Liebe BriCom,
schon lange lese, poste ich hier tatkräftig mit. Anfangs hab ich mich oft geärgert, mittlerweile macht es mir Spaß, obwohl mich Beiträge und Meinungen hier oft traurig machen. Jüngst auch mein eigener Beitrag "Frühzeitige Warnung…"
Frau oder Mensch neigt dazu, sich mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen. Zudem wird der Mann oder das OdB zum Mittelpunkt des Lebens und Denkens gemacht. Es dreht sich meist nur noch darum, was ER sagt, tut, denkt. Es wird interpretiert, gemutmaßt, pauschalisiert. Alte Erfahrungen, alte Denkmuster werden nicht abgeschüttelt, sondern ständig dazu benutzt, alles Neue wieder schlecht zu reden und tot zu kriegen. Frau selbst weiß nicht mehr, was ihr gut tut. Das Leiden, Warten und Denken bestimmt ihr Leben. Ich finde es traurig. Unnütz. Schade. Und immer wieder landen wir in diesem Kreislauf. Immer und immer wieder. Weder unser fortschreitendes Alter, noch der neueste Lebens-/Beziehungsratgeber können uns davor schützen. Die Falle lauert einfach überall und man tappt immer wieder rein.
Zudem, so denke ich, wird sich meist nur an den negativen Erfahrungen/Beispielen orientiert. Man möchte sich jede neue Verletzung ersparen, deshalb ist man vorsichtig. Jedes - nicht den eigenen Vorstellungen und Erwartungen enstprechende - Verhalten, wird sofort negativ ausgelegt. Angst. Aber Angst ist nun mal ein schlechter Ratgeber. Der schlechte Gedanke, die Angst tun dann alles dazu, dass wieder alles scheitern wird. Teufelskreis.
Ich bin der Meinung, es geht auch anders. Es ist schwer, genau wie Rauchen aufhören. Aber möglich. Ich habe so viele gute Geschichten in meinem Freundes-/Bekannten-/Kollegenkreis. Wie vermutlich jeder von Euch. Aber orientieren möchte sich doch jeder immer gerne an den schlechten Beispielen. Die sind ja auch interessanter, machen mehr Wirbel. Dieses "Siehst Du, anderen geht's nicht anders als mir" bestärkt uns doch nur. Warum also an den positiven Geschichten orientieren? Das sind doch jetzt die Ehen, über die es nichts zu berichten gibt. Die sitzen zu Hause vorm Fernseher, reden kaum noch, im Bett läuft - außer außerehelich - schon lange nichts mehr. Gestritten wird über Kindererziehung. Da macht das posten bei BriCom und die Aufregung des Singledaseins schon mehr Spaß. Denn in Wahrheit ist doch hier gar keiner bereit, Kompromisse einzugehen. An sich zu arbeiten. Opfer zu bringen. Es sind doch immer nur die Typen, die nicht wissen, was sie wollen. Niemals wir Frauen. Wir haben ganz klare Vorstellungen. Entspricht das OdB nicht genau diesen, ist es wieder ER, der Sch* Typ. Niemals wir Frauen.
Ich will hier niemanden angreifen. Ich spreche auch aktuell über mich. Ich finde es schade. Ich mache mir deshalb so viele Gedanken, weil etwas bei mir passiert ist, was ich nie im Leben für möglich gehalten hätte. Ich stehe jetzt vor der Entscheidung "Zusammenziehen oder nicht". Nein, nicht der Typ aus "Frühzeitige Warnung…". Sondern mein Freund davor. Es war eine schwierige Beziehung, die letztendlich ich beendet habe. So verliebt ich auch war, aber irgendwie hat ER es nicht geschafft. Er konnte nicht meine Gedanken lesen, er konnte meinen Erwartungen und Ansprüchen nicht gerecht werden. Sonst lief alles gut. Aber will nicht jede Frau den Märchenprinzen, der einfach keinen Anlaß gibt, bei BriCom zu posten, weil er wieder mal keine SMS geschickt hat oder wieder mal 1 Stunde zu spät kam oder wieder mal dies und das verbrochen hat? Durch den Typen aus "Frühzeitige Warnung" konnte ich endlich mal richtig loslassen. Meine Gedanken waren woanders.
In dieser Zeit kam auch ER zur Ruhe. Und wir haben beide immer mehr gemerkt, dass wir ohneinander nicht wollen und können. Mittlerweile mußte ich (leider) einsehen, dass auch ER nicht der Märchenprinz ist, der auf dem weißen Pferd angeritten kommt und mich ein Leben lang glücklich machen wird. Aber ich habe gemerkt, dass vieles einfach nur in meinem Kopf abgeht. Wunschdenken. Negative Gedanken. Konditionierungen.
Ob ich nun den Schritt gehe oder nicht, steht noch nicht ganz fest. Also, doch schon, nur der Zeitpunkt, den müssen wir noch fixieren. Es muß ja nicht sofort sein, reicht ja auch noch im März oder April. Ich schreibe das hier nur, weil ich mir in den letzten Monaten so viele Gedanken gemacht habe und ich auch Menschen kennengelernt habe, die einfach nicht so pauschal ihre Schlüsse ziehen, wie ich es oft von BriCom und auch mir selber gewohnt bin. Und das ist gut so. Denn es kommt meistens sowieso anders als man denkt.
LG
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 30
-
04.12.2006, 13:19
Ich muß es einfach schreiben...
-
04.12.2006, 13:47Inaktiver User
AW: Ich muß es einfach schreiben...
@hallo,
da bist du ja wieder.
dann hoffe ich, dieser thread wird genauso interessant, wie deine anderen. eine sehr interessante fragestellung. kann allerdings persönlich jetzt weniger dazu beitragen.
ich möchte dir gern für ein posting aus dem nachbarthread danken. es geht um den thread mit dem mann, der zuviel redet und um dein allerletztes posting dort. ich fand es ganz prima und habe auch darauf reagiert. du hast allerdings noch nicht 'reingeschaut, nehme ich an.
ich kann mich an die geschichte vor deiner geschichte mit dem französischen griechen noch erinnern. du hattest eine problematische beziehung. auch bei uns ist es ähnlich. nach siebenmonatiger trennung sind wir wieder zusammengekommen.
die beziehung war anfangs auch problematisch, dafür sehr sehr intensiv.
ich möchte dir aber ganz unbedingt von einem schnellen zusammenzug abraten, auch davor, sofort wieder eine intensive beziehung mit ihm zu beginnen. das ist nämlich auch bei uns das problem. uns schadet zu häufige nähe im moment noch. wir müssen sehr viel nachsicht und sensibilität füreinander aufbringen. die angst, die aus dem ersten versuch stammt, hat noch grosse nachwehen.
also alles gute und dass der teufelskreis, indem ihr vielleicht ward, nicht wieder über euch hängt wie ein wartendes damoklesschwert. ich befürchte, das ist die grosse gefahr, wenn ihr euch zu schnell wieder einander annähert.
lady_julia
-
04.12.2006, 14:18
AW: Ich muß es einfach schreiben...
Das hab ich schon gelesen, aber wollte nicht wieder vom eigentlichen Thema ablenken. Ehrlich gesagt wußte ich nicht genau, wie das gemeint war. "Damit hab ich mich mit 22 Jahren beschäftigt...." Könnte man auch so verstehen, dass es mittlerweile für Dich "Kinderkram" ist?? Ich beschäftige mich zumindest jetzt mehr denn je damit.
Zitat von Inaktiver User
Ich hab noch viele solcher schlauen Sätze ;-)
Das ist das, was ich meine...Das ist ja DEINE Geschichte. Dein Ratschlag ist beeinflusst mit DEINEN negativen Erfahrungen....Angst.
Zitat von Inaktiver User
Ich weiß schon, dass das gut gemeint ist von Dir. Aber jede Geschichte ist irgendwie anders. Uns z. B. tut Nähe im Moment sehr gut. Wobei ich damit nicht Kletten oder aneinander Kleben wie siamesische Zwillinge meine...! Sondern einfach mal alles Ängste weglassen, Nähe zulassen und dabei wissen, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Füreinander dasein, aber auch den anderen als Individuum sehen und sein lassen.
-
04.12.2006, 14:33Inaktiver User
AW: Ich muß es einfach schreiben...
nein, ich habe damit nicht gemeint, dass es kinderkram ist. diese fragen sind in jedem alter aktuell. eigentlich wollte ich damit nur andeutungsweise sagen, ab welchem alter diese gedanken für mich ganz akut und lebenswichtig waren. sie haben eigentlich meine existenz gerettet. ich weiss nicht, ob das etwas über eine geistige frühreife oder über gedankliche schläfrigkeit aussagt. ich habe persönlich damals solche gedanken für mich allein gewälzt, sie aber nicht diskutiert. vielleicht habe ich sie jemandem anvertraut, aber das ist etwas anderes als eine offene diskussion dazu.
Zitat von Kuesserin
du magst recht haben. es ist mir auch klar, dass ich mehr oder weniger aus meiner persönlichen erlebnisswelt heraus schliesse.
ich weiss aber auch, dass es situation gibt, die eine typische wiederholungsträchtige eigendynamik an sich haben. jede wirklich sehr intensiv erlebte liebesbeziehung birgt auch ein viel grösseres problempotential als eine beziehung, die nicht sofort so intensiv erlebt wird und gemächlicher heranwächst
. und das war auch bei uns der fall.
gruss
lady_julia
-
04.12.2006, 14:45
AW: Ich muß es einfach schreiben...
Hallo Kuesserin,
ich kann deinem Posting nur sehr eingeschränkt zustimmen.
Über die mangelnde, geistige Flexibilität, die hier phasenweise vorherrscht, habe ich mich auch schon mokiert.
Andererseits denke ich, sollte man nicht erwarten, dass einem hier von lauter lebensbejahenden, bis zum Irrsinn optimistischen Menschen die reinsten, aufmunternden Jubelrufe und bedingungslose Zuversicht entgegengebracht werden, wenn man seine Problematik oder von mir aus auch Thematik hier einwirft.
Es liegt ja nunmal in der Natur der Sache, dass hier größtenteils Probleme und solche die es werden könnten, diskutiert werden.
Wenn alles Friede Freude Eierkuchen ist setzt man sich selbstredend damit kaum auseinander, sondern nimmt das als Selbstverständlichkeit.
Typisch Mensch.
In nem Gesundheitsforum tummeln sich ja auch nur Kranke, die sich gegenseitig ihre Leidensgeschichten erzählen, sich aufbauen oder, je nach persönlicher Disposition, den anderen ne Heidenangst einjagen.
Aber dass da sich die kerngesunden gegenseitig glückwunschend die Hände ob ihres eisernen Naturells schüttel, wage ich ja zu bezweifeln, obwohl der Name ja irreführend ist *ggg*
Und folgedessen wirst du auch hier auch vorwiegend Menschen antreffen, die entweder ne angeborene Skepsis vorzuweisen haben oder vom Leben im allgemeinen und den Männern im besonderen schon ziemlich enttäuscht wurden, und folgedessen nicht alles aus der Zuckerwattenperspektive sehen, sondern durchaus zweifelnd.
Dass dabei so manche übers Ziel hinausschießen, ist ja unbestritten.
Aber ich denke, du gehst von falschen Voraussetzungen aus, wenn du hier unerschütterlichen Optimismus und idealistische Verfechter der glühenden Romantik erwartest.
MfG
Cass"Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden."
-
04.12.2006, 14:48
AW: Ich muß es einfach schreiben...
Es ist doch immer die Frage, wie gehe ich damit um? Was will ich?
Zitat von Inaktiver User
Für jedes Beispiel gibt es doch ein Gegenbeispiel.
Meine Stiefmutter und mein Vater zum Beispiel haben die ersten fünf Jahre Ihrer Beziehung NIE, NIE, NIE gestritten. Dafür tun sie in den letzten 20 Jahren kaum etwas anderes....!
Die Eltern von meiner Freundin waren zwei Mal verheiratet. Also, nach der Scheidung wieder, bis dass der Tod die beiden geschieden hat...!
Ich glaube, oft gibt es gar nicht so viel zu reden, sondern eher zu tun.
"In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe
verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch.
Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einen zu helfen.
Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu dem eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materiellen Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte.
Was immer du kannst, beginne es.
Kühnheit und Magie. Beginne jetzt."Geändert von Kuesserin (04.12.2006 um 15:07 Uhr)
-
04.12.2006, 15:00
AW: Ich muß es einfach schreiben...
:-) Find ich gut.
Zitat von Cassiopeia
"Mein" Thema ist ja: Macht es Sinn, sich solange mit den Problemen zu beschäftigen (ob krank oder liebeskrank), bis man wirklich nur noch alles negativ sieht?? Sollte man nicht mal versuchen, Dinge anders zu sehen und/oder anzugehen?
Macht es Sinn, dass ich den ganzen Tag über meinen Bandscheibenvorfall diskutiere und mich am Ende des Tages noch elender fühle? Macht es Sinn, mich zum Sterben hinzulegen, wenn ich die Diagnose Krebs bekomme? Ich mein, es muß jeder für sich selbst herausfinden, aber m. E. haben ein paar positive Gedanken und eine Änderung der Sichtweise manchmal schon (kleine)Wunder bewirkt.
Ich erwarte in diesem Fall eigentlich gar nichts. Und "idealistische Verfechter glühender Romantik" sind mir auch ziemlich suspekt :-) Ich versuche nur dem ein oder anderen auf andere Gedanken zu bringen. Denn viele sind einfach nur zu verbittert und verbissen.
Unerschütterlicher Optimus oder Pessimismus?? Etwas Realismus und Lebensfreude. Könnte durchaus machbar sein. Denke ich.
Hab im TV am Sonntag einen kurzen Bericht gesehen. Eine Frau, zwei kleine Söhne, einer mongoloid, der andere gesund. Der Mann über Nacht mit nur 33 Jahren an Herzversagen gestorben. DAS sind Schicksale.... Sie war traurig, man hat es gesehen. Sie hat ein schweres Leben, da gibt es nichts zu rütteln. Aber sie hat nicht wirklich mit dem Schicksal gehadert. Das Leben geht weiter. Man muß versuchen einen Weg zu finden, der aus der Sch* rausführt. Und nicht drin rumwühlen, bis man kein Land mehr sieht.... Das kostet Kraft. Unbestritten.Geändert von Kuesserin (04.12.2006 um 15:06 Uhr)
-
04.12.2006, 15:05Inaktiver User
AW: Ich muß es einfach schreiben...
danke, das war ein guter beitrag. natürlich gibt es für jedes beispiel auch ein gegenbeispiel. es ist eben auch meine persönliche angst, die hier reinspielt. deswegen kann ich trotzdem nicht davon ausgehen, dass deine situation das gegenbeispiel zu meiner sein muss, weil es eine andere situation als meine ist.
Zitat von Kuesserin
*grr*
ich hoffe auch, wir heiraten mindestens und bleiben zusammen bis das der tod uns scheidet.....und ohne angst vor der wiederholungsdynamik.
was das reden betrifft, so wird darüber heftig im redseligkeitsthread diskutiert und dazu habe ich auch meine meinung gesagt.
was das tun betrifft, denke ich mal hast du grundsätzlich recht. aber das erfordert sehr viel konsequenz und ist mitunter nicht einfach, kann selbst eine beziehung nicht retten, wenn einer dabei nach hinten ziehen sollte. vielleicht könntest du mir auch noch konkreter erläutern, was du mit "aufgabe" meinst . ;~)
lg
lady_julia
-
04.12.2006, 15:08Inaktiver User
AW: Ich muß es einfach schreiben...
Dein Optimismus in Ehren...ich würde es Dir wünschen, bin aber gespannt, ob Du das REAL alles so umsetzen kannst.
Ich beende eine Beziehung, wenn ich mich damit absolut nicht mehr identifizieren kann...und ob das nun durch mehrere "Kleinigkeiten" ist, die die Partnerschaft in Summe gesehen nicht mehr "lebenswert" machen oder was "Großes", ist da absolut nebensächlich.
Und ich bin ganz gewiss niemand, der den Anspruch der Perfektion an einen Mann hat. Ich muss halt mit dem Gefühl dabei sein und mich unter'm Strich mehr wohl als unwohl mit meinem Partner fühlen...das ist schon alles.
-
04.12.2006, 15:22
AW: Ich muß es einfach schreiben...
Hallo Kuesserin,
ich mag Deinen Beitrag und fühle mich angesprochen.
Wenn ich hier Beiträge schreibe, dann meistens, weil mich etwas beschäftigt, was "negativ" ist.
Fühle mich selber oft etwas entfremdet und skeptisch, als hätte ich im Leben nur schlechte Erfahrungen gemacht, was gar nicht so ist. Aber ich habe zB Angst, dass mich jemand aus meiner Mitte bringt und ich muss schließlich sehen, dass ich für mich sorge. Andererseits ist da die Sehnsucht, sich mal fallen zu lassen und anzulehnen.
Würde gerne mal wieder den Kopf ausschalten und auf den Bauch hören. Finde dazu aber schon länger keinen Zugang. Hat jemand Tipps?
Kenne zwei Paare, die in langjährigen Beziehungen leben, sie sich um viele Dinge überhaupt keine Gedanken machen müssen und viel positiver sind. Meinen ganzen Single-Freundin geht es denke ich ähnlich wie mir.
Schöne Grüße
Weihnachtsfrau


Zitieren