das 100% allein getan. Warum? Ich habe diesen Mann geliebt, aber vielleicht hat mir tatsächlich das tiefe Verständnis für ihn gefehlt. Ich denke heute, eigentlich wollte er das alles gar nicht. Weder Haus noch Kinder, er hat sich um nichts gekümmert. Um mich auch nicht. Er hat sein Single-Leben weiter gelebt. Jetzt ist er ja wieder verheiratet, hat noch zwei Kinder, und ich sehe von außen keine Wesensänderung, außer dass seine Frau ein anderer Typ ist als ich und in der Brutpflege und dem Haushalt und so weiter anscheinend völlig aufgeht.
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19.11.2015, 10:15
AW: Fassadenmenschen?
Liebe ja - aber,
ich habe gerade fast ohne Luft zu holen Deinen Strang und die ganzen Beiträge gelesen.
Auch ich kämpfe seit einiger Zeit mit mir, meinem inneren Kind, meiner Authentizität, meinem Wunsch nach einer festen Beziehung ( bin wie distantdreamer auch vor einiger Zeit in etwas - eigentlich aussichtsloses - hineingerasselt ) und dem dringenden Wunsch, bei mir zu bleiben.
Ich bin alleinerziehend so wie Du. Auch ich habe mich an der Vergangenheit immer irgendwie an Männern abgerackert.
Darauf habe ich keinen Bock mehr.
Ich finde, Du liest Dich sehr reflektiert und gar nicht anstrengend.
Wenn Du Lust hast, Dich auszutauschen - so von alleinerziehend von alleinerziehend & gerade sich selbst findent - ich würde mich freuen. Gerne auch PN.
Computergenie
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19.11.2015, 10:30Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Hallo ja-aber, da möchte ich noch mal meinen Senf hinzugeben.
Ich glaube, du bist mit diesen Fragen auf einem guten Weg, allerdings hat dir möglicherweise zuallererst das tiefe Verständnis für dich selbst und deine Wünsche gefehlt. Du liest dich wie eine sehr starke, zuverlässige Person, der ihr einmal gegebenes Wort etwas gilt. Das ist eine Riesenqualität.
Woran es hapert - scheint mir - ist vielmehr, dass du dein Wort zu schnell und unhinterfragt zu allen Ansprüchen gibst, die von anderen an dich herangetragen werden. So als würdest du jeden Wunsch als zu erfüllende Aufgabe schultern, ohne zu schauen, ob du selbst das auch genauso willst (Stichwort Blau bzw. Grün). Du ziehst einmal versprochene Dinge durch, ohne dich selbst dabei zu berücksichtigen, und bist dann dementsprechend sauer, wenn andere das nicht so tun, sondern sich vorbehalten, ihre individuellen Wünsche wichtiger zu nehmen.
Vielleicht drücke ich mich unklar aus. Es wirkt so, als würdest du dein Inneres im entscheidenden Moment nicht berücksichtigen (oder es nicht wahrnehmen), weil die Anforderungen von außen alles übertönen.
Wenn du auf deine wahren individuellen "blauen" Wünsche zu hören lernst, kannst du diesen Automatismus (Beziehung, Zusammenziehen, Bio-Aufstrich etc.) durchbrechen und mit einem Partner in Verhandlung treten, auch erwachsene, bewusste Kompromisse eingehen. Aber den "vorauseilenden Gehorsam", der dich (und den Partner) überrollt wie eine Naturkatastrophe und eine authentische Begegnung verhindert, solltest du in die Tonne treten.
Dann gilt dein Wort auch noch, aber es ist wirklich DEIN Wort.
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19.11.2015, 11:17
AW: Fassadenmenschen?
Du hast sehr wahrscheinlich gar keine intelligenten Männer kennengelernt.
Intelligente Männer nörgeln nicht an deinem Frischkäse rum.
Und Souveränität geht auch anders.
Und noch so einiges anderes, was du in Beitrag 1 von 'deinen Männern' berichtest, hat mit allem möglichen zu tun, jedoch nichts mit Intelligenz und Souveränität.
Ich würde also sagen: du lässt dich nicht von Fassaden blenden, sondern du schätzt die Fassaden falsch ein; das ist ein Unterschied.
Du siehst Intelligenz und Souveränität, wo gar keine ist.
Oder aber - und das ist die wahrscheinlichere Möglichkeit: da du aus meiner Sicht selbst eine intelligente und reflektierte Frau bist, bist du sehr wohl in der Lage, ziemlich schnell zu erkennen, was für eine Art von Mann du vor dir hast.
Dennoch lässt du dich mit solchen 'seltsamen Typen' ein, die dir (letztlich) nicht gut tun.
Doch warum tust du das? Auf diese Frage wiederum lautet die wahrscheinlichste Antwort: du tust es, weil die 'guten Typen' dich nicht wollen und/oder weil du die guten Typen nicht findest, bzw. sie dich nicht finden.
Deine Männerwahl ist gewissermaßen '2. Wahl'.
Kurzum: ich halte deine Fragestellung, inwiefern du dich von Fassadenmenschen blenden lässt, für die falsche Fragestellung.
Das eigentliche 'Problem' liegt höchstwahrscheinlich ganz woanders.
VanDyckGeändert von VanDyck (19.11.2015 um 13:37 Uhr)
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
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19.11.2015, 11:37Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Ich denke, sie gibt ihr Inneres am Anfang ab und hat dann Mühe, sich ein Stück davon zurückzuholen. Sie wird freiwillig Bestandteil der Fassade, die - und da stimme ich VanDyck zu - falsch eingeschätzt wird. Wenn die Fassade anfängt zu bröckeln und sie sich aus der Fassade zu lösen versucht, stürzt natürlich das ganze Gebilde ein, weil ein Teil der tragenden Wand fehlt.



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