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    Philosophie des Kennenlernens - eigene Erfahrungen, Ansichten, Einstellungen

    Hallo liebe Community,

    vielleicht klingt das jetzt sehr vielversprechend, aber ich habe einerseits Mitteilungsbedürfnis eigener Ansichten und andererseits ein Bedürfnis nach den richtigen Antworten.

    Früher hatte ich mal eine Zeit in Singlebörsen, dort hab ich viel Zeit verbracht und einige Kontakte knüpfen können, aber nach der Anfangszeit war das dann nur noch eine Art "Börse" - d.h. die Gier nach dem ultimativen Traumpartner (Finanziell, Aussehen, etc.) war vorherrschend, damit verbunden kein Raum mehr für Spontanität. Also fällt das weit genutzte Medium Internet für mich weg, wenn ich neue Bekanntschaften knüpfen möchte.

    Dann war ich eine Zeit im Ausland und hab dort sehr viele Menschen kennengelernt, die für mich aus verschiedenen Gründen interessant sind (Hintergrundwissen zu speziellen Themen, Philosophie eines anderen Kulturkreises, Humor und Neugierde). Jetzt bin ich zurück in Deutschland und es entsteht einfach eine Lücke zwischen Wunsch und Möglichkeit.

    Ich sehe die Gesellschaft hier an und für sich als sehr festgefahren, die einzelnen Schichten der Gesellschaft haben kein Interesse aneinander (das hört sich so hart an, aber ist meine Erfahrung). Ich kann es daher gut verstehen, wenn es nach gewissen Studien weniger Zahnärzte gibt, die ihre Zahnarzthelferinnen heiraten. Die Frauen aus gesellschaftlich anderen Schichten hatten einfach null Interesse an mir. ;-)

    Vor zwei Wochen habe ich eine Freundin getroffen, sie ist Mitte 20, Single und sieht gut aus. Ich hab sie gefragt, wie viele Leute sie in den letzten sechs Monaten so kennengelernt hat. Ihre Antwort war mehr oder minder: gar keine. Und wenn ich mir sie so vorstelle, dann liegt es einfach daran, dass es nie die Möglichkeit gibt sie kennenzulernen. In der Stadt hier sehe ich so wenig junge Frauen, die sich mal alleine in ein Café setzen oder ansprechbar sind. Und ich find das so schade, dass die Generation der Leute, die ab 1980 geboren sind, anscheinend mehr Zeit in Facebook etc. verbringen als im realen Leben mal ein wenig mutig und spontan zu sein.

    Gleichzeitig seh ich einfach so ein enormes Sicherheitsbedürfnis, auf jeden Fall in der vertrauten gesellschaftlichen Umgebung zu verbleiben und keinesfalls Kontakte zu Anderen zu knüpfen.

    Und das Interessante daran ist - komischerweise sind gerade Frauen Ende 30, die ich kennengelernt habe (also auch nur ein Teil aller, aber ...) nicht so. Es ist viel mehr Offenheit vorhanden, sich auch mal nach rechts und links umzuschauen.

    Vielleicht liegt es gerade daran, dass die Leute Mitte 20 so stark mit Facebook / Friendscout etc. erwachsen geworden ist und diese Medien an und für sich dafür sorgen, dass man "unter Gleichgesinnten" bleiben kann.
    Viele erwähnen ja auch immer die Universität als Ort des Kennenlernens. Aber das ist sie schon lange nicht mehr. Ich kenne immer noch einige Kommilitonen von mir, aber fast keiner davon hat seinen Partner im Studium kennengelernt. Die Studienzeit ist sehr hastig, man hat keine Zeit mehr, andere unabhängig kennenzulernen und wird sehr sehr oberflächlich. Jedenfalls in meinem Studienfach ist das so und ich hab auf einer Insel studiert, an der keine anderen Fächer vertreten waren.

    Wie seht ihr dieses Thema? Wie sind eure Ansichten dazu?

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    AW: Philosophie des Kennenlernens - eigene Erfahrungen, Ansichten, Einstellungen

    Ich sehe die Gesellschaft hier an und für sich als sehr festgefahren, die einzelnen Schichten der Gesellschaft haben kein Interesse aneinander
    Hallo,

    diesen Aspekt finde ich sehr interessant.

    ich bin Mitte der 80er in diese meine Stadt gezogen (118.000 Einw.) und ich empfinde es so, dass die Orte, in denen sich unterschiedliche Schichten begegnen, stark abgenommen haben. In erster Linie waren das bei uns die vielen Feste, die wir im Sommer haben. Abgenommen hat es, weil diese Feste immer kommerzieller werden und gleichzeitig die Einkommen immer weiter auseinanderklaffen.

    In der Stadt hier sehe ich so wenig junge Frauen, die sich mal alleine in ein Café setzen oder ansprechbar sind.
    das beobachte ich auch so. ich denke oft, da waren wir wohl in den 80ern freier. Für mich war das eine Selbstverständlichkeit. Auch waren da die Cliquen noch nicht so groß wie heute. Heute scheint alles nur noch im Pulk zu gehen. Wenn man da nicht irgendwo so ein Anhängsel ist, dann wird man unsichtbar? keine Ahnung. Ich wundere mich schon, wie sich diese Cliquen überhaupt immer finden. Aber die sind durchwegs nach außen hin geschlossen. Nur beim Radwandern habe ich schon anderes erlebt. Aber das sind dann eben auch eher zweckorientierte Gruppen, mit denen man das Interesse teilt. Vielleicht liegts daran.

    Ich sehe Leute, vor allem -aber nicht nur- die jungen, nur noch an ihren Smartphones kleben und mit Stöpsel in den Ohren. Ich habs zum Glück nicht so oft, aber ich kanns auch nicht ab, wenn ich mit Kumpel oder Kumpeline auf ein Käffsche bin und er/sie ständig an dem Ding knöpfeln muss. Bei den Jungen sehe ich oft, dass die zwar in Gemeinschaft sind aber sich ohne diese Dinger wohl nichts zu sagen hätten bzw jeder mit seinem Teil da beschäftigt ist. Ist doch ätzend, aber daran merke ich, dass ich alt werde. Ist einfach nicht mehr meine Kultur.

    Könnte aber erklären, warum die sich trotz dieser riesigen online-landschaft trotzdem nicht so wirklich finden bzw sich unglaublich schwer miteinander tun, wenn es um reale Beziehungen geht. Dass das mit den Freundschaften und Beziehungen anscheinend immer schwieriger wird, da höre ich die Klagen nicht nur aus einer bestimmten Altersgruppe oder Schicht. Das geht durch. Ob da diese immense (Pseudo-)Kommunikationskultur was damit zu tun hat? Mich würds wundern wenn nicht.

    Deswegen wandere ich auch so gerne, das geht nicht mit dem ständigen Geknöpfel. Bei dem Gedanken, ob und wen ich zu einer geplanten Alpenquerung mitnehmen könnte, hab ich mit Schrecken gemerkt, dass zu Fragen der Kondition und Trittsicherheit auch die Frage dazu kommt - wer kann überhaupt so lang offline sein?
    Ich finde es erschreckend, dass allein aus diesem Grund schon einige so was gar nicht machen könnten.

    zu den Studierenden: Meine Tochter studiert, und ihr Freundeskreis ist auch, ich glaube, ausschließlich daraus hervorgegangen. Aber das war auch zu meiner Jugendzeit schon so, dass sich in diesem Alter die meisten Freundschaften aus beruflichen Umfeld und aus dem eigenen Freundeskreis heraus gebildet haben, die teilweise auch sehr langlebig sind.
    Geändert von Amelie63 (23.06.2013 um 11:11 Uhr)
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

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    AW: Philosophie des Kennenlernens - eigene Erfahrungen, Ansichten, Einstellungen

    Zitat Zitat von espressisverbis Beitrag anzeigen
    ...
    Vor zwei Wochen habe ich eine Freundin getroffen, sie ist Mitte 20, Single und sieht gut aus. Ich hab sie gefragt, wie viele Leute sie in den letzten sechs Monaten so kennengelernt hat. Ihre Antwort war mehr oder minder: gar keine....
    Darf ich fragen wie alt du bist?

    Ich kenne auch kaum Leute, die ständig neue Leute kennenlernen. Jeder bewegt sich hauptsächlich im vertrauten Umfeld. Das war aber immer schon so und hat meiner Meinung nach nichts mit dem Internet zu tun.

    Dann gibt es immer ganz wenige Menschen, die so offen und lebensfroh sind, die über den Tellerrand drüberschauen. Aber ich würde sagen das sind von 10 vielleicht wenns hoch kommt 2 Menschen.

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    AW: Philosophie des Kennenlernens - eigene Erfahrungen, Ansichten, Einstellungen

    Ich bin siebenundzwanzig. Ich denke vielleicht hängt mein "Anspruch" offen für Anderes + Neues zu sein auch sehr damit zusammen, dass ich z.T. in einem künstlerischen Umfeld aufgewachsen bin, jetzt aber einem doch sehr zahlenorientierten Beruf nachgehe. Und mich deprimiert diese Zufriedenheit vieler Menschen, immer im Selben zu bleiben, schon.

  5. Moderation

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    Zitat Zitat von Amelie63 Beitrag anzeigen

    Ich sehe Leute, vor allem -aber nicht nur- die jungen, nur noch an ihren Smartphones kleben und mit Stöpsel in den Ohren. Ich habs zum Glück nicht so oft, aber ich kanns auch nicht ab, wenn ich mit Kumpel oder Kumpeline auf ein Käffsche bin und er/sie ständig an dem Ding knöpfeln muss. Bei den Jungen sehe ich oft, dass die zwar in Gemeinschaft sind aber sich ohne diese Dinger wohl nichts zu sagen hätten bzw jeder mit seinem Teil da beschäftigt ist. Ist doch ätzend, aber daran merke ich, dass ich alt werde. Ist einfach nicht mehr meine Kultur.

    Könnte aber erklären, warum die sich trotz dieser riesigen online-landschaft trotzdem nicht so wirklich finden bzw sich unglaublich schwer miteinander tun, wenn es um reale Beziehungen geht. Dass das mit den Freundschaften und Beziehungen anscheinend immer schwieriger wird, da höre ich die Klagen nicht nur aus einer bestimmten Altersgruppe oder Schicht. Das geht durch. Ob da diese immense (Pseudo-)Kommunikationskultur was damit zu tun hat? Mich würds wundern wenn nicht.
    Da geh ich mit dir sehr konform, Amelie (wenn ich nach deinem Nick gehe, sind wir ein Jahrgang).

    Zum Fettgedruckten: vielleicht, weil es dazu mehr als 160 Zeichen braucht?

    Ich merke bei Vielen, die jetzt Mitte 20 sind (im Job, in der Familie, im Bekanntenkreis), dass es mit der Geduld nicht mehr so gut bestellt ist. Vielleicht spielt das auch mit rein. Keine Geduld, sich auf den Menschen gegenüber einzustellen.
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  6. Moderation

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    AW: Philosophie des Kennenlernens - eigene Erfahrungen, Ansichten, Einstellungen

    Expressisverbis: vielleicht fischst du grad noch im falschen Teich. Kunst- und musisch interessierte Frauen findest du bestimmt. Nur möglicherweise auf anderen Wegen als den, auf denen du grad unterwegs bist.

    Wir haben hier übrigens auch ein Kunstforum .
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  7. Inaktiver User

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    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Ich merke bei Vielen, die jetzt Mitte 20 sind (im Job, in der Familie, im Bekanntenkreis), dass es mit der Geduld nicht mehr so gut bestellt ist. Vielleicht spielt das auch mit rein. Keine Geduld, sich auf den Menschen gegenüber einzustellen.

    Naja, was heißt Geduld? Der Tag hat eben nur 24 Stunden, und wenn man Job, Familie und vorhandene Bekannte sowie Zeit für sich selbst unter einen Hut bekommen möchte, dann macht es auch nicht viel Sinn, dauernd neue Leute kennenzulernen. Es sei denn, man legt Wert auf möglichst viele, dafür aber oberflächliche Kontakte.

    Und ansonsten: Wenn man viel macht, lernt man doch eigentlich automatisch immer wieder neue Leute kennen - jedenfalls bei mir (51) ist das so - aber meistens habe ich tatsächlich keine Ressourcen, um das zu pflegen, da müssten wir schon ganz besonders gut auf einer Wellenlänge liegen.

  8. Moderation

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    AW: Philosophie des Kennenlernens - eigene Erfahrungen, Ansichten, Einstellungen

    Nun ja, aber wenn jemand so interessant auf mich wirkt, dass ich ihn näher kennenlernen will, dann nehme ich mir schon Zeit. Auch mit 50.
    Um 'dauernd neue Leute kennenlernen' ging es doch gar nicht. Auch nicht um generelles Netzwerken. Obwohl ich dir Recht gebe, mit Netzwerken wäre zumindest mal ein Anfang gemacht, gerade wenn man vielleicht irgendwo neu ist, z.B.
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  9. User Info Menu

    AW: Philosophie des Kennenlernens - eigene Erfahrungen, Ansichten, Einstellungen

    ich bin deutlich über 50, aber in meinen Augen hat sich an dem Kennenlernen wirklich interessanter Menschen seit der Steinzeit ohne Netzwerke, Internet und eigenem Auto und den bezahlbaren Flugreisen wenig geändert.

    Damals war der Bewegungsradius vom Dorf bestenfalls bis in die Kreisstadt. Im Dorf kannte man alle Leute mehr oder weniger. Man wusste über was sie reden und wie sie denken. Also waren Begegnungen in der Kreisstadt schon ein Ausflug in andere Sphären. Und spätestens bei der ersten Auslandsfahrt (z.B. Holland) entdeckte man immer sehr viel aufgeschlossenere und fröhlichere Menschen als bisher.
    Faszinierend!

    Haben aber solche erste Erfahrungen im Leben einen Einfluss auf die Wahl eines Partners?
    Erhöhen sich meine Chancen in der Partnerwahl mit der Menge der Kennengerlernten?
    Insoweit hat die TE schon den Einwand gebracht, dass Singlebörsen jemanden nur vorgaukeln, dort im Netz finde ich den einen, den wahren Prinzen. Und man muss deutlich mehr Frösche küssen, um ihn zu finden.

    Ich bezweifle, dass wenn man alle 5 Kontinente und 7 Meere bereist hat, wirklich einen große Zahl von Freunden gefunden hat. Menschen kenngelernt hat man. Aber sie verschwinden genauso schnell wie winkende Menschen auf einer Autobahnbrücke.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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    AW: Philosophie des Kennenlernens - eigene Erfahrungen, Ansichten, Einstellungen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ....Der Tag hat eben nur 24 Stunden, ....
    Eben.
    Es geht halt auch darum, was man sucht.

    Wer Leere empfindet, wird sie wohl kaum mit neuen Bekanntschaften kompensieren können.
    Neue Bekanntschaften können bereichern, was man ohnehin schon hat aber nicht kompensieren, was einem fehlt.

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