Da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich finde Onlinekontaktbörsen auch schwierig, versuche es trotz aller Vorbehalte allerdings trotzdem hin und wieder dort, da es mir im "real life" einfach gar nicht gelingen will, jemand kennenzulernen. Ich hoffe für nächstes Jahr auf den Supermarkt
Aber die Einstellung und die damit verbundene Zielgerichtetheit gibt es doch nicht nur online, oder? Dort kann man das nur besonders gut ausleben.
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Thema: Gedanken zum Jahresbeginn
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27.12.2012, 10:57Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
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27.12.2012, 13:38
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Nein, die Einstellung "Drum prüfe ewig, eh' er sich bindet, weil mann bestimmt noch Bess'res findet..." herrscht nicht nur im Internet und auch nicht ausschließlich männlicherseits, doch das Internet befördert sie. (Nur ganz verschämt lasse ich hier noch mal die Seduction Community als Spitze des Eisbergs auftauchen...).
An Weihnachten hab' ich im Freundeskreis noch einen anderen Ansatz andiskutiert: Inwieweit trägt die verbreitete Abkapselung in der Öffentlichkeit mittels Ohrstöpseln und stierer Konzentration auf das Smartphone zu mangelnder Übung kleinster "Bausteine" im real-sozialen Kontext bei, insbesondere im Umgang mit Fremden?
Auch eine Form von Vereinsamung in der Masse oder von freiwilligem (?) Autismus!
Woanders las ich: "Wofür wir keine Worte haben, das können wir nicht zum Ausdruck bringen, manches noch nicht einmal denken." Letztendlich geht es um zwei "B-Vitamine": Förderliche Engramme und Meme. Mit einem zu geringen Portfolio klappt's nicht einmal im Supermarkt.
Wir brauchen mehr Zeit und mehr Anleitung, über uns selbst nachzudenken, uns selbst zu hinterfragen, und sollten uns da mehr Mühe geben, auch miteinander.Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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27.12.2012, 13:58Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Nein, ich meinte eher die Einstellung, jeden Mann den man kennenlernt nur unter dem Gesichtspunkt zu betrachten und zu beurteilen, ob das jetzt der für die Familiengründung ist, andere Menschen nicht anzusehen, Freizeitaktivitäten danach auszuwählen, wie hoch die zu erwartete Anzahl Singlemänner dort ist, etc. . Das ist dann wohl eher weiblich. Und steht im krassen Gegensatz zu dem von dir beschriebenen Phänomen, so dass sich hier wohl eher keine glücklichen Paare finden werden, das muss ja daneben gehen.
Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich den vorletzten Absatz nicht wirklich.
"Nicht einmal im Supermarkt" klingt allerdings bei dir so, als ob das da einfach wär. Das Gefühl hab ich nicht so wirklich.
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27.12.2012, 14:48
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Ich glaube es war ein schleichender Prozess. Und vielen fällt erst jetzt auf, was eigentlich passiert ist. Und es bedarf vieler Faktoren, die dazu führen müssen das eine Umkehr ( so es sie überhaupt noch geben wird ? ) stattfindet.
Ein kleines Beispiel
Noch vor nicht allzu langer Zeit habe ich in "meinen" Strassen alle Geschäftsleute gekannt. Samt Familien etc. Ich ging zum Bäcker XY, zum Metzger AB, holte mein Obst bei Frau CF etc. Da MUSSE man noch kommunikativ sein. Da wurde noch gefragt, wie es den Eltern ging, was die Tochter so tut, wie es in der Schule läuft und so weiter.
Tja, dann kamen die "anonymen" Supermärkte. Da redet man nicht mehr, als man muss. Und keiner interessiert sich für keinen.
Dieses wirklich kleine Beispiel lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen. Und so verlernen wir immer mehr die Kommunikation miteinander.Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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27.12.2012, 19:11Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Klingt spannend, da wäre ich dabei.
Meine Gehversuche in einer SB dieses Jahr fand ich deprimierend - nicht zuletzt, weil ich auch an mir selber bemerkt habe, wie sehr diese "Technik" auf mich wirkte. Irgendwann habe ich dann auch nur noch von Bild zu Bild geklickt und ich fand mich schrecklich dabei.
Bleibt die Frage: wie anstellen? Wie könnte ein virtueller Begenungsort aussehen, so ähnlich wie eine bricom + x?
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28.12.2012, 18:36
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Ich finde die Fragen, die du aufwirfst, interessant und wichtig. Dieselben Fragen stelle ich mir auch.
Ich kann mir diesen Anti-Gefühle/Menschlichkeits-Trend nicht anders erklären als damit, dass Gefühle in
unserer westlichen Konsumterror-Welt hinderlich sind auf dem Weg an die Spitze des Konsums, in
das Konsum-Paradies.
Menschlichkeit und Gefühle, die nur im Miteinander entstehen, sind nicht so attraktiv, da zeitraubend, unsicher und leicht vergänglich.
Gefühle hingegen, die im Komsumrausch -egal, welcher Art - entstehen, sind da wesentlich attraktiver, da schnell, intensiv und kontrollierbar.
Was könnte da überhaupt noch der Anreiz für Produkte des Zwischenmenschlichen sein, wie Liebe und Freundschaft? Allein die Begriffswahl in meiner letzten Frage zeigt ja schon die Durchseuchung des Emotionalen mit kapitalistischem Gedanken- und Lebenswandel.
Was macht die Liebe für die junge Generation attraktiv? Und wenn sie sie kennen, dann kennen sie sie in verkitschter Hollywood-Variante à la Twilight und shades of grey ...Enttäuschung vorprogrammiert.Der Gipfel des Wahnsinns ist es, auf Veränderungen zu hoffen, ohne etwas zu verändern. A. Einstein
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28.12.2012, 19:04Inaktiver User
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28.12.2012, 22:46Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Ich finde deine Beobachtungen ganz richtig, nur glaube ich nicht an einen Anti-Gefühle/Menschlichkeitstrend.
Es sind viele so, aber nicht alle. Und die bekannten virtuellen Plattformen begünstigen wohl eher Kontakte nach Checklisten und Attraktivitätsleveln. Ich komme damit nicht klar.
Ich empfinde es selbst so, dass es mir schwer und schwerer fällt, Gefühle, die über eine belanglose Ebene hinausgehen, zu jemanden zu entwickeln. Ich meine damit gar nicht unbedingt "die große Liebe", aber eben etwas, was etwas tiefer geht als eine lockere Spaßbeziehung. Etwas, wo ich mich angenommen fühle als ganzer Mensch und nicht nur mit meiner besten Seite oder eben der Seite, die gerade dem anderen kurzfristig oder zeitweise von Nutzen ist.
Weil ich niemanden finde, der das auch wünscht, mit mir.
Von dem ich nehmen darf, und dem ich geben kann.
Was tun?
Ich kann mich nicht mehr "auf gut Glück" so sehr öffnen und in Vorleistung gehen wie früher.
Weil ich weiß, wie weh das tut, dann doch abgewiesen zu werden.
Besser aufpassen, mit bzw. auf wen ich mich einlasse....
Vielleicht darf ich auch einmal erleben, dass sich jemand um mich bemüht. Den berühmten ersten Schritt tut und sich freut, wenn ich dann auch einen Schritt mache. Das wünsche ich mir.
Ich muß mehr raus, ins Leben, das weiß ich. Ob das hilft? Ich hoffe es.
Wünscht mir Glück....Geändert von Inaktiver User (28.12.2012 um 22:56 Uhr)
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28.12.2012, 22:59Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Dabei wünsch ich dir gerne Glück

Da muss ich wohl auch hin. So, wie es jetzt ist, lerne ich nämlich einfach überhaupt niemanden kennen.
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28.12.2012, 23:02Inaktiver User
AW: Gedanken zum Jahresbeginn
Danke, und dir auch viel Glück!




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