Hallo liebes Forum,
nach einer langen Zeit des lediglich stillen Mitlesens, möchte ich nun auch mal wieder einen Beitrag verfassen, da ich die Ratschläge hier immer sehr schätze und aktuell einen guten gebrauchen könnte :-)
Es geht - wer hätte das gedacht - um einen Mann.
Seit ein paar Wochen habe ich so eine kleine Liason mit einem Herren, in der ich eigentlich keinen Grund zur Beanstandung habe, dennoch bin ich schon wieder am Zweifeln und die Frage, die mich umtreibt, ist im wesentlichen: Bin ich nur "nicht verliebt" oder generell "nicht zufrieden zustellen"?
Gut, ihr kennt mich nicht und werdet zu recht darauf verweisen, keine allgemeingültige Antwort geben zu können, aber vermutlich wäre mir schon mit einem Gedanken,- und Erfahrungsaustausch geholfen, deshalb freue ich ich über jede Antwort!
Die Situation ist wie folgt: besagter Mann und ich haben - wie erwähnt - ein nettes Techtelmechtel. Wir kennen uns lose schon seit zwei Jahren, haben aber erst vor kurzem den Kontakt wieder aufgefrischt. Er fand mich schon damals toll, allerdings gab ich ihm einen Korb, weil ich noch zu sehr emotional verstrickt war in eine andere Geschichte. Vor ein paar Wochen habe ich mal wieder an ihn gedacht und ihm geschrieben. Daraufhin trafen wir uns ein paar Mal und es entwickelte sich eine Art Affäre. Affäre deshalb, weil ich diejenige bin, die eher immer wieder auf Abstand geht und kein "mehr" an Nähe zulässt.
Zu Ihm: Er ist das Paradebeispiel eines zuverlässigen, bodenständigen, fürsorglichen Mannes. Er bemüht sich sehr um mich, ist absolut verbindlich, meldet sich jeden Tag, ist aufmerksam, liebevoll - der sprichwörtliche "Fels in der Brandung". Gleichzeitig setzt er mich in keinster Weise unter Druck, sagt selbst, wir müssten uns erst einmal kennenlernen. An seinem Verhalten merke ich jedoch, dass er sehr offen für noch mehr Verbindlichkeit wäre, er es sich wünscht, mit mir zusammen zu sein.
Ich wiederum genieße die Aufmerksamkeit, die körperliche Nähe, bin aber recht sicher (noch) nicht verliebt.
Wir alle wissen ja nun zu Genüge - nicht erst seit etlichen Strängen in diesem Forum - dass man solche Männer, falls nicht vergeben, ab einem gewissen Alter (ich bin 38, er 45) mit der Lupe suchen kann.
Ich bin nun seit gut fünf Jahren Single und habe viel Zeit gehabt, mir darüber klarzuwerden, was ich suche und meine Wünsche (mir selbst und Freunden gegenüber) klar definiert: Meine oberste Priorität ist Sicherheit!
Ich wünsche mir einen Mann, auf den Verlass ist, der mir Halt gibt, bei dem ich mich nicht ständig fragen muss, ob er sich morgen noch meldet oder schon mit der Nächsten nach Südamerika durchgebrannt ist.
Nach diesen Kriterien habe ich mich umgeschaut - und wurde fündig! Ich habe nun all das und weiß es offenbar nicht zu schätzen :P
Dabei erscheint es mir oftmals so nichtig, was ich an ihm auszusetzen habe, dass ich mich undankbar fühle und denke "mir kann es eben keiner recht machen".
Aber dann ertappe ich mich wieder dabei, dass er mich nervt und ich unfair werde und fühle mich schlecht und intolerant.
Mir fehlt das, was man wahrscheinlich von einem Mann, wie ich ihn oben beschrieben habe, nicht erwarten kann, nämlich ein gewisser Esprit, Eloquenz, Schlagfertigkeit, Ich vermisse eine Art der philosophischen Inspiration, wie ich sie zwar aus früheren Beziehungen kenne, aber der Preis dafür war auch immer eine latente Wankelmütigkeit seitens des Mannes, eine Unverbindlichkeit. Man bekommt einen kritischen Denker, aber eben nur gepaart mit einem generellen Zweifler.
Was also ist vorzuziehen, wenn es beides in Kombination eventuell gar nicht gibt?
Und wer sagt mir, dass - sollte es einen solchen Mann geben - meine Lebenzeit überhaupt ausreicht, um ihm auch zu begegnen?
Ich weiß, dass ich gut alleine sein kann - fast zu gut, denn ich kann mich wirklich tagelang alleine beschäftigen, ohne etwas zu vermissen, aber ich wünsche mir mittlerweile nach all den Jahren mal wieder einen Menschen an meiner Seite, mit dem ich mein Leben teilen kann, dem auch ICH etwas geben kann, und der es mit Freude annimmt.
Und ich habe keinerlei Lust mehr, mich an unverbindlichen, freiheitsaffinen Männern abzuarbeiten, bis ich in Rente gehe. Dieses ewige Auf und Ab im Kennlernkarussell raubt mir so viel Kraft!
In den letzten Jahren habe ich viele - dutzende - Männer kennengelernt - und in mir erhärtet sich der Eindruck, dass man nur die Wahl hat zwischen "langweilig" oder "verrückt", zumindest aber "schwierig". Und propagieren hier nicht immer alle, dass man beim Richtigen nichts falsch machen könne? Nun, ich habe bei ihm genau dieses sichere Gefühl, nichts falsch machen zu können. Es geht endlich mal "leicht", aber ist es deshalb auch "richtig"?
Oder sollte man der Liebe Zeit geben, um wachsen zu können? Und wenn ja, wie lange?
Kann ein ehemals Kompromisspartner noch die große Liebe werden? Braucht es überhaupt ein flammendes Verliebtsein, um eine gute Beziehung zu führen? Auch die Theorie der Liebe auf leisen Sohlen hat hier viele Anhänger.
Ich gelte schon als recht kritisch (wahrscheinlich ist hier "anstrengend" gemeint ;) ) , ich fordere und möchte gefordert werden, brauche anregende Diskussionen, kritische Sichtweisen. Mein aktueller Mann möchte es vor allem schön haben - und seine Ruhe. Er sagt wenig, ist sehr diplomatisch, tolerant. Wäre man böse, könnte man ihn wohl als recht leidenschaftslos und gleichmütig bezeichnen.
Aber er gibt mir eben die mir fehlende Gelassenheit, ich bin mit ihm endlich mal entspannt, muss keine Angst haben, kann ihm absolut vertrauen. Er wiederum ist fasziniert von meiner Lebendigkeit.
Wir ergänzen uns im Grunde gut und könnten sicher ein harmonisches Leben führen, wenn da nicht die immer lauter werdende Stimme meiner überzogenen Erwartungen wäre...
Ich danke euch, bis hierhin durchgehalten zu haben und freue mich sehr über alle Anregungen dazu :-)
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 183
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12.11.2013, 22:09
Hat man nur die Wahl zwischen "langweilig" oder "verrückt"?
Geändert von Alaska0707 (12.11.2013 um 22:40 Uhr)
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12.11.2013, 22:58Inaktiver User
AW: Hat man nur die Wahl zwischen "langweilig" oder "verrückt"?
Spontan mein erster Gedanke dazu ist: Du stehst eben nicht auf ihn
Die Chemie stimmt nicht, es scheint keine körperliche Anziehung da zu sein - oder?
Wenn das so ist, denke ich, das wird auch nicht mehr kommen. Nett und lieb und ruhig reicht Dir eben nicht. Nicht ohne dass da was feuert und brizzelt
Ich denke im übrigen nicht, dass die "Verrückten" generell niemals eine Beziehung eingehen möchten.
Ich kenne einige solcher, die eine feste Beziehung haben oder eine hatten und weiter danach suchen.
Dein "Langweiliger" isses eben nicht für Dich.
Mach es ihm nicht so schwer, wenn er gerne mehr von Dir will, und lass ihn ziehen. Du hältst es doch nicht lange mit ihm aus und er wird sich - zu Recht - veräppelt vorkommen, wenn Du ihn jetzt noch lange "ausprobierst".
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12.11.2013, 23:12
AW: Hat man nur die Wahl zwischen "langweilig" oder "verrückt"?
Doch, doch, der Sex gefällt mir sehr

Auf der körperlichen Ebene ist er gar kein Langweiler, (auch) deshalb hoffe ich ja auch immer noch, dass da noch was kommen könnte...
Klar, ich will ihn nicht hinhalten - andererseits ist das Kennenlernen ja nun mal genau dazu da, und jeder weiß, dass man sich eben in dieser Phase nicht nur für, sondern ebenso gut gegen eine Beziehung mit dem kennenzulernenden Menschen entscheiden kann.
Letztes Jahr hatte ich ungefähr zur selben Zeit auch eine Liason mit einem lebendigeren, spritzigeren Mann - leider stellte sich nach etwa zwei Monaten heraus, dass er eine schwere, psychische Erkrankung hatte, die eine Beziehung auf Augenhöhe unmöglich machte.
Nun bin ich eben einerseits der Meinung, "zuverlässig" und "ohne Feuer" hat durchaus Vorteile, wenn nur das "aber" nicht wäre...
Danke jedenfalls für deine Antwort
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12.11.2013, 23:15
AW: Hat man nur die Wahl zwischen "langweilig" oder "verrückt"?
Ojee.... spontan dachte ich: der arme Mann. Ein Guter, der dich sehr sehr lieb hat, den ein erster Korb nicht abgeschreckt hat, in den du aber leider leider nicht verliebt bist. Dein Intellekt will vielleicht "Sicherheit", dein Herz will Kribbeln.
Den gibt es. Selten zwar, dein aktueller Kandidat wäre es .... aber was willst du machen, wenn du nicht verliebt bist?
Der Lackmustest: kribbelt's und kriegst du ein bisschen weiche Knie beim Küssen, beim Sex?
Das liegt an dir.
Ich könnte nicht ohne.
Aber ich kann auch jahrelang alleine sein.
Vielleicht kannst du ihn aufrichtig lieben ohne diese vermissten Eigenschaften.
Keine Ahnung, manche können, weil die Sehnsucht nach Beständigkeit und Sicherheit die größte treibende Kraft ist.
Du stellst vielleicht Fragen!

Darauf kriegst du bestimmt 10 unterschiedliche Antworten!
Eigentlich eine schöne Kombi!
Ist der Sex genial? Denn wenn der auch eher ein Kompromiss ist .... vergiss es.
Edit: Ups, schon beantwortet!see you on be friends online!
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12.11.2013, 23:26
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12.11.2013, 23:31
AW: Hat man nur die Wahl zwischen "langweilig" oder "verrückt"?
Ja, Rotweinliebhaberin, das denke ich mir ja auch allzu oft: "Der arme Mann"! Er macht auf dem Papier wirklich alles richtig, ihm ist so rein gar nichts vorzuwerfen - und dennoch nervt mich gerade das

Aber dann könnte man eben auch sagen, dass ICH das Problem bin, bzw. meine verqueren und nicht zu erfüllenden Ansprüche.
Es ist ja nicht so, dass ich nur mit dem Finger zu schnippen brauche und schon bauen sich vor mir 8 beziehungswillige Männer auf, die darauf brennen, mich - und nur mich - glücklich zu machen.
Ja, der Sex macht großen Spaß, aber kribbeln tut es nicht, also mein Herz ist nicht dabei. Allerdings bin ich auch nicht der Typ Frau, der nur mit Gefühlen Freude am Sex haben kann. Das geht auch sehr gut so
Verlieben tue ich mich durch Kommunikation, und da hapert es eben
Ja, ich kann auch jahrelang alleine sein, aber das war ich ja nun schon
, langsam reichts auch mal....
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12.11.2013, 23:37
AW: Hat man nur die Wahl zwischen "langweilig" oder "verrückt"?
Vox123: Es ist ja nicht so, dass ich GAR NICHT mit ihm darüber gesprochen hätte. Ich habe ihm schon gesagt, dass ich ihn gerne erst mal unverbindlicher kennenlernen möchte. Er sagte, das wäre ok für ihn, das einzige, was er erwarten würde, wäre Exklusivität - und die gebe ich ihm ja.
Soll man denn gleich immer alles beenden oder gar nicht erst entstehen lassen, weil man nicht von Anfang an heiß entflammt ist? Das Kennenlernen birgt nun mal ein Risiko, für beide Parteien.
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12.11.2013, 23:38Inaktiver User
AW: Hat man nur die Wahl zwischen "langweilig" oder "verrückt"?
Also wenn er Dich jetzt schon nervt...
Klar, das Kennenlernen dient dazu, zu schauen, ob es passt. Aber Du merkst doch schon, dass es nicht passt.
Und mal ehrlich, wenn der Sex super ist und er nervt Dich trotzdem... Wenn also noch nicht mal das alles ein bißchen Rosa färbt und Dich über das eine oder andere (noch) hinwegsehen lässt...
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12.11.2013, 23:38
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12.11.2013, 23:47
AW: Hat man nur die Wahl zwischen "langweilig" oder "verrückt"?
Nein, es ist natürlich nicht so, dass er mich NUR nervt und die Sache für mich vollkommen eindeutig ist, sonst wäre ich ja nicht im Zweifel.
Ich bin eher hin,- und hergerissen zwischen "ich muss es jetzt sofort alles auf den Tisch bringen" und "was stelle ich mich so an, er ist doch genau das, was ich gesucht hatte"
Ich danke euch für eure Einschätzungen, es gibt mir schon zu denken, was ihr schreibt und verletzen will ich ihn auf keinen Fall, das hat er nicht verdient.


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