Allerdings. Ich hatte mal so einen aehnlichen Fall - ich hatte hier (mit hier meine ich Dallas, Texas, USA) ein Date mit einem Deutschen, der auch schon laenger hier lebte. So ziemlich das erste, was er mir im ersten Date an den Kopf warf, war, dass sollte das mit uns was geben, ich nie, niemals, never, ever erwaehnen duerfte, dass wir uns online ueber eine Singleboerse getroffen haben. Ach ja, ueberhaupt die Deutschen, mit denen ich hier Dates hatte - breiten wir lieber ein Tuch des Schweigens darueber. Ein texanischer Redneck ist noch ein Charmeur dagegen - sorry, ich moechte keinem zunahe treten.Zitat von Inaktiver User
Aber das "vorige Leben" ist schon in der Tat ein Punkt. Ich hatte auch so meine Liste von deal breakers, die ich abgearbeitet habe, wenn ich jemanden kennenlernte (vorwiegend online). Ein Punkt war, dass ich darauf bestanden habe, mit jemandem zu telefonieren, bevor ich mich mit der fraglichen Person ueberhaupt treffe. Ich komme naemlich nicht umhin anzunehmen, dass manche Maenner entweder templates verwenden um ihre emails zu fabrizieren oder aber einen ghostwriter engagiert haben. Anders kann ich mir nicht erklaeren, dass so ueberaus eloquente Maenner im Schriftenglischen nicht in der Lage sind, einen Satz am Telefon geradeaus zu sagen. Und nein, das hatte nichts mit Nervoesitaet zu tun, damit kenne ich mich aus, und das halte ich auch jedem zugute.
Ein anderer Punkt war: Mann geschieden, ohne baggage aus der vorangegangenen Ehe okay, Kinder aber nein. (Lassen wir bitte einfach mal so stehen, und ich moechte nicht wieder in eine Wertung ueber Kinder und Sinn des Lebens abdriften.) Ziemlich sofort teilte sich die eingekreiste Schnittmenge in drei weitere Nicht-Mit-Mir-Schnittmengen auf: A) die Maenner, die unbedingt noch eine Familie gruenden wollten (obwohl ich mich da schon immer gewundert habe, dass ich bei denen nicht schlicht durchs Altersraster gefallen bin mit damals 40) B) die Maenner, die schon eifrig an ihrem Ruhestand bastelten - wohlgemerkt mit etwas ueber 40, auf jeden Fall aber deutlich unter 60. Einer war total entsetzt, als ich ihm schrieb, dass ich gerade an einer weiteren Karriere bastele und vorhaette, noch mindestens 20 Jahre in irgendeiner Form mir meinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Und das, nachdem er mir in seiner ersten Email mitgeteilt hatte, dass er von mir erwarten wuerde, dass ich ihn (45) regelmaessig auf seiner Yacht begleite. Yeah, right. Und dann gibt es noch C) die Maenner, zu denen mir kein anderer Ausdruck einfaellt als "mentally retired" - und das mit ebenfalls im Schnitt zwischen 40 und 50.
Andersrum habe ich natuerlich auch von Maennern schon die tollsten Sachen gehoert, also Frauen sind da wahrhaftig auch keine Engel, wobei die Altersluege noch eine der harmloseren Geschichten war. Z.B. Bild von der Mitbewohnerin ins Netz gestellt (statt das eigene), beim Gewicht mal eben zwei Ziffern verdreht, ueber vorhandene Kinder gelogen, dass sich die Balken biegen, sich die Verdienstabrechnung beim ersten Date zeigen lassen (naja, nun muss man wissen, dass Dallas mit eine der "gold digger" Hochburgen hier in den Staaten ist) und solche Scherze.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich denke ab einem gewissen Alter ist es illusorisch davon auszugehen, ein unbeschriebenes Blatt zu treffen. Und seine Ausschlusskriterien zu haben, finde ich auch voellig in Ordnung, solange man einen gewissen Realitaetssinn bewahrt. Je nach den Kriterien muss man dann vielleicht was laenger suchen. Ich habe jedenfalls vor vier Jahren jemanden gefunden, der nicht "durch's Raster" gefallen ist. Unsere jeweilige Vergangenheit ist kein Thema - schliesslich kann ich ja auch meine 18 Jahre erste Ehe nicht wegleugnen, zumal mein erster Mann und ich noch gut befreundet sind. Vergleiche stelle ich keine an - was soll ich mich verrueckt machen mit Dingen, die in der Vergangenheit sind, und die offensichtlich in unserer Beziehung keine Rolle spielen. Manchmal seufzen wir vereint ein wenig wehmuetig, wie schoen es gewesen waere, wenn wir uns frueher getroffen und kennengelernt haetten (was schon mal rein technisch nicht hinhaut, denn ich bin ja nicht hier gross geworden, sondern in D und habe dort fast 4 Jahrzehnte gelebt). Und dann denke ich wieder, wir haetten wahrscheinlich keine so gute Beziehung wie wir sie jetzt haben, wenn wir uns frueher kennengelernt haetten, weil wir dann unter Garantie die Fehler miteianander machen wuerden, die wir praktischerweise nun bei dem/r jeweiligen Vorgaenger/in gemacht haben.
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23.08.2006, 04:54Inaktiver User
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
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23.08.2006, 09:01
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
...und ich wüsste jetzt noch ganz gerne, warum der Miezekater das alles wissen will...
Planst Du mit Tweety einen Paris-Trip?
Bist Du selbst durchs Raster gefallen?
Oder hab ich was überlesen?
Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen. (Jean-Paul Sartre)
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23.08.2006, 09:22
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
Nur mal so ein Einwurf:
Viel spannender und möglicherweise problematischer als die Anzahl der Vorpartner des neuen Herzblattes sind vielleicht die "inhaltliche Dinge":
Bestimmte Praktiken? Frühere Besuche von SM- oder Fetischevents? Swinger- oder Pärchenclubbesuche mit dem früheren Partner?
Oder nicht?
nettes Grüssle
Kraafaufgewacht und umgezogen: befriendsonline.net

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23.08.2006, 09:52
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
jaaaa, kann ich nur bestätigen!
Zitat von Inaktiver User
So wie die Schere und der Wasserkrug des sorgsamen Gärtners den Baum in die Höhe treiben, so lassen die Schmerzen und die Tränen vom vergangenen Jahr des Menschen Seele reifen. (chinesisches Sprichwort)
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23.08.2006, 10:07
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
In meinem Alter hätte ich mit einem Hohlkörper an meiner Seite wahrscheinlich Schwierigkeiten. Erfahrungen machen Menschen interessant und geben Profil.
Wenn ich mit meinen potentiellen neuen Partner nach Paris oder Griechenland fahren möchte und er "kann das nicht, weil er da mit seiner Ex war" oder er macht ne "Revival-Tour" draus (daaaa hab ich meine Ex das erste Mal geküsst..).
Dann würde ich schwer ins Grübeln geraten, ob ER mit seiner Vergangenheit klar kommt.
Ich finds immer spannend wenn Leute aus ihrem Leben erzählen, weil ich so fein erkennen kann, wie sich entwickelt haben, welche Verhaltensmöglichkeiten sie haben.
Stillstand oder Wieder-haben-wollen-was-mal-war wären für mich no-gos, neben solchen Sachen wie Suchtabhängigkeit, Kriminalität usw. die die Gegenwart betreffen.
Schrecklich, wenn ich mir vorstelle auf einen Typen zu stossen, der über 40 ist und sein Leben irgendwie verpasst hat.
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23.08.2006, 10:42
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
@Pusteblume: Klar wird mit zunehmendem Alter der "Lebenslauf" immer länger. Auch die Prioritäten verschieben sich, Lebensziele und -umstände sowieso. Um noch mal 20 Jahre draufzupacken: Mit 60 ist die Frage, ob der neue Partner bereits Kinder hat wirklich was anderes als mit 20, klar. Aber Kinder als Kennenlernkiller war ja nur ein Beispiel, und vielleicht gibt es mit 40, 50, 90 was Ähnliches, bloß kann ich da mangels Erfahrung nicht viel zu sagen.
@MB: Sobald Dir Sparrows Kompass in die Hände fällt, leih ihn mir mal! (Als Trostpreis/Ersatz ginge auch Keira Knightley)
@NM: Das mit dem Avatar war hübsch - da ist die Magie tatsächlich jedes mal neu und unverbraucht. Rette mir den Tag und sag mir, dass das so bleibt, sonst rationiere ich das ab jetzt.
Auf einem Punkt will ich noch ein bisschen rumreiten: Wenn schon die "zum ersten mal" immer weniger werden, darf's wenigstens sowas wie Exklusivität geben. Es sind ja nicht sooo viele Dinge, die man nur mit dem Partner macht und sonst mit niemandem, da finde ich es schön, sich "unsere Geschichte/Ort/Film/Rezept/etc" zurechtzulegen. Sachen, die symbolisch aufgeladen sind. Das Problem bei einer Wiederholung ist dann nicht, dass man nachträglich die Exklusivität mit der Ex aufhebt - das wäre vielleicht sogar ganz sinnvoll. Das Problem ist vielmehr, dass es mit der neuen dann von vornherein nicht exklusiv ist: been there, done that. Deswegen würde ich nicht noch einmal über die griechischen Inseln hüpfen. Als Grund würde ich allerdings angeben, dass mir dieses Urlaubsziel nicht sooo gefallen hat - und das wäre auch nicht gelogen, ich kenne schönere Ziele.
LG, BM
PS @Laury: Der Gedanke rund um Vergangenes und die Auswirkungen auf neue Partner schwirrt mir schon länger im Kopf rum, ohne dass er großartig "dran" wäre in meinem Leben. Na ja, ein bisschen vielleicht. Aber den Strang habe ich aufgrund eines Nachbarstrangs eröffnet, in dem es um Geschiedene, Kinder und Wiener Würstchen ging. Da mich alles drei aber in der Form nicht betrifft, wollte ich es mal etwas allgemeiner haben.Never trust the smiling cat
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23.08.2006, 10:55
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
@BM
Ich bin ja nun noch viiieeel älter...
aber ich kann Dich trösten: Sie bleibt!
Brauchst also nix zu rationieren!
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert. Albert Einstein
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23.08.2006, 11:32
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
Könntest du bitte etwas näher erläutern, was du darunter verstehst.
Zitat von Wwwichbinsde
"Genau zwei sollen es sein. Nicht mehr, nicht weniger. Einer, der die Macht verkörpert, einer, der nach ihr giert." (Darth Bane)
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23.08.2006, 11:32Inaktiver User
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
@BM
Also, den Tag rette ich Dir gern.
Für mich erhält sich die Magie des Kusses (und das lässt sich übertragen) über viele Jahre.
Und rationieren killt die Magie für mich eher, als sie zu erhalten.
The more you give, the more you have, dabei funktioniert's wirklich.
Was dieses "been there, done that" angeht:
Ich habe auch schon gleiche Dinge mit mehreren Partnerinnen erlebt/unternommen, aber es war jedes Mal anders.
Ist der Spruch nicht oft ein Stück weit ... Angabe?
MEine Frau und ich pflegen eine Liste der "Dinge, die wir immer schon mal machen wollten, aber noch nie gemacht haben"
Und obwohl weder meine Frau noch ich ein ereignis- und erlebnisarmes Leben hatten, bevor wir uns kennenlernten, und obwohl wir jetzt schon 16,5 Jahre ein Paar sind, wird die Liste nicht kürzer, sondern immer länger.
Da stehen auch nicht nur die Riesendinger drauf, sondern zum Beispiel sowas wie "auf schweineteuren Plätzen eine Oper live angucken".
Und Exklusivität spielt in unserer Partnerschaft grundsätzlich nicht wirklich eine Rolle - was ist schon exklusiv? Der echte, grosse Unterschied zwischen sehr engen Freundschaften und meiner Liebesbeziehung ist die phantastische Teamarbeit in so ziemlich allen Aspekten des Alltags (könnte ich mir so wie mit meiner Frau nur mit einem Freund vorstellen) und Sex (den ich mit besagtem Freund nun gar nicht haben muss).
Zu der Bewerbungsanalogie noch mal:
Und kommt dann der Anfangszwanziger mit Doppelstudium und 30 Jahren Berufserfahrung, grübelt der Personalchef, ob der nicht doch überqualifiziert oder ein Hochstapler ist. Davon haben wir hier gerade drei Threads.
Alles Gute für Dich!
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23.08.2006, 11:48
AW: Wie viel voriges Leben ist erlaubt?
Na ja, ganz so oft nicht, aber doch recht häufig. Hier ein Tipp für diejenigen, die es interessiert. Szene Nummer 16 auf der DVD (nach ziemlich genau 45 Minuten) mal anschauen. Da fällt definitiv nicht das Wort "that".
Zitat von Inaktiver User
"Genau zwei sollen es sein. Nicht mehr, nicht weniger. Einer, der die Macht verkörpert, einer, der nach ihr giert." (Darth Bane)


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