Ich laufe nicht durch die Gegend und vergebe Beziehungsoscars für beste Nebenrollen, beste Bettszenen und das Lebenswerk. Kategoriendenken oder schlimmstenfalls sogar Noten helfen bei Beziehungen kein Stück weiter, da es überhaupt keinen Sinn macht, Partnerschaften in ihre Einzelteile zu zerlegen und zu bewerten - igitt.
Anders gesagt: Ich fühle mich hier gerade gründlich missverstanden. Normalerweise stellt sich die Frage ja überhaupt nicht: In Beziehungen tue ich das, was ich gerade tue, weil ich es will, jetzt, und mit dieser Person, und nicht, um irgendein bereits erfahrenes Gefühl aus der Vergangenheit noch mal zu simulieren. Schon von daher verbietet sich jeder Vergleich. Aber was soll man denn machen, wenn man gefragt wird, wie das 'mit all den anderen' war, ob es das schon mal gab, wo denn dann die Unverwechselbarkeit bleibt? Das Leben wäre einfacher, wenn keiner auf diese beknackte Frage kommt.
Aber was, wenn man zufällig darüber stolpert? Wenn der Partner den Vorschlag X macht, und man dann bekennen muss, dass genau über diesem Vorschlag "der Geist einer verflossenen Beziehung schwebt" (schöne Formulierung, MB!)? Dann gilt immer noch Shakespears Weisheit "Die Kacke dampfet gar sehr."
Dann kommt sofort der Vorwurf, dass man die Vergangenheit noch nicht ausreichend bearbeitet hat. Wenn bearbeiten = vergessen sein soll, stimmt das ja auch. Aber ansonsten will ich so 2-3 Punkte nicht aus meiner Biographie streichen. Ich will sie nicht mal relativieren. Das ist auch ein nicht unwesentlicher Teil von mir (in Kooperation mit einem ganz anderen Menschen, zu dem dann unsinnige Konkurrenz aufgebaut wird), und ohne diesen Teil würde etwas sehr wichtiges fehlen. Ich will das Alte deswegen lange nicht zurück, und eben auch nicht wiederholen, sondern es gefällt mir da sehr gut, wo es ist: nämlich in der Vergangenheit.
Deswegen finde ich den Anspruch, überall #1 sein zu wollen, anmaßend und totalitär. Wenn ich anfange, die Erinnerungen des anderen in legitime und verarbeitungswürdige einzuteilen, setze ich mich doch erst in Konkurrenz - und zwar in eine absurde, beziehungsvergiftende.
LG, BM
Antworten
Ergebnis 71 bis 76 von 76
-
25.08.2006, 15:05
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
Never trust the smiling cat
-
25.08.2006, 16:02Inaktiver User
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
Ich kann jetzt nur für mich sprechen (klar - für wen auch sonst?), aber ich verstehe dich - sehr gut sogar. Und durch meinen letzten (ein wenig provokanten - sorry!) Beitrag, habe ich das erreicht was ich wollte - ich glaube, ich weiß jetzt besser worum es dir hier geht. Nämlich um "Wie gehe ich damit um, wenn meine Vergangenheit durch meine/n Partner/in zum Problem gemacht wird?"
Zitat von BoeseMiezekatze
Tja, was soll man machen? Eigentlich könnte man sagen, es ist das Problem des Gegenübers - womit es dann ja doch irgendwie automatisch zum eigenen Beziehungs-Problem wird bzw. werden kann.
Zitat von BoeseMiezekatze
Ich kenne solche Situationen nur zu gut. In einer langen Beziehung wurden mir nicht ehemalige Beziehungspartner und das gemeinsame (Er-)Leben sondern meine frühere Lebensweise vorgehalten. "Mach das doch wieder so, das ist sicher besser für dich." Details gehören nicht hier her, evtl. weißt du sogar was ich meine. Auf jeden Fall war es zermürbend, immer wieder zu beteuern, dass ich mich besten Wissens und Gewissens für dieses, jenes oder eben genau diese Beziehung entschieden hatte.
Um Herrn Shakespear aufzugreifen: Vielleicht wäre es sinnvoll, die Kacke wegzuspülen, ehe sie zu sehr zu dampfen beginnt (bäh - ich liebe Vergleiche, aber bei diesem schüttelt es mich doch ein wenig
)
Also dem Partner, der diese Frage stellt, mit Offenheit begegnen.
"Ich finde Paris großartig, aber ich habe dort eine schöne Zeit mit X verlebt und ich möchte nicht, dass das unseren gemeinsamen Urlaub beeinflusst, die Gegenwart gehört uns".
"Ja, auch K, S und W haben ein Lied von mir bekommen, ich kann meine Gefühle einfach auf diese Art und Weise am besten ausdrücken und deshalb war es mir ein Bedürfnis, meinen Gefühlen zu dir einen Klang zu geben."
Das unterschreibe ich sofort.
Zitat von BoeseMiezekatze
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein verstorbener Vorgänger auch nicht recht ist, da man mit ihm ja nicht wirklich konkurrieren könne.
Nachdenklich,
midnightblue
-
25.08.2006, 16:18
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
@BM
Du machst es dir grad unnötig schwer, finde ich. Oder Du hast eine sehr komplizierte Freundin.
Es ist doch ein Unterschied, ob ich mit der Einstellung an eine Beziehung gehe, dass dies, dies, dies und das mit der, der, der und der aber viiiiiel schöner war. Oder ob man zufällig über etwas stolpert über dem noch der "Geist einer vergangenen Beziehung schwebt".
In ersterem Fall würde ich dir noch immer (auch wenn du's nicht hören magst), mangelnde Verarbeitung der Vergangenheit attestieren.
In letzterem Fall ist das was anderes:
Unsinn! Dann kann man sagen, dass man genau diese Aktivität nicht will, um bestimmte Erinnerungen nicht zu reaktivieren. Und dann sollte das vom Partner auch so zu akzeptieren sein.
Zitat von BoeseMiezekatze
Solche Fragen kann man sich eigentlich sparen.
Zitat von BoeseMiezekatze
Das verstehe ich nicht. Ich würde es mal so audrücken: Jeder der Partner hat ein Recht auf seine Erinnerungen. Ansonsten möchte ich überall die Nr. 1 sein, zumindest will ich es nicht merken, wenn es denn nicht so ist! Und das finde ich weder anmaßend noch totalitär.
Zitat von BoeseMiezekatze
Du willst doch z.B. auch nichts über die vergangenen Bettgeschichten deiner Freundin wissen. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl sollte das doch wohl zu bewältigen sein.
Gruß,
K.Einen guten Rat gebe ich immer weiter. Es ist das einzige, was man damit machen kann. - OSCAR WILDE
-
25.08.2006, 16:26
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
Ein letztes Mal meinen Senf zum Lied-Geschenk:
Lukulla schreibt:
>>Rolle zurück zum Geschenk: in dem Moment wo Deine Freundin erfahren hat, dass Du auch ihren Vorgängerinnen ein Lied geschrieben hast, war es nichts Einmaliges oder Neues mehr. Hätte sie vorher gewusst, dass Du diese Geschenke gemacht hast, und hättest Du ihr mal spontan am Klavier oder auf der Gitarre im Hotel XY in Wismar bei Sonnenaufgang was vorgespielt und gesagt: Ich möchte Dir ein Lied schenken, wäre es wieder einmalig.
Kommt rüber was ich meine? Es kommt auf das Wie an, nicht auf den Gegenstand oder den Ort oder die Handlung oder das Vorleben.<<
Das finde ich ganz gut ausgedrückt. Ein Musiker macht Musik. Basta. Und um Himmels willen soll er nicht meinetwegen zu malen anfangen - es sei denn, es überkommt ihn das unwiderstehliche Bedürfnis danach, wenn er mein Gesicht sieht. Hier fällt mir gerade Norah Jones ein: Painter's Song, oder wie der Titel heißt.
Aber wie alle Vorgängerinnen dann auch eine selbstaufgenommene CD zu Weihnachten/Geburtstag zu bekommen, quasi als Standard-Geschenk -hm, das fänd ich auch nicht so toll (falls es denn so war). Persönlich ist es dennoch, keine Frage. Aber lassen wir das Thema hiermit mal.
>>Anders gesagt: Ich fühle mich hier gerade gründlich missverstanden. Normalerweise stellt sich die Frage ja überhaupt nicht: In Beziehungen tue ich das, was ich gerade tue, weil ich es will, jetzt, und mit dieser Person, und nicht, um irgendein bereits erfahrenes Gefühl aus der Vergangenheit noch mal zu simulieren. Schon von daher verbietet sich jeder Vergleich. Aber was soll man denn machen, wenn man gefragt wird, wie das 'mit all den anderen' war, ob es das schon mal gab, wo denn dann die Unverwechselbarkeit bleibt? Das Leben wäre einfacher, wenn keiner auf diese beknackte Frage kommt.<<
Jep! Warum stellt man/frau solche Fragen überhaupt? Ich würd`s wohl nicht tun, glaub ich. Einerseits, weil ich die Antwort vielleicht nicht hören wollen würde, andererseits, weil ich die Frage anmaßend (und die geschilderte Reaktion zickig) finde.
Andererseits:
>>Also dem Partner, der diese Frage stellt, mit Offenheit begegnen.
"Ich finde Paris großartig, aber ich habe dort eine schöne Zeit mit X verlebt und ich möchte nicht, dass das unseren gemeinsamen Urlaub beeinflusst, die Gegenwart gehört uns".<<
Schöne Lösung!
-
26.08.2006, 14:26
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
Wo ist das Problem
Zitat von Darth_Plagueis
fcl
What happens in Vegas, stays on Facebook!
-
26.08.2006, 15:56
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
Ich verstehe das Problem nicht.
Meinem ersten Freund habe ich mein Traumland gezeigt und einen Traumurlaub mit ihm dort verlebt. Hätte mich dies davon abhalten müssen, mit meinem zweiten Freund in genau dieses Land, auch zu denselben Sehenswürdigkeiten zu reisen, sogar 2 x und mindestens genauso traumhaft!
Habe ich den Urlaub mit meinem ersten Freund dadurch nachträglich "entwertet"? Ich finde nicht.
Im Gegenteil, ich wollte auch meinem zweiten Freund unbedingt dieses Land zeigen und freue mich darüber, dass ich auch mit ihm gemeinsame Erinnerungen daran habe (auch wenn wir kein Paar mehr sind). Dass der Urlaub mit meinem ersten Freund dadurch gedanklich in die Ferne gerückt und nicht mehr so präsent ist wie die jüngeren Erinnerungen, macht mir nichts aus. Früher oder später wäre das ohnehin passiert, denn das ist der Lauf der Dinge.....
Würde mir ein neuer Partner eine Ansage in der Art "Ich kann mit Dir nicht nach Berlin fahren, weil ich dort so eine wundervolle/schreckliche Zeit mit Exi hatte" um die Ohren hauen, dann würde ich zusehen, dass ich Land gewinne. Was käme denn dann als nächstes? "Ich kann Dich nicht von hinten nehmen, weil es mit Exi so ein spirituelles Erlebnis war?"


Zitieren