Es geht mE nicht um ein "zu viel dies" oder "zu wenig das". Ich sehe kein quantitatives, sondern ein qualitatives Problem.
Ich versuche mal, es zu erklären: Bei aller äußerer Konzentration auf den jeweiligen Mann kommst du mir dennoch sehr selbstbezogen vor. Klingt paradox, aber letztlich beschäftigt dich nicht so sehr der andere Mensch, sondern die Beziehung. Als würdest du dein Gegenüber gar nicht wirklich wahrnehmen, sondern das tun, von dem du meinst, dass es von dir erwartet wird, damit "es funktioniert". Ich habe das Gefühl, dass du bei allem Aktionismus nicht wirklich in Kontakt trittst, sondern ein inneres Programm abspulst.
Stecher nannte es "Handelsbeziehung". Du gibst ungefragt sehr viel, übst aber dadurch auch einen Riesendruck aus, weil er dich dafür lieben muss. Ehrlich gesagt, ich als dein Partner würde mich emotional erpresst fühlen.
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Thema: Fassadenmenschen?
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18.11.2015, 16:00Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
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18.11.2015, 16:01Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Da muss ich noch mal drüber schlafen.
In dem Moment empfinde ich das überhaupt nicht als anstrengend, ich bin eher so ein Machertyp, man kann mich schnell dazu kriegen, das hingehaltene Stöckchen begeistert zu apportieren, so würde ich mich eher beschreiben. So wie ein Hund, der rennt und sich freut, da PASSIERT was, da kann ich was tun. Ist grundsätzlich so, ich hab lieber was "erledigt" als was als Berg irgendwo auf der langen Bank liegen.
Ich wäge auch so nicht lange ab, wenn ich z.B. eine Anschaffung machen will, dann überlege ich mir, was ich haben möchte und welches Budget ich dafür zur Verfügung habe, recherchiere kurz und dann kauf ich. Und reue es idR. auch nicht. Ich bin entschlussfreudig. Das mag man dann tatsächlich auch als übereifrig empfinden. Er formulierte auch mal, als er eh genervt war, man dürfe mir gar nichts sagen, ich würde dann sofort machen oder zumindest abwägen, ob es machbar sei. Allerdings war der letzte Mann da definitiv genau so, ich erwähnte mal beiläufig (wirklich beiläufig), dass ich eine bestimmte TV-Sendung, die hier aufgezeichnet wird, echt klasse finde, und er hat mir Wochen später erzählt, dass er auf der Warteliste für Karten steht. Was für ihn okay war (nämlich das Machen), war für ihn umgekehrt anstrengend. Er hat mir zig Dinge besorgt und für mich Sachen erledigt, deshalb war ich auch so begeistert, dass da einer ähnlich tickt und das nachvollziehen kann. Aber irgendwie war er da ambivalent.
Das mit den Motiven kratzt mich jetzt schon ein bisschen an - aber hm. So ganz von der Hand weisen kann ich das nicht, dass ich geliebt werden will. Das kam wohl echt zu kurz bisher in meinem Leben. Deshalb finde ich auch diese innere-Kind-Sache ganz passend.
Diese Gedanken, die Du beschreibst, die will ich schon gern denken, aber irgendwie schleichen sich beide in meinen Kopf ein. Ich bin mir sicher, dass ich viel bieten kann. Aber einfach nur "sein" und "abwarten" fehlt wohl..
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18.11.2015, 16:03
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18.11.2015, 16:17Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Dein Blau-Grün Beispiel trifft es haargenau.
Er fand dich toll, weil du Blau magst. Du nimmst ihm diesen fremden Reiz aber gleich fort und ersetzt ihn durch das dem Mann bereits bekannte, für ihn nicht so aufregende, aber dafür schön bequeme Grün. Er muss sich nicht mehr um gegenseitiges Verständnis bemühen, weil ihr seid ja seiner Meinung nach beide auf Grün gepolt. Manchmal vermisst er die aufregende Frau in Blau, in die er sich anfänglich verliebt hatte, aber die Frau in Grün tut ja alles für ihn, also lehnt er sich zurück und lässt sie machen - bis sie immer mehr nörgelt und schließlich explodiert.
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18.11.2015, 16:18Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
ich frage mich die ganze zeit: wie kommen deine männer dazu, dich überhaupt zu kritisieren? was für dummer sprüche und abwertungen sind das, die du meinst?
bei diesem beispiel habe ich mich auch gefragt, wie der mann dazu kommt, so respektlos rumzumotzen.
ich kenne sowas gar nicht.
soll heißen, ich glaube, es wäre gut, wenn du überhaupt mal nach den ursachen suchst, wie das verhalten der männer zustande kommt. das fände ich interessanter als die frage, wie du auf kritik reagierst - ich habe den eindruck, wenn die kritik kommt, ist der karren schon auf dem weg in den sand...?
vermutung anstellen würde ich in richtung von wilhelma-agains these, dass du unbedingt geliebt und bejaht werden willst, in einem ausmaß, dass den anderen überfordert, weswegen er anfängt, negative punkte an dir zu suchen, um dir und sich gegenüber zu begründen, warum er die 100prozent-bestätigung nicht hinkriegt...
wie zustimmungsheischend bist du?
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18.11.2015, 16:28Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Und wieso ist es dann so ungut, wieder Blau ins Leben zu bringen? Daran hakt es für mich. Ich nörgle ja nicht am Grün herum, ich versuch nur wieder ein bisschen Blau mit einzuflechten und renne damit irgendwie an die Mauer, weil vorher mochte ich Grün ja.
Ich glaube, Du hast recht, da muss ich aufpassen, dass ich über meine Begeisterung für ihn (und ich finde schon, dass ich mich für ihn interessiere und nicht für irgendwen, das hat mich grad total getroffen... aber warum hat es mich getroffen... hmpf) mich selbst nicht verliere. Ich mach ja genau das, mich reizt der grüne Kerl, aber irgendwie lass ich mich davon assimilieren.
Und ja, offenbar ist das dann irgendwie Genörgel und ja, Explosion. Ach Scheiße.
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18.11.2015, 16:28Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Um Gottes willen, das sollst du auch nicht!
Jeder will geliebt werden, das gehört zur menschlichen Natur. Aber es sättigt eben nur dann wirklich, wenn man um seiner selbst willen geliebt wird, nicht für das, was man für den anderen tut oder gar opfert.
Ja-aber, ich meine es nicht böse. Mein Liebster ist auch ein bisschen so gestrickt wie du, und ich merke, wie es mich aggressiv macht, wenn er sich selbst aus den Augen verliert und dafür meine Bedürfnisse übererfüllt. Das setzt mich ungeheuer unter Druck, und ich werde ungehalten statt dankbar. Zum Glück fängt er sich schnell wieder, und wenn er sich dann wieder auf sich selbst konzentriert, kehrt sofort die Anziehung und die Leichtigkeit zurück.
Du bietest ihm am meisten, indem du einfach souverän die Frau in Blau bist und bleibst (kleine Mischungen erlaubt). In die hat er sich schließlich verliebt.
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18.11.2015, 16:46Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Das kann ich dir nicht beantworten. Vielleicht fehlt dir die Leichtigkeit, wenn du Blau (wieder) ins Spiel bringst? Entweder, weil du dir nicht sicher bist, ob du das überhaupt "darfst", oder auch weil du zu lange zähneknirschend und stumm gewartet hast, dass er jetzt mal Bitteschön auch für das Blaue sorgen möge, wo du ihm doch wochenlang sein beklopptes Grün hinterher geschleppt hast?

Jo. Und dieses assimilierende Verschwinden ist das, was manche Menschen, mich eingeschlossen, rasend machen kann. Ich will ein Gegenüber, kein Double.
Ich will Blau! Grün kann ich selbst.
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18.11.2015, 16:48Inaktiver User
AW: Fassadenmenschen?
Weil du erst auf grün geschwenkt bist, um dir dann wieder ein bisschen blau zu "erstreiten". Kann man aus der Partner-Perspektive recht unterschiedlich interpretieren.
Warum bleibst du nicht bei blau, auch wenn du das Grün wunderschön findest. Nicht jedem stehen alle Farben.
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18.11.2015, 16:48
AW: Fassadenmenschen?
Ich finde die Diskussion und besonders Wilhelmas Anmerkungen gerade sehr spannend :)
Und Deine Beispiele mit dem Frühstücksaufstrich und den Farben sind sehr plastisch.
Ich denke, es gibt viele Menschen, die dazu tendieren, sich in einer Beziehung zu verlieren und sich aus lauter Selbstaufgabe uninteressant machen. Und auch den Aspekt, dass diese Selbstaufgabe nicht wirklich aus altruistischen Motiven erfolgt sondern einen sehr egoistischen Moment hat, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Und gerade das macht Dich "anstrengend". Du tust etwas für Deinen neuen Partner und willst dafür geliebt werden. Er hat Dich aber nicht darum gebeten sein grün zu akzeptieren oder Dich in anderer Form aufzuopfern, also sieht er nicht, dass er Dir dafür besonderen Dank schuldet und das macht Dich unzufrieden, also forderst Du diesen Dank ein, wirst quengelig und empfindlich.
Einige von uns haben geschrieben, dass Du erst einmal zu Dir selber finden solltest. Finde doch erst einmal heraus, was Du selber magst und wer Du selber bist statt Dich gleich wieder in einer Beziehung zu verlieren. Dann bist Du auch eines Tages in der Lage locker und offen mit einem Mann umzugehen statt Dich wieder für ihn zu verbiegen.



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