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    AW: Aussenseiter-was tun?

    Hallo lindenmausi,

    Ich wuerde dir den tipp geben, dir das verhalten der Kollegen nicht allzu nahe gehen zu lassen. Auch wenn es schwer faellt. Manchmal passt es einfach nicht.

    In meinem alten Job ging es mir auch so - eine Kollegin ist inzwischen eine sehr gute Freundin, mit einigen war es sogar muehsam, auch nur Smalltalk zu machen. Im neuen Job laeuft das ganz anders, so dass eigentlich offensichtlich ist, dass es nicht nur an mir lag.

    Ich kenne keine us-Amerikaner persoenlich. Aber das, was ich geziert habe ist, dass sie eher oberflaechlich sind. Man bekommt wohl schnell Kontakte auf smalltalk-ebene. Mehr wird es aber meist auch nicht. Keine Ahnung, ob das so stimmt. Wenn nur ein funken Wahrheit drin liegt, glaube ich schon, dass man dich als deutscher schnell einsam fuehlt.

  2. Inaktiver User

    AW: Aussenseiter-was tun?

    Hallo Lindenmausi,

    ich habe selber nie in den USA gelebt, habe aber Familie dort und bin relativ häufig "drüben". Der ausgewanderte Teil meiner Familie hatte anfangs auch Startschwierigkeiten, vor allem in New York, wo sie zunächst lebten. Dort haben sie dann Kontakte zu anderen Deutschen geknüpft (Treffen oder Stammtische findest Du bestimmt übers Internet), was aber auch nicht so dolle war, weil viel mit komischer Deutschtümelei verbunden. Zumindest konnten sie dort den einen oder anderen netten Kontakt knüpfen, aus denen sich dann auch Kontakte zu Leuten außerhalb des deutschen Dunstkreises ergeben haben.

    Später, als Kinder kamen und sie in eine gutbürgerliche Gegend in Ney Jersey gezogen sind, ergaben sich nette Kontakte in der Nachbarschaft und über die Schule zu anderen Eltern.

    Richtig tiefe Freundschaften und ganz enge Kontakte sind aber nach wie vor nur wenig vorhanden. Das hat nichts damit zu tun, dass "der Amerikaner" oberflächlicher ist als unsereins, sondern damit, dass US-Amis viel mobiler sind als wir es hier kennen. Gibt es ein gutes Jobangebot, wird das Haus mitsamt Mobiliar kurzerhand verkauft und quer über den ganzen Kontinent umgezogen, ohne sich mit großem Ballast abzuschleppen.
    Aufgrund der Entfernungen wird es dann auch schwierig, den Kontakt aufrecht zu erhalten bzw. erschöpft sich auf Mail oder Skype.

    Bist Du schon lange in USA und lebst Du in einer ländlichen Gegend oder in einer größeren Stadt? Manchmal braucht es auch einfach etwas Zeit, um "warm" zu werden

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    AW: Aussenseiter-was tun?

    ich verstehe noch nicht so ganz, warum du überhaupt in die USA gezogen bist, aber sei's drum.

    um aus diesem tief herauszukommen, wirst du dich nicht umhin kommen, dich zu verändern: räumlich näher an oder direkt in die stadt und / oder du musst dir einen anderen job suchen.
    Never regret anything. At one time it was exactly what you wanted.

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    AW: Aussenseiter-was tun?

    Zitat Zitat von Lindenmausi Beitrag anzeigen
    Ich wohne auch sehr abseits vom Geschehen, und muesste rund 70 km fahren, um in die Stadt zu kommen.
    Zieh um! Geh in die Stadt, wo Du arbeitest, reduzier damit Deinen Anfahrtsweg auf unter 10 Minuten. Du wirst merken, wie sehr Dich das befreit und wieviel Energie Du plötzlich hast.

    Denn dann kannst Du locker (!) nach der Arbeit noch einen Kaffee mit Deinen Kollegen trinken gehen ohne grossen Aufwand, Du kannst bei einer Feier, bei einem spontanen Dinner zusagen und mal ein Bier/Wein trinken.

    Stürz Dich mit dem Umzug ins Geschehen, Du wirst neue Nachbarn kennen lernen. Du kannst eine Feier machen zur Einweihung geben und dabei ungezwungen ausloten, wer zu Dir passt. Du kannst nach Deiner Arbeit bummeln gehen, weil Du mehr Zeit hast und mittendrin bist.

    Mach das!

    Deine Wohnsituation ist quasi Symbol für Dein inneres Schneckenhaus. Komm raus. Streif es ab. Du brauchst Dich nicht länger zu verstecken, Du hattest genug Ruhe und Einsamkeit.
    Körperlich Distanz
    Sozial zusammen


    You'd have to be here
    I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
    It's northerly facing and close to an open fjord
    The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
    Calling so slowly from summer's before

    Kari Bremnes

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    AW: Aussenseiter-was tun?

    Zitat Zitat von Lukulla Beitrag anzeigen
    Zieh um!
    Wenn Du das irgendwie ermöglichen kannst, halte ich das auch für einen richtig guten Vorschlag!! Ich glaube auch, dass Dir eine neue Umgebung gut tun würde...
    So abseits mit weiten Anfahrtswegen zu wohnen erschwert doch einiges...

    LG
    kleineskleeblatt

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    AW: Aussenseiter-was tun?

    Vielen Dank fuer Eure lieben Antworten!

    Umziehen ist nicht so einfach, und der Anfahrtsweg zur Arbeit verkuerzt sich nur geringfuegig. Es gibt viele, die in der Stadt oder in den Vororten wohnen, nur um einen 30-60-minuetigen Anfahrtsweg zu haben. 10 Minuten sind utopisch, ich waere in den Slums, und moechte daher aus Sicherheitsgruenden nicht in dieser Stadt wohnen. Sie hat die hoechste Kriminalitaetsrate in den USA was Schusswaffen angeht. Es gibt immer wieder Angeschossene, die sich schwer blutend in die Krankenhauslobby schleppen, um behandelt zu werden. Nach Sonnenuntergang bekommt man Eskorten zu seinem Fahrzeug. Ich bleib sehr gern weit weg vom Geschehen. Die Lebensqualitaet in dieser Stadt ist nicht besonders, auch was die Luft angeht. Wenn schon Umzug, dann ganz woanders hin.

    Ich habe mich damit arrangiert, dass es mit den Mitarbeitern nicht recht passt. Mit manchen doch schon, und bei denen bleibe ich dann auch. Letztendlich ist es ein Arbeitsplatz, und kein Vergnuegungspark. Ich denke einfach, dass ich kein oberflaechlicher Mensch bin, und muss mir die passenden Gegenstuecke suchen, die zugegebenermassen rar sind in dieser Kultur. Und von Cliquen in dem Alter halte ich nicht viel, das zeigt hoechstens deren individuelle Unsicherheit. Von manchen werde ich akzeptiert, so wie ich bin, aber eine gute Mehrheit hat einfach kein Interesse an mir. Das ist der Grund, weshalb ich ab und zu mal den Durchhaenger bekomme, und denke, dass es an mir liegen muss. Die, die mich akzeptieren, kennen mich auch besser.

    Die Deutschfreundlichkeit kenne ich auch, nur nicht in meinem unmittelbaren Dunstkreis. Hier werde ich eher verspoettelt, und Namen wie Mengele fallen immer wieder. Die Leute verstehen hier nicht, wie beleidigend das sein kann, weil sie den Bezug zur Geschichte nicht so haben wie wir. Viele kennen das ganze nur von der Hollywood-Version. Eine der Mitarbeiter, die mir das Leben schwermachen, hatte eine deutschstaemmige Mutter, die daheim wohl mit dem eisernen Zepter regierte, und sich so unbeliebt machte. Da lebt diese Mitarbeiterin wohl so einiges an mir aus. Und das bloede Gerede macht eben so die Runde. Sie laesst keine Gelegenheit aus, mich als Trottel darzustellen. Auch heute wieder. Wer's glaubt, dem ist nicht zu helfen, aber das sind dann eben doch schon einige.

    Und ja, es gibt sehr grosse regionale Unterschiede in der Mentalitaet der Amerikaner. Ich wuerde sagen, dass es an der Westkueste und dem Mittleren Westen die nettesten Menschen gibt, wobei man im Nordosten die groessten sour pusses finden kann. Im Durchschnitt.

    Ich bin schon seit fast zwei Jahrzehnten hier, und seit zehn Jahren am selben Ort. Von Anfang an fuehlte ich, dass die Menschen hier etwas seltsam sind: sehr betont religioes, konservativ, aber was Naechstenliebe angeht, geht da oft nicht so viel. Man ist sich selbst der Naechste. Ich werde nie vergessen, wie mein Sohn als Neunjaehriger von der Nachbarsoma abegewiesen wurde, weil er nicht ins Haus konnte, und ich wegen eines Missverstaendnisses unterwegs war, ihn abzuholen. Er musste auf unserem abgelegenen Grundstueck im Wald alleine vor der Tuere warten, biss ich wieder kam. Dieselbe Oma tat freudig kund, dass ihre Enkel in NY so nette Nachbarn haetten, die sich wie Oma und Opa um die Enkel kuemmerten. Na danke!

    Denkt alle feste an die Eltern, die heute ihre Kinder bei diesem shooting in CT verloren haben! Deren Probleme sind derzeit viel groesser als meine.

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    AW: Aussenseiter-was tun?

    Hallo Lindemausi, ich habe Dir eine Nachricht geschickt weil es mir oft aehnlich geht. Wenn Du in der Naehe von mir wohnst koennen wir uns auf einen Kaffee treffen.

    Ich wohne in einer sehr internationalen Stadt in den USA, wo man nicht auf Amerikaner angewiesen ist. Ich habe schon gemerkt (auch als ich mal ein Jahr in Paris wohnte) dass die Einheimischen schon oft ihre Freunde haben. Es ist dann oft einfacher, bei Clubs so wie Eurocircle Leute aus allen moeglichen Laendern kennen zu lernen. Und die kennen auch oft fast niemand. Also mail mir wenn Du ein paar Tips brauchst.

    Manchmal im Leben ist man ploetzlich ganz alleine. Ein paar Freunde ziehen weg, der Sohn geht auf's college, das hat aber nichts mit Deiner Persoenlichkeit zu tun. Es ist nur komisch, immer wieder von vorne anzufangen. Ich habe das auch schon ein paar Mal gehabt.

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    AW: Aussenseiter-was tun?

    hallo lindenmausi,

    ich selbst habe auch noch nie in den USA gelebt, aber schon einige berichte von leuten bekommen, die dort für einige zeit gelebt haben. einer berichtete mir (er wohnte in detroit), dass er ebenfalls keinen kontakt zu den einheimischen aufbauen konnte, die mentalität war einfach zu unterschiedlich. das war wohl stellenweise sehr extrem mit der abweisung durch die einheimischen. er hatte gottseidank seine familie dabei und hat dann aktiv nach anderen zugereisten gesucht. dadurch, dass es denen ebenso erging wie ihm, kamen schnell kontakte zustande. also solltest du dir doch einmal gedanken machen, wie du kontakt zu andere zugereiste herstellen kannst. denen dürfte es wahrscheinlich ähnlich wie dir ergehen und das verbindet sofort.

    ich habe aber eine ähnliche erfahrung wie du gemacht, dafür musste ich noch nicht einmal ins ausland ziehen. ich bin "nur" aus mitteldeutschland nach süddeutschland gezogen, aus einem ballungszentrum in eine ländliche region. meine erfahrungen decken sich mit deinen, obwohl ich letztendlich aus dem selben kulturkreis stamme und dieselbe sprache spreche (nur halt dialektfreier als hier).
    die einheimischen wollen unter sich bleiben, haben ihren familienkreis und ihre freunde, die sie stellenweise seit der geburt kennen und betrachten alles "fremde" erst mal als bedrohlich. und so habe ich bis heute (2,5 Jahre) keinen kontakt zu ihnen bekommen und ich habe für mich mittlerweile beschlossen, dass ich diesen auch nicht mehr will. die mentalität ist einfach zu unterschiedlich und ich müsste mich arg verbiegen, was ich nicht möchte.

    aber es gibt schnittstellen, die man miteinander teilen kann, ohne sich zu verbiegen und die gilt es auch für dich zu finden. ich bin sicher, dass es sie gibt. ich fahre z.B. motorrad und fahre im sommer oft mit einer gruppe durch die gegend, mit einheimischen.
    wenn du allerdings nach außen hin abweisung ausstrahlst, wird das sehr schwierig werden. aber das kenne ich, liebe lindenmausi, auch von mir

    auch bei mir hier ist die nächste stadt mit kulturellen angeboten 70 km entfernt und ich habe dann aktiv begonnen, nach gleichgesinnten und zugezogenen in eben dieser stadt zu suchen. und dank www habe ich sie auch gefunden und mittlerweile sehr liebe menschen kennengelernt, die mir sehr ans herz gewachsen sind. und naja, auch weniger liebe, aber die gehören auch dazu .
    die 70 km fahrt nehme ich bewusst in kauf und es lohnt sich jedes mal. ich werde im laufe der zeit versuchen, einen neuen job zu finden und in diese stadt zu ziehen. der vorschlag wurde dir ja auch hier gemacht, ich halte ich für sehr gut.

    du lebst seit 10 jahren in dieser region, richtig? kann es sein, dass du innerlich schon lange eigentlich damit abgeschlossen hast, dort kontakte zu knüpfen? das strahlt man irgendwann auch aus und dann ist es kein wunder, wenn man von seiner umwelt auch abgelehnt wird. die barrieren sind somit auch in deinem kopf, nicht nur in denen deines umfeldes. resignation trifft auf mentalitätsunterschiede. aber was hindert dich denn daran, deren spiel mitzuspielen?
    betreibe doch einfach auch mal smalltalk, mach dich frei von dem gedanken, "das bin ich nicht". nein, das bist du nicht, das ist ja auch gut so. es sagt ja auch keiner, dass du das derart betreiben musst, dass du dich selbst dabei aufgibst. bleib du selbst, aber geh ein stückchen auf dein umfeld zu, indem du das spiel mitmachst. finde die schnittstelle. soweit wie du kannst und magst.
    nimm den stress für dich raus, anders zu sein. dein umfeld besteht letztendlich auch aus menschen, die genauso wie du bedürfnisse und gefühle haben. halt dir das immer vor augen.

    dir wird wohl nicht viel übrigbleiben als aktiv nach alternativen zu suchen, deine einstellungen zu ändern und dich in geduld zu üben. nur, was tun musst du, sonst wird sich nichts ändern für dich.

    fühl dich ganz fest
    Geändert von Aditu (16.12.2012 um 20:11 Uhr)

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    AW: Aussenseiter-was tun?

    Ich finde es schoen, dass das Thema auch in die Richtung geht "Zugereiste". Ich habe schon in mehreren Laendern gewohnt und gemerkt, es ist eher das als unterschiedliche Mentalitaet. Die Einheimischen haben oft schon ihre Freunde aus der Schulzeit. Da kann man nichts machen, die sind mit Freunden versorgt.

    Eine britische Bekannte hatte mich am Anfang hier zu einer franzoesischen Konversations-Party eingeladen, weil ich etwas Franzoesisch spreche und so habe ich viele Franzosen und franzoesisch sprechende Amerikaner kennengelernt. Das hat mir schon sehr geholfen. Die Gruppe ging auch oefters zusammen aus um ein neues Restaurant auszuprobieren etc.

    Wenn Du Schwierigkeiten hast, so etwas in Deiner Stadt zu finden, kann ich Dir gerne mit ein paar links zu solchen Gruppen helfen. Die sind in den meisten groesseren Staedten zu finden.

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