Einen schönen Sonntag, ihr Lieben
Ja, das Grübeln ist ja immer so eine Sache, leider tendiert das ziemich schnell zum Zergrübeln - und bringt dann nichts weiter als tausend neue Wendungen. Andererseits kann das Aha-Gefühl neue Motivation bringen, aber die große Lösung des Gordischen Knotens muss das noch längst nicht sein. (Setzt ja auch den Knoten voraus, der aber vielleicht bei näherer Betrachtung aus unzählig vielen kleineren Knötchen besteht...)
Ein sich ziehender Gedanke die letzten - äußerst arbeitsreichen nebenbei auch noch - Tage war, dass ich mich sperrte, für das Tun und Handeln meiner Mutter etwas anderes empfinden zu wollen als nur Wut und Abscheu. Ich habe sie wohl in meine böse, schwarze Negativ-Ecke gestellt - und dort konnte ich sie gedanklich niedermachen, wie es mir gerade ins Gefühl passte. Ich dachte ja, das wäre lange hinter mir, aber ist es wohl nicht bzw. habe ich mich so sehr daran gewöhnt, dass die Gewohnheit diese Konstellation nicht erkannte.
Dabei sind mir einige Dinge erinnert, die mir für sie leid tun müssten. Und ein bisschen tun sie das jetzt auch. Jeden Tag, an dem ich es ertrage, an sie zu denken, etwas mehr. Tippelschritte!
Stimmt schon, es ist meine Denkweise, die mich in den Gefühlen festhält und so ihr alle Schuld der Welt zuschaufelt. Es wäre erwachsener, meins bei mir zu behalten, es anzunehmen und selbst zu verantworten. Liest sich einfach, kommt mir aber gerade wie die Besteigung des Mount Everest vor
Trotzdem passiert gerade viel in mir. Nichts Welt bewegendes. Und schwer zu beschreiben...
Ich erkenne auf einmal so viele Ähnlichkeiten. Erschütternd ist das!!! Alles will ein Jugendlicher anders machen als seine Eltern - um irgendwann feststellen zu müssen, dass er ihr Kind ist, egal, wie sehr er sich auch dagegen wehrt. Wenn diese Eltern keine Vorzeige-Eltern gewesen sind, vielleicht sogar ziemlich schlechte, dann ist das nicht so leicht zu verdauen.
Das schält sich gerade so ein bisschen voneinander ab. Unterschied zwischen Schlecht und Schlecht und das Erkennen, was diese Bewertung eigentlich meint und ob sie von DENEN ist oder mir selbst entspringt bzw. was das überhaupt gerade hier zu suchen hat, während ich irgendeine Situation erlebe/erfühle.
Immer, wenn ich Petersilie esse, denke ich an meine Großmutter, die ich sehr geliebt habe. Irgendwie fände ich es vielleicht ganz gut, etwas zu erinnern, das mich positiv an meine Mutter erinnert. So als kleiner Einstieg ins Loslassen. Dieser Gedanke kam mir gestern beim Kochen...
Aber mir steht schon wieder eine neue arbeitsreiche Woche vor Augen, die mich etwas in der Bahn hält. Andererseits kann ich dann nicht so gut grübeln, hier schreiben und all das. Ist ja auch nicht unbedingt schlecht. Die richtige Distanz braucht es, wie so oft...
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Thema: Kopfkino
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04.09.2016, 16:22Inaktiver User
AW: Kopfkino
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05.09.2016, 21:49Inaktiver User
AW: Kopfkino
Liebe Schlaflos,
schön von dir zu lesen. Arbeit ist gut, das lenkt vom Grübeln ab und gibt dem Tag Struktur.
Freilich sind wir alle die Kinder unserer Eltern, was sonst? Und die Eltern haben uns vieles mit auf den Weg gegeben. Mal mehr Gutes, mal mehr nicht so Gutes. Das zu sortieren macht unheimlich Sinn, um ein gesundes Ich zu bekommen.
Ich denke jeder Mensch hat Stärken und Schwächen in sich. Welche Stärken hatte Deine Mutter? Wenn sie so präsent ist in Deinem Denken und Fühlen war sie auf jeden Fall sehr eindrucksvoll. Und sie hat Dich, auch wenn Du das vielleicht nicht glauben magst, zu der gemacht, die Du jetzt bist. Wie hat sie das geschafft? Hast Du einige von ihren Eigenschaften geerbt/übernommen? Helfen Dir diese Dinge, im Leben zu bestehen? Dann sei ihr für diese Sachen dankbar. Blockieren Dich andere übernommene/geerbte Eigenschaften? Kannst Du sie ändern, Dich (klein angefangen) anders verhalten? Dann tu es! Und dreh dabei Deiner Mutter im Geiste eine Nase ;-)
Und um dem Strang nicht komplett die Richtung zu nehmen: Was war das Männerbild Deiner Mutter? Was Du bisher geschrieben hast, lässt mich ahnen, dass es kein besonders gutes war. Könnte bedeuten, dass Du Dich evtl. schwer tust, Männern im echten Leben zu vertrauen? Und sie lieber in Deinem Kopfkino als Hauptdarsteller hast?
Wenn meine Spekulation zutrifft, was bräuchte ein Mann, damit Du ihm vertrauen kannst? Du kennst ja einige Exemplare. Wenn Du Dir von denen die guten Eigenschaften rauspickst und in einen imaginären Mann einbaust, könntest Du dem - ganz prosaisch - Dein Leben anvertrauen? Wenn nicht, was würde fehlen? Gab es in Deinem Leben schon mal einen, der für Dich ein "Held" war? Und wenn es ein Großvater, Lehrer, guter Freund... war. Was zeichnete den aus?
So, genug für heute. Eine schöne Woche!
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13.09.2016, 20:54
AW: Kopfkino
"...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
(Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')



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