Ich bin aufgeregt bis unter die Haarspitzen.
Obwohl ich es eigentlich nicht sein sollte.
Ich treffe am Wochenende jemanden, der mir näher ist als viele Menschen, denen ich täglich begegne. Einen Ausnahmemenschen in jeder Hinsicht, mit dem ich Wichtiges teile, der mich versteht und den ich verstehe. Nicht immer in der Aussage, aber in der Art zu Denken und zu Fühlen. Zu dem es eine besondere Art von Verbindung gibt, die wir beide fühlen, aber nicht benennen können. Wir lernten uns online kennen vor über sieben Jahren. Wir mochten uns, die Telefonleitung glühte ... aber wir standen beide zu dem Zeitpunkt wirtschaftlich so schlecht da, dass eine Entfernungsgeschichte uns den Hals gebrochen hätte. Kein Treffen also, aber die Verbindung riss nie ab. Unabhängig von räumlicher Entfernung und zwischenzeitlichen Beziehungen sind wir Freunde. Und nun ist da plötzlich wieder dieser Reiz, den wir beide fast vergessen hatten, Neugierde und Sehnsucht. Wir werden uns sehen ... und ich bin furchtbar nervös deswegen.
Kennt jemand das Gefühl, seinen "Seelenverwandten" zu treffen?
(Angesichts unserer langen Verbindung erlaube ich mir, es jetzt einfach mal so zu nennen)
P.S. Bevor DIESE Frage kommt: wir sind beide Singles.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 33
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28.03.2012, 10:17
Soulmate oder das verflixte 7. Jahr
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28.03.2012, 11:17
AW: Soulmate oder das verflixte 7. Jahr
Ja, ich!!! Ist schon ein paar Jahre her, aber eine der zauberhaftesten "Romanzen", die ich in meinem Leben hatte.
"Kennengelernt" haben wir uns am Telefon, ich hatte etwas bestellt, das nicht ankam, und weil ich kurz vorm Umzug ins Ausland war, habe ich bei diesem Versand-Dingens angerufen (Internet war da noch nicht erfunden) und traf auf diese unglaublich nette und hilfsbereite Aushilfskraft (auch das Wort "Call Center Agent" war damals noch nicht erfunden)... Der ich natürlich meine Adresse im Ausland gegeben habe, damit mir das Teil halt dahin geliefert werden konnte.
Das hat auch geklappt - mit einem netten, persönlichen, kurzen Gruß von ihm. Daraus entspann sich dann eine - für uns beide ziemlich besondere - Brieffreundschaft. Nach ein paar Jahren (sechs, um genau zu sein) bin ich zurück nach Deutschland gekommen (allerdings in eine Stadt, die von seiner fast soweit entfernt ist wie Flensburg von Oberammergau). Inzwischen war das Internet erfunden worden, und wir haben unsere "Brieffreundschaft" in eine "e-Mail-Freundschaft" umgewandelt.
Die ist ziemlich bald ziemlich ausgeartet...Statt ein Brief pro Woche waren es dann mehere (seitenlange) e-Mails pro Tag (!). Und in den Nächten haben wir telefoniert. Stundenlang. Es war der helle Wahnsinn, so eine "Verbindung" zu jemandem hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Er ist (immer noch) der einzige Mensch, der nahezu ALLES von mir weiß, Sachen, die ich nie vorher und nie nachher jemandem erzählt habe (und umgekehrt genauso).
Das ging ein paar Monate so, bis es nicht mehr zum Aushalten war (wir sind kaum noch dazu gekommen, unsere Arbeit zu machen... und das - für mich - am Anfang in einer neuen Stadt in der Probezeit....) und wir uns einfach sehen mussten. Als es feststand, dass er zu mir kommen würde (Flug gebucht und alles), war ich in einem Zustand... Das war schon nicht mehr feierlich, echt nicht. Kaum noch zurechnungsfähig, "aufgeregt bis unter die Haarspitzen" wäre maßlos untertrieben gewesen.
Tja. Es wurde eine zauberhafte Woche. Trotzdem war dieses absolut irre gegenseitige Verständnis, diese "Verbindung" zwischen uns irgendwie viel weniger spürbar, als wir uns live und in Farbe gegenüberstanden. Es war halt doch eine ganze Menge Projektion dabei, die der Realtität einfach nicht standgehalten hat .
Zwar haben wir uns auch sehr gut verstanden und fanden uns gegenseitig auch sehr attraktiv, aber mehr als ein bisschen Knutschen und Händchen halten ist nicht gelaufen. Nach der Woche hatten wir weiterhin Kontakt, aber längst nicht mehr so intensiv wie davor (eher wieder so ein- bis zweimal pro Woche). Wiedergesehen haben wir uns seitdem nicht mehr. Inzwischen sind wir bei sporadischen e-Mails zum Geburtstag und zu Weihnachten.
Alle Jubeljahre mal lese ich seine Briefe und e-Mails (ja, ich habe sie alle ausgedruckt. Es ist ein ziemlich großer Karton voll....). Und ich freue mich immer noch, dass ich diese Geschichte erleben durfte. Es war so eine besondere Zeit... die ich um nichts in der Welt missen wollen würde. "Gut gegen Nordwind" ist ein Witz dagegen... (kennste das? Lies das mal, das schaffst Du bis zum Wochenende, das geht wirklich schnell).
Ach ja....!!! Also, ich weiß wirklich ungefähr genau, wie Du Dich fühlst und wünsch Dir alles alles Gute! Und bitte erzähl, wie es gelaufen ist, ja?
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28.03.2012, 11:37
AW: Soulmate oder das verflixte 7. Jahr
Na, vor allem wünsche ich Euch dazu viel Glück!
Verblüffend intensive Seelenverwandschaften über's Internet kenne ich auch, aber ich war schon "stolz" auf fast zwei Jahre Dauer bei der tiefsten (dabei hatte ich so eine Art Mentor-Rolle). Es gibt auch längere, aber die Kontakte sind nach einem intensiven Austausch halt eher sporadische geworden und mehr vom "Jeder denkt mal wieder an den anderen"-Typ. Man hatte sich gegenseitig stark reflektiert und die Horizonte erweitert, tatsächlich freundschaftliche Gefühle entwickelt oder sich sogar mehr gemocht, aber irgendwann hätte das dann in einer Realität landen müssen, um wirklich Bestand zu haben.
Dagegen sprach jeweils die persönliche Situation oder eben auch die Entfernung, oder man hatte vorher schon abgesprochen, diese Grenze nicht überschreiten zu wollen, mit Erklärung oder auch ohne es überhaupt erklären zu müssen (m. E. war das meist die entscheidende "vertrauensbildende Maßnahme" - sich nie irgendwie zu bedrängen).
Diese "Seelenverbindungen" hatten aber alle einen speziellen erotischen Aufhänger, was nun nicht heißt, dass die entstandene "VR-Beziehung" nur von dem Thema lebte - in den wenigsten Fällen entstand darüber ein erotisches Knistern. Es bahnte teils nur den Einstieg in ein, sagen wir, "intimeres" Vertrauen, als man sich das gemeinhin mit wildfremden Menschen selbst pseudonym in so kurzer Zeit vorstellen kann (jedenfalls ging es mir so).
Der Einstieg war allerdings jeweils gegeben durch eine thematisch ziemlich genau definierte Community, in der man halt auch ohnehin mehr oder weniger regelmäßig etwas voneinander erfuhr - der intensivst erotische Austausch (das Mentoring) fand aber ganz schnell nur noch per Mail statt und war, zumindest von meiner Seite aus, dann auch exklusiv - was vielleicht mit ein Grund für das Gefühl der Seelenverwandschaft war.
Wir haben uns die Bälle aber auch sowas von passend zugespielt - wie Anima und Animus. Unter anderen Voraussetzungen hätte das eigentlich ein kosmisches Feuerwerk mit Musik geben müssen...
Das möchte ich Euch nun also wünschen - wenn's denn beiderseitig beliebt...
Alles Gute!
Cygnus
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P.S.: Den von Tentakel beschriebenen "Realitäts-Effekt" kenne ich auch, allerdings glaube ich, das betreffende Mädel hatte sich doch irgendwelche vagen Hoffnungen gemacht, obwohl wir beide zu der Zeit fest verpartnert waren. Sie und ich waren uns aber wohl beide irgendwie über den Panik-Charakter ihrer Beziehung klar - nur hatte ich nicht mit einem "Last Exit"-Versuch gerechnet und hätte selbst dann den Schnabel gehalten, zumal sie ihrem (dann sehr bald Ex-) Lover doch gerade hinterherzog...
Das oben schon erwähnte (zuletzt dann eher gegenseitige) Mentoring habe ich vor Kurzem sozusagen für mich wiederentdeckt. Daraus sollte ich eigentlich einen Roman machen - "angedroht" habe ich damals (und bekam es auch ausdrücklich erlaubt), ein psychologisches Sachbuch oder einen Ratgeber damit anzureichern. Am Anfang habe ich nämlich öfter mal mit der umgekehrten Möglichkeit kokettiert, ich würde meine Mails schlußendlich wohl in einer Facharbeit oder Dissertation zitiert wiederfinden. So geradezu intentional erschien mir manchmal unser Ping-Pong...Geändert von Cygnus (28.03.2012 um 11:50 Uhr)
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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28.03.2012, 11:59
AW: Soulmate oder das verflixte 7. Jahr
@wie schön, Tentakel! Den Nordwind und auch die Wellen kenne ich ... und ja ... deine Geschichte ist MINDESTENS ebenso schön. Und in der Tat ist mein grösster "Aufreger" die Projektion. Da sind sogar zwei bis drei unterschiedliche Bilder von ihm in meinem Kopf. Eines, das nur auf Stimme und einem sehr alten Bild basiert, eines auf der Basis von Bildern aus jüngerer Vergangenheit und eine Mischung aus alten und neuen Eindrücken. Unsere Kommunikation lief in Wellen ... abhängig von unseren jeweiligen Partnerschaften natürlich auch. So intensiv wie jetzt war es aber selbst am Anfang nicht.
@Cygnus ... ja, einen sinnlichen Aufhänger hat diese Verbindung auch ... zwischendurch war der aber mal sehr in den Hintergrund gerückt. Ich bin sehr, sehr, sehr gespannt.
Wie geht man in den ersten fünf Minuten mit jemandem um, der emotional fast näher ist als ein Partner???
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28.03.2012, 12:24Inaktiver User
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28.03.2012, 12:46
AW: Soulmate oder das verflixte 7. Jahr
Richtig, @Loop ... noch nie.
Damals nicht, weil wir nicht mit den möglichen Konsequenzen umgehen konnten.
Dann, weil wir beide in Beziehungen waren.
Und jetzt gebe ich hier den Spät-Teenager
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28.03.2012, 12:49Inaktiver User
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28.03.2012, 13:48
AW: Soulmate oder das verflixte 7. Jahr
Ich sehe es nicht ganz so melancholisch, wie Loop.
Es muss definitiv beides geben: Menschen, deren tatsächliche Ausstrahlung sich sowas von echt in ihren Äußerungen wiederfindet, dass es ziemlich direkt schnackelt (so Professor Roth keine Einwände hat
und man es zulässt) - und andere, die einem alter ego (Wunschbild) nur hinterherhecheln, ohne es je wirklich zu erreichen. Natürlich (?) auch die Täuscher und Blender - aber die halten bestimmt keine 7 Jahre durch, ohne aufzufliegen. (Eher hätten sie sich in den sieben Jahren tatsächlich in die richtige Richtung entwickelt...)
Meine damalige "Mentee" stellte sich öfters vor, sie wolle eine solche erste reale Begegnung mit verbundenen Augen exakt wie in der Phantasie realisieren, um die verbindende Erotik ohne Angst vor optischen Irritationen erleben und "mächtig" wirken lassen zu können.
Da wäre in unserem speziellen Kosmos tatsächlich sehr viel dran gewesen: Konzentration durch Reduzierung (wenn nicht gar zu krasse No-Gos existieren). Schließlich ist die menschliche "Vorliebe-Optik" fast allein eine Frage von ständigen Wiederholungen, Dauerkonfrontationen und Gewohnheiten, irrtümlich oder eher mit Täuschungsabsicht "Zeit-Geschmack" genannt.
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Wenn man sich schon so lange "kennt", sogar schon Fotos und Stimmen ausgetauscht hat (und wahrscheinlich ein paar Daten mehr), so dass es überhaupt passen könnte, kann ich mir eigentlich nur einen Weg als optimal vorstellen:
Ein schöner Ort im Freien, einer nähert sich dem anderen verabredet von hinten (Ziel: möglichst wenig Zeit zum vorherigen, gegenseitigen Abchecken), man begrüßt sich ganz kurz mit Wangenkuss und umarmt sich dann lange, wie (emotional) ganz Vertraute, die sich schon Jahre nicht mehr sehen konnten. Entweder, man hält das sehr lange und hoffentlich recht bewegt aus, eher schweigend als redend, oder man muss sich relativ schnell wieder voneinander lösen.
Das klappt ganz "automatisch", solange nicht einer in einer quasi verzweifelten oder sonstwie realitätsverleugnenden Situation ist (Selbstkonfabulation). Von besagtem Mädel habe ich gelernt, dass man manche Dinge einfach - ggf. eben auch gemeinsam - inszenieren sollte, wenn man einen Erfolg bzw. eine - möglichst bestimmte - Entscheidung herbeiführen möchte.
Wenn man sich dagegen erst lange im Cafe oder ähnlich gegenübersitzt und Erwartungen zu interpretieren und zu erfüllen versucht, ist es womöglich vorbei, bevor es richtig angefangen hat. An sich ist die sprachliche Ebene ja auch wahrlich lange genug "bedient" worden - als gäbe es da noch groß etwas zu bereden...
Wie gesagt: Viel Glück - aber man muss es auch zulassen.
Sich zu wagen heißt, auch einen möglichen Verlust zu wagen! Da braucht man nichts groß aufzuschieben...
Cygnus
P.S.: Ich meine jetzt damit nicht, dass man gleich ins Heu hüpfen müsste...
Geändert von Cygnus (28.03.2012 um 13:53 Uhr)
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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28.03.2012, 13:49Inaktiver User
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28.03.2012, 13:52Inaktiver User


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