Mein letztes Posting sollte keine Kritik sein - nur ein Hinweis. Die Beschäftigung mit dem Thema beruht natürlich auf der mit den Neurowissenschaften - aber auch auf etwas völlig anderem, eher Zufälligem, nämlich einer speziellen Art von oder einem besonderen Bedürfnis nach bestimmten Körperempfindungen.
Da hatte ich vor Ewigkeiten in ganz anderem Zusammenhang mal etwas in einem Feature im TV gesehen, das mir erst viel später als Interpretationshilfe des eigenen Verhaltens diente, sogar bis zurück in die Kindheit. Es ergab sich dann im Bemühen um Erklärungen im Austausch mit anderen, dass ich mit ganz wenigen Schlagworten das Internet nach dem dafür relevanten Inhalt dieses damaligen TV-Berichts durchforstet habe.
So stieß ich nach vielen erst einmal ergebnislosen Suchen endlich auf eine der bekanntesten Autistinnen, um die es vielleicht damals auch ging: Dr. Temple Grandin. (Ein weiterer Impetus, die etwas losen Interpretationen weiter zu erhärten, war eine neue Anorexie-Therapie, von der ich las.)
Und da macht man halt, wenn ich es nochmals so sagen darf, ein Fass auf, wenn man ein naturwissenschaftliches Weltbild hat, entdeckt "noch und nöcher" Zusammenhänge, auch mit sich selbst. Ich halte mich nicht für einen Autisten, aber Züge davon entdecke ich an mir immer mal wieder mehr - in anderen allerdings auch. Die "Wahrheit" ist halt viel größer und viel varianten- und schattierungsreicher, als wir Schubladendenker uns das normalerweise träumen lassen.
Falls Ihr Euch für Asperger interessiert - Ihr habt doch sehr Anteil genommen: Ranga Yogeshwar hat in der Sendereihe "Quarks & Co." einmal darüber berichtet und sogar eine Asperger-Autistin gefunden, die an der Sendung mitgewirkt hat und Bücher darüber - also auch über sich - schreibt. Sie ist im selben Alter wie Ich___ (also der TE).
Quarks & Co - Was ist anders bei Nicole - Begegnung mit einer Autistin - YouTube
Ich kann noch viele solcher Hinweise und Berichte zusammensuchen, die alle in die gleiche Richtung gehen, auch von anderen Startpunkten aus und von anderen Menschen in anderen Situationen berichtend: Autisten müssen zu ihrer Integration vieles mühsam bewältigen, das "Normalos" mehr oder weniger zufliegt - manchen allerdings leider auch negativ verkehrt "zufliegt"...
Ich will jetzt nicht mehr schreiben, denn ich muss an Frederik aus der verlinkten Sendung denken - eine seiner Tendenzen habe ich nämlich auch...
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13.12.2012, 00:03
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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13.12.2012, 00:08
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
@ Regbri:
Im Supermarkt habe ich halt den Vorteil, dass ich schon einen kleinen Einblick in den Menschen bekomme. "Du bist, was du isst" ... Die Fragen, die du als Beispiel gegeben hast... ich weiß, das sind die "richtigen", aber ich würde mich sehr komisch dabei fühlen, sie einem Unbekannten zu stellen. Ohne, dass ich genauer sagen könnte, weshalb. Nun gut, die Bücher-Frage würde ich sicher eher dem Bibliothekspersonal stellen...Ansprechen: Nicht im Supermarkt, wenn das nicht dein Terrain ist. Sprich eine Dame in einer Umgebung an, in der du dich wohl fühlst, zu einem Thema, das dir liegt. Beim Sport? In der Bücherei? Bei der Kultur? (Wie fanden Sie das Spiel? Können Sie mir sagen, wo die XY Bücher stehen? Mir hat die Vorstellung nicht gefallen, und Ihnen?)
@ kleineskleeblatt:
Das ist durchaus nachvollziehbar.Ich denke, bevor Du überhaupt darüber nachdenkst, eine Freundin zu finden, solltest Du erstmal versuchen, Dir einen stabilen Freundeskreis aufzubauen!
Denn keine Frau wird es toll finden, einen Freund zu haben, der sonst niemanden hat. Das kann einem sehr leicht erdrücken und kaum jemand, wünscht sich einen Partner, der an einem klammert und ansonsten auch viele Probleme hat. Das würde aus meiner Sicht weder Dir gut tun, noch dem betreffenden Mädel - sie wäre vermutlich überfordert.
Es geht mir auch nicht darum, möglichst schnell in eine partnerschaftliche Beziehung zu kommen. So weit bin ich noch nicht. Weder weiß ich, ob ich einer Frau das geben könnte, was sie sich von einem Partner erwartet, noch, ob ich mir eine partnerschaftliche Beziehung überhaupt wünsche.
Aber ich bezweifle, dass ich je einen Freundeskreis haben werde. Den wünsche ich mir auch nicht. Mein Sozialverhalten ist eingeschränkt, sowohl bzgl. des Herstellens als auch des Haltens von Kontakten. Und es strengt mich auch an, wenngleich es auch sehr schön sein kann. Ich glaube nicht, dass ich mehr als 1-2 soziale Kontakte gleichzeitig händeln könnte.
Integration in Gruppen, Gruppendynamik, Teil einer Gruppe sein - all das funktioniert bei mir nicht. Und gerade bei Kindern, bei denen das nicht funktioniert, wird es immer wieder versucht und immer wieder bestätigt...
"Kann nicht" ist natürlich falsch - sprechen kann ich ja. Ich bin da wohl blockiert.Du beschreibst, dass Du kaum auf Dein Äußeres achtest und eigentlich eine Typberatung bräuchtest. Dass Du mit der Psychologin da nicht drüber reden kannst, glaube ich nicht. Du willst vielleicht nicht. Aber mit einem professionellen Psychologen kannst Du über alles reden. Versuchs doch mal!Vielleicht hat sie eine Idee.
Ansonsten: Wenn Du TV schaust oder in der Stadt herumläufst, siehst Du doch, wie junge Leute in Deinem Alter so angezogen und gestylt sind. Das ist doch quasi lebendes Anschauungsmaterial. [...] aber Du musst Dich natürlich auch wohlfühlen
Wohlfühlen in Bezug auf Kleidung und Äußeres bezieht sich für mich nur auf Bequemlichkeit: Lange Haare sind doof, die müsste ich ständig waschen und fönen, also habe ich kurze. Gel würde ich mir auch nicht reinschmieren. Kleidung sollte bequem sein, nicht kratzen o.ä. Das trifft alles zu, also fühle ich mich wohl.
Sicher, ich kann mir ansehen, wie sich andere Menschen kleiden. Ich weiß, dass es verschiedene Typen gibt, dass Kleidung einen Menschen zu einer bestimmten Gruppe zuordnet und andere Menschen sich danach auch bewusst ihre Kleidung auswählen. Ich kann auch einige bestimmte Typen und Images zuordnen (lange Haare + männlich + Lederkleidung = Rocker). Aber als Gesamtes kann ich das nicht erfassen. Ich bräuchte also jemanden, der mir permanent, bei jeder Änderung an meinem Äußeren, erklärt, wie es denn nun wirkt. Nur Anschauungsmaterial reicht dafür bei mir nicht aus. Es ist ein bisschen so, als würde ich einer fremden, unbekannten Sportart zuschauen, deren Regeln ich nicht kenne. Ich kann mir zwar grob ableiten, was da passiert - aber wirkliches Verständnis ist es nicht.
Das ist sicher ein großer Teil meiner Problematik. Was sich nicht intuitiv erfassen lässt, muss halt analysiert und über den Verstand erfasst werden. Ich kann lockerer werden, wenn ich Menschen sehr gut kenne, wenn ich sie einschätzen kann. Dann bin ich auch humorvoll, kann selbstironisch sein. Aber beim kennen lernen neuer Menschen ist das schwierig.Wichtig finde ich, dass Du mal versuchst, nicht alles rational zu analysieren, sondern mal quasi "den Kopf ein bisschen mehr auszuschalten". Einfach ein bisschen lockerer zu werden im Umgang mit anderen.
Früher hatte ich wesentlich weniger Verständnis für soziale Regeln als heute, kannte weniger, war dadurch auch freier. Was ich nicht weiß, weiß ich nicht. Als Jugendlicher war das auch noch okay. Das ging dann auch mal als "rebellisch" durch (auch wenn es das nicht war). Aber inzwischen bin ich "erwachsen" und es wird angemessenes Verhalten von mir erwartet. Ich kenne viele soziale Regeln, weiß v.a., wie ich mich nicht verhalten darf, weiß z.T. wie ich mich verhalten soll und bemerke aber auch immer mehr meine Grenzen, kann vieles nicht. Anlächeln z.B. gelingt mir sehr selten. Ich muss daran denken, ansonsten vergesse ich es. Meistens reagiere ich aber nicht schnell genug. Grüßen kann ich. Grüßen, gleichzeitig Blickkontakt aufbauen und dabei laut und deutlich sprechen ist da schon schwieriger. Erfordert viel Konzentration.
Um nicht missverstanden zu werden: Ich möchte nicht mit meiner Hochbegabung prahlen! Ich fühle mich auch nicht besser deswegen oder denke, dass intelligente Menschen bessere Menschen sind. Ganz sicher nicht! (Ich tendiere inzwischen sogar zum Gegenteil - aber das ist ein anderes Thema) Die Menschen, die mir bisher am meisten Respekt entgegen gebracht haben und von denen ich mich am meisten geschätzt gefühlt habe, waren sogar eher "einfach". Verstecken lässt sich eine deutlich ausgeprägte mathematische Hochbegabung aber auch nicht - früher oder später fällt das auf.Und aus meiner Sicht sehr wichtig: Erzähl den Leuten nicht von Deiner Vita und der Hochbegabung - die wenigsten Menschen verstehen sowas!
Ich habe darüber aber geschrieben, weil es für mich wichtig ist. Denn mein Intelligenzprofil ist sehr unausgeglichen, das wusste ich früher nicht und verstand demnach auch meine schulischen Leistungen nicht. Es ist also Teil meiner Vergangenheitsbewältigung. Ein IQ-Test misst halt doch ein bisschen mehr als Luft, und in meinem Fall stimmte der Anspruch, der an mich gestellt wurde einfach nicht mit dem überein, was ich leisten konnte.
@ Cygnus:
Das ist natürlich sehr negativ. Welchen Eindruck hast du, wenn du meine Texte liest? Ist natürlich nicht vergleichbar mit einem persönlichen kennen lernen, würde mich aber dennoch interessieren.Ich hatte und habe schon mit ähnlichen Menschen zu tun, meine Gefühle dabei schwank(t)en von "unnahbar-arrogant" bis "bedauernswert-hilfebedürftig".
Ich habe das Konzept "Seele" nie verstanden, habe mich aber auch nicht ausführlich damit beschäftigt. Was du schreibst, ist für mich nachvollziehbar. Mir fehlt aber ein Abschluss des Gedankens.Ich kann jetzt nicht beurteilen, wie Du zu Dir selbst stehst, oder genauer: Ob Du Abstand zu Dir als unverbrüchliches Selbst nehmen kannst, akzeptieren kannst, dass ein Selbstmodell (andere nennen es gerne "Seele", für mich ist es die "innere virtuelle Realität") als Funktion unseres Gehirns gesehen werden kann, inklusive seiner gesamten Interaktion mit anderen Repräsentationen von Selbstmodellen, sprich: den Mitmenschen - was in diesem Vorstellungsmodell eine (variable) Co-Funktion mehrerer Gehirne wäre.
Wenn 50% aller Menschen Linkshänder wären und 50% Rechtshänder, was wäre dann die normale Hand? "Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, dann wär ich längst schon Millionär".Mal flapsig gesagt: Wenn alle wären, wie der legendäre Mr. Spock, wär's kein Problem, aber leider haben wir "Meisten" eher zuviel wirklich Soziopathisches in uns. Aber das wirkt (und ist!) eben so verdammt "echt", während das "unechte" (Mr. Spock) uns eigentlich nur zu anstrengend ist.
Per definitionem (und sehr direkt ausgedrückt) bin ich asozial. Aber immerhin nicht antisozial. Da besteht ja auch noch ein Unterschied. Nicht wenige Menschen mit der Diagnose Asperger-Syndrom interessieren sich für Berufe im sozialen Bereich. Das ist alles doch nicht so einfach, wie es scheint. :)
Ich finde diesen Gedankengang von dir beeindruckend, das ist auch ein sehr spannendes Thema. Aber zumindest öffentlich werde ich nicht mehr dazu schreiben, die Gefahr, dass Missverständnisse enstehen, ist zu groß. Und es ist sehr komplex, man kann zu vielen unterschiedlichen Ergebnissen kommen...
Nirgends liegen Selbst- und Fremdwahrnehmung bei mir weiter auseinander. Mir wird oft gesagt, ich könne gut schreiben. Seit meiner Kindheit. Ich kann das nicht nachvollziehen. Aber da irre ich mich wohl anscheinend.Klingt jetzt kitschig, kommt mir aber spontan in den Sinn: "Veröffentliche" Dich und lass' Dich "lesen"! Wäre das ein - zusätzlicher - Weg? Wenn Dir die Mittel oder Ideen des "Wie" fehlen: Einige Anregungen könnten in "Schreiben unter Strom" von Stephan Porombka zu finden sein. Schreiben kannst Du ja sehr gut.
Es gibt da ein weiteres Problem: Ich denke ständig weiter, betrachte immer von einem anderen Standpunkt aus, ändere oft genug meine Meinung. Und am nächsten Tag kann ich manchmal schon gar nicht mehr lesen, was ich am Vorabend geschrieben habe... Da muss ich aber wohl eher mit meiner Psychologin mal drüber reden.
Das sicher nicht. Eher hätte es mich gefreut, wenn du deine Gedanken weiter ausgeführt hättest. Manches kann ich nämlich nicht ganz nachvollziehen, wirkt etwas unfertig auf mich. Ich habe daher deinen Beitrag auch am häufigsten von allen hier gelesen.(Sorry, hoffentlich war ich jetzt nicht zu aufdringlich!)
Du hast vollkommen Recht mit dem was du schreibst. Ich bin auch in SHG's für "Betroffene" aktiv und beschäftige mich auch mit Menschen, die die gleiche Diagnose erhalten haben, aber...Das ist schon ein größeres Problem, als ein bisschen fehlende soziale Übung, die man nachholen könnte. Nun bin ich etwas einseitig so ein Wissenschafts-Typ und deshalb kann meine Meinung genauso unpassend sein, aber ich würde mich tatsächlich mit Menschen und ihren Geschichten und Problemlösungen beschäftigen, die ähnlich sind.
Aus deren Schilderungen entnehme ich zum Beispiel doch recht große Widersprüche zu einigen Tipps hier...
... ich bin ein Mensch, der große Probleme mit Schubladen hat. Hätte ich hier vor 2 oder 3 Jahren geschrieben, dann einen ähnlichen Text (sicherlich aber weniger differenziert, denn wirklich verstehen kann ich erst langsam durch mein neues Wissen) mit der Diagnose "Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und zwanghaften Zügen" (die wurde mir damals in der Tagesklinik diagnostiziert). Wenn im nächsten Jahr das DSM V erscheint, gibt es kein "Asperger-Syndrom" mehr. In 20 Jahren erhalte ich vielleicht eine vollkommen andere Diagnose... (sicher ist Asperger-Syndrom die nach derzeitigem Kenntnisstand zutreffenste)
"Gleich und gleich gesellt sich gern" - "Gegensätze ziehen sich an" (letzteres benötigt aber zwei reife, interessierte Menschen! Kann diesen aber evtl. umso mehr geben)
Ich bin ein Mensch, der absolut fasziniert ist von anderen Menschen, aber auf eine womöglich andere Art und Weise als die meisten anderen Menschen. Was Menschen mit einer Autismus-Diagnose denken, wenn ich meine Probleme schildere, weiß ich inzwischen. Was "nicht-autistische" Frauen denken, interessiert mich. Und wenn ich merke, dass meine Problematik hier nicht vollständig verstanden wird - dann hilft mir das doch auch! Denn es erweitert mein Wissen. Ich bin vielleicht ein bisschen ein Wissenschaftler in eigener Sache - Immer interessiert an dem Denken anderer Menschen. Ich kann nicht genug davon kriegen.
Dass ich nicht jeden Tipp, der hier gegeben wird, umsetzen kann, das weiß ich. Ich lerne schon mein ganzes Leben lang, dass es sehr schwierig ist, Menschen zu verstehen, die deutlich anders sind als ich selbst und selbstverständlich ist das für euch genau so schwierig. Ich merke ja auch immer wieder, dass viele Menschen an mir scheitern, die es wirklich gut meinen und wollen. Es ist halt nicht einfach und ich freue mich auch nicht darüber. Oder, wie es meine Psychologin mal formulierte, bei der ich aber auch mehr in die Tiefe gehe: "Das ist einfach zu kompliziert für andere Menschen" (wörtlich!) Und damit hat sie sicher recht.
Mir hilft es dennoch, hier zu schreiben und zu lesen. Es hilft mir dabei, mein Verständnis für das funktionieren "normaler" Menschen zu erweitern (ich lese hier übrigens auch sehr viel, und ich habe mich auch nicht spontan in diesem Forum angemeldet). Und es kann ja auch anderen Forenteilnehmern helfen, denn gerade bzgl. "Autismus" gibt es doch noch einige Vorurteile. Da kann es nicht schaden, mal von einem Menschen zu lesen, der eine solche Diagnose bekommen hat. Und wer nicht will, wird ja auch nicht gezwungen.
Mir hilft es, hier zu schreiben und die Antworten zu lesen. Dass wir hin und wieder aneinander vorbeireden und nicht verstehen - das gehört dazu. Ob es mir im Umgang mit anderen Menschen wirklich weiterhilft, das wird sich zeigen. Ob mir dahingehend überhaupt zu helfen ist, ist eh unsicher. Ich erkenne meine Problematik und ihre enorme Dimension immer besser.
Grenzen sind da, um überwunden zu werden, auch wenn es sicher auch welche gibt, die endgültig sind.
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Ich habe nur bis zum zweiten Beitrag von Cygnus gelesen und auch nur bis zu seinem ersten (inkl. zweiten, ohne die dazwischen) Beitrag beantwortet. Mehr schaffe ich heute nicht mehr. Mich interessiert dieses Forum aber sehr, daher möchte ich hier auch weiter schreiben und diskutieren, wenn es nicht stört.
Ich habe doch noch kurz den Rest gelesen, nur ganz kurz: Ich habe Aufsätze von "Fachleuten" gelesen, die deutlich weniger wertvoll waren als diese wenigen Antworten in diesem Thread. Man sollte Menschen nicht nach ihrem Rang beurteilen, Idiotie kennt keine Grenzen, v.a. in der Psychiatrie (und ja, auch auf das "Fachpersonal" bezogen). Wenn ich hier schreibe, erwarte ich keine Fachmeinungen, sondern die von Laien.Geändert von ich__ (17.12.2012 um 20:39 Uhr)
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13.12.2012, 01:45
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
Hallo ich_,
ich hatte das gar nicht so verstanden, dass du mit der Hochbegabung prahlen wolltest - im Gegenteil.
Ich hatte mich leider über das Asperger-Syndrom nicht wirklich schlau gemacht, bevor ich Dir geantwortet habe und bin halt nur von meinen (ganz anderen) persönlichen Erfahrungen ausgegangen.
Da ich selbst sehr viel Neid und Mobbing erleben musste/teilweise noch muss, kam mein Rat zustande, die Hochbegabung im Privatleben eher für Dich zu behalten. Zum "Selbstschutz" quasi. Mag aber sein, dass dieser Rat für Dich nicht passend ist.
Du wirkst übrigens, wie Du schreibst, absolut sympathisch, natürlich und ich käme niemals auf die Idee, wenn ich es nicht wüsste, dass Du Probleme mit Sozialkontakten haben könntest. Würdest Du so mit jemandem sprechen, fände Dich derjenige sicher schnell sympathisch und würde sich sehr gerne mit Dir unterhalten.
Freut mich, dass Du weiter hier im Forum bleiben und schreiben möchtest.
Lieben Gruß
kleeblattGeändert von kleineskleeblatt (13.12.2012 um 02:04 Uhr)
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13.12.2012, 02:57
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
ich bin mit einem menschen etwa deiner ausdrucks- und empfindungsart befreundet.
es ist allerdings für beide seiten sehr schwer. in unregelmässigen abständen lässt sein sozialverhalten komplett aus, es läuft über stunden oder tage mit irgendwelchen gedanken rum, denen keiner folgen kann, er teilt sie nicht mit. in der zeit ist er sehr er selbst, er nimmt die anderen wenig wahr. nachher reagiert er wieder angepasster, aber das verlangt von ihm viel gehirnleistung, er muss ja über alles nachdenken, warum es jetzt sinn macht so oder so zu handeln, er kann nichts aus dem bauch heraus machen.
in der bibliothek der stadt fand ich tagebücher und lebenserinnerungen seiner vorfahren, die art einiger aus der männlichen linie war exakt wie seine. bei ihm scheint es sogar noch ein bisschen abgeschwächt zu sein, im vergleich zu den grossvätern und urahnen.paar hundert jahre litt man in der sippe nebenbei an verdauungstörungen.
ich begann, mich für den aspekt näher zu interessieren. meinem guten freund hilft es tatsächlich, wenn er eine sehr nährstoffreiche und vollwertige kost wählt, ein vitamin nimmt er durch ernährung gar nicht auf.
und er muss sehr darauf achten, genug tee zu trinken. wenn er zuwenig flüssigkeit hatte, wurde er wunderlich.
nun wollte ich suchen, ob andere asperger oder autisten menschen ähnliche erfahrungen gemacht hätten, ich stiess auf eine im kleinen rahmen durchgeführte studie nur an autisten, wohl von einem dr. vogelaar, damals noch in utrecht, wenn ich mich recht entsinne. er fand ein signifikantes ungleichgewicht bestimmter stoffe.
eine private gruppe junger asperger unterhielt sich in meinem beisein oft über versuche mit glutenfreier diät, ein paar hatten sich auf kryptopyrrolurie untersuchen lassen, ihre sozialen fähigkeiten empfanden sie selbst nach beginn der vitamintherapie und einhaltung einer diät deutlich gebessert.
ähnlich erfolgreich die methode einer kinderärztin in den usa. sie konnte durch ernährungsumstellung und veränderungen bei den wohnmaterialen vielen als asperger oder autisten eingestuften zu einem beschwerdearmen leben in der gesellschaft verhelfen.
nun zum sozialverhalten ein paar gedanken.
ich glaube, dass es für dich leichter wäre kontakte zu knüpfen, wenn es ein sachthema gäbe, das du mit anderen teilst. bei meinem guten freund gehen gespräche über bestimmte technische themen immer.
eine therapeutisch ausgebildete frau in unserer umgebung hatte einen pferdebauernhof, bei ihr fanden sich menschen mit kontaktstörungen gut aufgehoben, sie verbrachten auch einen teil ihrer freizeit dort.
therapie mit hunden, pferden oder delphinen wird von vielen betroffenen als selbstvertrauen stärkend erlebt.
recht viel kraft zum rausgehen in die schwierige welt kann maltherapie, therapeutisches töpfern, oder eine andere kreative tätigkeit geben.
wichtig ist für dich, irgendwo regelmässig positive erlebnisse zu haben, zu spüren, dass etwas gibt, wo du gerne bist.Geändert von legrain (13.12.2012 um 10:41 Uhr)
lg
legrain
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13.12.2012, 08:21Inaktiver User
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
Geht mir ähnlich.
Was ich allerdings herauslese aus Deinem Eingangsposting, lieber ich__ ist die Tatsache, dass Du Dich nicht für andere Menschen interessierst, und das wäre die Grundvoraussetzung für eine Partnerschaft oder Freundschaft.
Deine Beiträge drehen sich ausschließlich um Dich.
Wie Du Deine Haare trägst, wie Deine Kindheit, Schulzeit etc. war, das ist zwar alles wichtig, um sich ein Bild von Dir machen zu können, aber es dreht sich wieder nur um Deine Person.
Es ist Dir wichtig zu wissen, wie DU wirkst, Du schreibst irgendwo, eine Frau müsste DICH ansprechen...es geht nur um Dich und um DEINE Wirkung auf andere.
Menschen lernt man kennen, indem man sich für SIE interessiert, auf sie neugierig ist, sie kennenlernen möchte, nämlich tatsächlich kennen-lernen.
Erfahren möchte, wie sie denken, wie sie fühlen, was sie meinen.
Wie Du denkst, fühlst, meinst, das weisst Du ja bereits.
Wenn Dein Gegenüber nicht spürt, dass Du tatsächlich an ihm interessiert bist, neugierig bist auf seine Gedanken, dann wird er/sie abblocken.
Du möchtest Dich erklären, das ist auch gut so, aber wenn Du jemanden kennenlernen möchtest, musst Du neugierig sein auf den anderen.
Da geht es nicht (nur) um Dich, sondern zumindest zum selben Prozentsatz um das Gegenüber.
LG JCL
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13.12.2012, 08:26
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
Mich interessiert das Thema sehr, weil ich (meiner Meinung nach) auch nur ein Schattensyndrom von Asperger's habe. Ganz leicht. Aber, dadurch faellt es mir leicht, mit Menschen mit Asperger's gut auszukommen. Ich habe schon einige kennegelernt und mag es, wie direkt sie sind. Ich war einmal eine kurze Zeit mit eine Mann liiert, der ganz sicher Asperger's hatte. Das war dann auf die Dauer doch zu schwierig fuer mich.
Das besste, das Dir gerade passieren koennte, waere, einen Kumpel zu finden, der Dich ergaenzt. "Wer es nicht im Kopf hat, der hat es in den Beinen". Wenn Du einen Kumpel haettest, der vielleicht sozial gut kann aber sonst nicht so viel drauf hat, koennte ein guter Freund fuer Dich sein. Einfach, dass Du nicht so alleine bist und zwei Maenner zusammen, die in einer Bar oder wo auch immer sind, die sehen gleich schon viel vertrauenswuerdiger aus als einer alleine.
Was ich schon in der Schule gelernt habe: man kann sich selbst neu "erfinden". Du kannst Dir eine Person vorstellen, die Du sein willst, richtig ein Skript um sie herum schreiben und Dich dann so verhalten. Und das machst Du so lange, bist Du es automatisch bist. Ich wollte einfach einmal meinen Status in der Gruppe aendern und so habe ich mich 100% veraendert.
Noch etwas, was Dir helfen koennte. Schau' mal den Film "Vitus" an. Da geht es auch um ein hochbegabtes Kind, dem aber seine Lebenssituation unertraeglich wird und der aktiv etwas daran aendert. Aehnlich, wie meine "Selbsterfindung". Viel Glueck und viel Spass dabei.
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13.12.2012, 08:49
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
..ach ja, a propos smalltalk: eigentlich reden ja die meisten am liebsten ueber sich selbst. Da muss man es nur hinbekommen, immer mal wieder eine kleine Frage dazwischen zu werfen, die den anderen am Reden haelt.
Ein Freund von mir der sich mit Frauen nicht so leicht tut, hat mich mal gefragt, was er denn einer Frau erzaehlen soll, dass sie auf einer Party nicht gleich wieder weiter laeuft. Ich habe ihm gesagt:"nichts erzaehlen! Nur fragen!" und habe ihm ein paar Fragen aufgeschrieben, die er sich gemerkt hat. Und er war ganz begeistert. Die erste Frau haette sich gleich neben ihn gesetzt und den ganzen Abend geredet. Und ihm dann ihre Nummer gegeben. So gut haette sie sich schon lange nicht mehr unterhalten. Wichtig dabei: waerend die Frau redet, lockeren Augenkontakt bewaren und immer wieder an den richtigen Stellen lachen.
Man kann alles lernen! Mir hat mal ein extrem macho Typ erklaehrt, wie man flirtet. Ich hatte keine Ahnung. Da stellt er sich hin und macht alle die Bewegungen, die ich nie tun wuerde. Er hat dabei gekichert, hat sich vorgelehnt und sich an meinem Arm festgehalten und immer wieder dabei gesagt "unverbindlich Koerperkontakt aufnehmen, viel ueber seine Witze lachen, Komplimente machen, Haare zurueckwerfen...." etc.
Also, Du brauchst einen richtigen Coach. So jemand kann man sicher finden. Der muss Dir ein paar Sachen vorspielen und Du spielst es nach. Nicht "verstehen" wie in so einem Kurs, ganz einfach auswendig lernen, wie man sich verhaelt. Ich bin sicher, Du kannst das sehr ueberzeugend. Und, Typberatung gibt es ueberall in grossen Kaufhaeusern aber auch in kleineren Boutiquen. Sprech' einfach mal jemand an, den Du cool findest und frag ihn, wo er seine Kleider kauft. Und dann dort hin gehen und sich beraten lassen. Und, Du musst nichts kaufen, wenn Dir nichts gefaellt.
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13.12.2012, 09:14
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
Ich denke, ganz so einfach ist es nicht.

Selbst, wenn ein Tipp zunächst funktionieren mag, danach aber ist man auf sich alleine gestellt. Und wenn ich mich emotional schwer tue, beginnt das Problem u.U. schon damit, an den "richtigen" Stellen lachen zu können bzw. an "falschen" Stellen dann eben nicht zu lachen.
Man kann manches, vielleicht auch vieles, aber nicht immer alles lernen. Man kann aber seine Grenzen feststellen und einen Umgang damit entwickeln. Vor allem auch, weil Kommunikation und Beziehung zwischen Menschen keine Einbahnstraße ist. Es reicht nicht, selbst den Eindruck zu schaffen ganz "normal" zu sein. Denn jedenfalls dann wird mich der andere wie einen solchen behandeln, das klingt zwar zunächst gut und irgendwie erstrebenswert, hat aber einen gewaltigen Haken, es funktioniert eben nicht wirklich.
Wie mit einer Fremdsprache eben, die man kaum oder nur eingeschränkt beherrscht. Ich höre zu, nicke mit dem Kopf, erwecke den Eindruck des Verstehens, habe aber tatsächlich kaum etwas verstanden.
Nur wenn der andere weiß, dass ich nicht alles automatisch verstehe, dass er sozusagen langsamer sprechen, deutlich sprechen und mir Dinge gelegentlich einfach auch erklären bzw. für mich passend ausdrücken muss, kann dann Verständnis trotzdem funktionieren.
Etwas nachspielen, was man selbst gar nicht ist und was man selbst gar nicht einmal wirklich versteht, halte ich daher für kurzsichtig und fatal.Geändert von Kraaf (13.12.2012 um 09:17 Uhr)
aufgewacht und umgezogen: befriendsonline.net

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13.12.2012, 09:30
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
Hallo Du__!
Spannend ist es Dich zu lesen! Und ein bißchen traurig auch... Aber, und das selbst in deinen langen Texten, Du bist beeindruckend gut in der Lage dein Leben, deinen Weg etc zu beschreiben. Deshalb bin ich überzeugt, dass du auch in Zukunft vorwärts gehen wirst! Dafür viel Glück und Energie!
Ich antworte dir eigentlich auch nur, um Dich davon abzuhalten, im Supermarkt Kontakte zu knüpfen. Nicht, dass ich deinen Gedanken "du bist was du isst" nicht richtig fände, aber du weißt ansonsten gar nichts über die andere Person oder die Situation in der du sie ansprichst. Vielleicht ist sie ja seit Jahren glücklich vergeben, gar verheiratet?! Oder in Gedanken gar nicht "im Supermarkt", sondern bei ihrer Arbeit, ihren Sorgen. Was auch immer. Stell' dir mal vor, du nimmst all deinen Mut, deine Gedanken, alles was du bist zusammen und sprichst das Mädel vor dir an der Kasse an, und sie lässt dich abblitzen. Vielleicht weil sie überrascht ist, vielleicht weil sie überfordert ist. Würdest du danach trotzdem nochmal ein Mädchen ansprechen? Das ist nämlich entscheidend: es könnte ja nicht gleich beim ersten Versuch klappen, versuchst du es dann weiter?!
Deshalb würde ich vorschlagen, du suchst dir eine "Kontaktbörse" und damit meine ich keine Internet-Singlebörsen, sondern Vereine o.ä. wo sich Menschen mit ähnlichen Interessen treffen. In deinem Fall könnte ich mir einen Matheclub vorstellen, oder einen Verein für Hochintelligente. Mein Stiefbruder (auch nicht der Kontaktfreudigste Mensch der Welt) war früher bei so Rollenspielsachen und im Schachclub. Geh' mal in dich, was für Interessen du hast und wo sich Leute treffen, denen es ähnlich geht. Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt eine Asperger-Selbsthilfegruppe. Aber eben ähnlich gelagerte Persönlichkeiten wie du. Ich bin überzeugt, dass du dort wesentlich einfacher mit anderen in Kontakt kommen könntest als im Supermarkt.
Viele Grüße!
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13.12.2012, 10:27
AW: Kontakte zu Frauen aufbauen - Kontaktstörung überwinden
Auch wenn ich nicht weiß, ob und wie lange du hier vielleicht schon mitliest oder wie umfassend du hier ansonsten schon gestöbert hast, aber du bist ja nun nicht der erste und einzige, sondern da sind und waren andere auch schon vor dir da, die dieses Forum genutzt haben.
Denn man kann hier natürlich niederschwellig und einfach mit anderen ins Gespräch und in Kontakt kommen. Zudem ist Forenkommunikation nicht nur text-, sondern auch vernunftbezogen. Will ich hier Gefühle mitteilen, muss auch ich und jeder hier diese gelegentlich sorgfältig in Worte formuliert ausdrücken und sie sozusagen den anderen erklären um Missverständnisse zu vermeiden. Weil man sich oft eben nicht real kennt, die emotionale Verständigungsbasis fehlt und natürlich auch Dinge wie Mimik, Körperhaltung, begleitendes Lächeln etc. hier keine Rolle spielen. Umgekehrt kann man diese hier aber deswegen dann auch nicht wirklich "lernen".
Kurz: be welcome.
aufgewacht und umgezogen: befriendsonline.net



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