Hallo ihr lieben,
nun eröffne ich dochmal einen eigenen Strang. Ich merke gerade, dass mich meine letzten zwei Beziehungen für zukünftige Partner irgendwie "verkorkst" haben.
Der eine war Sexsüchtig der andere ein Lügenbaron. Die Muster/Gründe warum ich mir diese Männer ausgesucht habe wurden auch aufgearbeitet.
Doch irgendwie kann ich mich nicht mehr an ein normales kennenlernen erinnern. Was ist denn normal? Wann verfliegt die Leichtigkeit? Welche Erwartungen habt ihr in der kennenlernphase und welche Warnsignale sind für Euch wichtig? Ich wünsche mir einen ganz normalen Mann ohne gravierende Störung.
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18.06.2012, 17:50
Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Männer die wollen finden Wege!
Männer die nicht wollen Gründe!
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18.06.2012, 19:40
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Wenn "Kennenlernen" normal verlaufen würde, wäre es glaub ich nichts besonderes mehr...oder? Liegt aber vieleicht an mir, dass ich mit "Normal" immer eher ein Ablauf nach Schema F verbinde...
Die Leichtigkeit geht glaub ich dannn verloren, wenn man sich an Regelkonstrukte klammert, wie denn ein optimales Kennenlernen ablaufen sollte, wenn man zu hohe Erwartungen an sein Gegenüber hat, wenn er nicht so reagiert...dann...und natürlich geht glaub ich ein Stück Leichtigkeit mit jeder schlechten Erfahrung verloren, die man selber macht, wenn man nicht dagegen ankämpft...denn je höher man den eigenen Schutzwall um sich baut, um so schwieriger wird das mit der Leichtigkeit...dann hat das Kennenlernen irgendwann den Charme von Abrüstungsverhandlungen...."ich geh erst dann einen Schritt auf dich zu, wenn du drei auf mich zugekommen bist"...
Mir ist beim Kennenlernen wichtig, dass ich ich sein kann, und ich auch nicht das Gefühl habe, der andere verstellt sich..., ob er sich in einem Umfeld bewegt in dem ich mich wohl fühlen könnte (Freunde, Hobbies, Musik, etc.), ob man zusammen lachen kann und ob man sich auf Augenhöhe begegnet...
Warnsignale..., mmmh...kann ich gar nicht sagen, wenn mich sofort was wirklich nervt, ergibt sich von meiner Seite dann das Kennenlernen nicht mehr, schief gehen kann ja immer mal was...und leider ist die Rosa Brille ja mit Warnsignalfiltern ausgestattet, die kommen da nicht durch...
Du möchtest einen normalen Mann ohne Knacks...wird glaub ich je älter man wird schwieriger und schwieriger, jeder hat Gepäck dabei..., und jeder seine Erfahrungen die in die ein oder andere Richtung geprägt haben...was ich immer versuche, ist ein Ratschlag den ich vor Jahren mal irgendwo gelesen habe, zu befolgen, man soll versuchen seinen Partner bzw. denjenigen den man kennenlernt, so zu sehen wie einen besten Freund...dem verzeiht man ja auch, dass er nicht zum Beispiel nicht jede sms in 10 min beantwortet sondern vieleicht gar nicht....dann erspart man sich eine Menge Hirnerei...funktioniert mal besser, mal schlechter...aber bei dem jetzigen Mann in meinem Leben hat sich Geduld und Gelassenheit ausgezahlt...auch wenn es ein fast einjähriger Kennenlernprozess war, mit Höhen und Tiefen...
Ich wünsch dir viel Glück
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18.06.2012, 20:55
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Mit zunehmenden Alter merke ich selber meine Scheuklappen. Ich war bisher immer die extrems passive, habe selten oder nie von mir aus eine SMS geschrieben. Leider habe ich tatsächlich des öftern die Erfahrungen gemacht, dass Mann der Jäger ist. Gestern habe ich zum ersten Mal wieder eine SMS von mir aus gesendet und mich für den tollen Nachmittag beim Sport bedankt. Kam sogar ne Antwort und ein wenig ping pong hin und her.
Ich habe das Gefühl, dass die offizielle Kennlernphase bei den meisten innerhalb von wenigen Wochen durch ist. Wenn ich hier öfters lese, dass es Unsinn ist mit Sex zu warten und wenn es passt dann passt es....
Ich denke es ist gut ein paar Phasen a´la John Gray zu durchlaufen. Das man auch versucht sich außerhalb des Bettes kennen zu lernen. Das wäre mir persönlich ja am liebsten.
Dann lese ich auch oft: Was ihr habt Euch 2 Monate gedatet und bisher ist nichts gelaufen? Ist die allgemeine Erwartungshaltung, dass man nach 4-5 Wochen zusammen ist? Komme mir manchmal wie ein Alien mit meiner Einstellung vor.
Wow fast 1-Jahr, dass ist aber mal ungewöhnlich.Fuzzle333...
..auch wenn es ein fast einjähriger Kennenlernprozess war, mit Höhen und Tiefen...Männer die wollen finden Wege!
Männer die nicht wollen Gründe!
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19.06.2012, 06:11
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Ja zu Lesen gibt es immer ne ganze Menge, grade über allgemeine Erwartungshaltungen was denn wie passieren müsste, aber ich finde jeder sollte selbst entscheiden ober er sich mit dem anderen Menschen wohl fühlt oder nicht...es gibt langjährige Beziehungen die sind aus einem ONS entstanden, genauso wie es Beziehungen gibt, die sich aus Freundschaften entwickelnd wo jahrelang gar kein Sex im Spiel war...jiedes Kennenlernen ist persönlich, immer wieder anders, wichtig ist nur auf das eigenen Bauchgefühl zu hören...und sich nicht zu verstellen...
Ja war auch ein nicht immer einfaches Jahr..., wobei auch die Frage ist, wo fängt das Kennenlernen an? Als er sich mir das erste Mal vorgestellt hat (wir betreiben gemeinsamen Sport), hab ich nur gedacht, WOW....bis ich mich aber dann getraut habe Kontakt der über den Sport hinausgeht aufzunehmen, hat das schonmal gedauert, dass heisst ich hab schon viel gedacht und rumgehirnt bevor wir wirklich gemeinsam Sachen ausserhalb des Sports unternommen haben...dann gab es nach einem weinseeligen Abend irgendwann einen Bruch, er hatte mir von seiner Vergangenheit erzählt, mit wirklich dramatischem Gepäck und hat sich dann im nüchteren Zustand dafür geschämt und hat erstmal die Flucht angetreten, ich hab zunächst gedacht er hat mir das erzählt um mich los zuwerden (jaja Frauen) und es hat dann lange gedauert bis wir uns wieder angenähert haben...tja und schwups war ein Jahr rum...aber es hat sich gelohnt
Also Kennenlernen ist immer wieder anders, für mich gibt es da keine zeitlichen Limits, bzw. es muss doch jeder selbst entscheiden, wieviel Raum und Zeit er einem anderen Menschen geben möchte und wenn es dann passt...
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19.06.2012, 08:11
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Die Kunst ist, "normale" Männer ohne gravierende Störung attraktiv zu finden, glaube ich.

Und das ist gar nicht so einfach, wie es klingt.
Gerade mit den Erfahrungen, die Du gemacht hast.
Denn:
Aufpassen!!
Ich find's super, dass Du die Muster und Gründe reflektierst, nachdenkst, Strukturen in Frage stellst, ....dazu gehört Mut und Stärke.
Aber:
Kann eine Aufarbeitung auf rein gedanklicher Ebene tatsächlich Wirkung für mein "echtes" Leben zeigen?
V e r h a l t e n und - wichtiger: Gefühle (!) ändern?
Und sei sie noch so gründlich, die Aufarbeitung?
Schwierig!
Ich hab mir ewig Männer ausgesucht, die von einem - aus meiner damaligen Perspektive -"mysthischen Zauber" umweht waren. Was aus heutiger Sicht, nicht weniger als der Tatsache geschuldet war, dass es sich dabei um Männer handelte, die (aus welchen Gründen auch immer..) emotional nicht zugänglich waren.
Für die ich wahnsinnigen Einsatz bringen musste.
An denen ich mich abarbeiten konnte.
Die hab ich erkannt über 1000000000e Kilometer hinweg.
Und mich davon anziehen lassen wie ein Magnet.
...........
Im Lauf der Jahre ist mir - durch Therapien, eigene Krankheiten, Gespräche mit Kollegen, durch weiß der Teufel was, sooooo viel klar geworden.
Ehrlich klar!!
Schmerzhaft, logisch, nachvollziehbar, es war die reine Befreiung.
Gedanklich.
Und hat meine Reaktion auf solche Männer (kaum) verändert.

Die fand ich nach wie vor vielvielvielviel reizvoller, als die, die gesünder und "gut" (für mich) gewesen wären.
Trotz mittlerweile besseren Wissens.
Also hab ich irgendwann den Rat einer guten Freundin beherzigt, und angefangen, sozusagen am Objekt zu üben.
Sprich: mich auch mit Männern getroffen, die ich auf den ersten Blick nicht absolut knall-auf-Fall-Kawusch-mäßig-mysthisch-superinteressant fand.
Sondern nett und relativ neutral.
Hab mich dabei beobachtet.
Gespielt.
Meine Emotionen ernst genommen.
Neuen Verhaltensmustern Platz gemacht.
Und so meinen jetzigen Mann kennengelernt.
Den ich heute noch anstaune (heimlich), weil er einfach so gesund und wunderbar ist!
Unser Kennenlernen dauert jetzt bereits 1 1/2 Jahre.
Langer Rede: probier Dich aus und sei offen!!
Auch für Männer, die Dich vielleicht - auf den ersten Blick - nicht sofort umhauen.
Gib den gedanklichen Veränderungen, die Du Dir erarbeitet hast, den nötigen Raum, in Deinem Leben anzukommen.
Und: verlier nicht den Glauben an Dich, das finde ich auch wichtig!
Du verdienst den besten Mann der Welt!!!
Viele Grüße
flirtingwithdiasterWir sehen die Dinge nicht, wie sie sind.
Wir sehen sie so, wie wir sind.
(A. Nin)
Keep Kissing
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19.06.2012, 08:43
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Hallo ihr beide,
vielen Dank für Eure tollen Post. Ich erkenne mich in sehr vielen Dingen wieder. Ich stimme Euch zu, dass Wissen nicht vor erneuten Fehltritten schützt. Denn ich hatte ja bei insgesamt drei gestörten Männer zwei Rückfälle trotz Aufarbeitung! Danach hatte ich erstmal die Schnautze voll von Männern und habe mir gesagt, dass ich lieber alleine lebe als nochmal in solch einer destruktiven Beziehung zu leben.
Ich war von denen immer von Anfang an Begeistert und die haben mir auch gleich extrems Ihre Begeisterung gezeigt. Ein sogenanntes Strohfeuer. Tja und nach längerer Zeit als "bewußter" Single treffe ich jetzt durch Zufall einen ganz anderen Typus von Mann. Jemand der mich nicht komplett aus den Schuhen haut.
Früher hätte ich so einen Mann nicht näher kennengelernt. Die Eckdaten stimmten einfach nicht mit meinen Muster. Nun ist bei diesem Mann eine ganze Menge anders als bei den anderen. Es ist nicht das große Feuer. Er ist ruhiger und wirkt so "ruhend". Er ist nett und tastet sich vorsichtig an. Und ich frage mich jetzt sofort: WO IST DENN DA SCHON WIEDER DER HAKEN? Bin halt misstrauisch. Kennt ihr das?
Aber da man ja nur durch Praxis langfristig Dinge verändern kann habe ich eben mal entgegen meiner bisherigen Gewohnheit meine Komfortzone verlassen und ihm von mir aus geschrieben. Für mich ist so ein Verhalten einfach Neuland. Natürlich kann ich sich auch hinter diesem Mann etwas ungesundes verbergen was ich aber bitte nicht hoffe *beten* Dann gehe ich ins Kloster
Wir sind jetzt für Samstag wieder zum Sport verabredet. Bis dato keine SMS von ihm wie bei den anderen Männern. Jetzt muss ich mal schauen ob es daran liegt, dass er nicht von mir begeistert ist oder einfach seine Art ist. Auf jeden Fall ist es mal eine neue Erfahrung für mich.Männer die wollen finden Wege!
Männer die nicht wollen Gründe!
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19.06.2012, 08:46
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Männer die wollen finden Wege!
Männer die nicht wollen Gründe!
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19.06.2012, 09:17
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Ihr Lieben,
die Formulierung "Dass man auch versucht sich außerhalb des Bettes kennen zu lernen." finde ich irgendwie amüsant, sorry. Ist aber zeittypisch und lässt sich ja tatsächlich auch argumentieren, etwa: Wenn's im Bett nicht stimmt, nützt alles nichts - bei den heutigen Erwartungen an eine Partnerschaft. Warum also erst lange damit warten und rumhirnen?
Sicher war das - nüchtern betrachtet - extrem unfaire Macht- und Konkurrenzgehabe der Kirchen (oder etwa nur der Kirchenoberen?) um die Unio Mystica kein frei und glücklich machender Leitfaden (nach heutigem und "kurz" vor heutigem Empfinden!), schon garnicht inklusive der "historisch" damit verbundenen männlichen Dominanz und weiblichen Unterordnung und Duldung, aber die männliche Dominanz kommt derzeit noch zu oft durch die Hintertür angeblicher Biologie, Psychologie (Natürlichkeit?) und "normaler Verhaltensweisen". Und - ich weiß: ganz frech von mir - durch die weit offene Scheunentür nahezu allzeitiger Verfügbarkeit Dank kleiner Pillen, die mittlerweile ja auch die Männer trifft (und sicher auch nicht immer unproblematisch).
Das ist ebenso lächerlich und eigentlich auch nur eine Ersatzreligion - quasi die der "normativen Kraft des Faktischen", auch nur je nach Gusto und gerade anliegendem, oft eher "eingeimpften" Erlebnisbedarf zusammenkonfabuliert (mit dieser Verdopplung möchte ich das künstlich Konstruierte daran betonen - schon wieder doppelt
). Jedenfalls hat es mit selbstbestimmter Gestaltung von Sexualität und Liebe ebenso faktisch immer noch nicht genug zu tun - statt Kirche eben Kommerz, der Mensch braucht wohl aus Bequemlichkeit seine mehr oder weniger trivialen Mythen.
Früher hieß es (und heute wird das immer noch behauptet und geglaubt!): "Erfüllende Liebe, Erotik und Sexualität kann man nicht kaufen." Tja - dann wird halt einfach umdefiniert, was das ist, und die Menschen daran gewöhnt. Geradezu schon werden sie darauf geprägt. Die Veränderung so vieler Lebensmittel zu Nahrungsmitteln mag uns ja auch praktisch erscheinen - in Wirklichkeit ist sie noch viel praktischer für Industrie und Handel...
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Also - wenn Ihr mögt, als Diskussionsanstoß - worauf könnte man (zumindest potenziell) etwas selbstbestimmter abfahren? Meines Erachtens auf die Offenheit für Veränderungen und Kreativität. Wenn die Passung denn schon unbedingt hurtigst vermittels Sex abgecheckt werden muss: Wie wär's mit etwas Ausgefallenerem? "Hast Du schon mal eine Frau mittels endloser Ölmassagen zum Abheben gebracht? Kennst Du Tantra? Was fällt Dir zu BDSM, Fetischen und Rollenspielen ein?" (Nur als Beispiele)
Bei vielen dürfte da schon verbal nicht viel kommen, von Bereitschaft zu aktiver Neugierde ganz zu schweigen. Will sagen: Wenn schon Stresstests, dann richtig und an den richtigen, bekannten und potenziellen Schwachstellen. Und an denen, die einem selbst wichtig sind - ganz rational eingefädelt und nicht direkt im "richtigen Leben". Wer würde irgendwelche Pilze essen, von denen er keine Ahnung hat? Sammeln ist ja ok, wenn die Gelegenheit sich bietet. Aber dann guckt man zumindest in ein Bestimmungsbuch und kaut auch nicht einfach einen durch, um "ganz sicher" zu sein, bevor man sich schon die Mühe macht, sie zu kochen...
Außerdem: Kein Mensch bleibt, wie er ist und wenn doch....??? Gerade beim Sex haben viele dann ein Problem. Es gelüstet nach Neuem. Und komischerweise ist das dann doch wieder nur das Alte, ein wenig aufgefrischt, oft nur - im wahren Sinne - recht oberflächlich...
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Also - ich verstünde unter "normalem Kennenlernen" einen mutigen bis (langsam) gewagteren Austausch von inneren Befindlichkeiten, besonders von - wieder im Wortsinn - wesentlichen. Körperflüssigkeiten und Eindringlichkeiten gehören bei mir weniger dazu, als viele Berührungspunkte und Beweglichkeit, Berührung und Bewegung, Berührtheit und Bewegtheit... Ja, definitiv: Wir müssen wohl die Liebe neu erfinden. Vielleicht sogar jedes Mal?
Und selbst, wenn "es" dann "passiert" und doch nicht auf Dauer zu passen scheint, erscheint mir das (v)erträglicher: Man hat sich halt zu weit vorgewagt, sei es auch aus Hoffnung oder Bedürftigkeit. Vielleicht auch tatsächlich noch zu schnell oder auch zu langsam...
Aber man kann wenigstens davon ausgehen: Nicht aus Falschheit und reiner Egomanie. Trauer aus Ent-Täuschung ist immer noch besser zu verarbeiten und letztlich "entwickelt" man sich daran, als Wut wegen Täuschung - aus der sich eher "etwas" entwickelt...
Komisch, wie sehr wir heute unser Potenzial an Fakten festzumachen und abzustimmen suchen und nicht an der Möglichkeit und Fähigkeit zu Veränderungen. Und wie wir den Fakten, wenn sie bei uns nicht zu stimmen scheinen, durch Normen und normative "Therapien" hinterherzulaufen trachten. Dabei behandeln wir oft genug das Falsche und die Falschen.
Wie wär's stattdessen mit normalem Kennenlernen als "Komm' her und versuche, mich zu ändern..."?
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Sorry, vielleicht nicht ganz im Zusammenhang des Threads, aber mir war grad' mal so danach...
Und, ganz ehrlich: Warten wir nicht eigentlich genau darauf und wollen wir nicht genau das? Nur meist irgendwie falsch, in jedem (!) Sinne von "anpassen" und auch gleich zu schnell und zu viel?Geändert von Cygnus (19.06.2012 um 09:22 Uhr)
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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19.06.2012, 12:15
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Mit zunehmendem Alter bestehe ich ebenfalls auf eine längere Kennenlernphase.
Treffen, quatschen, telefonieren...da läuft erstmal nichts.
Wie ich bereits bei meiner Freundin geschrieben habe gibt es viele Männer, die nur das Eine wollen und versuchen, die Frau schnell mit Ideen wie "Zusammen einen Film schauen" ins Bett zu bekommen. Auf sowas habe ich keine Lust. Man merkt schon, wer interessiert ist und am Ball bleibt und wer nich
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19.06.2012, 14:16
AW: Was versteht ihr unter normalen kennenlernen?
Ein normales Kennenlernen würde ich als klar und möglichst konfliktfrei bezeichnen.
Man stellt ja ziemlich schnell fest, ob man jemanden überhaupt näher kennenlernen möchte.
Wenn es über ein erstes oder zweites Treffen nicht hinausgeht, dann hat einer von beiden nicht genügend Interesse am Kennenlernen. Da kann sich der andere auf den Kopf stellen, es wird nichts draus.
Das sind klare Verhältnisse, obwohl sie sich manchmal für denjenigen mit dem größeren Interesse nicht klar darstellen. Er sucht immer noch nach Hoffnungsfitzelchen, dass es noch weitergehen könnte. Aber irgendwann muss er es wohl kapieren, wenn der andere konsequent dabei bleibt, nicht weitergehen zu wollen.
Problematisch sind Kennenlernen, die mit vielen Rückzügen und Konflikten verbunden sind.
Bevor die Beteiligten sich überhaupt wirklich näher gekommen sind, wird da von einer oder auch zwei Seiten schon widersprüchlich agiert und so ständig wieder Distanz geschaffen:
Es werden gezielt Erwartungen geweckt, aber keineswegs eingelöst, es wird Nähe vorgegeben, die sich plötzlich von einem Tag zum anderen in Luft auflöst, es werden "Komm her-geh weg"-Spielchen gespielt, es wird rumgeeiert, es werden Verabredungen getroffen, die ständig wieder kurzfristig abgesagt werden etc. Einer nicht mit Sicherheit nicht, woran er ist, und der andere weiß vielleicht nicht, was er will, oder er manipuliert bewußt.
Es geht nicht vorwärts, weil der Prozess des Sich-näher-kommens, der Entwicklung einer verbindlichen, vertrauensvollen Intimität immer wieder durch Querschläger gestört wird.
Auch wenn man beim Kennenlernen merkt, dass es nicht passt, dass nur Konflikte entstehen, weil man zu wenig Gemeinsamkeiten hat, auch bei den Wertvorstellungen (Lass ich jemanden ohne Nachricht hängen, darf ich noch andere potentielle Partner treffen, ist es okay, wenn ich als gebundener Mensch in einer SB rumsuche etc.), dann ist oft es besser, das einzusehen anstatt krampfhaft an diesem Kontakt festzuhalten, weil man meint, unbedingt diesen Menschen als Partner/Partnerin krallen zu müssen. Letzteres geschieht bei Frauen oft aus Torschlusspanik.
Wenn ich merke, dass ein Mann sexsüchtig ist oder mich anlügt, dann wird ziemlich schnell klar, dass der nicht zu mir passt. Den muss ich also nicht auf Teufel komm raus näher kennenlernen, sondern von dem verabschiede ich mich dann wieder. Denn es kann ja dann eigentlich nur besser werden.
Es sind ziemlich viele Menschen auf dem Partnermarkt, die keine Skrupel haben, wenn es um ihre Bedürfniserfüllungsmaximierung geht. Es ist ihnen dabei völlig egal, wen sie anlügen müssen - Hauptsache, sie kriegen das, was sie wollen, so problemlos wie möglich.
Problematisch finde ich auch Menschen, die gleich von Null auf 100 aufdrehen. So schnell sie sich für einen anderen Menschen begeistern, so schnell verfliegt diese Begeisterung oft auch wieder, wenn der andere nur irgendeinen "Fehler" macht. Er wird dann abserviert - und versteht die Welt nicht mehr. Auf die anfängliche Begeisterung kann man sich also keineswegs verlassen.
@ cygnusDas letztere Argument ist nicht stichhaltig. Denn erstens kann man die Sinnlichkeit eines Menschen erfahren, ohne gleich das volle sexuelle Programm mit ihm durchlaufen zu müssen. Es reicht schon, zu sehen, wie jemand küsst oder streichelt. Zweitens müssen sich Sexpartner immer erst aneinander gewöhnen, und die Bereitschaft dazu nimmt zu, wenn man einen Menschen näher kennt. Kennt man ihn kaum, ist man schneller bereit, ihn wegen einer sexuellen Panne wieder fallen zu lassen. Jedes Paar entwickelt eine eigene Sexualität, und dafür muss man Raum lassen. Dazu sind aber viele nicht mehr bereit. Sie konsumieren Sex mit Menschen nach dem Prinzip "Ex & Hopp".die Formulierung "Dass man auch versucht sich außerhalb des Bettes kennen zu lernen." finde ich irgendwie amüsant, sorry. Ist aber zeittypisch und lässt sich ja tatsächlich auch argumentieren, etwa: Wenn's im Bett nicht stimmt, nützt alles nichts - bei den heutigen Erwartungen an eine Partnerschaft. Warum also erst lange damit warten und rumhirnen?Geändert von Latona (19.06.2012 um 14:29 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!


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