Der einzige Faktor ist man ganz alleine und selber. Ganz einfach. Tu es...
Dann mach es doch besser. Ich komme ohne Aldi, Lidl, Norma und wie die ganzen ekligen Läden heißen sehr gut zurecht, kenne meinen Bäcker, meinen Metzger und viele mehr, habe Lust und Spaß beim Einkauf und mit den Waren. Ich will dieses anonyme Billig-billig-gedöns nicht mehr und ich brauche es nicht.
Wenn ich etwas brauche, kaufe ich es da, wo ich weiß, der Service ist so gut wie die Ware und mein Geld bleibt in der Region, in der ich lebe. Von meinem Geld werden Menschen ausmeinem Umfeld auskömmlich bezahlt, das strahlen sie auch aus, wenn ich als Kunde komme. Ich habe meinen Spaß dabei.
Ich glaube, das was Du vermisst, kannst Du ganz einfach haben. Du musst es nur wollen.
Warum willst du da überhaupt etwas erklären? Warum lebst du nicht einfach deine Gefühle und sendest sie in diese "Konsumterrorwelt"?
Braucht es da einen Anreiz? Braucht es da diese Begriffe? Lebe doch einfach Liebe und Freundschaft, was hindert dich? Weniger Nachdenken bedeutet für mich oft mehr leben. Einfach machen...
Wie kommst Du auf diese Idee? Auch junge Leute sehnen sich nach Liebe und leben dies.
Ich seh es an meinen Kindern...
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 40
Thema: Gedanken zum Jahresbeginn
-
28.12.2012, 23:58Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
-
29.12.2012, 23:55
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Es gibt halt nicht nur eine Wahrheit und eine Art Menschen, Cranberry. Manche möchten sich etwas erklären können und andere "machen" einfach - beide können Glück haben oder auf die Nase fallen, beide können andere beglücken oder ihnen furchtbar weh tun.
Leider treffen wohl oft die einen auf die anderen oder ziehen die einen die anderen aus ganz unterschiedlichen Gründen auch noch besonders an. Daraus wurde sogar Weltliteratur gemacht. Aber der Gedanke, dass es da eine unverbrüchliche, einzige Wahrheit gäbe, ist selbst dann der falsche Gedanke, wenn er der einzige diesbezügliche eines "Machers" ist - für ihn vielleicht nicht so sehr, aber für die, die er eventuell ratlos oder doch gefühllos (auf beiden Seiten) hinter sich lässt.
Genau so gilt das natürlich auch für den "Kopfmenschen". Am schönsten finde ich es, wenn man beide Anteile unter einen Deckel bekommt - ab und zu klappert der Deckel dann halt etwas...
Das obere ist wohl erklärungsbedürftiger, als ich meinte: "Vitamin-B" nennt man es, wenn jemand über Beziehungen beruflich oder politisch weiter kommt - ich hab's hier mal ein wenig verfremdet als "Vitamin" für Beziehungen...
Für mich ist eine der wichtigsten Vorstellungen zum Selbstverständnis, dass unser Gehirn eine riesige Datenbank ist - mit Gefühlen als laufend "gepflegtem" Mehrfach- und Kreuz-Index, eine riesige Assoziationsmaschine und ein ebenso riesiger Vorhersageapparat, die alle ständig beschäftigt sind mit neuem Input und Output und dem Verweben derselben zum WWW unserer eigenen inneren Welt, die wir für die Realität halten.
Um die Konsequenzen einmal recht knapp zu umreißen:
Wenn ich noch nie eine Tomate gesehen habe, was soll ich dann mit den Sinneseindrücken rot, rund, glatt, kühl, nicht besonders hart, zu mehreren befestigt an grünen, offenbar pflanzlichen Strukturen, anfangen? Womit könnte ich sie "verweben"?
Selbst, wenn ich sie auf einem Markt oder in einem Gemüsegarten entdecke und sie von daher - immerhin mit einer Vorstellung ausgestattet, was Gemüse und dass es essbar ist - zuordnen kann, wird mir kaum jemand nachvollziehbar beschreiben können, wie sie mir schmecken wird. Ebensowenig gibt mir ein Kochbuch allein die Antwort. Das ist das Problem der Qualia, des phänomenalen Bewusstseins, das aber auch schon die Farben Rot oder Grün und andere Attribute des Beispiels betrifft.
Davon noch ganz ab: Was assoziieren wir, die wir Tomaten kennen? Mozzarella, Basilicum, Balsamico, Olivenöl, frischen Pfeffer, Salz, Ciabatta, Sonne, Italien, den Markt in Venedig, das Plätschern der Wellen des Lago di Como oder das Rauschen des Meeres rund um Sizilien? Die italienischen Sprachmelodien? Dolce Vita? Die Liebe eines Sommers?
Oder doch nur die Pappschachteln im Supermarkt aus holländischen Gewächshäusern oder spanischen umweltzerstörenden Anpflanzungen unter Plastikfolie, oder gar nur das rote Zeugs auf den Fritten? Manche Kinder finden, dass Tomaten eklig schmecken und würden nie die Verbindung zu dem roten Matsch mit all seinem Zucker herstellen - allenfalls, dass "Sachen" eben erst schmecken, wenn sie in der Fabrik gepimpt wurden. Lebensmittel? Leben? Natur? - Konsum!
Noch viel wichtiger: Was assoziieren wir als erstes, ohne nachzudenken, welche Stimmung, welche Gefühle steigen auf? Steigen überhaupt Gefühle auf - außer Hunger?
_____
Und nun viel komplizierter: Was ist Freundschaft? Partnerschaft? Kunst? Kultur? Liebe? Erotik? Sex? ...
Wenn schon die kleinsten Bausteine meiner inneren Welt Mangelware sind, in Menge und Vielfalt, wenn das Portfolio gering oder einseitig ist, wie arm ist dann nicht nur meine Welt - wie arm ist ihr Potenzial, sich zu entwickeln. Wie arm ist erst das Potenzial, Gemeinsamkeiten mit anderen zu entdecken und zu entwickeln? Da braucht's dann gaaaaanz einfache Lösungen (das will ich nun nicht näher beschreiben, das haben wir täglich in...).
Übrigens funktioniert unser Gehirn zudem so, dass oft aktivierte Assoziationen immer stärker werden, sich da etwas selbst fördert - und da kann man mit dem Bewusstsein, mit dem "freien Willen" durchaus heran. Negative Gedanken, Assoziationen und Gefühle verstärken sich aber leider auch, wie auch von außen ständig forcierte.
Noch ganz kurz zu den Engrammen und Memen: Das oben beschriebene, unseren Gedächtnisinhalt, bewusst greifbar oder nicht, kann man als Engramme verstehen - auf lange Zeit eingraviert und nicht zu löschen, nur zu bewerten (letztlich durch Gefühle und durch Wiederholung bzw. Gewöhnung und so mit mehr oder weniger "lebendigen" Verknüpfungen).
Meme sind dagegen der kollektive Bewusstseinsinhalt - Engramme, die man kommunizieren, anderen mitteilen, mit ihnen teilen kann. Letztlich Kultur. So hab' ich es jedenfalls gemeint. Je weniger Meme, desto "Mono-" die Kultur...
Und ohne innere wie äußere (gemeinsame) Kultur klappt's eben auch nicht im Supermarkt. Da fühlt sich womöglich der eine schräg angemacht und der andere macht tatsächlich mit saudummen Sprüchen schräg an.
So sehr dann eine simple Vermassung Menschen auf eine gemeinsame Basis stellen kann, so sehr kann sie aber auch - mangels Vielfalt - individuelle Möglichkeiten verhindern (und offenbar tut sie das ja nach Kräften).
SBs: So sehr ein gemeinsamer Nenner, nämlich die Profile, die Kontaktaufnahme fördern kann, so wenig ist er dazu angetan, den Menschen zu finden, an und mit dem ich mich entwickeln kann. Eigentlich eher das Gegenteil: Ich suche und werde Bestätigung dessen finden, was vermeintlich (wichtig) ist.
Der m. E. beste Spruch dazu lautet:
"Wer ständig darauf besteht, etwas zu sein, hat aufgehört, (etwas) zu werden."Geändert von Cygnus (30.12.2012 um 00:00 Uhr)
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
-
30.12.2012, 00:01
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Cygnus: Respekt!
Das Leben ist kein Ponyschlecken! (geklaut von fledervieh
)
-
30.12.2012, 02:38Inaktiver User
-
30.12.2012, 05:16Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
puuh Cygnus, welch äh intensiven Gedanken.
Die meisten hier verstehen nichts; ich muss gestehen, dass ich nur einen Teil verstehe, bzw. nachvollziehen kann.
Aufwert-Versuch?
So nach dem Motto: Je komplizierter, desto geiler bin ich??
Ich mag mich irren, verzeih mir, vielleicht bin ich ja auch nur einfach zu blöd.
-
30.12.2012, 09:09Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Geniales Post!
Sehr anregend.... erinnert mich an meine persönliche Granatapfel-Hisorie.
Ich kannte den Granatapfel schon aus der Literatur (1001 Nacht? Weiß nicht mehr genau), bevor ich jemals einen "persönlich" zu Gesicht bekomen habe. Es war eine exotische Frucht, süß und saftig, mit besonderen Kräften.... so hatte ich mir das vorgestellt. Und natürlich ohne die vielen Kerne, die hatte ich, falls überhaupt vorher benannt, ausgeblendet.
Ich habe also meinen ersten Granatapfel schon mit einer gewissen Vorstellung genossen, und ich fand ihn lecker!
Hatte meine positive Vorstellung den Genuss befördert?
Oder hätte ich nicht genauso enttäuscht sein können wegen zu hoher Erwartungen?
Ich glaube, wir haben von allem, was es gibt, potentielle Vorstellungen. Egal, ob wir es persönlich kennen, oder nicht.
Das schwierige ist die Konfrontation mit den Fakten, mit einer objektiven Realität. Die gibt es schon, wenn sie auch nur den Kern der Dinge darstellt.
Eine Essiggurke ist sauer. Die einen mögen eben den sauren Geschmack, die anderen nicht. Das ändert nichts an der sauren Natur der Gurke.
Was ich bei mir selbst beobachte, ist: es fällt mir schwer, auf meine Vorstellungen zu verzichten.
Auf die positiven noch mehr, als auf die negativen.
Und dadurch scheue ich die Konfrontation mit dem realen Leben.
Lieber glauben, dass es Liebe, gemeinsames Entwickeln, erfüllte Sexualität etc. gibt (aber nicht für mich) als erleben, dass es so ist. Weil damit jedes mal eine frustrierende, traurige, manchmal auch schmerzhafte Erfahrung verbunden ist.
Wie oft muss man eine solche Erfahrung machen (sich antun?) bis man sich daraus ein Weltbild gezimmert hat?
Und kann man sein Weltbild auch beschützen wollen, indem man gewisse Erfahrungen vermeidet?
Wie viele Menschen resignieren - durchaus in Würde, ohne Verbitterung, und ist das nicht auch ein Modell, mit dem man einigermassen gut durchs Leben kommen kann?
-
30.12.2012, 13:54
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Ja, toller Beitrag, Cygnus!
Ich find's gut verständlich geschrieben, manches muss man sich dennoch auf der Zunge zergehen lassen oder zwei mal lesen bzw. 'schnell mal überfliegen' geht nicht (aber es muss/soll ja auch nicht immer alles schnell-schnell gehen
)
... desto schwieriger jemanden zu finden, der (mich) wirklich (wirklich!) rockt! (so verstehe ich es jedenfalls...)Geändert von Jil_Maj (30.12.2012 um 14:01 Uhr)
-
30.12.2012, 16:00Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Natürlich muss nicht immer alles schnell gehen! Ich habe es nur vor dem Schlafengehen überflogen und wollte kurz meine Hochachtung ausdrücken, für die Fähigkeit, so formulieren zu können. Wahnsinn!
Jetzt (ausgeschlafen und noch mal in Ruhe gelesen) verstehe ich glaube ich auch, was du meinst, Cygnus. Es stimmt mich allerdings etwas melancholisch, auch das, was Jil_Maj dazu schreibt, weil es so beinahe unmöglich klingt, jemanden zu finden, mit dem man sich entwickeln kann.
Der Ausdruck gefällt mir übrigens sehr. Ich kann mir nur schwer einen Partner vorstellen, der mit mir alles gemeinsam hat, das wäre wahrscheinlich furchtbar langweilig und es kann wahrscheinlich auch wenig Entwicklung stattfinden.
-
30.12.2012, 16:40
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Ich bezog mich gar nicht speziell auf dich, Mariechen, schon gar nicht wollte ich dich kritisieren

Logisch, dass man nicht immer Zeit hat, alles in Ruhe zu lesen
Entwickeln kann ich mich auch gut alleine. Aber jeder hat andere Ansprüche an eine Partnerschaft. Einen *irgendwie halbwegs* passenden Partner zu finden ist gar nicht so schwierig. Aber wenn man jemanden möchte, mit dem es für möglichst lange Zeit passt, mit dem man vielleicht auch immer wieder auf's Neue entdecken kann/muss, wo es passt, was interessant ist am anderen, ... dann wird es schon schwieriger bzw. ist das einer unter ??? (10 000 ?? 100 000 ?? weniger ??).
Für mich ist dieses "passen" gar nicht so ausschlaggebend und das:
stelle ich mir gar grauenvoll vor.
Ich brauche jemanden, der mein Herz berührt, der es zum Hüpfen bringt. Klingt eigentlich schlicht, ist aber selten.Geändert von Jil_Maj (30.12.2012 um 16:45 Uhr) Grund: typo...
-
30.12.2012, 16:41
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
@ Cranberry
Klar, kann ich das alles tun. Und ich kann "mein" Leben bestimmen, aber manchmal wünschte ich mir, ich könnte besser in der Masse schwimmen, statt mich gegen sie "wehren" zu "müssen" (wobei das sicherlich oft nur ein Gefühl ist, aber eben genau so oft für andere erklärungswürdig )
Und, ich frage mich, was hat sich geändert? Denn früher war ich in der Masse ganz glücklich. Hat sich diese verändert oder ich?Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm



Zitieren